Literatur: Der amerikanische Agent

Gegner im Geschäft, Gleichgesinnte im Geist: Paul Bowles’ Förderung marokkanischer Literatur im Spiegel Tahar Ben Jellouns’ „arabischen Frühlings“

Tahar Ben Jelloun scheint im deutschen Literaturkosmos derzeit gefragt wie nie zuvor: Erst wurde der in Paris lebende renommierte marokkanischen Schriftsteller („Papa, was ist ein Fremder?“) und Journalist mit dem Erich-Maria-Remarque Friedenspreis der Stadt Osnabrück ausgezeichnet. Dann berief ihn das gerade abgeschlossene 11. internationale Literaturfestival Berlin als Ehrengast. Ben Jellouns’ jüngstes Buch „L’étincelle“1 gilt als wichtigste aktuelle Bestandsaufnahme zu den revolutionären Ereignissen in der arabischen, insbesondere maghrebinischen Welt, zumindest, was die hohen Verkaufszahlen betrifft. Unter Journalisten und Rezensenten wird „L’etincelle“ dagegen zwiespältig bewertet: Zwar werden Ben Jellouns zeitnahe Beobachtungen gewürdigt, auch seine quer durch den Orient reflektierten Prognosen geschätzt, doch gerade bei Ben Jellouns historischer Analyse entzündete sich auch Kritik:

So bezeichnete Autor Niklas Bender in seiner Rezension für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ Tahar Ben Jelloun nur als „Trittbrettfahrer“ und als einen der „résistants de la dernière heure“, als „Widerständler der letzten Stunde“, der in Zeiten des Umbruchs auf der „sicheren Seite“ stehen will – ganz wie die Wendehälse nach dem Berliner Mauerfall 1989. Zwar spricht Bender Ben Jelloun einige Meriten zu, da er einige Hintergründe zum Aufruhr im Maghreb dokumentiert, erklärt, wie weit die Verzweiflung der Menschen gegangen sein muß, dass sie sich sogar selbst verbrennen und gibt den Opfern der arabischen Diktaturen Namen und Gesichter. Doch insgesamt tritt „L’etincelle“ in Benders’ Rezension hinter die gesetzten Erwartungen zurück, ja offenbart dem Leser eher eine heuchlerische Seite des Autors Gaddafi „der Abscheuliche“ (Ben Jelloun) wurde im Dezember 2007 bei einem heftig kritisierten Staatsbesuch in Paris von Nicholas Sarkozy hofiert. Ein paar Wochen später, am 1. Februar 2008, nahm Tahar Ben Jelloun das Großkreuz eines Offiziers der Ehrenlegion aus der Hand des französischen Präsidenten entgegen; Sarkozys’ Rede stand sogar auf der Website des Schriftstellers. Es ist, so schließt Bender, „eben nicht jeder Sartre, der es gern wäre!“

„Marokkanischer Sonderweg?“

Bezeichnender indes ist das entlarvende Kapitel auf den marokkanischen „Sonderweg“ mit Ben Jellouns Loblied auf den aktuellen Monarchen Mohamed VI. Sicherlich ist „M6“, wie der junge König in Marokko genannt wird, etwas moderner, als die ultrakonservativen Regenten in Saudi Arabien oder Bahrain, ist die Situation Marokkos im Vergleich zu seinen Nachbarländern weniger repressiv, doch noch lange nicht fortschrittlich oder gar aufgeklärt: Auch in Marokko gab es Versuche von Selbstverbrennungen verzweifelter Oppositioneller. Die Finanzwelt ist in Händen einer allmächtigen Oligarchie, die sich die Früchte des marokkanischen Aufschwungs untereinander einverleibt, während 80% der Bevölkerung kaum vom Wirtschaftswachstum profitieren. Zwei Drittel der Marokkaner sind immer noch Analphabeten. Die allgegenwärtige Polizei nach wie vor ein willkürlicher Apparat, mit Sicherheitsdienst nach StaSi – Muster und Geheimgefängnissen. Die Korruption ist trotz Reformankündigungen noch lange nicht im Griff und das Militär unterdrückt jede Freiheitsbewegung in der annektierten Westsahara und deportiert deren Einwohner, die Saharaui, jenseits der Grenzen in isolierte Wüstengebiete Algeriens und Mauretaniens. Hier also von „ der marokkanischen Form des Fortschritts“ zu reden, „die eine Revolution von Seiten des Volkes“ nicht benötigt, ist nicht weniger als blanker Euphemismus.

Was ist da los? Wieso entwickelt Tahar Ben Jelloun, der sonst so exzellente und tiefgründige Romane schreibt, die ihn zu einer der wichtigsten zeitgenössischen Stimmen des Maghreb haben werden lassen, so eine opportune Haltung? Gerade er, der selber als kritischer Geist in den bleiernen Regentschaft Königs Hassan II in einem der schlimmsten Straflager interniert war:

Im Juli 1965 wurde der damals 20-jährige in Marokko wegen angeblicher konspirativer Kontakte verdächtigt und angeklagt, studentische Demonstrationen mit organisiert zu haben. Ben Jelloun wurde im berüchtigten (und mittlerweile geschlossenen) Straflager Tanzmamart interniert und konnte erst Jahre später sein Studium der Philosophie in der Hauptstadt Rabat wieder aufnehmen. Doch das Räderwerk der staatlichen Kontrollorgane verhinderte weiter die berufliche Entfaltung Ben Jellouns. 1971 emigrierte er daher nach Paris, wo er seither als Publizist und Schriftsteller lebt und für europäische Tageszeitungen wie die französische „Le Monde“ oder die spanische „El País“ schreibt. Ben Jelloun promovierte 1975 in sozialer Psychiatrie. Sprachlicher Reichtum und wissenschaftliche Kenntnisse verleihen seinem Werk eine analytische, aber gleichsam poetische Schöpfungskraft, die ihm mit dem 1985 erschienenen Roman „L’enfant de sable“ den Prix Goncourt und damit internationalem Durchbruch einbrachte.

Vielleicht wird der universale Blick dieses polyglotten Autors, der seit Jahrzehnten zwischen Orient und Okzident oszilliert, mittlerweile von demselben Wunsch nach Stabilität und gesellschaftlicher Anerkennung überlagert, den er als junger Mann bei etablierten Autoren vehement kritisierte. Ein Blick zurück:

Schon lange vor seinem Durchbruch in Frankreich schaffte es Tahar Ben Jelloun in den literarischen Diskurs, indem er 1972 eine scharfe Breitseite gegen den in Tanger lebenden New Yorker Schriftsteller Paul Bowles feuerte, die sich u. a. gegen dessen ausschweifenden Lebensstil in Marokko richtete: Konkret warf Ben Jelloun dem mindestens ebenso polyglotten „restless novelist“ Paul Bowles neben dessen Genuß von Marihuana und anderen Rauschmitteln auch die Neigung zu jungen Marokkanern vor. Diese, so Ben Jelloun, solle der bisexuelle Autor ebenso „gierig konsumieren wie Cannabisblätter“ und im Gegenzug ihre Zuneigung mit der publizistischen und eigennützigen Vermarktung ihrer Geschichten erkaufen.

Das saß! Bowles’ intellektuelle Aura strahlte bis zu Ben Jellouns Kritik nahezu ungehindert: Er, der Schöpfer des 1949 erschienenen Weltromans „The Sheltering Sky“ (dt.: „Himmel über der Wüste“), war damals schon eine lebende Legende und besaß nicht nur als Autor, sondern auch als Mentor und Förderer junger marokkanischer Schriftsteller starken Einfluß im internationalen, vor allem angelsächsischen Literaturbetrieb. 1947 zog der bis dato als Komponist und Librettist für Film – und Theatergrößen wie Orson Welles, Luchino Visconti oder Tennessee Williams bekannte Paul Bowles aus New York endgültig nach Tanger, das damals noch unter internationaler Verwaltung stand. Mit einem frisch erworbenen Autorenvertrag begann er hier seine Schriftstellerkarriere. Seine Frau Jane folgte ihm ein Jahr später in die antike Hafenstadt. Beide befreiten sich fortan vom repressiven Mief der McCarthy – Ära und lebten eine Art progressiven Hedonismus vor. Das illustre, in offener Ehe lebende Autorenpaar bestärkte den Ruf Tangers als liberale Jet-Set – Metropole, dem weitere namhafte Autoren wie William S. Burroughs, Truman Capote oder Allen Ginsberg aus den USA und Europa sehnsuchtsvoll nachreisten.

Paul Bowles als Förderer und Herausgeber marokkanischer Literatur

Bis zu Ben Jellouns Volte 1972 war hierzulande kaum bekannt, dass Bowles maßgeblich an der Förderung talentierter marokkanischer Erzähler beteiligt war: Mitte der 1960er Jahre erkrankte seine Frau Jane. Fortan widmete sich Paul Bowles ihrer Pflege und „Up above the World“, erschienen 1966, sollte sein letzter großer Roman bleiben. Bald fand er seine neue Berufung in der Entdeckung marokkanischer Talente: Ahmad Yacoubi, Mohamed Mrabet, Larbi Layachi. Die drei Autoren repräsentieren den typischen Erzählstil Marokkos: Yacoubi ironisch, Mrabet fabulierend und Layachi derb.

1973 starb Jane in einem Krankenhaus in Málaga. Ohne seinen „bester Freund“, wie er Jane in seiner Autobiographie „Without Stopping“ (1972) nannte, vereinsamte er weiter: Ehemalige Gefährten wie Allan Ginsberg, Lawrence Ferlinghetti oder William S. Burroughs, Protagonisten der Beatnik – Szene, waren wieder zurück in den USA oder Europa. Bowles fiel in Lethargie. Doch seine marokkanischen Schüler hatten Blut geleckt, wollten weiter schreiben, publizieren, drängten ihn.Paul Bowles schöpfte Mut, nahm einen neuen Anlauf in die Welt der Literatur, jetzt als Mäzen und Agent: Er widmete sich ganz der Transkription und Publikation arabischsprachiger Literatur. Schon 1970 gab er zusammen mit Daniel Halpern die literarische Quartals – Zeitschrift „Antaeus“ heraus, für die sowohl bekannte amerikanische Autoren wie Guy Davenport, J. G. Ballard oder später Andrew Vacchss schrieben. Ab 1973 erweiterte er das Format und ließ junge, noch unbekannte marokkanische, aber auch spanisch- und französischsprachige Erzähler zu Wort kommen. Diese Kombination aus neuen und bewährten Autoren, vergleichbar der seit 1979 erscheinenden Grazer Literaturzeitschrift „Lichtungen“, sorgte bis zu ihrem Ende 1994 für die Verbreitung junger Talente wie Mohamed Choukri oder Rodrigo Rey Rosa, die so in der internationalen Literaturwelt Fuß fassen konnten.

Später schloß sich auch der marokkanisch-berberische Romanautor Mohamed Choukri Ben Jellouns Kritik an, wobei Choukri weniger Bowles’ Genußsucht verurteilte: Schließlich wählte er den Amerikaner gerade deshalb zur Transkription seiner Autobiographie al-Hubz al-Hafi (dt.: „Das nackte Brot“, 1986, Andere Bibliothek, Bd. 23) aus, die seine von Alkohol und Kif geprägten Jugendjahre im Kleinkriminellenmilieu des Rif – Gebirges beschreibt. Nein, Choukri war vielmehr empört über ausbleibende Tantiemen seines veröffentlichten Werks, die ihm Paul Bowles später vorenthalten habe. Mohamed Mrabet dagegen, der wie Choukri ebenfalls aus dem Rif stammte und als erfolgreicher Schriftsteller ebenso von Bowles entdeckt, gefördert und übersetzt wurde, verteidigte zeitlebens seinen Mentor und enthielt sich jeglicher Kritik. Bis heute gilt Mrabet (dt. „M’Hashish“ (1987), „Der Ameisendompteur“ (1994), Maro – Verlag) als Produktivster der von Bowles geförderten marokkanischen Autoren.

Während Choukri kurz vor seinem Tod im November 1993 in Tanger seinen Ton gegenüber Bowles’ etwas abmilderte, („Ich schätze seine Arbeit, aber nicht ganz so seine Person“) hielt Tahar Ben Jelloun seine Spitzen aufrecht. Dabei verstärkte Ben Jelloun indirekt nicht nur seine, sondern auch Bowles’ Popularität, denn so wurde er neben seinem schöpferischen Werk auch europäischen Verlagen als Experte für zeitgenössische marokkanische Literatur bekannt.

Als der Verfasser dieser Zeilen im Herbst 1993 Paul Bowles in Tanger antraf, erlebte der „amerikanische Agent“, wie ihn die Einwohner Tangers süffisant nannten, gerade eine Renaissance um seine Person, die 1990 durch Bernardo Bertluccis filmische Adaption von „The Sheltering Sky“ (mit John Malcovich und Debra Winger in den Hauptrollen) ausgelöst wurde. Gefragt, was er denn über die Vorwürfe von Choukri und Ben Jelloun denkt, äußerte Bowles, dass er „die kreative Arbeit beider Marokkaner sogar mehr schätze, als ihren Mut und ihre Emotionalität.“ Beides wäre nicht möglich, so Bowles, „ohne den fast selbstvergessenen Freiheitswillen, der Marokkanern, insbesondere den Berbern innewohne.“ Mit diesem verschachtelten Lob nahm Bowles der Kritik zunächst den Wind aus den Segeln, fügte aber im Verlauf des Gesprächs hinzu: „Schreiben und Literaturbetrieb verhalten sich zueinander wie Internatslehrer und deren Schüler: Wenn sich der Schüler emanzipiere, schließt Bowles, dann greift er den Lehrer an. „Vatermord. Das ist das Phoenix – Prinzip, leidvoll, aber wichtig!“.

Ob also gänzlich eigennützig, politisch gewollt oder nicht: Fakt ist, dass Bowles maßgeblich die damalige Jugendkultur im westlichsten der Maghreb – Staaten beobachtet und beschrieben hatte. Im Zeitgeist der 1960/70er Jahre kultivierte er hinsichtlich Emanzipation, Freiheitsdrang und Hedonismus eine arabischsprachige Keimzelle, deren Blüten Marokko heute neben Ägypten und Tunesien zu einem der produktivsten und facettenreichsten Literaturländer des Orients erstrahlen lassen.

Nicht von ungefähr spielen die genannten Länder im intellektuellen Diskurs des arabischen Frühlings eine tragende Rolle, die Tahar Ben Jelloun auch in seinem jüngsten, gleichnamigen Werk darstellt: „Es hieß stets,“ so ärgert sich Ben Jelloun im Vorwort von „La primavera árabe“, der spanischen Ausgabe „L’etincelle“, dass die arabischen Völker keine Autoren, keine Intellektuellen, keine Künstler hervorbringen könnten, weil sie angeblich in autoritärer wie nostalgischer Dichotomie lebten, unfähig, an die Moderne anzuknüpfen. Und nun katapultieren sie den alten Westen wie den aufstrebenden Osten in eine Postmoderne, treiben uns an, formen das Weltgeschehen neu!“

Privileg der Jugend – Privileg des Alters.

„Warum“, fragt Jelloun weiter, „wurde ignoriert, dass die arabische Kultur des letzten halben Jahrhunderts trotz ihrer komplizierten Umstände, trotz ihrer Gegensätze immer wieder kritische Stimmen, Autoren und Geister hervorgebracht hat, die ihren Einsatz zum Teil mit Berufsverbot, Kerkerhaft oder Schlimmeren bezahlten? Sie wurden schlichtweg nicht übersetzt, überhört und nicht verstanden. Aber es gab und gibt sie.“ Im Spiegel des arabischen Aufruhrs erscheint Bowles’ Übersetzungsarbeit also gerade wegen Ben Jellouns Klage, orientalische Literatur wäre schlichtweg nicht entdeckt worden, mehr denn je als ein Legat, das aktueller wirkt, als sein Romanwerk.

Aber bereits Bowles’ 1954 entstandener Roman „The Spider’s House“ (Dt. 1959: „Das Haus der Spinne) beschreibt das Spannungsfeld zwischen arabischem Freiheitsdrang und westlicher Ignoranz: Der amerikanische Protagonist schlendert durch sein Bild Marokkos; ein Wunschbild, das sich im Kampf gegen die französischen Kolonialherren geradezu vor seinen Augen auflöst –dennoch bekommt er von der Veränderung nichts mit, will sie nicht annehmen – und scheitert. Die Geschichte erinnert im übertragenen Sinne, fast ein halbes Jahrhundert später, an die Orientierungslosigkeit der Obama – Administration, deren Geheimdienste nicht ansatzweise den Sturz des alten ägyptischen Verbündeten Mubarak voraussahen. Jetzt, nachdem die arabischen Despoten fallen wie Dominosteine, sonnen sich viele Politiker im Lichte der Demokratie, die nun „endlich auch Arabien“ erreiche. Dieser Äußerung widersprechen sowohl Ben Jellouns Vorwort in „L’etincelle“, als auch Paul Bowles’ Kommentare zum „The Spider’s House“:

So kontrovers sich beide Autoren stets beäugten, würden sie hier unisono entgegnen, dass Freiheitsdrang und Demokratiebewegung mindestens seit Ende der Kolonialzeit, wenn nicht vorher, die arabischen Seelen beflügelten. Doch erst jetzt, nachdem sich ihre vielen Stimmen dank Internet, Smartphones und Social Media zu einem großen Grollen vernetzten, das gar den „Despotensprech“ übertönte, würden sie auch im benachbarten Europa gehört. Im Nachwort von „L’Etincelle“ zeigt Ben Jelloun seine Bewunderung über die arabische Jugend, welche letztendlich das Zepter in die Hand nahm: Erst in den Netzwerken, dann auf den Straßen. Auch Bowles sah seinerzeit die Zukunft des Landes in den Händen der Jugend, erst in den konspirativen Bars, dann auf den Straßen. Ihre Methoden haben sich geändert, nicht ihr Freiheitswille.

Tahar Ben Jelloun hatte das 11. Internationale Literaturfestivals am Abend des 07. September 2011 in den Berliner Festspielen mit einer Gastrede eröffnet. Die Rede, mit Spannung erwartet, sollte nach Auskunft der Festspielleiter Stellung zum „arabischen Frühling“ beziehen. Ben Jelloun setzte zur Eröffnung die Frage voraus: „Was kann Literatur politisch bewirken? Leider hielt sich Ben Jelloun sowohl in seiner Rede wie auch im nachfolgenden Interview, das mit einigen Journalisten geführt wurde, in intellektuellen Allgemeinplätzen auf. Er zitierte sämtliche großen Philosophen, von Voltaire über Kant bis Foucault, sprach vom Verdienst der Demokratie, doch es wirkte, als bewerbe er sich hier mit einer Dissertation bei der Académie Française. Eine aktuelle Stellungnahme war das nicht. Konkrete Nachfragen, etwa zum Verlauf der Situation in Syrien, beantwortete Ben Jelloun mit „Es ist schwierig dort. Syrien ist kompliziert. Assad muß weg…und so weiter!“

Daß Ben Jelloun, der langsam auch in die Jahre gekommen ist, etwas müde von Aufklärungsarbeit und politischem Sparring sein mag, sei ihm gegönnt, schließlich hat der Vermittler zwischen den Welten wahrlich viel geleistet und bewirkt. So erscheint im Rückblick auch Bowles’ Reaktion auf den jungen Wilden, der Ben Jelloun einst war, genau so altersmilde, wie Ben Jelloun nun auf die Monarchie in Rabat schaut, wer weiß – doch die Geschichte misst ihre Protagonisten am Ende an ihren Taten, nicht an ihren Worten.

Ben Jellouns Kontrahent Paul Bowles zitierte im Rückblick auf Jimmy Carters Entspannungspolitik zur gleichen Frage, was Literatur politisch ausrichten könne, das alte Sprichwort: „Die Feder ist stets schärfer als das Schwert! Doch sie zu führen ist ungleich schwerer!“

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Daniel Khafif

Daniel Khafif

studierte Kunstgeschichte, Romanistik und Komparatistik in Sevilla, Saarbrücken, Cádiz, Florenz und Berlin. Er ist Journalist, Kurator für bildende Kunst, Übersetzer und Dozent für Medien, kreatives Schreiben und Kulturtourismus. Als Autor für das Fotoreisebuch „7 Helden“ bekam er 2008 den Golden IF – Award. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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