Coworking: Das Büro ist tot, es lebe das Büro!

Wie sieht Arbeit in Zukunft aus? Vielleicht wie Coworking: Gemeinsam werden Büros angemietet und flexibel genutzt. „Neue Orte für neues Arbeiten“ für Freiberufler und alle, die mobil sind, nicht an die Küchenwand starren oder einer festen Bürogemeinschaft beitreten wollen. Das Netz macht’s möglich – weltweit.

Digitales Zuhause der Coworker ist das Hallenprojekt. Dort kann man sich anmelden, Arbeitsorte in ganz Deutschland und weltweit suchen und mit seinen bekannten oder noch unbekannten Coworkern kommunizieren. Durch die Kontakte entstehen auch oft gemeinsame Projekte. Bestes Beispiel ist das internationale atoms&bits-Festival.

Morgens ins Büro, abends heim, jeden Tag die gleichen Kollegen, die gleiche Umgebung, und das über Jahre – das ist das Muster der klassischen Festanstellung. Doch viele Festangestellte zahlen einen Preis, nicht nur durch weite Pendelstrecken zur Arbeit. Für Sebastian Sooth vom Hallenprojekt sieht die Arbeit der Zukunft anders aus: Freier, flexibler, selbstbestimmter.

Neue Arbeitsformen seien kein Randphänomen, erklärt er mit Verweis auf eine Bitcom-Studie: Derzufolge möchte die Mehrzahl der Deutschen nicht an den Büroplatz gefesselt sein. Außerdem lassen sich durch Coworking Beruf und Familie besser vereinbaren, sagt Sooth. Seine Vision: Irgendwann sollen sich so viele Coworking Spaces etabliert haben, dass man „im Umfeld von zehn Minuten überall coworken kann“.

Hier und da gibt es solche Orte schon lange. In den 20er Jahren gab es in Berlin Salons mit eifrig auf Schreibmaschinen tippenden Damen. Heute lassen sich gemeinsame Arbeitsorte über Netzwerktools viel besser organisieren, aufbauen und finden: Innerhalb einer Stadt, eines Landes und sogar weltweit. Es gibt mittlerweile schon eine iPhone–App, mit der man seine Umgebung auf Arbeitsorte „scannen“ kann: Worksnug.

San Francisco hatte den ersten aktiven Coworking Space. In New York City waren die hohen Mietpreise Anlass, sich gemeinsame Büros zu suchen. Bekanntestes Projekt ist dort New Work City. Jenseits des Hudson hat sich mit Coworking Brooklyn aus einer Galerie ein Kreativ–Space entwickelt, mit Werkstatt und Veranstaltungen – dort entstand 2008 auch die fake New York Times der Yes Men.

Mittlerweile gibt es Coworking auf allen Kontinenten. Die meisten befinden sich in Europa und den USA, es gibt aber auch schon erste Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Eine Übersicht zeigt Google Maps.

Coworking / Google Maps

Mit dem Betahaus, das 120 feste Plätze bietet, hat Berlin den größten Coworking–Ort weltweit. Wer nur ein paar Monate in Berlin verbringt, hat hier kaum Probleme, schnell den richtigen Ort zum Arbeiten und Kontakte zu Menschen aus der Stadt zu finden.

„Das ist noch eine Avantgarde, die so arbeitet“, sagt Markus Albers, Autor des Buches „Morgen komm ich später rein“, in dem es um neue Arbeitsformen geht. Auch die meisten Unternehmen seien noch nicht so weit, in Coworking eine alternative Arbeitsform zu sehen. Doch es fände mittlerweile ein Umdenken statt, Mitarbeitern mehr und mehr Freiraum bei der Wahl ihres Arbeitsortes zu lassen. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, gehört das gute, alte Büro vielleicht bald schon zur Vergangenheit.


Image „Company“ by stux (CC0 Public Domain)

Screenshot via Google Maps


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Anja Krieger

Anja Krieger

ist freie Journalistin und Texterin mit Schwerpunkt Netzkultur und Technologie. Nach ihrem Studium der Kulturwissenschaften in Frankfurt (Oder), Berkeley und Salamanca war sie für den Hörbuch-Verlag DAV und die Online-Kulturplattform "Perlentaucher" tätig. Seit 2009 arbeitet sie als freie Journalistin. Ihre Beiträge finden sich auf anjakrieger.com.

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