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Die Künstliche Intelligenz scheitert an der Sprache

Von allen Seiten des Internets sieht man gefühlt nur Artikel, die uns davor warnen, wie gefährlich uns künstliche Intelligenz in der Zukunft werden kann. Es geht darum, dass Deep-Learning Techniken letztendlich dazu führen würden, dass Maschinen sich ohne unser Wissen selbst verbessern, bis wir nicht mal mehr verstehen, was genau sie dort lernen. Auch von einem großen Arbeitsplatzverlust, durch das Ersetzen aller möglichen Stellen mit intelligenten Systemen, ist die Rede. Man spricht von „Superintelligenzen“, die in den Augen einiger Autoren die Weltherschafft an sich reißen könnten. Doch sind viele dieser Ansätze realistisch? Sieht so wirklich unsere Zukunft aus? Ein gerade veröffentlichter Artikel der Website MIT Technology Review zeigt ein deutlich „gemildertes“ Bild der künstlichen Intelligenzen von heute. Eines, wo diese noch starke Probleme aufweisen, bei so vergleichsweisen simplen Aufgaben wie dem Interpretieren von Sprache.

Binär-Code ist nicht gleich humanistische Sprache

Die künstlichen Intelligenzen, die heute entwickelt werden, kommunizieren auf einem ganz anderen Level als wir. Wenn sie untereinander kommunizieren, tun sie das durch das Übertragen von Datensätze. Die Daten werden 1:1 von der anderen Maschine gelesen und ausgeführt. Wenn es jedoch darum geht mit dem Benutzer aus Fleisch und Blut zu kommunizieren, stehen die künstlichen Intelligenzen vor ganz anderen Herausforderungen. Das Online-Magazine MIT Technology Review hat nun ein wenig gefiltert, woran es im Moment noch bei den künstlichen Intelligenzen harkt.

Künstliche Intelligenzen wissen nicht, was sie tun

Und das ist wohl das größte Problem. Viele sprach-basierte KIs sind darauf programmiert, aus ihnen zugeführten Texten zu analysieren, welche Wörter wie oft, in welchem Kontext, verwendet werden. Daraus ziehen sie einfach Schlüsse und versuchen dann, die Sprachwiedergabe nachzuahmen. Aber dabei verstehen sie selbst den Sinn hinter ihren eigenen Sätzen nicht und bemerken somit auch offensichtliche Fehler nicht. Was dabei rauskommen kann, sieht man an dem Beispiel, als eine KI versuchte, eigenständig ein Harry Potter-Buch zu schreiben.

Aber es gibt schon Beispiele wo KIs erfolgreich mit Menschen interagieren! Wie zum Beispiel bei Alexa. Das liegt aber hauptsächlich daran, dass sie einzig darauf programmiert ist, aus gesprochenen Sätzen die Eckpfeiler „was, wann, wo und wer“ herauszufiltern. Wenn sie in ihrem System diese Fragen beantworten kann, gibt sie eine Antwort, die Sinn macht. Ihr Vorteil ist also, dass sie Sätze in Bausteine zerlegen und diese separat analysieren kann. Nuancen kann sie jedoch bis heute noch nicht erkennen und kreatives Schreiben ginge erst recht nicht.

Die Nuancen der Semantik

Dann gibt es in der menschlichen Kommunikation aber auch noch die sogenannte Model-theoretische Semantik. Diese ist für das Übermitteln einfacher Informationen von Mensch zu Mensch verantwortlich. Künstliche Intelligenzen, die dieses Wissen wiedergeben sollen, sind basierend auf der Annahme programmiert, dass alles menschliche Wissen einfach in einen Code umgeschrieben und den KIs gefüttert werden kann. Allerdings verhalten sich künstliche Intelligenzen hier wie ein Kleinkind: Man muss ihnen buchstäblich alles eigenhändig beibringen. Der Artikel des MIT Technology Review führt hier einen sehr guten Vergleich an. Wenn man einer KI beibringt: Adler sind Vögel, Vögel können fliegen, also können Adler fliegen, wird das spätestens bei den Pinguinen wieder zu einem Problem. Die sind schließlich auch Vögel, sie können aber nicht fliegen. Unterm Strich: Es gibt zu viele Ausnahmen in der Welt, als dass man einer KI alle Nuancen beibringen könnte.

Und schließlich für die Hobby-Psychologen hier noch ein Extra: Sprache ist auch immer sehr stark abhängig vom jeweiligen Kontext. Selbst wenn wir nur im Englischen bleiben würden, und somit zunächst die Bedeutung verschiedener Wörter/Betonungen in anderen Sprachen außer Acht lassen würden, ist Sprache ein sich ständig veränderndes Feld. Sie wird von jedem Individuum, selbst innerhalb einer Kultur, unterschiedlich verstanden und benutzt. Sprache ist immer auch ein Ergebnis unsere eigenen Erfahrungen, unseres eigenen sozialen Umfelds und letztlich auch unserer individuellen Prägung. Und gerade in der kreativen Literatur wird sie oft aus dem Kontext genommen, abgewandelt und umgeändert, damit etwas Neues und eben Kreatives dabei entsteht.

OpenAI versucht sich am kreativen Schreiben

Bis die Maschinen sich den Menschen soweit annähern, dass sie alle diese Nuancen und Bedeutungen verstehen, sodass von künstlicher Intelligenz geschriebene Manuskripte Sinn ergeben, wird es also wohl noch dauern.

Ursprung für den Artikel von MIT Technology Review war der Durchbruch der Firma OpenAI, die eine KI erschaffen hat, die fast perfekte Texte verfassen kann. Aber eben nur fast. In diesem Test hat ein Mensch die „Rahmenhandlung“ erfunden, Wissenschaftler hätten Einhörner entdeckt. Daraufhin sollte die KI die Geschichte weiterspinnen. Was sie daraus gemacht hat, ist zumindest unterhaltsam.


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Digitale Inkompetenz mit Aggression kompensieren

Business man holding a cell phone (image by kev-shine [CC2.0]__via Freestockphotos

Digitalisierung fordert aggressive Führung, proklamieren Ralf Landmann und Alexander Strahl in einem Gastbeitrag für die FAZ. Der Weg in die Digitalisierung sei immer ein Suchen. „Hier sind Anführer gefragt, die trotz aller Unsicherheit klar die Marschrichtung angeben. Wichtig ist, dass der Vorstand strategische wie kulturelle Leitbilder entwickelt und deutlich sichtbar Führung zeigt. Dazu gehört auch Offenheit gegenüber dem Pilotieren neuer Geschäftsmodelle. In der neuen Kultur müssen auch Fehltritte erlaubt sein„, schreiben die beiden Berater.

Auf der Suche nach „geeigneten“ Führungskräften

Der eigentliche Schlüssel zum digitalen Umbau der Organisation sei vor allem die Auswahl geeigneter Führungskräfte. Es gehe darum, Persönlichkeiten zu finden, die erfolgreich digitale Projekte vorantreiben und gleichzeitig die Kultur verändern. Erfolgversprechende Kandidaten würden eher aus einem Projektumfeld als aus der Linienverantwortung kommen. Solche Leute seien es gewohnt, ständig Neues auszuprobieren und auch parallel an mehreren Pilotprojekten zu arbeiten. Im Vergleich zu klassischen Führungskräften sind sie aggressiver, ungeduldiger und schneller. Punkt. Gelingt so der digitale Wandel? Was passiert, wenn Konzernvorstände eher ihre Macht verwalten und ältere Unternehmer kaum noch bereit sind, Neuinvestitionen vorzunehmen oder Risiken in noch unbekannten Geschäftsfeldern einzugehen? Erhöhen wir dann die Aggression in Organisationen, um endlich ein digitales Engagement für die Zukunft auszulösen?

Dünne Semantiksauce

Der frühere Konzernvorstand Thomas Sattelberger wertet diese Denkansätze nicht nur als dünne Semantiksauce, sondern sieht in dem Beitrag den naiven Versuch, die digitale Revolution in deutsche Evolution umzudeuten. Ehrlicher wäre es, die Unternehmensspitzen der Inkompetenz zu überführen, denn die deuten ja auch die digitale Transformation zum deutschen Kastraten Industrie 4.0 um. Externen Beratern, wie den FAZ-Gastautoren, fehle schlichtweg der Mut, solche Sachverhalte öffentlich auszusprechen. „Viele ‚Anführer’ in der Energiewirtschaft, Bankenbranche oder Automobilindustrie wurden ja von den gleichen Headhuntern auf die Stühle der Bewahrung des Alten vermittelt, die jetzt über die Veränderung des Alten ihre ‚Kopfprämien’ wollen“, kritisiert Sattelberger.

Es geht um Kompetenz

„Linienmanager“. „Projektmanager“. „Digitalisierung als Führungsaufgabe“. Wie lange wollen wir noch auf dieser weichgespülten Beraterebene verweilen, fragt sich Ralf Rottmann, Managing Partner des Kölner Unternehmens Grandcentrix: „Elon Musk kann Software, er programmierte sein erstes Spiel mit zwölf Jahren. Mark Zuckerberg ist im Herzen immer Entwickler geblieben. Ich sage nicht, dass Software-Ingenieure automatisch erfolgreiche Gründer werden. Aber es geht im Kern um nichts anderes als digitale Kompetenz und nicht um abstrakte Führungsmodelle oder absurd künstlich separierte Startups im Konzern, deren ‚Heads of Innovation’ Quarterly Business Reviews mit dem Konzernvorstand haben, die Blockchain mit Bitcoins verwechseln, weil das irgendwie so in der Süddeutschen Zeitung stand.

Beraterlatein mit dicker Hose

Professor Frank Widmayer hält die Ratschläge der beiden FAZ-Gastautoren für widersprüchlich: Wenig Substanz, aber mit dicker Hose geschrieben:

Das Idealbild des ‚digitalen Wandlers’ ist die Beschreibung für den Top-Narzissten und bleibt leider im alten Denkschema hierarchischer Führung. Aus meiner Sicht wollen die Leute, die es könnten, in solchen Strukturen gar nicht arbeiten. 

Ideen werden geboren, wo Beteiligung erlaubt ist, meint Roland Panter. „Ergo wird die ‚One-Steuermann-Show’ den komplexer werdenden Veränderungen vermutlich nicht gerecht. Eine zeitgemäße Führung basiert auf hierarchiefreier, wertschätzende Kommunikation. Also einem Umfeld, in dem Innovationen fast zwangsläufig provoziert werden. Der Ruf nach aggressiver Führung spiegelt vor diesem Hintergrund vielleicht den durchaus nachvollziehbaren Wunsch nach einfachen Lösungen wider. Mir persönlich würde die Idee einer entscheidungsförderlichen Führung besser gefallen“, so der Kommunikationsdienstleister aus Hannover.

Das Notiz-Amt neigt zu der Ansicht, einfach mal die Wahrheit über aggressive und unfähige Unternehmer, Top-Manager sowie Berater in Deutschland auszusprechen. So würde man schneller die Spreu vom Weizen trennen.


Image „Business man holding a cell phone“ by kev-shine (CC BY 2.0)


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