All posts under Thomas Knüwer

Destination Check: Die Goldenen Blogger 2018

Die Bloggerin des Jahres 2018 schreibt über das Sterben, eine Rechtsanwältin liefert mit einer Fast-Brandschrift zum §219a den besten Blogtext, die Bundeswehr erhält einen Preis und alle schwitzen. Zum zwölften Mal ist am 28. Januar 2019 der einzige bereichsübergreifende Social Media-Preis Deutschlands im Berliner Telefonica Basecamp vergeben worden.

Goldene Blogger gehen in die 12. Runde

Entstanden aus einem Scherz heraus auf dem Sofa von Franziska Bluhm, waren Die Goldenen Blogger ursprünglich als eine Art Satire auf Preisverleihungen gedacht. 2007 war das, als Bluhm und die weiteren Gründungsmitglieder Thomas Knüwer, Christiane Link und Daniel Fiene aus einer Laune heraus Blogs, die sie spannend fanden, in Kategorien sortierten, die besten auserkoren und darüber twitterten. Ohne Publikum, nicht mal die Nominierten wussten von ihren Ehren. Abgesehen vom Team, hat sich inzwischen einiges verändert. Blogger des Jahres, Blogtext des Jahres, Food- & Weinblog, Newcomer, Blogger ohne Blog, Blocker des Jahres – die Liste lässt sich noch um zwölf Kategorien fortsetzen, in insgesamt achtzehn sind dieses Jahr Preise vergeben worden.

Über das Event im vergangenen Jahr berichteten nicht „bloß“ Heute und Tagesthemen, selbst die Washington Post schrieb staunend. Entsprechend kuschelig war das Gedränge am Montagabend am Veranstaltungsort. Geschätzte 350 Gäste johlten den Nominierten und Gewinner*innen auf der kleinen Bühne zu. Viele hatten sich den von Sponsor GoDaddy am Empfang verteilten Fan-Schal mit aufgesticktem Motto You’ll never blog alone umgehängt.

Veranstaltung zeigt Vielfalt der Bloggerszene in Deutschland

Der Reihe nach wurden die Nominierten auf das Podest geholt und kurz, aber herzlich von Thomas Knüwer vorgestellt. Ulkige Momente gab es da, etwa als sich die für den besten Twitter-Account nominierten Sophie Passmann und Welt-Journalist Robin Alexander schlagfertig zankten, der erfahrene Gabor Steingart (Jahrgang 1962) seine Nominierung in der Kategorie Bester Newcomer mit „Ist doch Hammer!“ kommentierte oder Vanessa Giese von Fräulein Nessy trocken konstatierte, dass Handball ja wohl schon immer cool gewesen sei. Für Begeisterung sorgte bei vielen außerdem die thematische Vielfalt der Blogs. Jennifer Kosche, die mit kunecoco letztes Jahr die DIY-Kategorie gewann, nannte Truck Online (genau, der Blog eines Truckerfahrers über das Truckfahren) ihren Favoriten des Abends. Juramama Nina Katrin Straßner (Juristin, Mutter, Bloggerin) erhielt unter großem Beifall den Preis für den besten Text des Jahres 2018, in dem sie ihrem Ärger über den bestehenden § 219a StGB Luft macht.

Bundeswehr nimmt Negativpreis persönlich entgegen

Für einen der erstaunlichsten Momente sorgte die Bundeswehr, die für die Entgegennahme der Auszeichnung zum „Blocker des Jahres“ eigens jemand in Uniform entsandt hatte. Der stellte sich allen Vorurteilen zum Trotz gar nicht so uncool an, was mit knallendem Beifall belohnt wurde. Sehr viel tosender wurde dann aber doch der „Hashtag des Jahres“-Sieg der Aktion #wirsindmehr beklatscht. Mit langem Applaus wurde außerdem des letztjährig verstorbenen Robert Basic gedacht. Einzig nicht durchweg ganz so euphorisch waren die anwesenden Fotografen. Einer raunte leicht verstimmt, dass man kaum ein gutes Foto bekäme, weil alle ständig auf ihr Smartphone schauten. Das lag allerdings vor allem am Abstimmungsprozedere. In vielen Kategorien wurde der*die Gewinner*in online erwählt.

Ein Novum sei zu diesem Thema auch erwähnt: Zum ersten Mal in der Geschichte der Goldenen Blogger entschied in bestimmten Kategorien die sogenannte Akademie, sprich alle verfügbaren Gewinner*innen der Vorjahre, über die Preisvergaben.

 


Gründer: Thomas Knüwer, Moderator und Blogger


Eine Einordnung in das Geschehen lieferte Gründungsmitglied, Moderator und Blogger Thomas Knüwer.

Wie ist dein Blick auf die Blogosphäre in Deutschland, was hat sich da verändert?

Bloggen ist normaler geworden und auch die Wahrnehmung von Blogs hat sich verändert. Wenn man zurückblickt, vor vier oder fünf Jahren, was zum Beispiel über die Republica geschrieben wurde, da kam von den großen Medien Gift und Galle. Blogger waren im Grunde das personifizierte Böse, wie konnten die einfach irgendwas ins Internet schreiben, die „Klowände des Internets“, um mal nen alten Spruch zu bringen. Das hat sich drastisch verändert. Heute sind Blogger mit einem Mal Leute, die bewundert werden. Das sehen wir auch an der Berichterstattung. Das ist natürlich gut, denn wir sehen insgesamt immer mehr Blogs, die sehr liebevoll betrieben werden, und die einen Blick in Alltagswelten liefern, den man sonst nicht hätte. Und das sind wirklich Dinge, wo man sagen muss, dass weiterhin tolle Blogs nachwachsen. Ich hab das Gefühl, dass diejenigen, die wirklich Bock darauf haben, schneller gut werden als das früher der Fall war.

Hat sich denn damit heute der Druck erhöht oder anders: trauen sich Leute noch, einfach so ein Blog anzufangen?

Ja, ich glaube schon. Da gibt es keinen Druck. Die Frage ist halt, ob man es dann durchhält. Es gibt einfach Leute, die wollen schreiben. In meiner Jugend gab es Fanzines auf Papier kopiert, das waren auch Leute, die einfach schreiben wollten. Und genauso sind da heute Menschen, die einfach kreativ sein wollen. Und vielleicht hilft bei der Qualität natürlich auch, dass man früher, um das überhaupt Blog-technisch hinzukriegen, und zusammenzuschrauben und zu designen, viel mehr können musste. Heute gibt es so viele „Fertigpackungen“, die gut aussehen, dass man sich tatsächlich ganz auf das Schreiben konzentrieren kann.

Was ist der Grund für die Goldene Blogger Akademie, die in diesem Jahr erstmals über Gewinner entschieden hat?

Wir hatten bisher immer eine Jury, die aus uns Vieren bestand. Das ist natürlich sehr nett, aber es führte dazu, dass Leute zu Recht Zweifel hatten, ob diese Jurypreisvergaben mit rechten Dingen vonstatten gegangen waren. Ist ja klar. Das hat dann bei uns zu einer Schere im Kopf geführt, wir haben Blogger, mit denen wir befreundet waren, gar nicht mehr nominiert. Also kam uns die Idee, alle, die in den vergangenen zwölf Jahren gewonnen haben, an Bord zu holen. Alle erreicht haben wir zwar nicht, einige sind verschollen. Aber so ist die Akademie entstanden, und wir werden das auch so weiterführen. Wir haben sogar im Kopf, das auszubauen – mit Treffen oder man macht mal wieder Bloglesungen. Das war vor zehn Jahren etwas unglaublich Tolles, da sind ein paar hundert Leute zusammengekommen. Ich glaube, dass wir damit eine Art Hebel haben, generationen- und themenübergreifend Blogger zusammenzuführen.


You’ll never blog alone


Paul Ashcroft von Sponsor GoDaddy erläutert wiederholtes Engagement

Ihr seid zum zweiten Mal einer der Hauptsponsoren; was ist so besonders an Bloggern?

PA: „Das sind die neuen Meinungsmacher! Die sind in den meisten Fällen superkreativ, schnell und sympathisch. Und vor allem sorgen sie für Vielfalt im Netz, machen unterschiedliche Perspektiven sichtbar. Für uns als ein internationales, diverses Unternehmen ist das relevant.“

Die veränderte Wahrnehmung im Sinne von wertschätzender Akzeptanz gegenüber Blogger*innen und sogar Respekt attestiert auch Nina Katrin Straßner von juramama. „Es wird deutlich ernster genommen. Viele Blogs sind ja Nischenblogs, die die Leute indirekt erreichen, sodass tatsächlich Wirtschaft und Politik oder wer auch immer bestimmte Programme an den Mann oder die Frau bringen muss, dahin gucken müssen. Wenn ein Blogger mit einem etwas bekannteren Blog etwas verreißt, dann ist das Politik.“, so Straßner. Zu politisch wurde es an dem Abend aber schönerweise nicht. Nach Vergabe aller Preise endete der offizielle Teil des Abends mit einer textlich variierten Performance des Songs You’ll never walk alone. Gemäß dem schon erwähnten Sponsorenmotto sang man You’ll never blog alone und schwang im Kollektiv die Schals durch die Schwüle. Toll wars!


Images by Dan Zoubek/GoDaddy,

Der Text entstand in unbezahlter Zusammenarbeit mit der Agentur Frische Fische – Technology PR, Berlin.

Weiterlesen »

Das Geheimnis von Selbstvermarktung im Journalismus

Secret Comedy Podcast 11 - 2 August 2013 (adapted) (Image by Amnesty International UK [CC BY 2.0] via Flickr)

Journalisten sollten mehr tun als Journalismus, sich nämlich als Marke im Netz positionieren. Elf solcher Marken habe ich interviewt. Ein Zwischenfazit. Wer sich als Journalist auf dem hart umkämpften Markt behaupten möchte, der kann sich nicht nur auf das Arbeiten im stillen Kämmerlein beschränken. Eine starke Präsenz im Web scheint in diesen digitalen Zeiten unerlässlich. Einige Journalisten haben es geschafft: Sie sind zu einer Marke im Netz geworden. Ich habe mit elf solcher Journalistenmarken über das Thema Selbstvermarktung gesprochen, sie nach ihrem Geheimrezept gefragt und von ihnen wissen wollen, ob bei all dem Eigenmarketing überhaupt noch genügend Zeit für die eigentliche journalistische Arbeit bleibt.

Das Geheimrezept

Das eine Geheimrezept gibt es nicht, so viel ist klar. Aber wer einige Aspekte beachtet, der ist schon einen Schritt weiter. Der freie Journalist Daniel Bouhs stellt erst einmal klar, um was es beim Thema Selbstvermarktung überhaupt geht, nämlich „erkennbar zu sein, für Gesprächspartner, Hinweisgeber, Kritiker und nicht zuletzt natürlich Redaktionen, die Aufträge zu vergeben haben.“ Die Journalisten, die zu einer Marke geworden sind, sprechen bei der Frage nach dem Geheimrezept viel von Authentizität. Daniel Fiene etwa betont, es sei ihm wichtig, er selbst zu bleiben, sich nicht zu verkrampfen. Dennoch sollte man das Eigenmarketing immer im Blick behalten. Mehr noch: Eigentlich sollte man es als selbstverständlichen Teil der Arbeit von Journalisten betrachten, wie Karsten Lohmeyer behauptet: „Alles in allem würde ich das als ‚Journalismus pur‘ beschreiben.”

Der Aufwand

Wenn man das Marketing für die eigene Person in den journalistischen Alltag integriert, bleibt aber doch weniger Zeit für den eigentlichen Job, oder? Natürlich dürfe nicht verschwiegen werden, dass Selbstvermarktung per Twitter, Facebook und Co. Zeit kostet, wie der Netzpiloten-Kollege Tobias Gillen erwähnt. „Aber es ist a) Zeit, die sich lohnt und b) kann man meist sehr gut kontrollieren, wann man wie viel Zeit investiert und wann es eben mal nicht passt.“ Doch wenn man erst einmal begriffen hat, dass Journalismus mehr bedeutet, als Beiträge zu erstellen, dann gehört dieser Aspekt der journalistischen Arbeit genauso selbstverständlich dazu wie das Recherchieren vor dem Schreiben. Richard Gutjahr erläutert die Aufgaben, die für Blogger nichts Neues sind: „Nach der Freischaltung muss man dafür sorgen, dass ein Text gefunden, diskutiert und moderiert wird“. Ganz klar ist für ihn, dass das „Zeit und oft auch Nerven“ kostet. „Aber was ist die Alternative?Silke Burmester rät deshalb, „sich selbst einen Rahmen zu setzen”.

Die Konkurrenz

Auf die Frage, ob mehr Marken auf dem Markt nicht der eigenen Marke schaden, war eine häufige Antwort: Statt gegeneinander zu arbeiten, sollte man miteinander arbeiten. Der Wirtschaftsjournalist Gunnar Sohn zählt auf, warum das sinnvoll ist: “Es geht um Netzwerk-Effekte, es geht um Anregungen, es geht um Wissensaustauch, kollaborative Recherchen, gegenseitige Unterstützung beim Einsatz von Tools, Crowdfunding-Ideen und um Manöverkritik.” Dass es letztendlich aber diejenigen leichter haben, die schon jetzt eine Marke sind, betont Netzfeuilletonist Jannis Kucharz. Selbstvermarktung gehört also schnellstens auf die Agenda. Allerdings wird es wohl immer welche geben, die damit noch nichts anfangen können, wie Carolin Neumann prognostiziert: „Bis der digitale Graben im Journalismus zugeschüttet ist, wird es ohnehin noch lange dauern.“ Oder um es mit den Worten von „Gelegenheitsjournalist“ Thomas Knüwer zusammenzufassen: „Journalisten, die über zu wenig Zeit zur Kommunikation und Informationssammlung klagen, sollten ihre Berufswahl hinterfragen.“

Selbstvermarktung wird wichtiger

Alle diese Beispiele zeigen: Ohne einen Funken Selbstvermarktung werden es – vor allem freie – Journalisten schwerer haben, sich auf dem Markt zu positionieren. Das Zwischenfazit der elf ersten Interviews lautet deshalb: Nein, es gibt kein Geheimrezept für die Markenbildung, aber authentisch zu sein ist hilfreich. Ja, Selbstvermarktung kostet Zeit, aber sie lohnt sich. Jein, Wettbewerb belebt zwar das Geschäft, aber der Netzwerkgedanke sollte über dem des Konkurrenzkampfes stehen. Ulrike Langer hebt zum Schluss noch einen Aspekt hervor, der nicht vergessen werden darf: All die gute Selbstvermarktung helfe nichts, wenn die journalistische Qualität nicht stimme. Das ist natürlich wahr.


Image (adapted) „Secret Comedy Podcast 11 – 2 August 2013“ by Amnesty International UK (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

Medienmacher im Gespräch: „Was kommt nach dem Volo?“

Der Medienwandel bietet ungeahnte Perspektiven für angehende Journalisten. Martin Giesler fragte Medienmacher, was sie heute tun würden nach ihrem Volontariat.

Alle sprechen von diesem neuen Journalismus. Kuratieren, twittern, Daten visualisieren, bei Google+ und Facebook öffentliche Profile haben, bei WordPress oder Tumblr bloggen – all das gehört zum neuen Werkzeugkasten eines frisch gebackenen Redakteurs und seines künftigen Berufes. Doch ist das wirklich so? Weiterlesen »

Weiterlesen »