Sennheiser Momentum 5 Wireless im Test – Fünf Wochen mit den Premium-Over-Ear Kopfhörern

Ich bin seit einigen Jahren Sennheiser-In-Ear-Nutzer. Die CX Plus True Wireless kennen mein Trommelfell seit einer Weile, und ich war damit (einigermaßen) gut bedient. Aber Over-Ear war immer diese andere Liga: größer, lauter, aber auch unhandlicher. Die Frage war: Wiegen sich die Vorteile gegen die Nachteile auf? Nach fünf Wochen mit den Sennheiser Momentum 5 Wireless lässt sich sagen: Absolut. Aber der Reihe nach.

Schick, ohne laut zu sein

Die Momentum 5 Wireless machen auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Der Kopfbügel ist außen mit Stoff bespannt, innen mit Kunstleder gepolstert. Das sieht nicht nur gut aus, sondern trägt sich auch entsprechend. Die ovalen Ohrmuscheln wirken aus einem Guss, und das Gesamtbild ist das von Kopfhörern, die wissen, was sie kosten, ohne es einem ins Gesicht zu sagen. 

Geliefert werden die Momentum 5 Wireless mit einem stabilen Hartschalen-Etui, das spürbar kompakter ausgefallen ist als beim Vorgänger; wohl 20 Prozent kleiner. Für Reisen ist das ein echter Pluspunkt: Das Case schützt ordentlich und passt noch gut in einen Rucksack. Im Lieferumfang stecken außerdem ein USB-C-Ladekabel und – was in Zeiten des schleichenden Klinken-Aussterbens fast schon rührend ist – ein Aux-Kabel mit 3,5-mm- und 2,5-mm-Stecker.

Erhältlich sind die Momentum 5 Wireless aktuell in Schwarz, Weiß und Denim-Blau. Ich habe die weiße Version getestet, da sie für mich die sauberste Optik hat.

 

Komfort für Stunden

Over-Ear-Kopfhörer stehen und fallen mit dem Tragekomfort. Die Momentum 5 Wireless drücken oder klemmen absolut nicht. Der Anpressdruck ist angenehm leicht und die Polsterung großzügig. Mit rund 290 Gramm aber auch kein Federgewicht. Trotzdem sind es keine Kopfhörer, die man nach einer Stunde abnehmen möchte. Man vergisst eher, sie zu tragen. Außerdem fühlt sich die Verarbeitung hochwertig an.

Tiefer, voller Klang

Die eigentliche Stärke liegt selbstverständlich beim Sound. Der Bass ist kräftig und gibt dem Hören Substanz und Gravitas, ohne in billige Bassbeschallung abzugleiten.

Der Gesamtklang ist klar und warm – Sennheiser-typisch, könnte man sagen. Wer die Marke kennt, weiß, was gemeint ist: ein volles, ausgewogenes Klangbild. Ob das bei jedem Song das Gefühl erzeugt, das komplette Arrangement auseinanderfalten zu können, hängt vielleicht von der richtigen Kalibrierung des Equalizers ab. Bei Werkseinstellung ist da noch Luft nach oben. Für den Alltagsgebrauch – Musik, Podcasts, Serien – ist der Klang aber auf einem Level, das wirklich Freude macht.

Die Audio-Specs können sich sehen lassen: 42-mm-Treiber, Bluetooth 5.4 mit aptX Lossless, aptX Adaptive und AAC. Die technische Grundlage ist solide und bedient audiophile Ansprüche, sofern Zuspieler und Streamingdienst mitspielen.

Extrem konsequentes ANC

Das Active Noise Cancelling der Momentum 5 Wireless ist eine der stärksten Seiten des Geräts. Acht Mikrofone – vier pro Seite – und ein hybrides adaptives System sorgen dafür, dass die Außenwelt auf Knopfdruck sehr effektiv verschwindet. Bürolärm, Straßengeräusche, das Summen einer Klimaanlage. Kaum etwas von Außen dringt noch durch. 

Nur als persönliche Randnotiz: ANC erzeugt bei mir ein leichtes Druckgefühl im Ohr, das ich nach einer Weile als unangenehm empfinde und den Modus recht schnell deaktiviere. Das ist aber eine individuelle Empfindlichkeit und kein Produktmangel. Viele Nutzer*Innen nehmen das gar nicht wahr. Was wiederum sehr gut funktioniert, ohne dieses Gefühl zu erzeugen, ist der Transparenzmodus. Er lässt Umgebungsgeräusche bewusst durch, ohne dass man schreien müsste, um gehört zu werden. Zum Vergleich: Bei meinen Sennheiser In-Ears ist dieser Modus deutlich schlechter. Da landet man nach einem kurzen Gespräch im Zug gelegentlich in der unangenehmen Situation, festzustellen, dass man das halbe Abteil beschallt hat. Das passiert mit den Momentum 5 Wireless nicht.

Bluetooth & Konnektivität auf hohem Niveau

Die Verbindung per Bluetooth ist schnell und stabil. Das Gerät koppelt sich ohne lästige Umwege, hält die Verbindung auch bei größeren Entfernungen und funktioniert auch als Kopfhörer am Fernseher oder beim Gaming problemlos. Low-Latency-Modus ist vorhanden, Bild und Ton bleiben also aufeinander abgestimmt. Multipoint erlaubt die gleichzeitige Verbindung mit zwei Geräten wie Smartphone und Laptop gleichzeitig. Ein im Alltag unterschätztes Feature, bis man es einmal hat.

Und dann ist da noch das bereits erwähnte mitgelieferte Aux-Kabel. Fast schon in Vergessenheit geraten in einer Welt, in der Klinkenanschlüsse aussterben, aber wer noch ein Gerät mit 3,5-mm-Buchse hat, kann die Momentum 5 Wireless auch kabelgebunden nutzen. Sogar als Headset. Was uns direkt zum nächsten Punkt bringt.

Frontale Innenansicht eines weißen Over-Ear-Kopfhörers auf Holzuntergrund. Gut sichtbar sind die grauen Kunstleder-Ohrpolster, je ein ovales Mikrofongitter an beiden Ohrmuscheln sowie an der rechten Seite ein kleiner Knopf, eine Punktreihe als Bedienindikator und ein USB-C-Anschluss.
Auch lobend kann die Gestensteuerung der Ohrmuscheln hervorgehoben werden. Die funktioniert problemlos.

Mikrofon & Telefonqualität: Hier bitte nachbessern

Sennheiser bewirbt acht Mikrofone, Beamforming, automatische Windgeräuschunterdrückung und trotzdem ist die Telefonqualität das schwächste Glied in der Kette. Im Alltag merkt man, dass Gesprächspartner*Innen einen zwar verstehen, aber die Klangqualität der Sprachübertragung hinter dem zurückbleibt, was man bei einem 400-Euro-Gerät erwarten würde. Ich hatte mir erhofft, dass Andere eher Lob für meine neue Sprechqualität übrig haben. Leider war es sehr verhaltenes Feedback. Ein weiteres Experiment war beim Gaming, als mein Headset dort parallel den Geist aufgegeben hat. Wenn man die Kopfhörer auch als Headset im kabelgebundenen Betrieb nutzt und dabei den Qualitätsunterschied zu einem dedizierten Gaming-Headset hört, wird es recht deutlich. Der Unterschied ist leider da. Und Gaming-Headsets sind ja bereits in der Preisklasse um die 100€ sehr verlässlich und qualitativ hochwertig.

Bei Kopfhörern in dieser Preissegment sollte wirklich gute Telefonqualität 2026 einfach Standard sein. Gerade weil Calls und Videokonferenzen besonders aus dem Home-Office-Alltag nicht wegzudenken sind. Das ist der eine Punkt, bei dem Sennheiser noch nachjustieren sollte. Gerne per Firmware-Update.

Willkommen in der App

Die Sennheiser Smart Control Plus App ist die Schaltstelle für alles: Equalizer, eigene Soundprofile, ANC-Einstellungen, Telefonmodus, Windunterdrückung, Bassanhebung. Außerdem lassen sich die Kopfhörer per App orten. Das kennt man in der Regel eher von Apple und seinen Produkten.

Wer Spaß an solchen Einstellungen hat, bekommt hier ein echtes Spielfeld. Wer das nicht hat – ich gehöre eher zur zweiten Gruppe – merkt schnell, dass man eigentlich einfach ein Profil sucht, dem man vertrauen kann und dann nie wieder hinschaut. Genau das habe ich gemacht. Eigenes Soundprofil eingestellt und sich dann darauf ausgeruht.

Zwei Dinge, die weniger überzeugten: Der Wechsel zwischen Sound-Genres erweist sich als umständlicher als gewünscht. Man hofft auf automatische Anpassung, wenn man von Musik auf Podcast wechselt. Aber Fehlanzeige. Wer das möchte, der muss selbst aktiv werden. Und dann gibt es noch Soundzonen. Ein Feature, das Kopfhörer-Einstellungen standortabhängig anpassen soll. Klingt clever, ist es vielleicht auch. Ich habe es nie genutzt und werde es vermutlich nicht tun. So tief bin ich einfach noch nicht im Smart-Home-Genre verankert.

Ein eigenes Kapitel verdient der Raumklang-Modus mit Dolby Atmos und Head Tracking. Grundsätzlich interessant, aber in der Praxis mit Vorbehalt zu genießen. Denn nicht jede*r kommt in den Genuss dieses Features. Die Funktion läuft nur mit kompatiblen Diensten wie Tidal oder Apple Music richtig. Wer Spotify hat, zieht den kürzeren. Beim Aktivieren wurde die Musik schlicht leiser, ohne echten Raumklangeindruck. Man musste die Lautstärke fast ans Maximum drehen, um das ursprüngliche Niveau wiederzubekommen. Für Menschen mit ohnehin dauerbelastetem Gehör keine gute Kombination.

Auf den Akku ist Verlass

57 Stunden Laufzeit bei aktivem ANC verspricht Sennheiser auf der eigenen Website. In den fünf Wochen Alltagsnutzung war der Akku nie ein großes Problem. Zehn Minuten Schnellladen ergeben sieben Stunden Spielzeit, voll geladen sind sie in rund zwei Stunden.

Das eigentliche Statement ist aber der austauschbare Akku. Sennheiser ist damit einer der wenigen Premium-Hersteller, die diesen Weg gehen. Sony, Bose und Apple verkleben ihre Akkus nach wie vor. Der Tausch erfordert einen Kreuzschlitzschraubendreher und ein paar Minuten Zeit, Ersatzakkus soll es über den Sennheiser-Shop geben. Das macht die Momentum 5 Wireless zur echten Langzeitinvestition und umweltschonender. Statt nach drei Jahren Elektroschrott-Kopfhörer zu haben, deren Akku nicht mehr hält, tauscht man ihn einfach aus.

Viel Kopfhörer für 399 Euro

Der Preis von 399€ ist alles in allem wirklich gut. Zum Vergleich: Apples neueste AirPods Max kosten nochmal über 150€ mehr und bieten keinen austauschbaren Akku. Sony WH-1000XM6 und Bose QC Ultra 2 sind in ähnlichen Preisregionen. Sound-technisch sind sie allesamt top. Die Momentum 5 Wireless halten da mit und setzen beim Akku einen eigenen Akzent, den die Konkurrenz nicht bietet.

Für alle, die wie ich als bisheriger Sennheiser-In-Ear-Nutzer den Schritt zu Over-Ear machen: Das ist kein kleiner Schritt, weder finanziell noch klanglich. Aber es ist einer, der sich lohnen kann. Der Unterschied in fast jedem Bereich ist spürbar.

Weißer Over-Ear-Kopfhörer von oben auf hellem Holzuntergrund. Grau gepolstertes Kopfband, weiße Ohrmuscheln mit glatter Außenfläche und silberfarbenen Scharnieren. Klares, minimalistisches Design.
Ein Hingucker: Die Momentum 5 Wireless wirken und sehen auch wertig aus.

Fazit nach fünf Wochen

Die Sennheiser Momentum 5 Wireless sind ein starkes Gesamtpaket. Tragekomfort, Klang, ANC und Akkulaufzeit sind auf einem Level, das den Preis rechtfertigt. Die Bluetooth-Konnektivität funktioniert tadellos, das mitgelieferte Aux-Kabel ist angenehm für eine schnelle und zuverlässige Verbindung und ermöglicht Allrounder-Qualitäten, und der austauschbare Akku ist ein echtes Argument für Langlebigkeit.

Der eine klare Kritikpunkt bleibt für mich das Mikrofon: für einen Kopfhörer dieser Preisklasse fällt die Telefonqualität hinter den Erwartungen zurück. Hier wäre ein Firmware-Update willkommen. Der Raumklang-Modus funktioniert je nach Streamingdienst unterschiedlich gut und ist für Spotify-Nutzer*Innen aktuell eher ein Flop als ein Feature.

Wer die App liebt und gerne an Einstellungen schraubt, bekommt hier auf jeden Fall ein nettes Spielfeld. Wer einfach guten Klang will, der zuverlässig läuft, ebenfalls.

Der Griff ging ehrlicherweise aber doch noch öfters zu den In-Ears, da die Größe den Transport einfach erleichtern. Für mich ist es eine Einstellungssache: Die In-Ears, wenns schnell und kompakt gehen muss – und die Over-Ears, wenn Seriösität, Style und High-Quality gefragt sind.

Technische Daten (Kurzübersicht)

  • Treiber: 42 mm dynamisch
  • Frequenzbereich: 6 Hz – 40 kHz (Bluetooth/USB), 6 Hz – 22 kHz (Klinke)
  • Bluetooth: 5.4 | Codecs: aptX Lossless, aptX Adaptive, aptX HD, aptX, AAC, SBC
  • ANC: Hybrides adaptives System mit 8 Mikrofonen
  • Akku: 700 mAh, austauschbar | Laufzeit: bis zu 57 Std. (ANC aktiv)
  • Ladezeit: ca. 2 Std. | Schnellladung: 10 Min. = 7 Std.
  • Gewicht: ca. 290 g
  • Farben: Schwarz, Weiß, Denim-Blau
  • Preis: 399,99 Euro UVP

Bilder: ©Sonova Consumer Hearing GmbH

Testprodukt wurde uns kostenfrei zur Verfügung gestellt

Hat seinen Master in Medienwissenschaften an der Universität Hamburg abgeschlossen und ist nun als Executive Assistant bei seinem langjährigen Arbeitgeber Netzpiloten tätig. Er liebt es, neue Themen auszuprobieren und Netzpiloten fit für die Zukunft zu machen. Er tobt sich vor allem im Bereich Podcast-Management und Business Developement aus.


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