5 herrlich-absurde Beispiele für esoterische Programmiersprachen

C++, Java und PHP sind Programmiersprachen, die sicher schon viele gehört haben. Sie sind komplex, folgen aber vor allem logischen Abläufen, die sich über die letzten Jahrzehnte etabliert haben. Moderne Programmiersprachen unterscheiden sich somit nur unwesentlich voneinander.

Es gibt aber auch Programmiersprachen, die ganz bewusst mit den bekannten Strukturen brechen. Diese sogenannten „Esoterischen Programmiersprachen“ sind in der Regel nicht wirklich ernstgemeinte Experimente und Spielereien, die trotzdem den funktionalen Zweck einer Programmierung erfüllen. Nur der Code sieht meistens deutlich interessanter aus.

Vorhang auf für fünf dieser wirklich außergewöhnlichen Programmiersprachen.

Piet – Wenn Programmierung zur Kunst wird

Nach dem Pionier für geometrisch-abstrakte Kunst Piet Mondrian benannt, folgt Piet einem sehr bildlichen Ansatz. Dahinter verbirgt sich allerdings eine komplexe Logik, die aus Farben und ihrer Helligkeit intern unterschiedliche Schritte ausführt. Auch die Größe der Farbfelder kann entscheidend für den Programmablauf sein. Programme zu entwickeln, die trotzdem gut aussehen, wird somit tatsächlich zur hohen Kunst.

Das Bild zeigt ein Programm, das am Ende den Text „Hello World“ ausgibt – solche Programme werden gerne als Einstieg in eine Programmiersprache genommen. Weitere Beispielprogramme findet ihr auf der Internetseite des Schöpfers David Morgan-Mar.

Dieses Piet-Programm gibt den Text „Hello World“ aus.

Chef – Programmieren nach Rezept

Richtig schmackhaft sind die Programme der Programmiersprache Chef, also dem Chefkoch. Wie der Name es schon vermuten lässt, werden die Programme zubereitet. Auch diese Sprache wurde von David Morgan-Mar erschaffen.

Ein Beispiel-Rezept für ein „Hello World“-Programm findet ihr auf der Internetseite von Morgan-Mar. Aufgeteilt wird der Programmiercode in eine Zutatenliste, der Zubereitung, sowie das Servieren.

Die Zutatenliste steht für Variablen, Werte mit denen das Programm später arbeiten soll. Die Mengenangabe bestimmt hier den Wert dieser Variablen, die Maßeinheit die Art dieses Wertes. In diesem Programm steht hinter jeder Zutat ein Buchstabe von „Hello World“.

Der Method-Block beschreibt schließlich, was mit den Zutaten gemacht werden soll. Auch hier gibt es Signalwörter, die dem Interpreter der Sprache sagen, was programmatisch zu tun ist. In diesem Fall werden die Buchstaben in Form der Zutaten zusammengefügt. Das anschließende Servieren gibt schließlich den Text aus.

Shakespeare Programming Language

Die von Karl Hasselström und Jon Aslund entwickelte „Shakespeare Programming Language“ lässt den Programmiercode ähnlich wie Chef ganz anders aussehen. Der Code erscheint in Form eines Theaterskripts, wie es vom bekannten Dramatiker William Shakespeare hätte stammen können.

Auch für diese Sprache gibt es natürlich auch ein Beispiel in Form eines Hello-World-Programms. Wie jedes gute Theaterstück, beginnt es mit einer Dramatis Personalis, in der die Charaktere des Stückes vorgestellt werden. Das entspricht der Zutatenliste von Chef. Was beim Kochen die Zubereitung war, findet in der Shakespear Programming Language in Form von Dialogen in mehreren Szenen statt. Die Wortwahl ist leicht altertümlich und reich an bildhaften Beschreibungen. Niemand würde auf den ersten Blick denken, einen Programmcode vor sich zu haben.

Ook! – Damit es auch Affen verstehen

Kennt ihr die Scheibenwelt-Romane von Terry Pratchett? In den Fantasybüchern gibt es an der „Unsichtbaren Universität“ einen Bibliothekar, der aufgrund eines mächtigen Zaubers in einen Orang-Utan verwandelt wurde. Entsprechend limitierten sich fortan seine sprachlichen Fähigkeiten auf „Iiek“ und „Ook“-Laute.

Dass man damit trotzdem wunderbar kommunizieren kann, zeigt die Programmiersprache „Ook!“, die genau an diesen Bibliothekar angelehnt ist. Auch sie entstammt wieder David Morgan-Mar. Laut Wikipedia gab es fürs Design der Sprache drei Kriterien:

  • Eine Programmiersprache sollte schreib- und lesbar für Orang-Utans sein.
  • Die Syntax sollte einfach sein, leicht zu merken und das Wort Monkey (Affe) vermeiden – Der Bibliothekar hasste es als „Affe“ bezeichnet zu werden.
  • Bananen sind gut.

Whitespace – Nicht zum Ausdrucken geeignet

Das letzte Kuriosum dieser Liste ist die Programmiersprache Whitespace. Die 2002 von Edwin Brady und Chris Morris entwickelte Programmiersprache nutzt unsichtbare Zeichen. Der komplette Programmcode wird mit Leerzeichen, Tabulatoren und Zeilenumbrüchen geschrieben.

Whitespace lässt sich gut als geheime Programmiersprache verwenden, da sich der Code in fehlleitenden Texten verstecken kann. Gelesen werden schließlich nur die unsichtbaren Zeichen, nicht aber die sichtbaren.

Das Ausdrucken eines Whitespace-Programmcodes spart zwar Tinte, ist aber trotzdem ziemliche Papierverschwendung.


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Stefan Reismann

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, entdeckte dann aber vor allem die inhaltliche Seite für sich. Nun schreibt er für die Netzpiloten und betreibt nebenher einen Let's Play-Kanal, auf dem reichlich gedaddelt wird.


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