PostSecret – wo die verratenen Geheimnisse geheim bleiben

PostSecret ist ein Kunstprojekt, das Menschen ermöglicht, ihre Geheimnisse anonym auf einer Postkarte zuzusenden.

Jeder hat Geheimnisse. Manche haben nur eins. Manche wiederum Hunderte. Viele Geheimnisse sind unschuldig. Und viele tragen eine schwere Verantwortung mit sich.

Es tut immer gut, Geheimnisse loszuwerden. Sei es mit einer vertrauten Person oder mit einem wahllosen Fremden. Doch Frank Warren hat einen Weg gefunden, um den Menschen ihre Geheimnisse abzunehmen – ohne, dass sie sich die Konsequenzen fürchten müssen.

Was ist PostSecret überhaupt?

Die Aktion startete im Jahr 2004 und ist bis heute aktiv. Auf der PostSecret-Homepage kann man mehrere Bilder mit Inhalten finden, die teilweise zum Lachen bringen und teilweise erschreckend sind. Denn es gibt nur eine Regel: Das Geheimnis muss der Wahrheit entsprechen und der Einsender darf noch nie über dieses Geheimnis gesprochen haben. Natürlich können diese Bedingungen nicht überprüft werden. Der Empfänger und die internationale Community hoffen einfach, dass es sich um echte Probleme, Sehnsüchte und Ähnliches handelt.

Jeden Sonntag werden 20 ausgewählte Postkarten auf PostSecret veröffentlicht. Frank Warren erhält wöchentlich gut 1.000 Stück und wählt dann die Besten aus. Es gibt zwar kein Archiv auf der Blogseite, was den Inhalt deutlich eingrenzt, doch die Sammlung auf Facebook ist mittlerweile riesig. Wer diese ganz durchstöbern möchte, muss sich Zeit nehmen (am besten drei bis vier Urlaubstage, sonst gibt es keine Chance auf Erfolg). Die Sammlung beträgt nämlich über 1.400 Fotos; dazu haben andere Personen 2.550 Bilder gepostet, die wahrscheinlich auch eine ganze Menge skurriler, interessanter Geheimnisse enthalten.

PostSecret spricht auch vor allem seriöse Themen an, die uns vielleicht peinlich vorkommen und zählt deshalb als eine der zehn Webseiten, die unseren Weltanblick verändern könnten.

PostSecret und Suizid

Warren ist hauptberuflich Vertreter für medizinische Produkte und arbeitet ehrenamtlich bei Hopeline – einer Telefonseelsorge für Suizid-Gefährdete. Bisher erschienen vier seiner Bücher zum Thema PostSecret. Die Einnahmen aus dem Verkauf landen bei Hopeline.

Frank Warren schenkt dem Selbstmord-Thema viel Aufmerksamkeit. Auch die PostSecret-Galerie zeigt, dass dieses Problem nicht der Vergangenheit angehört. Im Gegenteil, Selbstmord ist ein weltweit aktuelles Thema. Zur Veranschaulichung kann man sich die Anzahl an Suizid-Suchen in Suchmaschinen anschauen. Allein in den USA suchen monatlich mehr als eine halbe Million Menschen nach Suizid-verwandten Ergebnissen bei Google. In Deutschland sterben durchschnittlich 10.000 Personen im Jahr durch Suizid.

PostSecret ist keine direkte Hilfestelle, aber das Kunstprojekt verdeutlicht die schwersten Themen unseres Lebens.

Es macht klar, dass jeder mit eigenen Dämonen kämpft und man sich dafür nicht schämen muss. Und die Anzahl der verschickten Postkarten beweist, dass es hilft, darüber zu sprechen. PostSecret zeigt am unteren Seitenende die Anzahl der Besucher. Diese zählt derzeit knapp 808 Millionen Views.

Frank Warren besucht öfter Schulen, Universitäten und andere öffentliche Plätze auf der ganzen Welt, um über PostSecret zu sprechen. Diese Treffen erfolgen durch Nachfragen von Interessierten. Mittlerweile gibt es von Warren überprüfte PostSecret Blogs in der französischen und deutschen Sprache.


Pascal Brokmeier via Unsplash.com

Studiert im dritten Semester Communication & Media Management an der UE in Hamburg-Altona. Nach dem Feierabend und an den Wochenenden geht sie gerne ihrer Netflix-Sucht nach oder beschäftigt sich mit Krimis und Fantasy-Büchern.


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