HTC U11+ im Test: Multimedia-Bolide fast ohne Schwächen

Einer der großen Trends in der Smartphone-Branche ist zurzeit zweifelsohne das 18:9-Display. Kaum ein Hersteller verzichtet bei seinem Flaggschiff-Gerät auf den langgezogenen Formfaktor. Auch HTC stellt seinem aktuellen Vorzeige-Smartphone U11 ein größeres HTC U11+ zur Seite, das mit einer 18:9-Anzeige aufwartet. Doch wie praktisch ist solch ein Telefon im Alltag. Nach dem kurzen Hands-On im Oktober, habe ich das Gerät in den letzten Wochen auf Herz und Nieren getestet.

Gläsernes Liquid-Design

Beim Blick auf das Gehäuse des HTC U11+ bleibt sich der taiwanische Hersteller seiner Premium-Linie treu. Die Rückseite beherrscht stark spiegelndes Glas. Unschöne Fingerabdrücke sind also wie auch bei den Mitbewerbern kaum vermeidbar. Die Kanten und Ecken des Mobiltelefons sind angenehm abgerundet. So erscheint es wie aus einem Guss. Mit Maßen von 158 x 75 x 8,5 Millimeter und einer Masse von 188 Gramm wirkt es etwas klobiger als so manches Konkurrenzprodukt wie beispielsweise das Galaxy S9.

Wie seit den letzten Jahren bei HTC üblich ist das U11+ sehr gut verarbeitet. Die auf der rechten Seite befindlichen Power-Button sowie Lautstärke-Wippe besitzen einen angenehmen Druckpunkt und sind fest im Gehäuse verbaut. Hier wackelt nichts. Auch der SIM- und SD-Kartenslot auf der Kopfseite des Gerätes schließt bündig mit dem Gehäuse. Das war beim HTC 10 noch anders.

HTC U11+
Das HTC U11+ ist deutlich wuchtiger als die Konkurrenz wie etwa das OnePlus 5T. Image by Jonas Haller

Scharfes Display mit hoher Farbtreue

Auf der Frontseite verbaut HTC ein 6 Zoll großes QuadHD+ Display, das mit 2.880 x 1.440 Pixel auflöst. Das Super-LCD-6-Panel besitzt eine sehr gute Pixeldichte von 537 ppi. Damit sind selbst bei näherem Betrachten keine Bildpunkte sichtbar. Hinzu kommt, dass die Anzeige den DCI-P3 Farbraum unterstützt. Dieser deckt den Bereich natürlich vorkommender Oberflächenfarben nahezu komplett ab. Zum Einsatz kommt er etwa in der Filmbranche.

In der Praxis glänzte das Panel zudem durch eine sehr gute Maximalhelligkeit. Unter der starken Sonneneinstrahlung Barcelonas war das Display stets gut ablesbar. Der Helligkeitssensor reagiert zudem prompt und regelt die Helligkeit auf das richtige Level. Einziger Negativpunkt beim Testgerät waren Lichthöfe im unteren Displaybereich. Das sollte im Jahr 2018 eigentlich kein Thema sein. HTC spendiert wie auch beim U11 einen Nachtmodus, der die Farbtemperatur nach Sonnenuntergang automatisch anhebt. Damit werden die Augen weniger belastet und der Schlaf besser.

Dank High-End-Prozessor für alle Alltagsaufgaben gerüstet

Unter der Haube des HTC U11+ kommt der High-End-Chip Qualcomm Snapdragon 835 aus dem Jahr 2017 zum Einsatz. Seine acht Kerne takten mit bis zu 2,45 GHz. Daher ist für ein mehr als flüssiges Nutzungserlebnis gesorgt. Dank 6 GB Arbeitsspeicher geht Multitasking sehr flott von der Hand. In den Benchmark-Tests AnTuTu sowie Geekbench erreicht das Flaggschiff Bestwerte: In ersterem stehen 211.400 Punkte zu Buche, im Geekbench 6720 Multi-Core-Punkte. Damit liegt es etwa vor Samsung Galaxy S8 und Note 8, aber auch dem Google Pixel 2 XL. Das Samsung Galaxy S9 und das Galaxy S9+ sind allerdings noch leistungsstärker. Auch anspruchsvolle Spiele laufen auf dem HTC U11+ flüssig und stellen die Komponenten vor nicht allzu große Herausforderungen. Allerdings erwärmt sich das Glasgehäuse bereits nach wenigen Minuten spürbar.

HTC U11+ Benchmark-Tests
In den Benchmark-Test macht das HTC U11+ eine sehr gute Figur. Screenshots by Jonas Haller

Mit 128 GB ist auch der interne Speicher sehr gut bestückt. Deswegen ist eine microSD-Karte kaum noch notwendig. Die Schreib- und Lese-Geschwindigkeit ist laut A1 SD Bench sehr flott: 473 MB/s beim Lesen stehen 175 MB/s beim Schreiben gegenüber. Wer mehr Speicher benötigt, kann per microSDXC um theoretisch 2 TB erweitern.

Ultrapixel-Kamera liefert grandiose Aufnahmen

Wie auch im “kleinen” Bruder HTC U11 kommt in der Plus-Version ein Ultrapixel-Kameramodul zum Einsatz. Es löst zwar lediglich mit 12 Megapixel auf, überzeugt allerdings durch besonders große Bildpunkte auf dem Sensor. Mit f/1.7 ist die Blende zudem sehr lichtstark. Dank optischem Bildstabilisator gelingen auch bei schlechten Lichtbedingungen scharfe Aufnahmen. Besonders herauszuheben ist der HDR Boost. Im Automatik-Modus aktiviert, liefert er hochdynamische Fotos. Dabei werden drei Aufnahmen kurz nacheinander gespeichert und zusammengerechnet. Die Ergebnisse sind beeindruckend.

Wer eher auf Bewegtbilder steht, zeichnet diese wahlweise in 4K-Auflösung mit 30 Bildern pro Sekunde oder FullHD mit 60 Bildern pro Sekunde auf. Zeitlupen-Aufnahmen sind mit 120 fps möglich. Im HTC U11+ steckt zudem die 3D-Audio-Funktion aus dem U11. Vier Mikrofone ermöglichen einen akustischen Fokus, der Hintergrundgeräusche reduziert. Das funktionierte im Test sehr gut, auch wenn der Ton etwas unwirklich erscheint. Ein kurzes Testvideo seht ihr hier.

Stadtansichten: Barcelona from Jonas on Vimeo.

BoomSound-Lautsprecher liefern vor allem lauten Sound

Seit dem One M7 ist HTC für seine überdurchschnittliche Audioqualität bekannt. Auch im U11 Plus kommt die BoomSound genannte Lautsprecher-Technik zum Einsatz. Die Hörmuschel im oberen Gerätebereich dient als Hochtöner, der Speaker auf der Unterseite als Tieftöner. Musik wird in einem breiten Frequenzspektrum wiedergegeben. Der Klang ist sehr gut und hebt sich von der Konkurrenz wie etwa dem OnePlus 5T deutlich ab.

Auch im Landscape- und Theatermodus macht das Android-Smartphone eine gute Figur. Dann agieren die zwei Lautsprecher als Stereospeaker und es kommt ein bisschen Heimkino-Flair auf. Noch bessere Qualität bieten die mitgelieferten USonic-Kopfhörer. Sie vermessen das Ohr per Ultraschall und bieten somit einen individuellen Klang, was nur wenige andere Kopfhörer wie der Aventho Wireless ebenfalls können. Außerdem bieten die USonic-Hörer eine aktive Geräuschunterdrückung. Im Test eine echte Wonne.

Einziger Wermutstropfen: Das Lauscherpaar wird über den USB-C-Anschluss verbunden. Gleichzeitiges Laden ist somit nicht möglich. Wer lieber eigene Kopfhörer nutzen möchte, greift zum beiliegenden Klinken-Adapter.

Großer Akku sorgt für sehr gute Laufzeit

Positiv überrascht bin ich ferner von der Akkulaufzeit des neuen HTC U11+. Während andere Hersteller die Kapazität drosseln, integrieren die Taiwaner ein 3.930 mAh starkes Modul in das recht dünne Gerät. Dieser versorgt das Mobiltelefon den Tag über mit Strom. Im stressigen Messealltag mit allerhand Nutzung besaß der Akku am Ende des Tages zehn Prozent Ladung. Ohne auch nur einmal eine Powerbank zu Gesicht bekommen zu haben. Auch das Laden geht dank Quick Charge 3.0 sehr flott von der Hand: In nicht einmal zwei Stunden ist der Energiespeicher wieder vollständig geladen.

HTC U11+
Unter dem glänzenden Glas-Rückseite befindet sich der 3.940 mAh starke Akku. Image by Jonas Haller

Android-Betriebssystem mit gelungenen Eigen-Features an Bord

Auf dem HTC U11+ ist Android in Version 8.0 Oreo vorinstalliert. Außerdem spendiert HTC seine unternehmenseigene Nutzeroberfläche Sense. Sie läuft butterweich und bringt spannende Funktionen mit sich. Beispielsweise zeigt der optionale Blinkfeed die aktuellsten Nachrichten und Mitteilungen aus den sozialen Netzwerken an. Apps können im Menü gruppiert und so in themenspezifische Ordner gepackt werden.

Mit der U-Serie führte HTC zudem Edge Sense ein. Dabei handelt es sich um einen drucksensitiven Rahmen über den etwa Kamera oder Digitalassistenten aktiviert werden. Je nach Händedruck lässt sich die Druckstufe anpassen. Im Test funktionierte das Feature sehr schnell und beschleunigt mit der richtigen Konfiguration den Workflow ungemein. So lassen sich auch innerhalb von Anwendungen bestimmte Aktionen einstellen. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Mitbewerbern. Neu ist zudem der Edge Launcher, über den sich oft genutzte Apps per Daumen schnell öffnen lassen.

Google Assistant und Alexa an Bord

Künstliche Intelligenz ist auch beim HTC U11+ ebenfalls ein wichtiges Thema. Neben dem standardmäßig installierten Google Assistant kommt das Premium-Smartphone mit Amazons Alexa daher. Per Spracheingabe aktiviert sich die KI. Allerdings geschieht dies öfters als einem lieb ist. Im Testzeitraum ploppte hin und wieder ungewollt Alexa auf. Zum Glück lässt sie sich auch deaktivieren. Beide Assistenten lassen sich problemlos parallel betreiben und nach Lust und Laune einsetzen.

HTC U11+
Auch Amazon Alexa ist am Bord des HTC U11+. Image by Jonas Haller

Außerdem integriert HTC seinen eigenen Assistenten “Sense Companion”. Er analysiert das Nutzungsverhalten und gibt zur richtigen Zeit entscheidende Tipps. Beispielsweise erinnert er den Weg zum nächsten Termin anzutreten oder das Mobiltelefon vor einer Partynacht noch einmal mit Strom zu versorgen. Der Schrittzähler protokolliert die täglichen Aktivitäten und gibt morgens einen Überblick über den vergangenen Tag. Natürlich muss dazu das Gerät permanent am Mann getragen werden.

Fazit HTC U11+: Gelungenes Premium-Smartphone für Nerds

Mit dem U11+ hat HTC endlich das ersehnte Flaggschiff auf den Markt gebracht, das ganz oben mithalten kann. Denn die Spezifikationen sind High-End. Insbesondere Kamera, Lautsprecher und Akku sind als die großen Stärken hervorzuheben. Außerdem besitzt das Display eine ausgeglichene Farbwiedergabe und Helligkeit. Es kommt allerdings an die Konkurrenz von Samsung, LG und Co. nicht ganz heran. Der wohl größte Kritikpunkt sind Maße und Gewicht, denn gegenüber der Konkurrenz wirkt das HTC U11+ sehr klobig und wuchtig.

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 849 Euro ist es zwar alles andere als ein Schnäppchen. Es bietet allerdings ein interessantes Paket für all jene, die kein Smartphone von der Stange nutzen wollen. Die Multimedia-Funktionalitäten sind ebenfalls erstklassig. Android-Jünger begrüßen außerdem die cleveren Zusatz-Features, die HTC Sense mitbringt. Wer also ein großes Premium-Smartphone mit ordentlich Performance sucht, ist beim HTC U11+ an der richtigen Adresse.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf Netzpiloten Android.


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Jonas Haller

Jonas Haller

studiert zurzeit Leichtbau an der Technischen Universität in Chemnitz. Die technische Vorschädigung tut dem Interesse zum mobilen Zeitgeschehen und der Liebe zur Sprache jedoch keinen Abbruch – im Gegenteil. Durch die Techsite HTC Inside ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das Android Magazin aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge, die das Leben bunter machen. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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