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So helfen Umfragen Kunden und Unternehmen

Selbsterkenntnis ist ein guter Anfang für große oder kleine Veränderungen. Wer sich selbst und sein Tun reflektiert, hat die Chance, Fehler zu erkennen und sie auszubessern. Gilt das auch für komplexe Organisationen wie ein Wirtschaftsunternehmen? Wie können Firmen Selbstreflexion betreiben, um zu mehr Qualität, Effizienz und letztlich Erfolg zu gelangen? – Probates Mittel für die unternehmensbezogene Selbsterkenntnis sind von jeher Umfragen. Was vor Jahren noch aufwendige Papier-Prozesse waren, ist heutzutage durch die digitalen Hilfsmittel ein Kinderspiel. Jedes Unternehmen kann in wenigen Schritten seine Kunden und Partner erreichen und deren Grundhaltung, Zufriedenheitsgrad und Wünsche abfragen.

Sowohl für bereits etablierte Betriebe als auch für Startups ist das unmittelbare Feedback vom Kunden ein wichtiges Instrument innerhalb der Unternehmensleitung. Denn nur so können Produkte und Dienstleistungen verbessert werden. Besonders hilfreich dabei ist ein starkes Umfrage Tool. Es stellt die Grundlage für einen wichtigen Wettbewerbsfaktor dar. Feedback von Kunden ist ein Geschenk, das sinnvoll genutzt werden sollte. Immerhin erhalten Unternehmen auf diese Weise wertvolle Hinweise darüber, was sie gut machen und wo sie den Bedürfnissen ihrer Kunden noch besser gerecht werden können. Übrigens sind Kunden nicht der einzige Faktor, der zum Erfolg oder Nicht-Erfolg einer Marke beiträgt. Auch Mitarbeiter leisten natürlich einen entscheidenden Beitrag. Eine Mitarbeiterumfrage durchzuführen kann deswegen ebenso zu wichtigen Ergebnissen führen.

Wie kann ich Kunden an mein Unternehmen binden?

Was ist Kunden am wichtigsten? Nur wer die Antwort darauf kennt, kann entsprechend handeln. Mit der Zeit können sich Kundenwünsche ändern. Und auch innerhalb einzelner Alters- und Zielgruppen sind Unterschiede möglich. So achten Leute ohne Auto zum Beispiel besonders darauf, dass das Geschäft gut an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen ist. Workaholics hingegen lieben es, ihre Waren unkompliziert und von überall aus via Internet bestellen zu können. Sicherlich gibt es allgemeine Umfrageergebnisse dazu, was Kunden bei einem Unternehmen wichtig ist. Jedoch besitzt nicht jede Firma die gleiche Zielgruppe, so dass sich hier durchaus Unterschiede ergeben können. Deswegen ist es besser eigene, zielgerichtete und individuelle Umfragen durchzuführen.

Jeder einzelne Kunde ist wichtig für ein Produktions- oder Dienstleistungsunternehmen. Wie Befragungen zeigen, lässt sich eine einmal gefasste Meinung nicht mehr so schnell ändern. In Zeiten des Internets nutzen Kunden gerne die Möglichkeit, ihre Meinung über Online-Bewertungen kundzutun. Dies kann von Vorteil sein, wenn man Wert auf die Kundenzufriedenheit legt. Bei zu vielen unzufriedenen Kunden kann das Ganze aber auch schnell nach hinten losgehen, denn Kunden vertrauen Online-Bewertungen. Das hat unlängst die Forschungsplattform Nielsen offengelegt. Demnach vertrauen etwa zwei Drittel aller Kunden den Online-Meinungen. Umso wichtiger, dass diese positiv ausfallen.

Einsatzmöglichkeiten von Umfragen

Umfragen haben einen wichtigen Einfluss auf den unternehmerischen Erfolg. Idealerweise sollte Kundenfeedback regelmäßig eingeholt werden. Die Auswertung muss auf Routinen und Automatismen beruhen, so dass hier keine Unregelmäßigkeiten auftreten können. Überall dort, wo man mit Kunden und potentiellen Kunden in Kontakt kommt, sollte idealerweise das Feedbackmanagement eingesetzt werden. Dabei wird in drei unterschiedlichen Typen von Fragen unterschieden: Offene Fragen sind so angelegt, dass der Befragte in einem dafür vorgesehenen Feld eine freie Antwort eintragen kann. Diese Art der Umfrage ist eher kompliziert auszuwerten und wird deswegen selten bevorzugt. Hilfreicher sind geschlossene Fragen, bei denen der Befragte aus unterschiedlichen Antwortmöglichkeiten wählen kann. Wer möchte, kann auch festlegen, dass Mehrfachnennungen zugelassen sind. Der dritte Umfragetyp sind Beurteilungsfragen. Sie sind ideal, um Trends, Stimmungen, eine Zustimmung oder Ablehnung abzufragen. Befragten wird hierbei eine Matrix, ein Schieberegler oder eine Skala zur Verfügung gestellt.

Und nicht zu vergessen: Nicht nur an die Kunden denken! Auch Mitarbeiterbefragungen sind wichtig und können helfen, Probleme und Lösungsansätze zu erkennen. Schließlich sind zufriedene Mitarbeiter ebenso maßgeblich am Erfolg eines Unternehmens beteiligt wie zufriedene Kunden und Geschäftspartner.


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Roboter und die nächste Industrielle Revolution: Kommt das Ende der Arbeitsplätze?

Arbeit (adapted) (image by MarkoLovric [CC0] via pixabay)

Roboter übernehmen unsere Arbeit seit den 1960ern. Aber warum sind gerade jetzt unsere Politiker und Geschäftsführer so besorgt darüber, dass Roboter Massenarbeitslosigkeit verursachen?

Es kommt darauf an, wie man einen Roboter definiert. In Science-Fiction-Filmen werden Roboter häufig als Androide dargestellt, die die ihnen auferlegten Aufgaben genau wie Menschen durchführen. In der Wirklichkeit nehmen die Roboter viel spezifischere Formen an. Traditionell begegnen wir Robotern im 20. Jahrhundert in Form von automatisierten Maschinen und Roboterarmen, die Autos in Fabriken zusammenbauen. Im 21. Jahrhundert sind kommerzielle Roboter Selbstbedienungskassen, automatisch geführte Lagerfahrzeuge oder gar Maschinen, die den Burger im Fast-Food-Restaurant belegen.

Doch grundsätzlich sind wir Menschen nicht komplett überflüssig geworden. Die Roboter können zwar sehr effizient sein, aber sie sind auch irgendwie stumm und seelenlos. Sie denken nicht, sie handeln bloß, und tun dies sehr exakt, aber auch mit Einschränkungen. Menschen werden immer noch gebraucht, um Dinge zu tun, die der Roboter nicht kann und ihm zu helfen, wenn dieser ein Problem hat. Aber all dies wird sich ändern – Dank einer neuen Welle von klügeren, besseren Maschinen, die sich an verschiedene Aufgaben anpassen können. Diese Änderung wird so signifikant sein, dass daraus eine neue industrielle Revolution erwachsen wird.

Industrie 4.0

Diese Ära der „Industrie 4.0“ wird von den gleichen technologischen Fortschritten angetrieben, die die Leistungsfähigkeit unserer Smartphones möglich machten. Es ist eine Mischung aus geringen Kosten und leistungsstarken Computern, Hochgeschwindigkeitskommunikation und künstlicher Intelligenz. Dies wird intelligentere Roboter mit besseren Erfassungs- und Kommunikationsfähigkeiten hervorbringen, die sich an verschiedene Aufgaben anpassen und sogar ihre geforderte Arbeit ohne Eingabe des Menschen koordinieren können. In der Fertigungsindustrie, wo Roboter wohl den meisten Fortschritt aller Bereiche machen, wird dies zu einer dramatischen Verschiebung von zentraler zu dezentraler Gemeinschaftsproduktion führen.

Traditionelle Roboter konzentrieren sich auf einen singulären und festgeschriebenen Hochgeschwindigkeitsbetrieb und benötigen hochqualifiziertes Personal zur Betreibung und Wartung. Industrie 4.0-Maschinen sind flexibel, teamfähig und arbeiten unabhängiger, wodurch letztlich die Notwendigkeit hochqualifizierten Personals entfällt.

Für Großhersteller bedeutet Industrie 4.0, dass Roboter ihre Umgebung erfassen und mit ihr kommunizieren können, in einem Industrienetzwerk, das fernüberwacht werden kann. Jede Maschine wird eine Vielzahl an Daten produzieren, die kollektiv ausgewertet werden können. Dieses Phänomen ist uns bereits unter dem Namen Big Data-Analyse ein Begriff. Dies wird dabei helfen, Möglichkeiten zu finden, Betriebsleistungen und Produktionsqualität in der ganzen Anlage zu verbessern. So kann man beispielsweise vorhersagen, wann Wartungsarbeiten anfallen und diese automatisch einplanen.

Für kleine bis mittelgroße Fertigungsunternehmen wird es durch Industrie 4.0 günstiger und einfacher, Roboter zu nutzen. Es werden Maschinen entstehen, die rekonfiguriert und angepasst werden können, um mehrere Aufträge durchzuführen und um an verschiedenen Produktpaletten und unterschiedlichen Produktionsmengen zu arbeiten. Dieser Sektor beginnt bereits von rekonfigurierbaren Robotern zu profitieren, die entworfen worden sind, um mit Personal zusammenzuarbeiten. Sie sollen zudem ihre eigene Arbeit analysieren und verbessern, wie es bereits bei BAXTER, SR-TEX and CareSelect geschieht.

Während diese Maschinen immer intelligenter werden, sind sie noch lange nicht so schlau wie wir. Heutige industrielle, künstliche Intelligenz arbeitet auf einem geringen Niveau, welches den Anschein menschlicher Intelligenz von Maschinen vorzeigt, aber von Menschen kreiert wurde.

Was als nächstes kommt, ist als „Deep Learning“ bekannt. Ähnlich der Big Data-Analyse geht es darum, große Datenmengen in Echtzeit zu verarbeiten, um eine Entscheidung darüber zu treffen, welche Maßnahme am besten ergriffen werden sollten. Der Unterschied besteht darin, dass die Maschinen mit den Daten lernen und so ihre Entscheidungsfindung verbessern. Ein perfektes Beispiel für Deep Learning wurde von der Google-Software AlphaGo-Software demonstriert. Sie hat sich selbst beigebracht, den weltbesten Go-Spieler zu schlagen.

Der Wendepunkt in der Anwendung künstlicher Intelligenz in der Fertigung könnte mit der Verwendung von speziellen Mikrochips, den sogenannten Graphical Processing Units (GPUs), kommen. Doch auch hier ist es noch ein weiter Weg, bis die Technologie soweit ist. Viele große Unternehmen stellen derzeit massenweise Wissenschaftler ein, die hier beim Entwickeln helfen sollen.

Einfluss auf die Industrie

Sobald Industrie 4.0 – Technologien intelligenter und weit verbreiteter verfügbar sein werden, werden Unternehmer beliebiger Größe in der Lage sein kosteneffiziente, vielseitig einsetzbare und zusammenarbeitende Maschinen als Standard einzusetzen. Dies führt zu industriellem Wachstum und Wettbewerb auf dem Markt, durch größeres Verständnis für die Produktionsprozesse, die wiederum zu neuen hochwertigen Produkten und digitalen Dienstleistungen führen.

Wie der tatsächliche Einfluss von intelligenteren Roboterarbeitskräften, mit dem Potential selbstständig zu arbeiten, auf die Fertigungsindustrie haben wird, ist stark umstritten. Künstliche Intelligenz, wie wir sie aus Science-Fiction-Filmen kennen, steckt noch in den Kinderschuhen. Es könnte wohl bis zum 22. Jahrhundert dauern, bis Roboter das Potential haben, menschliche Arbeit überflüssig zu machen – nicht nur durch die Entwicklung von Deep Learning, sondern durch ein tatsächlich existierendes künstliches Verständnis, dass das menschliche Denken nachahmen kann.

Im Idealfall wird die Industrie 4.0 es der menschlichen Arbeitskraft ermöglichen, mehr in ihrem Job zu erreichen, in dem bestimmte, gleichförmige Tätigkeiten abgegeben werden und bessere Roboterwerkzeuge zur Verfügung gestellt werden können. In der Theorie würden wir uns gestatten, den Fokus auf Geschäftsentwicklung, Kreativität und Wissenschaft zu legen. Für einen Roboter wäre dies um einiges schwieriger. Technologie, die uns in der Vergangenheit überflüssig gemacht hat, zwang uns, uns anzupassen – hauptsächlich durch mehr Bildung.

Doch weil gerade Industrie 4.0-Roboter in der Lage sein werden, eigenständig zu handeln, wirken auf uns die Arbeitsplätze in der Produktion überflüssig. Dies geschieht, ohne dass andere Sektoren in der Lage sein werden, neue Arbeitsplätze zu schaffen. So könnten wir auch politische Bewegungen deutlicher erkennen, die die menschliche Arbeit beispielsweise durch Besteuerung von Robotern schützen.

Kurz: In einem idealen Szenario werden Menschen in der Lage sein, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die sie zu Menschen machen – vielleicht sogar durch ein Grundeinkommen aus Roboterarbeit. Letzten Endes wird es von uns abhängen, ob die Roboterarbeitskraft für uns, mit uns oder gegen uns arbeiten wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Arbeit“ by MarkoLovric (CC0 Public Domain)


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Zwischen Selbstoptimierung und Cyborg: Kann Biohacking unsere Produktivität steigern?

Technologie (adapted) (Image by Tumisu [CC0 Public Domain] via pixabay)

Ein gesünderes Leben, mehr mentale Stärke, bessere Konzentration und eine bessere Performance. Das sind einige der Ziele der Biohacking-Bewegung. Der Trend aus dem Silicon Valley ist längst auch in Deutschland angekommen. Doch ist Biohacking tatsächlich eine gesunde Form der Selbstoptimierung oder werden wir damit über kurz oder lang zu arbeitsoptimierten Cyborgs?

Zwei Monate hat er durchgehalten. So lange hat Fabian Foelsch kaum feste Nahrung zu sich genommen. Foelsch will damit aber nicht etwa ein paar Kilo abspecken oder eine Detox-Kur machen. Er will testen, ob ihn sein Nahrungsverzeicht produktiver macht. Er gehört zu den Menschen, die medizinisches und biologisches Wissen nutzbar machen wollen, um die eigene Leistung und sich selbst zu optimieren. Fabian Foelsch ist ein Biohacker.

Wenn man sich selbst zum Versuchskaninchen macht

Damit sind nicht unbedingt die DIY-Biologen gemeint, die in Garagenlabors Bakterien zur Verhütung züchten oder Mikrochips entwickeln, die wir uns unter die Haut einpflanzen. Bei der neuen Generation der Biohacker steht vor allem eines im Zentrum: Selbstoptimierung. Diese soll aber nicht etwa über genetische Experimente erfolgen, sondern vielmehr über die optimale Nutzung unserer körperlichen Funktionen. Biohacking light also. Maximilian Gotzler, Gründer der Marke Flowgrade, gilt in Deutschland als Biohacking-Experte. Er definiert den Begriff folgendermaßen: „Biohacking ist die Kunst, die neuesten Erkenntnisse aus Technologie und Natur so zu kombinieren, dass wir uns selbst weiterentwickeln und ein besseres Selbstverständnis entwickeln können.“

Im Zentrum steht dabei die Selbstvermessung. Überspitzt könnte man auch sagen, dass wir uns beim Biohacking selbst zu Versuchskaninchen machen. Gemeint ist damit das intensive Beobachten des eigenen Körpers nach wissenschaftlichen Methoden. Das kann so etwas Simples sein wie ein Ernährungstagebuch oder auch das Messen von Blutwerten, Körperfett oder komplexere Methoden wie etwa der Einsatz von Messtechnologien wie Schlaftrackern. Mit solchen Daten wollen Biohacker herausfinden und letztendlich messbar machen, was dem Körper gut tut und was ihn leistungsfähiger macht. Und sie wollen daraus Produkte für den Massenmarkt entwickeln.

Businessmodell Biohacking

Biohacking dient also nicht nur der Selbstoptimierung, es ist ein Geschäftsmodell. Das hat auch der temporäre Nahrungsverweigerer Fabian Foelsch vor einigen Jahren erkannt. Er kommt aus dem Leistungssport, hat dann aber eher klassisch BWL studiert – „also ganz langweilig“, wie er im Gespräch mit den Netzpiloten gesteht. So richtig warm wurde er denn auch nie mit seiner Arbeit im Bereich der Finanzen. So beschloss er schließlich, sein eigenes Wissen um die Performanceverbesserung aus dem Sport für den Massenmarkt zu skalieren – und startete so 2016 sein Start-Up BRAINEFFECT.

Sein aktuelles Nahrungsexperiment ist dabei nur einer der vielen Selbsttests, die er und seine Mitarbeiter im Start-Up ausprobieren. Ziel ist es dabei, Nutzern nicht nur hilfreiche Tipps wie etwa über das hauseigene Magazin zu geben.

Dazu gehören etwa Ratschläge wie weniger Kaffee trinken oder öfter an die frische Luft gehen. Das klingt nach recht banalen Tipps, die man mit ein wenig gesundem Menschenverstand wahrscheinlich auch ohne viel Geld für teure Produkte selbst umsetzen kann. Dennoch haben Biohacking-Unternehmen und Food-Brands wie BRAINEFFECT offensichtlich den Nerv der Zeit getroffen. Denn das Start-Up entwickelt auch eigene Biohacking-Produkte. Gemeinsam mit einem Team aus Leistungssportlern, Ärzten, Lebensmittelchemikern und Ernährungswissenschaftlern bietet das Unternehmen verschiedene Food-Produkte zur Selbstoptimierung an. Diese haben Namen wie „Sleep“, „Mood“ oder „Focus“ und sollen – durch rein natürliche Zutaten, wie das Unternehmen versichert – den Schlaf, die Laune oder die Konzentrationsfähigkeit verbessern.

Diese Produkte sind sehr gefragt. „Wir richten uns mit unseren Produkten an eine Vielzahl von Menschen. Unsere Kunden sind Sportler, Gründer, Banker, aber auch Mütter oder schlichtweg Menschen, die ihr Wohlbefinden verbessern wollen“ , sagt Foelsch. Diese Kunden nennt er auch „Alltagshelden“ oder „Büroathleten“. Damit ist auch klar, dass jeder von uns ein potentieller Biohacking-Kunde ist. Wer will denn schließlich nicht fitter, ausgeschlafener, entspannter und leistungsfähiger sein?

Tatsächlich könnte man dies in Eigenarbeit und durch Selbstbeobachtung wahrscheinlich auch ohne Start-Ups wie BRAINEFFECT erreichen. Doch die Biohacker profitieren dabei auch von einer grundlegenden menschlichen Eigenschaft: der Faulheit. Anstatt uns mit Schlaftrackern oder Blutdruckmessgeräten selbst zu beobachten, ist es natürlich simpler, einfach eine Melatonin-Kapsel für besseren Schlaf einzunehmen. Auch wenn hinter diesen Produkten wissenschaftliche Erkenntnisse und fundierte Studien stecken: Im Prinzip wird damit – wie schon seit Jahrhunderten – Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit aus der Flasche verkauft.

Fabian Foelsch (2)
Fabian Foelsch (Image by BRAINEFFECT)

Medizinisches Wissen demokratisieren

Das wäre dann vielleicht einfach nur geschicktes Marketing und nicht weiter bemerkenswert. Doch wird mit solchen Start-Ups nicht auch das Bild der optimierten Supermenschen, passend zur Always-On-Mentalität propagiert? Nur, wenn man Selbstoptimierung einseitig definiert, findet Fabian Foelsch.

Natürlich klingt Biohacking für viele nach der Heranzüchtung von Cyborgs oder optimierten Fließbandmenschen für Unternehmen. Doch das ist eigentlich genau das Gegenteil von dem, was wir anstreben. Wer bei Leistung an Energiedrinks und durchgepowerte Nächte denkt, hat das Konzept nicht wirklich verstanden. Tot-Optimierung ist nicht das Ziel. Uns geht es nämlich genau darum, Burnout zu verhindern. Es geht beim Biohacking um nachhaltige Leistungsfähigkeit, also eher um den Marathon als um den Sprint“ . Denn – und das ist Fabian Foelsch sehr wichtig – Leistung kann nur dann optimiert werden, wenn wir uns auch ausreichend Ruhe und Entspannung gönnen. Kein Wunder also, dass gerade gesunder und erholsamer Schlaf für ihn im Zentrum der Selbstoptimierung steht.

Dahinter steckt aber auch das Wissen um die stetig wachsende Digitalisierung unserer Arbeit, sagt Foelsch. „Je mehr traditionelle Jobs wegfallen, desto mehr müssen wir Arbeit neu definieren. Es geht nicht mehr darum, Dinge auswendig zu lernen oder Fließbandarbeiter zu schaffen. Wir müssen vor allem an unserer Kreativität arbeiten.“

Genau dabei soll uns Biohacking helfen. Denn mit den Methoden der Selbstbeobachtung und der Selbstoptimierung können wir demnach nicht nur produktiver sein, aber auch mental fitter und somit kreativer. Wie viele Biohacker sieht Foelsch seine Arbeit auch ein Stück weit als Demokratisierung von medizinischem Wissen. Analysen und Befunde, die früher nur von Ärzten durchgeführt werden können, kann man heutzutage ganz einfach selbst machen. Dieses Wissen kann dann positiv genutzt werden. Denn je mehr wir von unserer Biologie verstehen, desto selbstbestimmter können wir leben.

Es geht Biohackern wie Foelsch also nicht darum, aus Menschen Duracell-Hasen zu machen, sondern darum, dass wir unser eigenes Leben in die Hand nehmen. Nach Meinung von Foelsch sollten uns Methoden wie Biohacking dabei helfen, bewusstere Lebensentscheidungen treffen zu können. „Dazu gehört auch, dass ich auch mal abends Pizza essen gehe. Selbst, wenn ich weiß, dass ich danach schlechter schlafe, ist mir dann in dem Moment der schöne Abend mit meiner Freundin wichtiger. Aber es war dann eine bewusste Entscheidung, die auf fundiertem Wissen über mich selbst basiert“.

Andersherum können wir mit diesem Wissen auch Dinge vermeiden, die uns schaden. Wenn wir beispielsweise wissen, dass das Licht am Smartphone Gift für unseren Schlaf ist, können wir vor dem Zubettgehen stattdessen einfach ein Buch lesen. Wie weit man bei der Selbstbeobachtung und Selbstoptimierung geht und inwieweit man sich auf bestimmte Maßnahmen versteift, ist dabei jedem selbst überlassen. Doch fest steht, dass Biohacking uns immerhin eine Tür zu einem ausgeglichenerem, gesünderen Leben öffnen kann.


Image (adapted) „Technologie“ by Tumisu (CC0 Public Domain)


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New Work-Eiertanz zur Gewissensberuhigung – 85 Prozent der Beschäftigen sind mit ihrer Arbeit unzufrieden

Asien (adapted) (Image by sasint [CC0 Public Domain] via pixabay)

In den vergangenen Jahren lieferte ich in Beiträgen viele Anregungen für die Formierung einer digitalen APO, um das Inzest-System des Top-Managements der Konzerne, von autoritär geführten mittelständischen Unternehmen und von korrumpierbaren Elite-Hochschulen zu durchbrechen. Wie kann man mit politischen Mitteln den Gehorsamskäfig in Organisationen aufbrechen? Wenn wir in der digitalen Sphäre von Partizipation, Transparenz und einer Kultur der Beteiligung reden und auch danach handeln, darf das in Wirtschaft und Politik nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Wenn ich mir die Inflation von Beiträgen und Kongressen über Unternehmensdemokratie, New Work und diese bescheuerte 4.0-Brabbelei über das Arbeiten von morgen anschaue, müssten wir schon längst in Zeiten der Glückseligkeit leben. Es sind Schönwetter-Diskurse, die sich an der Realität vorbeimogeln.

Elitärer Scheiß

Menschen, die es eigentlich betreffen sollte, die Menschen also, deren Jobs durch die nächste Automatisierungswelle mal eben vernichtet werden, die Menschen also, die tagein tagaus 40 Wochenstunden ihrer Lebenszeit in Krankenhäusern, in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, in Kindergärten und Altenhilfeeinrichtungen verbringen, also die Menschen, die vielleicht wirklich einen Beitrag zur Entwicklung unserer Gesellschaft leisten, bekommen von dem ganzen Tamtam gar nichts mit“ , kritisiert Hendrik Epe in einem Beitrag unter dem trefflich formulierten Titel „New Work zwischen Spiritualität, elitärem Scheiß und dringender Notwendigkeit“ .

Anstatt Verbesserungen in der Zusammenarbeit, in der Wertschätzung ihrer Arbeit, in der Möglichkeit, menschenwürdige Arbeit menschenwürdig leisten zu können, erfahren diese Menschen, dass durch zunehmende Detailregelungen, Prozesssteuerung und Bürokratismus das genaue Gegenteil passiert. Sie erfahren digitale Käfighaltung mit einem scheinheiligen Anstrich von Wohlfühl-Maßnahmen.

Wirkungslose Canapé-Events

Die New Work-Bewegung betreibt in Deutschland wirkungslose Canapé-Events zur Gewissensberuhigung. Supermarkt-Verkaufspersonal, Personal von Pflegediensten, Betriebsräte, Beschäftigte im Niedriglohnsektor, schlecht bezahlte Clickworker oder Vertreter der rund 1,5 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich mit Arbeitsverträgen auf Abruf herumschlagen müssen, von fiesen Chefs am Arbeitsplatz mit Webcams überwacht und in Echtzeit dirigiert werden, sucht man bei den hochpreisigen Veranstaltungen in cool wirkendem Ambiente vergeblich. Änderungen im Gallup-Zufriedenheitsindex sind auch nicht feststellbar.

So unternehmen angeblich viele Arbeitgeber große Anstrengungen, um Mitarbeiter an sich zu binden. Dennoch stagniert der Anteil der Arbeitnehmer, die eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber aufweisen bei mageren 15 Prozent. Ebenso viele Arbeitnehmer haben innerlich bereits gekündigt. 70 Prozent der Beschäftigten sind emotional gering gebunden und machen lediglich Dienst nach Vorschrift. Rechnet man die 85 Prozent Unzufriedenen auf die erwerbstätige Bevölkerung hoch, sind das rund 30 Millionen Menschen. Und dieser Wert hat sich seit dem Start des Index vor 17 Jahren kaum verändert. Der Anteil der Zufriedenen lag damals bei 16 Prozent.

Graswurzelbewegung über Dorfcamps

Beim deutschlandweit ersten Dorfcamp ist das intensiv mit Ute Schulze, Mike Schnoor, Tim Ebner und Christian Bartels in einer Session unter dem Thema „New Work – Mehr Schein als Sein“ diskutiert worden. Resümee: Menschen müssen sich in der Dienstleistungs- und Netzökonomie besser organisieren. In der industriellen Revolution ist das durch Arbeitervereine und Gewerkschaften geschehen. Die zersplitterte und hoch moderne Arbeitswelt unserer Tage hat den Organisationsgrad der Beschäftigten dramatisch reduziert.

Mike Schnoor verwies auf die Startup-Szene und auf Agenturen. Als Indikator könnte die Zahl der Betriebsräte in solchen Unternehmen herangezogen werden. Sie wird wohl erschütternd niedrig ausfallen. Bei den sogenannten Leiharbeitern und den Beschäftigten auf Abruf werden die Ergebnisse auch nicht besser abschneiden. Wie kann man das ändern?

Wie wäre es, eine Vielzahl von Dorfcamps durchzuführen, um irgendwann in der Fläche eine Graswurzelbewegung auszulösen. Verbunden mit dem spontihaften Aufruf von Soziopod-Blogger Patrick Breitenbach zum Machteliten-Hacking. Man müsse Gegen-Narrative in die Organisationen bringen. Die alten Eliten sind von einer Blase der Ja-Sager umgeben. Wie wäre es mit einer subversiven Injektion für kritisches Denken?

Wie könnte eine Graswurzelbewegung die Werkzeuge des Social Webs einsetzen, um Verkrustungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aufzubrechen? Eine Möglichkeit sehe ich in der Ideen-Infiltration, die der Jesuit Michel de Certeau in seinem Band „Kunst des Handelns“ für listenreiche Konsumenten aufgebracht hat.

Es geht um normale User, die beim Surfen durch die Warenwelt in den Nischen des Konformismus auf ungeahnte Autonomiemöglichkeiten stoßen, ohne sich der Aufgabe des aufopfernden Heldentums widmen zu müssen. Wer ist schon gerne Märtyrer? Es reichen kleine Regelverletzungen. Man könnte während der Arbeitszeit unauffällig anderen Tätigkeiten nachgehen, Meetings mit endlosen Monologen ad absurdum führen, Vorgesetzte mit falschen Excel-Tabellen in den Wahnsinn treiben und Macho-Manager bei der nächsten Weihnachtsfeier mit scharfsinnigen Witzen als eitle Trottel bloßstellen.

Zweckentfremdung von digitalen Werkzeugen

Die Zweckentfremdung von digitalen Werkzeugen bietet eine Vielzahl von dadaistischen Möglichkeiten des Anarchentums: Powerpoint-Präsentationen für den Vorstand und selbst das Intranet sind ein ergiebiges Feld für Sticheleien. Klaut der eigene Boss regelmäßig seine Führungsweisheiten aus einschlägig bekannten Ratgeberbüchern der prahlerischen Beraterzunft, empfehle ich als Fußnote schlichtweg die Quellen-Angabe. In meiner Zeit beim Telefonie-Unternehmen o.tel.o ergänzte ich die Durchhalteparolen des Kommunikationsdirektors, die er aus einem Opus von Reinhard Sprenger abkupferte, mit einer Rezension des besagten Werkes.

Hintergrundinfos über prahlerische Vorgesetzte

Die angeberischen Exkurse des Top-Managers mit dem Charme eines Autoverkäufers über seine Karriere als Bundesliga-Torwart konterte der zuständige Mitarbeiter für das Sport-Sponsoring mit einem Zitat aus dem Bundesliga-Jahrbuch: Die fußballerische Karriere des Vokuhila-Schwätzers währte nur kurz, weil der Protagonist den Anforderungen des Profivereins nicht gewachsen war. Um so mehr redete er von seinen Kitzbühl-Begegnungen mit Franz Beckenbauer und Konsorten. Alle Mitarbeiter, die unter diesem Zwergen-Regime dienen mussten, konnten mit den vermittelten „Hintergrundinfos“ die Auftritte des Direktoren-Würstchens besser ertragen.

Das Notiz-Amt plädiert für eine Vielfalt von Maßnahmen, um jenseits der New-Work-Kuschel-Wuschel-Projekt-Schwafelei Denkanstöße für eine Verbesserung der Arbeitswelt auszulösen.


Image (adapted) „Asien“ by sasint (CC0 Public Domain)


 

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