Googles „View“-Projekte: Von der Couch über den Tellerrand

Google vermisst die Welt und digitalisert sie in detailgenaue Karten und tollen Bildern. Mit den View-Projekten geht es von zu Hause aus auf Entdeckungsreise.

Googles „View“-Projekte: Von der Couch über den Tellerrand

Wer muss schon reisen, um das Great Barrier Reef in Australien zu sehen oder um ein weltberühmtes Museum zu besuchen? Wer muss heute noch vor die Tür, um Fische und Schildkröten in Aktion zu betrachten oder wundervolle Zugstrecken durch die Schweizer Alpen, Fußballstadien oder UNESCO Weltkulturerben hautnah zu erleben? Google macht all das mit seinen unterschiedlichen „View“-Projekten mit wenigen Klicks möglich. Wann immer, so oft und so lange man will, kann man sich vom Wohnzimmer aus durch die Welt klicken.

Mit „Keyhole“ fing alles an

Angefangen hat alles im Jahr 2004, als Google das 2001 gegründete Unternehmen „Keyhole Corp.“ aufgekauft hat. Das Unternehmen hatte mit „Keyhole“ eine Software gebastelt, mit der man den Globus in 3D-Darstellung erforschen konnte. Google benannte „Keyhole“ in „Google Earth“ um und die Dinge nahmen ihren Lauf. 2007 stellte das kalifornische Unternehmen erstmals ihr neustes Projekt vor: Google StreetView. Das Vorhaben war denkbar einfach, die Weiterentwicklung nur eine Konsequenz aus dem Erfolg von Google Earth. Und doch muss man sich heute – in einer Zeit voller Selbstverständlichkeit für Technik – immer wieder vor Augen führen, welcher Aufwand betrieben werden musste, um die Straßen dieser Welt zu kartographieren.

Jeder Winkel, jeder Fleck

Erst kürzlich gab StreetView Manager Ulf Spitzer in einem Blogpost bekannt, dass das 360°-Bildmaterial von StreetView um 250.000 Meilen, also etwas über 400.000 Kilometer (!), in Italien, Großbritannien, Dänemark, Norwegen, Schweden, den USA, Kanada, Singapur, Thailand, Taiwan und Macau erweitert wird. Zusätzlich zu der ohnehin schon faszinierenden Reichweite der 3D-Bilder. Doch als würde es Google nicht reichen, das StreetView-Projekt immer weiter voranzutreiben, digitalisiert es nun munter Stück für Stück jeden Winkel der Erde.

So auch die Unterwasserwelt. Mit dem Anfang 2012 vorgestellten „SeaView“ will Google nun auch berühmte Orte unterhalb der Wasseroberfläche für jeden zugänglich machen, etwa das Great Barrier Reef vor der Küste Australiens oder Taucherparadise vor Hawaii und den Philippinen. Besonders spektakulär ist dabei aber nicht nur das Ergebnis, sondern auch seine Entstehung: Die Aufnahmen wurden mit einer speziellen Unterwasser-3D-Kamera aufgenommen, die über einen eigenen Antrieb verfügt. Mit ca. vier km/h lenkte ein Taucher, der sich am hinteren Ende des Gefährts festhalten konnte, die Kamera durch die Tiefen vor der australischen Küste. Dabei schossen die vier Kameras alle 5 Sekunden ein Bild, inklusive vorbeischwimmender Schildkröten und Fische.

Kunst und Kultur kommen nicht zu kurz

Doch Google hat auch für Kulturfreunde genug Input im Angebot. Wem das Tauchen nicht liegt, der kann sich ja mal in einem der über 50 Museen umschauen, die Google im Zuge des „Art Projekt“ digitalisiert hat. Ob die Ausstellungsstücke im Weißen Haus in Washington D.C. oder das Leopold Museum in Wien: Für Kunst und Kultur ist im virtuellen Museumsgang ausreichend gesorgt. Schlechte Karten also zukünftig auch für die Kunstklassen in der Schule: Statt aufregendem Ausflugstrip gibt es wohl gerne auch nur mal einen entspannten Beamer-Vortrag über das Alte Museum in Berlin. Im Übrigen: Auch die UNESCO Weltkulturerben können inzwischen detaillierter betrachtet werden, als je zuvor.

Für Fußball-Fans ist gesorgt

Es ist der 10. Juli 2010, als sich die deutsche Nationalmannschaft im Nelson Mandela Bay-Stadion in Port Elizabeth den 3. Platz gegen Uruguay sichert. Aber mal Hand aufs Herz: Wer hat denn heute noch das Stadion vor Augen? Auch das ist kein Problem mehr: Ob südafrikanische oder deutsche Fußballstadien: Google hat auch hier eine Lösung parat. Echte Fans sind jetzt nur noch wenige Klicks von den Wirkungsstätten ihrer Idole entfernt, können ganz bequem über den Rasen schlendern oder sich das Hallendach mal genauer anschauen.

Von der Couch über den Tellerrand hinaus

Es scheint, als seien die „View“-Projekte des Suchmaschinenkonzerns unerschöpflich. Ein Konzern digitalisiert und kartographiert unseren Planeten und macht die Bilder für jeden zugänglich. Natürlich nimmt es über die Werbeeinblendungen Geld ein, speichert wahrscheinlich auch unsere Suchanfragen in die Tiefen des Great Barrier Reef. Doch alles in allem sind StreetView, SeaView, das ArtProjekt und Co. tolle Möglichkeiten, auch mit wenig Geld und Zeit mal über den Tellerrand hinauszuschauen und die Sehenswürdigkeiten der Welt zu bestaunen. Sind wir gespannt, wohin wir uns zukünftig noch alles klicken können.

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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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