Die Abo-Falle – Besitzen wir zu wenig?

Musik, Filme & Serien, digitale Geräte, KI-Tools – alles Dinge, auf die heutzutage über Abo-Modelle zugegriffen werden kann. Das war nicht immer so. Woher kommt diese Entwicklung? Was macht es mit uns Menschen wenn wir immer weniger tatsächlich besitzen und stattdessen monatlich lediglich für Zugang zu Produkten zahlen?

Das Abo-Modell hat sich in den letzten Jahrzehnten in etlichen Branchen etabliert und den klassischen Einmalkauf an vielen Stellen ersetzt.

Abo-Modelle funktionieren durch meist monatlich fortlaufende Zahlungen, welche dem Kunden den Zugang zum jeweiligen Produkt eröffnen. Teilweise wird ein Abonnement als Alternative zu einem Einmalkauf angeboten. Häufig gibt es heutzutage jedoch gar nicht mehr die Funktion, das angebotene Produkt durch eine einzelne Transaktion tatsächlich zu besitzen.

Abos laufen meist über lange Zeiträume. Dadurch kann auch mit kleinen monatlichen Beträgen langfristig mehr pro Kunde verdient werden. So können die Anbieter mehr Umsatz pro Produkteinheit generieren und durch das dauerhafte monatliche Einkommen eine erhöhte finanzielle Sicherheit genießen.

Luxus durch Abos?

Aufgrund der geringen monatlichen Kosten, erscheinen viele Abonnements auf den ersten Blick wie ein guter Deal. Während ein einzelnes Album auf Vinyl gerne mal 30-40€ kosten kann, ist das Spotify Abo mit 13€ nicht einmal halb so teuer. Bei teuren Produkten können Abo-Modelle eine sinnvolle Alternative für Kunden sein, die sich den Einmalkauf auf einen Schlag nicht leisten können. Statt erst lange sparen zu müssen, ist der Zugang direkt möglich. So können auch Menschen mit geringeren Einkommen heutzutage Produkte konsumieren, zu denen sie früher ohne Abo-Modell keinen Zugang gehabt hätten. In vielen Fällen wird sogar eine kostenfreie Probezeit angeboten, die das Reinschnuppern ohne finanzielle Festlegung ermöglicht.

Warum der Einmalkauf sich vielleicht doch mehr lohnt

Doch während der Kunde sich durch Abos hier und da kleine Wünsche erfüllen kann, summieren sich die scheinbar doch so kleinen Beträge zu einem auf einmal doch recht hohen Gesamtbetrag. Eine Handvoll Streaming-Dienste, Handyvertrag, eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio, ein gemietetes aktuelles Smartphone und Adobe Cloud können reichen, um monatlich 200€ an Abo-Kosten zu produzieren. Hinzu kommen dann auch noch regelmäßige Preiserhöhungen der Anbieter.  Dafür, dass sich jedes neue Abo doch so klein und finanziell unbedeutend anfühlt, ist das am Ende des Monats dann doch eine ganz schön beachtliche Summe. Und hier wird es beinahe paradox: Während Abos kurzfristig verglichen mit Einmalkäufen zu niedrigeren Preisen deutlich mehr Leistung bieten, ist auch mit dem günstigen Abo früher oder später der Betrag abbezahlt, zu dem das Produkt als Einmalkauf angeboten werden müsste, und vielleicht auch noch wird. Die Illusion des günstigen Zugangs macht uns in der langen Frist letztendlich häufig doch ärmer.

Hinzu kommt, dass die Zahlungen nach Abschluss des Vertrags typischerweise vollautomatisiert weiterlaufen, sodass das Abo schnell in den Hinterkopf rückt. Wenn das abonnierte Produkt irgendwann nicht mehr genutzt wird, läuft das Abo dann häufig noch jahrelang weiter. Das beste Beispiel hierfür ist die allseits bekannte ungenutzte Fitnessstudiomitgliedschaft. Wer mal ein paar Monate nicht trainiert, das Abo aber nicht kündigt, gibt schnell einige hundert Euro aus, ohne dafür überhaupt eine Leistung in Anspruch zu nehmen.

Wie wichtig ist Eigentum?

Vom finanziellen Aspekt mal abgesehen hat die Sache auch einen anderen, eigentlich offensichtlichen, aber häufig unbeachteten Haken: Egal wie lange das Abo läuft, das Produkt geht nicht in den eigenen Besitz über. Der Einmalkauf ist zwar im ersten Moment teurer, bringt jedoch den großen Vorteil des Besitzens mit sich. Setzt man auf DVD und Blu-Ray statt auf Streaming, bekommt man zwar für sein Geld eine geringere Auswahl geboten. Andererseits wird man nie enttäuscht sein, dass der Film, den man vor Kurzem noch voller Vorfreude auf seine Netflix-Liste gepackt hat, auf einmal den Streaming-Anbieter gewechselt hat und somit hinter einer weiteren Paywall versteckt ist, die einen dauerhaften Zugang zum Film jedoch auch nicht garantiert. Ein Produkt zu kaufen, statt es nur durch ein Abo zu mieten, heißt eben auch sich ein Stück weit von der zukünftigen Willkür der Preise und der Unternehmen zu befreien.

Zum Abonnieren gezwungen

Aber wenn Abo-Modelle uns so viel Geld kosten, warum kündigen wir dann nicht einfach? Einerseits lässt sich das darauf zurückführen, dass abhängig davon, wie Beruf und Freizeit aussehen, einige Abos gar nicht mehr umgehbar sind. Seit 2012 kann beispielsweise die beliebte Bearbeitungssoftware von Adobe nicht mehr einmalig erworben werden. Wer nicht umsteigen will, muss abonnieren. Da sich inzwischen allerdings vielerorts beim Thema Software gewisse Industriestandards etabliert haben, ist Umsteigen hier meist leichter gesagt als getan. In der Unterhaltungsbranche ist es ähnlich: Viele der beliebtesten Serien der letzten Jahre erscheinen gar nicht mehr in physischer Form. Wer “Stranger Things” oder “The Witcher” gucken will, ist auf ein Netflix-Abo angewiesen. Das Problem ist, dass durch immer mehr Streaming-Anbieter auch immer mehr Abos nötig sind. 

Die Strategien der Unternehmen

Wenn wir uns das Fitnessstudio-Beispiel noch einmal genauer ansehen, fällt auf, dass zum Nicht-Kündigen auch ein psychologischer Aspekt dazu kommt. Selbst wenn das Abo noch nicht in Vergessenheit geraten ist, entscheiden sich viele Menschen bewussst dagegen, ihre Mitgliedschaft zu beenden. Das liegt daran, dass sie eigentlich gerne Sport treiben würden, dies jedoch aus beliebigen Gründen nicht schaffen. Die Mitgliedschaft, auch ungenutzt, ist eine Möglichkeit sich irgendwie dennoch mit dem Konzept eines sportlichen Lebens zu identifizieren. Wer zwar nicht trainiert, aber weiter fleißig sein Abo bezahlt, macht nur Pause. Aber das Abo zu kündigen fühlt sich an, als würde man endgültig aufgeben. Auch Markenbindung spielt in manchen Fällen eine große Rolle. Apple-User zu sein strahlt ein gewisses Image aus, und um dieses beizubehalten, sind viele Menschen bereit monatlich die diversen Apple-internen Abos zu zahlen.

Das Abo-Modell simuliert für den Kunden gewissermaßen das Besitzen des Produkts. Und was man einmal besitzt, das möchte man typischerweise nicht so schnell wieder hergeben. Wenn dann noch Verkaufsstrategien wie etwa lange versteckte Mindestlaufzeiten, kurze Kündigungsfristen und automatische Vertragsverlängerungen hinzukommen, wird klar, warum eine endlose, monatlich geldfressene Abo-Liste inzwischen zur Norm geworden ist.

Wo ist der Ausweg?

Trotz alledem werden inzwischen zunehmend Stimmen laut, die sich gegen die Abo-Falle und für einen bewussteren Konsum stark machen. Trotz des Streaming-Booms der letzten Jahre hat Vinyl ein Comeback gemacht. Gleiches lässt sich aktuell zwar nicht von physischen Medien im Film-und Serienbereich behaupten, jedoch gibt es auch hier immer noch begeisterte Sammler. Natürlich ist auch das Sammeln von physischen Medien nicht kostenlos. Der springende Unterschied besteht allerdings darin, dass jeder Kauf eine bewusste und nicht automatisierte Entscheidung ist. Wenn man das Interesse mal eine Zeit lang verliert, entstehen so auch keine überflüssigen fortlaufenden Kosten. Befürworter heben auch gerne hervor, dass das bewusste und gezielte Ausgeben des eigenen Geldes zum Erwerb eines Albums oder eines Films eben auch zu einer bewussteren und gezielteren Auseinandersetzung mit der Kunst führt. Eine Wertschätzung für das einzelne Werk, die beim Streaming in der scheinbar unendlichen Masse an verfügbaren Inhalten oft untergeht.

Und wer kein Problem damit hat, gebraucht zu kaufen und etwas Geduld mitzubringen, findet hier gerne auch mal ein Schnäppchen auf dem Flohmarkt.

In das eigene digitale Umfeld ein wenig Ordnung zu bringen, ist nicht nur für einen selbst von Vorteil. Hier zeigen wir, wie unser digitales Dasein auch die Umwelt beeinflusst und mit welchen Schritten ihr das Aufräumen auch selber angehen könnt.

Wenn es um Vereinsmitgliedschaften oder teure Software geht, kommt man ums Abo manchmal nicht ganz herum. Doch wer seine Abos im Blick behält, mit sich selbst ehrlich ist und ein Abo auch mal kündigt, anstatt es ungenutzt noch monatelang weiterlaufen zu lassen, kann sich auch hier potenziell einiges sparen.

Fazit

Abo-Modelle haben sich durchgesetzt, und so schnell werden wir sie voraussichtlich auch nicht wieder los. Eigentümer der konsumierten Produkte zu werden und so langfristig Geld zu sparen, wird zunehmend schwerer. Dennoch gibt es noch Wege und Gründe sie zu umgehen, oder immerhin bewusster mit ihnen umzugehen. Was man dabei nicht vergessen darf: Wenn ein Abonnement kein Besitz ist, dann ist eine Kündigung auch kein Verlust.


Image via ChatGPT (KI-generiert)

studiert Philosophie und VWL. Bei den Netzpiloten verbindet er dies mit seinem Interesse an digitalen Entwicklungen.


Artikel per E-Mail verschicken