Was ist die Stiftung Datenschutz?

Das Wort Datenschutz ist heutzutage in aller Munde. Kein Wunder – schließlich leben wir in einer Welt, in der die Medien und digitalen Dienste, die wir alle sowohl privat als auch im Beruf nutzen, das Potential für einen problematischen Umgang mit unseren Daten mit sich bringen. Smartphones, Online-Shopping, soziale Medien oder digitale Dienstleistungen sammeln täglich große Mengen an Informationen über uns. Diese Daten können sehr sensibel sein, etwa wenn es um persönliche Gewohnheiten, Standortdaten oder finanzielle Informationen geht. Um mit dieser Thematik umzugehen, hat sich die Bundesregierung im Jahr 2013 dazu entschlossen, die Stiftung Datenschutz zu gründen.

Worum geht es bei der Stiftung?

Achtung Verwechslungsgefahr: Die Stiftung Datenschutz ist nicht dasselbe wie die Datenschutzbehörde. Letztere ist dafür zuständig, die Einhaltung der Datenschutzgrundverordnung (DSVGO) zu überprüfen und, falls nötig, Verstöße mit Bußgeldern zu ahnden. Die Stiftung Datenschutz hingegen ist eine sogenannte privatrechtliche Stiftung. Konkret heißt das: Abgesehen von der Unterstützung aus öffentlichen Mitteln agiert sie als eigenständige Organisation und ist kein Teil der staatlichen Verwaltung. Durch diesen rechtlichen Status kann die Stiftung ihre Arbeit verrichten, ohne an politische Weisungen oder Profitinteressen gebunden zu sein – ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber staatlichen Behörden und rein privaten Stiftungen.

Schwerpunkte der Stiftung sind Aufklärung, Bildung und Dialog. Als neutrale Diskussionsplattform möchte sie das Thema Datenschutz sowohl Bürgern als auch Unternehmen näherbringen. So soll auch der gesellschaftliche Austausch zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und der breiten Gesellschaft gefördert werden. 

Interessanter Lesestoff zum Thema Datenschutz

Auf der Webseite der Stiftung findet man neben informativen Artikeln eine Vielzahl an verschiedenen Angeboten, in denen sich mit den verschiedensten Aspekten des Datenschutzes auseinandergesetzt wird. So können sich beispielsweise Kleinunternehmen durch spezifische Angebote über alles informieren lassen, was im Punkt Datenschutz für ihren Geschäftsalltag relevant werden könnte. Denn obwohl meist vor allem über die großen Tech-Player wie Apple oder Meta gesprochen wird, fängt Datenschutz eben auch schon bei den Kundendaten eines kleinen Handwerksbetriebs an. Auch tiefgehende wissenschaftliche Gutachten und praxisorientierte Leitfäden, die sich teils auch konkret an die Politik richten, werden hier veröffentlicht. 

Erst kürzlich erschien etwa ein Gutachten, dass sich mit dem Schutz personenbezogener Daten Minderjähriger beschäftigt. Denn wenn es um den Umgang mit Daten von minderjährigen Personen geht, sind einige Fragen durch die aktuelle Gesetzgebung nicht eindeutig geklärt. Da gerade diese Gruppe doch eigentlich besonders schutzbedürftig ist, möchte Dr. Diana Ettig, Fachanwältin für Urheber-und Medienrecht, mit ihrem Gutachten konkrete Handlungsempfehlungen abgeben. Um solch ein komplexes Thema auch für alle ohne juristischen Hintergrund zugänglich und verständlich zu machen, wurden die wichtigsten Ergebnisse des Gutachtens in einer Handreichung zusammengefasst. Beide Versionen findet ihr bei Interesse hier.

Workshops, Vorträge & Veranstaltungen

Außerdem organisiert die Stiftung Datenschutz regelmäßig Veranstaltungen. Dazu gehören Workshops, in denen etwa der Umgang mit der DSVGO in spezifischen Bereichen erläutert wird. Hinzu kommen wissenschaftliche Vorträge, in denen Datenschutz-Experten der verschiedensten akademischen Disziplinen aktuelle Entwicklungen ihrer Forschung präsentieren. Am 11. März hält beispielsweise Sophie Grimme, die zu menstruationsbezogenen Technologien forscht, einen Vortrag. Wer einen Einblick in den Datenschutz im Bereich der digitalen Frauengesundheit haben möchte, findet hier den Link

Die Veranstaltungen finden für gewöhnlich exklusiv online statt. Doch auch Präsenzveranstaltungen, die jedoch auch online übertragen werden, sind immer wieder Teil des Programms. Ein-bis zweimal jährlich, zuletzt Anfang des Jahres, lädt die Stiftung zum sogenannten DatenTag ein. Dieser dient als Plattform, bei dem Vertreter*innen von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft in den Austausch kommen. 

Hier wird klar, dass Datenschutz nicht nur als alleinstehendes Spezialthema betrachtet werden kann. Spätestens durch die Digitalisierung zieht er sich durch nahezu alle Bereiche der Gesellschaft. Um unsere Daten zu schützen, müssen sich überall, wo Daten entstehen und verarbeitet werden, Menschen stark machen. 

Warum das Ganze?

Wie wichtig Datenschutz für eine demokratische Gesellschaft ist, zeigt unter anderem der sogenannte Chilling Effect. Dieser beschreibt das Phänomen der Selbstzensur aus Angst vor negativen sozialen oder rechtlichen Konsequenzen. Dies ist natürlich nicht völlig neu. Doch die digitalen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte haben, gerade in Bezug auf persönliche Daten, sowohl für Unternehmen als auch Regierungen neue Handlungsspielräume eröffnet, die vielen Sorgen bereiten. 

Auch Frederick Richter, Vorstand der Stiftung Datenschutz, geht es ähnlich. Zu Gast in unserem Podcast Tech & Trara, hat er uns auf den aktuellen Stand gebracht. Wie sinnvoll ist die aktuelle gesetzliche Lage bei uns in Deutschland? Wie sehr darf und soll der Staat beim Datenschutz überhaupt eingreifen, bevor es zu viel wird? Gerade mit Blick auf aktuelle Entwicklungen in den Vereinigten Staaten sind das interessante Fragen.

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Das Thema Datenschutz sollte uns allen am Herzen liegen. Schließlich möchte niemand, dass mit seinen Personalien oder Cloud-gespeicherten Fotos unvorsichtig umgegangen wird. Leider sind gerade die weitverbreiteten Dienste der Tech-Riesen besonders problematisch. Wer sich nach App-Alternativen sucht, sollte sich den Digital Independence Day anschauen . Dieser bestärkt Alternativen zu populären aber oft unsicheren Programmen, um das eigene digitale Dasein sicherer und unabhängiger zu gestalten. 


Image via pexels by cottonbro studio

studiert Philosophie und VWL. Bei den Netzpiloten verbindet er dies mit seinem Interesse an digitalen Entwicklungen.


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