Die RAM-Krise: Warum der RAM-Speicher gerade so teuer ist

Lange Zeit galt der Arbeitsspeicher/RAM (Random Access Memory) als eine eher unspektakuläre PC-Komponente. Man upgradete den RAM oft, wenn es spezielle Programme oder besonders RAM-hungrige Spiele (etwa Cities Skylines mit Mods) erforderten. Es ist ein flotter Zwischenspeicher für Daten, auf die Programme immer wieder einen schnelleren Zugriff benötigen als auf der Festplatte. Ein Flaschenhals war es jedoch selten und das Upgrade war unkomplizierter und günstiger als etwa eine neue Grafikkarte. Darum stellt sich die Frage, warum der RAM-Speicher gerade so teuer ist.

Aktuell dominiert der deutlich angestiegene RAM-Preis nämlich die Schlagzeilen. Die treibende Kraft hinter der aktuellen Preisexplosion ist die künstliche Intelligenz. Moderne KI-Modelle trainieren mit enormen Datenmengen, die in Hochgeschwindigkeit verarbeitet werden müssen. Genau dafür ist Arbeitsspeicher entscheidend.

Das hat weitreichende Folgen. Denn der gleiche Speicher, der für KI-Supercomputer benötigt wird, steckt auch in Laptops, Gaming-PCs und Smartphones. Wir erklären, warum diese Krise noch länger andauern könnte und warum ausgerechnet der Otto-Normal-Verbraucher am schlimmsten betroffen ist.

Die Preisexplosion: Zahlen, Fakten und aktuelle Marktdaten

Die aktuellen Preissteigerungen bei Arbeitsspeicher sind kein subjektiver Eindruck – sie lassen sich klar in den Marktdaten ablesen. Nach einem massiven Preisverfall in den Jahren 2022 und 2023 haben Speicherhersteller ihre Produktion gedrosselt. Genau in dem Moment, als die Nachfrage durch den KI-Boom sprunghaft anzog, war das Angebot künstlich verknappt.

Das Ergebnis: Seit Ende 2025 sind die Vertragspreise für DRAM teils um 80 bis 90 Prozent gestiegen. Besonders betroffen sind größere DDR5-Server-Module und spezialisierter KI-Speicher wie High Bandwidth Memory (HBM). In einzelnen Marktsegmenten sprechen Analysten sogar von Preissteigerungen im Bereich von mehreren Hundert Prozent gegenüber dem Tiefpunkt der letzten Speicherkrise.

Der PC-Verbrauchermarkt ist aber ebenso stark betroffen. Wir haben uns exemplarisch einfach mal den Preisverlauf des Corsair VENGEANCELPX32GB (2X 16GB) DDR4 3200(Pc4-25600) angeschaut. Dieser kostete zu seinem Release 2019 auf Amazon noch zwischen 190 und 220 Euro, sank aber bereits nach wenigen Monaten deutlich. Seinen Tiefstpreis erreichte er gegen Ende 2024 bei 46,90 Euro. Schon Mitte 2025 verdoppelte er sich zeitweise und schnellte schließlich gegen Ende des Jahres von knapp über 100 Euro auf derzeit (Februar 2026) 249 Euro hoch.  

Auffällig ist dabei, dass nicht nur High-End-Komponenten teurer werden. Selbst Mittelklasse-Module sind betroffen – ein Zeichen dafür, dass es sich um ein strukturelles Angebotsproblem handelt. Entgegen früherer Krisen handelt es sich aber nicht um die zyklischen Schwankungen die sonst aus einem Wechsel aus Überproduktion und Unterproduktion entstehen. Der Speicher ist vom Massenbauteil zur strategischen Schlüsselressource der KI-Industrie geworden. 

Der eigentliche Gamechanger: KI frisst den Speichermarkt leer

Wenn man verstehen will, warum RAM plötzlich knapp und teuer ist, muss man sich anschauen, wie moderne KI-Systeme funktionieren. Denn im Gegensatz zu klassischen Anwendungen, die Rechenleistung vor allem punktuell benötigen, verschlingt künstliche Intelligenz gigantische Mengen Arbeitsspeicher – dauerhaft und in wachsendem Tempo.

Beim Training großer KI-Modelle werden gewaltige Datenmengen gleichzeitig verarbeitet. Sprachmodelle, Bildgeneratoren oder Video-KIs bestehen aus Milliarden bis Billionen Parametern, die während des Trainings ständig im Speicher gehalten und aktualisiert werden müssen. Je größer das Modell, desto stärker wächst der Speicherbedarf – und zwar überproportional. Der Speicher wird damit zum Flaschenhals. Ohne genügend RAM können GPUs nicht effizient arbeiten – selbst wenn genügend Rechenleistung vorhanden wäre.

Besonders kritisch ist ein spezieller Speichertyp: High Bandwidth Memory (HBM). Dieser sitzt direkt neben der GPU und ermöglicht extrem hohe Datenraten. Für moderne KI-Beschleuniger ist HBM unverzichtbar. Das Problem: HBM ist deutlich schwieriger und teurer zu produzieren als klassischer DDR-RAM.

Warum betrifft das dann aber den DDR-RAM für uns Normalnutzer zu stark? HBM ist zum wertvollsten Segment des gesamten Speichermarktes geworden. Hersteller verdienen hier deutlich höhere Margen als mit Consumer-RAM – und verlagern ihre Produktionskapazitäten entsprechend. Parallel dazu investieren Tech-Konzerne in einem historisch beispiellosen Tempo in KI-Infrastruktur. Microsoft, Google, Amazon, Meta und andere bauen weltweit gigantische Rechenzentren – sogenannte Hyperscale-Datacenter. Hinzu kommen viele neuere Unternehmen im KI-Sektor, durch die in manchen Billiglohnländern eine Art KI-Kolonialismus entsteht.

Diese Unternehmen sichern sich Speicher nicht kurzfristig, sondern über langfristige Lieferverträge. Für den klassischen Hardwaremarkt hat das spürbare Konsequenzen: PCs, Laptops und Smartphones konkurrieren plötzlich mit der finanzstärksten Kundengruppe der Welt um denselben Rohstoff. Das führte sogar kürzlich dazu, dass der Speicher-Hersteller Micron seine bekannte RAM-Marke Crucial einstellt. Das Unternehmen setzt seine Priorität damit sehr radikal auf die Großkunden.

Technologiewandel verschärft die Lage

Neben der explodierenden Nachfrage durch KI gibt es noch eine zweite, oft unterschätzte Ursache der RAM-Krise: Der Speichermarkt steckt mitten in einem technologischen Umbruch. Neue Standards, neue Fertigungsverfahren und extrem teure Fabriken sorgen dafür, dass das Angebot nicht so schnell wachsen kann wie die Nachfrage. Der Markt befindet sich aktuell in einer klassischen Übergangsphase – und genau solche Phasen sind historisch immer besonders teuer.

Im Verbrauchermarkt ist die Situation, dass DDR4-Speicher schrittweise eingestellt wird, weil DDR5 der neue Standard werden soll. Der neue Standard ist deutlich überlegen, derzeit aber auch nochmal teurer. Da die Produktion des DDR4-Speichers zudem langsam runtergefahren wird, verstärkt den aktuellen Engpass nochmal zusätzlich und treibt auch dessen Preis zusätzlich in die Höhe.

Den Übergang zu forcieren ist an sich aber nicht schlecht. So hat die SSD sich erst mit ihrer Einführung auf dem Konsolenmarkt als wirklicher Standard etabliert. Auf dem PC-Markt konnte die SSD zuvor über viele Jahre nie wirklich ausgereizt werden, da Spiele- und Softwareentwickler sich scheuten, die SSD vorauszusetzen, um von der schnelleren Geschwindigkeit sinnvoll zu profitieren.

Gerade in Hinblick auf die Produktionsverschiebung zum High Bandwidth Memory entsteht auch ein weiteres Problem: Die Kapazitäten lassen sich nicht so einfach erhöhen. Eine neue Speicherfabrik ist nicht nur einen Milliarden-Investition, sondern benötigt auch mehrere Jahre Bauzeit. Hersteller haben zudem bereits große Verluste eingefahren, wenn der Ausbau in einer starken Überproduktion endete und nähern sich daher lieber schrittweise an.

Zuletzt hinter der Produktion auch eine komplexe Lieferkette. Allein die Rohstoffe sind derzeit hart umkämpft. Seltene Erden etwa, sind auch wichtige Rohstoffe für die Energiewende. Gerade auf diese Rohstoffe hält zudem China eine beherrschende Machtposition. Das macht die Ressourcen auch zu einer politischen Ware.

Wann endet die RAM-Krise?

Eine schnelle Rückkehr zu alten Preisen ist unwahrscheinlich. Die Branche geht derzeit davon aus, dass die hohen Preise noch mehrere Jahre anhalten. Trotz der angespannten Lage gibt es Anfang 2026 erste vorsichtige Hinweise auf eine mögliche Stabilisierung. Das hat TomsHardware auch im Preisverlauf 5 zufällig ausgewählter Arbeitsspeicher festgestellt.

Auch wen DDR5-Preise in Europa sogar minimal gefallen sind, ist zunächst eher von einem (vorläufigen) Plateau auszugehen. Die Preise haben ein Niveau erreicht, bei dem die Nachfrage so weit zurückgegangen ist, dass sie sich dem eingeschränkten Angebot wieder angleicht. Die Theoretische Nachfrage bleibt jedoch und verlagert sich. Entsprechend könnte es 2026 noch zu weiteren Preissteigungen kommen, die vermutlich aber weniger stark ausfallen.

Mit einer ersten Entspannung des Marktes ist erst 2027 bis 2028 zu rechnen. Die Produktionskapazitäten erhöhen sich erst dann durch neue Fabriken. Selbst diese dürften zumindest umsichtig genug gebaut werden, um bei einer Verringerung der Nachfrage nicht plötzlich mit einer starken Überproduktion Verluste einzufahren.

Phison-CEO Khein-Seng Pua, der auch als Erfinder des USB-Sticks gilt, äußerte sogar Prognosen, dass die Krise bis 2030 anhalten und kleinere Herstelle ohne eigene Speicherproduktion stark in Bedrängnis bringen könne.

Vermutlich flaut die Nachfrage die kommenden Jahre langsam ab und die Preise sinken dann langsam wieder. Vieles ist aber abhängig von der KI-Branche. Wächst diese weiter so stark, ist mit anhaltend hohen Preisen zu rechnen. Kühlt der KI-Hype ab oder platzt die KI-Blase, weil sich zu viele große Unternehmen darin verrannt haben, könnte auch der Speichermarkt in sich zusammenfallen.

Die RAM-Krise im Podcast

Natürlich ist die RAM-Krise längst auch schon in Tech-Podcasts angekommen. Wir haben euch 2 Podcast-Folgen rausgesucht, die das Thema ausführlich beleuchten.

Breitband | Ram-Krise – Sam Altman taktiert – und alle tragen die Folgen (13. Dezember)

Schon Mitte Dezember hat sich der Podcast vom Deutschlandfunk Kultur mit der RAM-Krise auseinander gesetzt. In dem Podcast geht es vor allem auch über die Ursachen der Krise. Die KI-Branche ist dabei in einem besonderes Fokus. Besonders gut gemacht: Der Podcast spielt auch einige Quellen ein, um die Ursachen auch nochmal zu belegen. 

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GameStar Talk | Preise VERDOPPELT, PS6 verschoben: Die RAM-Krise eskaliert (19. Februar)

In dieser Ausgabe vom GameStar Talk Podcast widmen sich die Tech-Experten des Magazins der RAM-Krise und berücksichtigen vor allem auch Fragen aus der Community. Dabei geht es auch um weitere Auswirkungen, wie etwa der jüngsten Verschiebung der PlayStation 6-Pläne, die bei aktuellen SSD- und RAM-Preisen für Normal-Gamer kaum kaufbar wäre.

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Image via ChatGPT (KI-generiert)

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, schreibt nun aber lieber Artikel als Code.


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