Domino‘s X Gönrgy – Gewinnspiel-Eklat durch Investigativ-Video

So war das sicherlich nicht gedacht. Pizza-Lieferdienst Domino‘s bricht ein sehr schlecht gelaufenes Gewinnspiel ab und wird dabei von einem YouTuber knallhart erwischt. Während Kooperationspartner Gönrgy zuerst reagiert, fliegt Domino‘s der Gewinnspiel-Eklat als Shitstorm um die Ohren. Der Lieferdient lenkt schließlich doch ein und macht alle Teilnehmer zu Gewinnern.

Wir geben euch einen überblick, was eigentlich vorgefallen ist, wer das ganze aufgedeckt hat und was die bisherigen Folgen sind. Außerdem hat auch ein bekannter Medienanwalt diesen Fall kommentiert: Ist der Abbruch rechtlich in Ordnung oder ein dreister Gewinnspielbetrug?

Das ist beim Domino‘s X Gönrgy–Gewinnspiel passiert

Eigentlich ist die Situation sehr vertraut. Der Pizza-Lieferdienst Domino‘s veranstaltete ein Instagram- & TikTok-Gewinnspiel in Kooperation mit Montana „Monte“ Blacks Energydrink-Marke Gönrgy. Die Teilnahme Bedingungen: Ein Selfie mit einem Monte-Pappaufsteller machen und mit dem Hashtag #dominosxgönrgy posten. Die Pappaufsteller gab es in 40 Domino‘s-Stores. Als Preise lockten ein High-End Gaming-PC, ein PlayStation 5 Zocker-Bundle und ein E-Scooter.

So weit ein ganz übliches Gewinnspiel. Weniger üblich ist, dass von einem Tag auf den anderen fast alle Spuren vom Gewinnspiel verschwinden, ohne dass ein Gewinner gezogen wurde. Das dumme: Zu dem Zeitpunkt war das Gewinnspiel schon Ziel eines Investigativ-Videos des YouTubers Marvin.

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Wenig Teilnahme, verlockende Gewinnchancen

Marvin Windhake ist bekannt für Undercover-Stories und Investigativ-Journalismus auf YouTube. Als er von dem Domini’s X Gönrgy-Gewinnspiel erfuhr, war es für ihn die perfekte Gelegenheit die Korrektheit solcher Gewinnspiele auf den Prüfstand zu stellen. Zu dem Zeitpunkt war der ursprüngliche Zeitraum des Gewinnspiels vorbei, wurde jedoch verlängert. Der Grund dürfte die maue Beteiligung von nur 6 Posts unter dem Hashtag gewesen sein.

Zeit für Marvin sich einzuschalten. Er heuerte direkt seinen Kumpel Dominik an, um auch am Gewinnspiel teilzunehmen. Auch dessen Freund Daniel nahm zudem am Gewinnspiel teil. Als die Verlängerung endete, gab es nun 8 Posts – davon zwei Beiträge für die Netzreportage. Die Gewinnchancen sollten hoch sein.

Gewonnen hat Marvin aber trotzdem nicht – und auch sonst niemand. Das Gewinnspiel wurde aus dem Netz entfernt und lediglich Posts lokaler Filialen konnten nicht ganz die Spuren verwischen. Derweil nahm Marvin sowohl zu Teilnehmern als auch den Unternehmen Kontakt auf. Die Teilnehmer gingen alle leer aus und Domino‘s schwieg auf sämtlichen Kanälen. Social Media, Mails, sogar Mitarbeiter wurden via LinkedIn angeschrieben: Keine Antwort. Gönrgy antwortete als erstes und verwies darauf, dass die Durchführung allein bei Domino‘s lag. Trotzdem agierte der Energydrink-Betrieb clever und versprach die Teilnehmer zu entschädigen, sollte keine zufriedenstellende Lösung zustande kommen.

Als Domino’s endlich antwortete, blieb man sehr nichtssagend. Domino‘s bestätigte, dass man für das Gewinnspiel verantwortlich gewesen sei, es aber aus „berechtigten Gründen“ beendet wurde.

Medien-Anwalt Solmecke in der Analyse

Besonders spannend ist nun auch das Video des bekannten Rechtsanwalts für Medienrecht Christian Solmecke. Dieser reagierte wenig überraschend auf das Video von Marvin und analysierte dieses rechtlich.

Schon zu Beginn findet Solmecke gleich zwei Punkte. Die ungleichen Angaben zum verlängerten Gewinnspiel auf Social Media und der Gewinnspielseite selbst könnten etwa auch als „irreführende Handlung“ gesehen werden. Noch spannender ist jedoch der Verweis auf bindende Versprechen. So ist ein Gewinnspiel zur Auslobung der Preise verpflichtet, wenn es von den Teilnehmern eine Handlung erfolgt. Das ist beim Domino’s X Gönrgy-Gewinnspiel durch das geforderte Selfie der Fall.

Natürlich warf der Anwalt auch einen Blick auf die Teilnahmebedingungen. Dort findet er auch tatsächlich eine interessante Zeile: „Domino’s behält sich vor, das Gewinnspiel jederzeit ohne Angabe von Gründen zu ändern, zu verlängern oder vorzeitig zu beenden.“

Laut Solmecke ist diese Klausel aber für die überwiegende Zahl der Gerichte unwirksam. Dabei bezieht er sich wieder auf die Verpflichtung zu einer Handlung seitens der Teilnehmer.

Auch die Stellungsname von Domino’s befindet der Anwalt als intransparent. Er sieht den Abbruch mit dieser Begründung als illegal. Hier sieht er für Teilnehmer juristisch hohe Chancen, sich eine Entschädigung zu erklagen. Diese würde bei 8 Teilnehmern und einem Preispool im Wert von geschätzten 10.000 Euro immerhin bei über 1.000 Euro liegen.

Spannend ist zudem ein Datenschutzaspekt. So muss Domino‘s die zum Gewinnspiel erhobenen Daten löschen und darf sie nicht für andere Zwecke weitergeben. Außerdem könnten auch Konkurrenten gegen Domino‘s abmahnen.

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Das Nachspiel: Domino’s lenkt ein – zu spät?

Das Video von Marvin blieb nicht ohne Folgen. Die mittlerweile über 1 Million Aufrufe konnte auch Domino’s nicht weg-ghosten. So veröffentlichte der Pizza-Lieferdienst nur wenige Tage später ein offizielles Statement zum Gewinnspiel. In diesem räumt Domino’s ein, Fehler in der Kommunikation und Umsetzung des Gewinnspiels gemacht zu haben.

Als Wiedergutmachung hat Domino’s alle Teilnehmer angeschrieben und sie zu Gewinnern gemacht. Jeder Teilnehmer darf sich nun sogar seinen Wunschpreis aussuchen und bekommt ihn zugeschickt. Der Lieferdienst betont, dass sie daraus lernen wollen, um es künftig besser zu machen.

Die Entschuldigung kommt natürlich deutlich zu spät. Zwischen den Kontaktversuchen von Marvin und der Veröffentlichung seines Videos ist mehr als ein Monat verstrichen. Zeit, in der man längst hätte tätig werden können. Erst als das Thema öffentlich hochgekocht ist, kam die Reaktion darauf. So wirkt die Entschuldigung mehr wie ein „Tut uns Leid, dass ihr uns erwischt habt“. Die Entschädigung wirkt somit auch eher wie eine Aktion, um das eigene Image zu retten.

Das Traurige an der Sache: Mit einem Jahresumsatz im dreistelligen Millionenbereich, hätte es der Marktführer nicht nötig gehabt, das Gewinnspiel bei Preisen im Wert von gut 10.000 Euro überhaupt unter den Teppich zu kehren. Man hätte einfach nur seine Lehren aus der schlechten Vermarktung der Kampagne ziehen können. Zumindest jetzt dürfte die Reichweite der Kampagne die Erwartungen überstiegen haben – doch zu welchem Preis?


Image by Maksim Goncharenok via pexels

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, schreibt nun aber lieber Artikel als Code.


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