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Die Leiden der Instagram-Ehemänner

Perfect Photoshooting (Image by Zukiman Mohamad [CC0 Public Domain], via Pexels)

“Wir sind nur noch menschliche Selfie-Sticks” klagen sie – Ehemänner, die von ihren eigenen Frau für deren Instagram-Fotos ausgenutzt werden. Was ist dran am Vorwurf?

Die Frauen sind eindeutig die Stars von Instagram. Ihre Profile erhalten oft mehr Klicks als die von Männern. Mit diesem Trend scheint sich ebenfalls ein neues Phänomen zu entwickeln: Die Instagram-Ehemänner. Sie beklagen sich darüber, dass sie von ihren Eherauen lediglich als menschliche Selfie-Sticks gesehen werden und nur dazu da sind, um ihre Frauen auf Instagram in Szene zu setzen. Diese Männer haben sich nun auf der Seite instagramhusband.com zusammen getan, um auf ihr leidendes Dasein aufmerksam zu machen. Müssen wir diese Klagen tatsächlich ernst nehmen? Sind wir Frauen tatsächlich dominierende Instagram-Furien? Marinela Potor, Onlinejournalistin mit einem “Instagram-Freund” hat sich diesen Fragen gestellt.

Nach so vielen Jahren im Internet dürfte einen ja eigentlich nur noch sehr wenig überraschen. Von Videos mit Katzen, die Klavier spielen über Twitteraccounts von Jennifer Lopez‘ Hinterteil bis hin zu Unsterblichkeits-Utensilien – ich dachte, ich hätte schon so ziemlich alles gesehen. Bis ich vor Kurzem auf die Seite der frustrierten Instagram-Ehemänner gestoßen bin. Diese armen Männer der Schöpfung zeigen, was für ein trauriges Dasein sie hinter ihren Smartphones fristen – weil sie Fotos von ihren viel berühmteren und erfolgreicheren Instagram-Ehefrauen schießen müssen.

Ich kann mich ehrlich gesagt noch immer nicht ganz entscheiden, ob ich an dieser Stelle Mitleid mit diesen armen Ehemännern haben sollte, die zu Sklaven der Berühmtheit ihrer Frauen werden, ob ich einfach nur über diese humorvolle Kampagne lachen sollte oder ob dies eine neue erfolgreiche Entwicklung im Feminismus aufzeigt, in der die Frauen den Männern endlich mal sagen, wo es lang geht oder. (Wobei ich in diesem Punkt noch Zweifel habe, denn offensichtlich schlagen die Ehemänner aus ihrem Leiden auch ganz schön Kapital und die neue Netflix-Serie “Desperate Instagram Husbands” ist wahrscheinlich schon in Arbeit.) Grund genug, sich dieses Phänomen einmal genauer anzusehen.

Sind wir nicht alle ein bisschen Instagram-Husbands?

Während ich mich also durch die Fotos der Instagram-Ehemänner klicke, wird mir auf einmal schlagartig bewusst: Moment Mal, ich erkenne mich hier irgendwie doch sehr stark wieder! Ich habe zwar weder einen Instagram-Account noch einen Ehemann, veröffentliche aber sehr viel fürs Internet und habe einen Freund. Und wenn ich ganz ehrlich bin, legen wir doch ein Rollenverhalten an den Tag, das den Situationen in dem Video sehr ähnelt: Ich jage den Geschichten hinterher, mein Freund jagt mir mit der Kamera hinterher, stets meinen Anweisungen folgend. Die Parallelen sind ein wenig erschreckend. Habe ich mir etwa ebenfalls einen Instagram-Freund herangezüchtet?

Beispiel Eiskaffee

Instagram-Schnappschuss: Eiskaffee (Image: Marinela Potor)
Instagram-Schnappschuss: Eiskaffee (Image: Marinela Potor)

Als ich an einem Artikel für die Netzpiloten über meine Twitter-Sucht arbeitete, wollte ich ein Foto von meiner Eisschokolade auf Twitter posten. Doch irgendwie war besagte Eisschokolade allein nicht so fotogen. Daraufhin schnappte ich mir also auch noch den Eiskaffee meines Freundes, schubste ihn selbst zur Seite (er sollte ja nicht das Fotodesign stören) und verbrachte bestimmt knappe 10 Minuten damit, die beiden Getränke zu knipsen. Als er endlich wieder an seinen Platz durfte, hatte sich sein Eis komplett aufgelöst.

Beispiel Sandalen

Der Winkel muss stimmen: Griechische Sandale (Image: Marinela Potors Freund)
Der Winkel muss stimmen: Griechische Sandale (Image: Marinela Potors Freund)

Ich schreibe ebenfalls für ein Modeblog und hatte mir in den Kopf gesetzt, einen Artikel zu meinen neuen griechischen Sandalen zu posten. Selbstverständlich musste dazu ein Foto her. Ich drückte kurzerhand meinem Freund die Kamera in die Hand: “Mach mal!” Ich erinnere mich dunkel, dass mein Freund protestierte, weil er gerade mitten in einem wichtigen Arbeitsprozess war, aber was konnte an dieser Stelle wichtiger sein, als ein Foto von meinen Sandalen? Wir probierten es also mit Posen auf den Treppen, Fotos von oben, Fotos, in denen mein Freund auf dem Boden herumrobbte und schließlich Fotos im Garten. Als wir endlich einen guten Winkel entdeckt hatten, passte das Licht nicht. Geschlagene 30 Minuten später hatten wir endlich das Foto im Kasten. Mein Freund musste im Endeffekt seinen gesamten Arbeitsprozess von vorne beginnen – aber wir hatten ein gutes Foto geschossen!

Beispiel Feuerwerk

Nicht leicht zu fotografieren: Feuerwerk (Image: Marinela Potors Freund)
Nicht leicht zu fotografieren: Feuerwerk (Image: Marinela Potors Freund)

Ich hatte es mir in den Kopf gesetzt, Fotos zu einem Feuerwerk-Wettbewerb auf meinen Blog zu posten. Da wir dies das vorige Mal ziemlich versemmelt hatten, war ich diesmal bestens vorbereitet. Kamerabatterie war geladen, ich hatte Gartenstühle und Decken im Gepäck und wir waren eine Stunde vorher angekommen, um einen guten Platz zu erwischen. Sobald es dann losging musste mein Freund wieder als Fotograf herhalten. Jedes Foto wurde von mir sofort begutachtet: “Schatz, da stimmt das Licht nicht… Das da ist total verschwommen… Drück doch früher auf den Auslöser… Warum schaltest du nicht in den Nachtmodus?”. Nach 40 Minuten Fotografieren war ich endlich zufrieden – mein Freund konnte noch ganze fünf Minuten Feuerwerk ohne Knipserei genießen.

Die Gesellschaftskritik der Instagram-Ehemänner

Nach diesen Beispielen werde ich doch etwas nachdenklich. Sind die Instagram-Ehemänner tatsächlich ein emblematisches Problem in unserer Gesellschaft? Richten wir Frauen tatsächlich unsere Partner dazu ab, unseren Ruhm fotografisch in Szene zu setzen, ohne dabei Rücksicht auf ihre Gefühle und Wünsche zu setzen? Angesichts der Tatsache, dass Frauen tatsächlich mehr Erfolg mit ihren Fotos auf Instagram, Twitter oder auf Blogs wie Tumblr haben, werden Männer tatsächlich nur noch als menschlicher Selfie-Stick betrachtet? Diese Sichtweise ist sicher ein wenig überspitzt. Aber die Klagen der Instagram-Ehemänner weisen uns auf einige wichtige gesellschaftliche Punkte hin:

  • Virtuelle Realität ist inszenierte Realität.

  • Es gibt ein Machtverhältnis zwischen Fotografen und Fotomodellen.

  • Wer nur in einer Inszenierung lebt, verliert oft den Kontakt zu den Mitmenschen in seiner unmittelbaren Umgebung.

Das Phänomen der virtuellen Inszenierung unseres Lebens ist nichts Neues. Schon vor dem Internet wurden Fotos als Inszenierung erkannt und als solches vor allem in der Werbe- und Modeindustrie bewusst genutzt. Während uns aber bei einem Blick auf Hochglanzmagazine mittlerweile klar ist, dass hier vor allem Photoshop am Werk ist, wirken die Instagram-Fotos oft wie eine spontane Situation, ein Schnappschuss im Vorbeigehen. Doch das ist ein Trugschluss. Denn an guten Instagram-Fotos ist genau so wenig spontan wie realistisch.

Auch die Tatsache, dass sich dies geschlechterspezifisch in “Männer als Fotografen” und “Frauen als Fotomodell” teilt, ist so alt wie die Modeindustrie selbst und in dieser Branche sind es sicherlich nicht die Models, die den Ton angeben. Auch wenn die strikte Geschlechteraufteilung in Mann und Frau immer mehr aufgebrochen wird, in der Modebranche stehen aktuell immer noch mehr Frauen vor der Kamera und deutlich mehr Männer hinter der Kamera. Das hat weniger mit Instagram-Ehemännern zu tun, als mit der Werbeindustrie. Frauen können Produkte einfach besser verkaufen als Männer.

FeministInnen argumentieren daher auch, dass derjenige, der die Frau auf dem Foto betrachtet (durch die Linse oder auf dem Instagram-Account), die eigentliche Macht hat. Wenn sich dieses Machtverhältnis tatsächlich durch die energetischen Instagram-Ehefrauen verschieben sollte, beklagen die Heul-Ehemänner also eigentlich nur den Verlust ihrer Macht wie ein Fünfjähriger, dem man gerade seinen Lolli weggenommen hat.

Dennoch ist ihre Klage über ein ständiges Inszenieren unseres Alltags für die sozialen Netzwerke ernst zu nehmen. Ich bin nicht sicher, ob Frauen mehr darum bemüht sind gut in den Sozialen Medien auszusehen als Männer, aber in diesem Punkt sollten wir alle vielleicht doch auf die Instagram-Ehemänner hören: Wer sich zu sehr in seinen Foto-Inszenierungen verliert, schafft eine künstliche Welt, die wenig mit den Menschen in der unmittelbaren Umgebung zu tun hat und sogar enge Beziehungen zerstören kann.

Was können wir also von den quengelnden Instagram-Ehemännern lernen?

So überzogen die Instagram-Pantoffelhelden auch sein mögen, es gibt zwei Dinge, die wir von ihnen lernen können.

Erstens: Frauen (und Männer,) wenn ihr merkt, dass eure Beziehung sich vorwiegend um Fotos dreht, lasst mal ab und zu die Kamera Kamera sein und genießt einfach das Zusammensein mit eurem Partner. Zweitens: Instagram-Ehemänner, habt euch nicht so!


 “Photo” by Zukiman Mohamad (CC0 Public Domain)


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Fotos und Selfies sind gut für Museen (…aber bitte ohne Sticks!)

Curse of the Selfie Stick (adapted) (Image by Larry Miller [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Selfies in Museen werden immer beliebter, was einigen Kulturliebhabern zuwider ist. Selfies bedrohen jedoch nicht die Kultur, sondern machen sie erfahrbar. Zwei der größten Musikfestivals in den USA haben beschlossen, Selfie-Sticks in diesem Jahr zu verbieten, um herumwedelnde Konzertbesucher zu verhindern und den anderen eine gute Sicht auf die Bühne zu ermöglichen. Sie schließen sich damit der National Gallery in London und anderen Museen an, wie auch dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Versailler Schloss und noch einigen anderen.

In den Museen wurde das Verbot aus pragmatischen Gründen ausgesprochen, um die Sicherheit der Sammlungen zu gewährleisten. So weit, so gut. Stöcke an sich sind gefährlich, wenn man mit ihnen herumwedelt, besonders in der Nähe von zerbrechlichen Kunstwerken. Wieso sollte es also bei Selfie-Sticks anders sein?

Diese Kontroverse hat jedoch noch etwas anderes zu Tage gefördert. In den Debatten rund um das Verbot der neuen Sticks nimmt man an, dass das Selfie selbst eine der letzten Manifestationen der jahrzehntealten Trennung zwischen “uns und denen provoziert: Zwischen denjenigen, die die Museumssammlungen “richtig anwenden (wie beispielsweise zur Bildung oder der kulturellen Weiterentwicklung) und denen, die sie “falsch anwenden (zur Ablenkung oder Unterhaltung).

Smartphones, soziale Medien wie Twitter oder Instagram und die Aufhebungen des Fotoverbots in vielen Museen, haben in den letzten Jahren den Museumsbesuch und das Selfie verschmelzen lassen. Der Trend hat sich sogar zu einer etablierten kulturellen Aktivität gewandelt. So findet der Museum Selfie Day nun schon zum zweiten Jahr in Folge statt. Wie Mar Dixon schreibt, soll die Veranstaltung “den Spaß und die Lockerheit der Museen noch mehr hervorheben”. Hier werden die Besucher aktiv aufgefordert, sich aktiv mit den Objekten in einem Museum zu beschäftigen und ein Selfie zu twittern. So kamen Tausende von Fotos zustande (manche eher touristisch, manche originell).

Der Hashtag #MuseumSelfie ist mittlerweile ein Phänomen geworden. Zuletzt wurde es für niemand geringeren als das Krümelmonster adaptiert, während es eine Tour durch ein paar New Yorker Museen machte. Die Selfies, die man danach twittern kann, und die Fotos, die dann auf Instagram landen, bringen die Menschen in die Museen und lassen sie über die Sammlungen reden. Aber für manche sind ist das auch schon zu viel.

Einige Kritiker freuten sich über das Verbot des Selfie-Sticks und nahmen dies als Anlass, sich generell über Selfies und Fotos in Museen zu beschweren. Brian Sewell schrieb in der Times, dass sie ein echtes Museums-Erlebnis ruinieren: “Jeder, der wirklich nur dort hin kommt, um sich ein Bild anzuschauen, kann das nicht tun, denn die Leute sind viel zu beschäftigt damit, Fotos zu schießen.” Ähnlich geht es Jonathan Jones, der im Guardian schreibt, Fotos in Museen sind nur dazu da, “um die Massen zu bespaßen”. Er beklagt die Veränderungen in der Besucherkultur der Galerien und geht sogar so weit, dass er Selfies, Kameras und Smartphones eine “seelische Bedrohung” nennt, weil es in ihrer Anwesenheit nicht möglich sei, in eine „versonnene Betrachtung“ zu versinken, für die die Museen ja wohl gedacht seien.

Hier haben wir das “wir und die anderen: traditionalistische Kunstkritiker, für die ein Museum eine Art Tempel für höhere Dinge darstellt, und die Selfie-Jäger, für die Museen neue Orte zum Entspannen geworden sind. Was besonders absurd ist, ist die Idee, dass diese beiden nie aufeinander treffen dürfen. Es ist ja nicht so, dass lehrreiche Erfahrungen nicht auch Spaß machen könnten oder dass man nicht auch beim versonnenen Betrachten unterhalten werden dürfe.

Was die Museen selbst angeht, müssen sie ihre unternehmerische Notwendigkeit, ein großes Publikum anzuziehen, mit der wichtigen Bewahrungs- und Kommunikationsarbeit abgleichen. Dies ist bei Weitem kein neues Problem, aber mit der neuen Fotopolitik und der neuen Technik könnte hier ein Spielraum für neue Lösungen geschaffen werden.

Auf den Philippinen wurde neulich die Ausstellung “Kunst auf der Insel eröffnet. Dort wird das Thema in einer drastischen Abwandlung präsentiert: ein komplettes Museum, das nur gebaut worden ist, um darin Selfies zu schießen. Statt echter Kunstwerke sind die Räume mit 3D-Repliken gefüllt, die zu Interaktionen und lustigen Fotoideen einladen. Man kann in Van Goghs “Sternennacht wortwörtlich hineinklettern oder den fliegenden Schuh aus Fragonards “Schaukel“ fangen, um danach die Fotos auf die Facebook-Seite des Museums hochzuladen. Die Seite hat inzwischen mehr Likes als die National Portrait Gallery in London (was auch immer das für ein Gradmesser für Erfolg sein mag) und bekommt so jede Menge Aufmerksamkeit.

Bei “Kunst auf der Insel handelt es sich weniger um ein Museum, als viel mehr um einen Vergnügungspark mit dem Thema “Museum“. Aber seine Popularität hat sogar Kritiker wie Jones zu einer neuen Sichtweise gebracht. Währenddessen kann man mit dem Europeana-Projekt “VanGo Yourself auf völlig neue Weise in Kunstwerke „hineingehen. Das Projekt “VanGo Yourself will Nutzer und deren Freunde anregen, selbst Kunstwerke nachzustellen und selbst Umgebungen, Posen und Kompositionen zu finden, die zu dem Bild passen. Die nachgestellten Fotos werden dann in den sozialen Medien geteilt und neben das Original gestellt.

Mit solch speziellen Angeboten wie dem Selfie oder den romantischen Kompositionen, erfüllt VanGo Yourself auf kreative Weise den allgemeinen Wunsch, mit Kunst auf Fotos spielen zu können. Zugleich kommt die Kritik auf, dass die Fotos das intensive Hinsehen ersetzen. Durch Auftritte im Stil des Tableau vivant (dt.: “lebendes Bild) und anderen kunstvollen Ansätzen wird vorausgesetzt, dass man sich eingehend mit dem Objekt beschäftigt haben muss. Frank Thinnes, einer der Erfinder, merkte an, dass viele der Einsendungen nicht nur eine Nachstellung sind, sondern eine vielsagende “Neuinterpretation des Bildes und seiner Botschaft”.

Das Rijksstudio hat sich auch zur Aufgabe gemacht, inspirierende Neuinterpretationen seiner Ausstellungsstücke anzustoßen. Das Rijksmuseum entschied sich dazu, 200.000 hochaufgelöste Abbildungen aus seiner Sammlung öffentlich zugänglich zu machen. Es sorgt so dafür, dass die Besucher “zu ihren eigenen Künstlern” werden, sagt Publikationsleiter Martijn Pronk. Die Nutzer können die Bilder in alles umwandeln, was ihnen gefällt – Kleidung, Tapeten, natürlich auch als Bilder, wie ursprünglich gedacht. Ihre Kreativität wird durch den jährlich verliehenen Rijksstudio Award belohnt.

Selfies und Fotospielereien mit Ausstellungsstücken zerstören also nicht zwangsläufig das Erlebnis der Museumsbesucher oder versagen ihnen die eingehende Auseinandersetzung mit der Sammlung. Im Gegenteil: hierbei kann eine völlig neue Art ausprobiert werden, die Kluft zwischen Kunstwerk und Betrachter zu überbrücken. Aber die Selfie-Sticks können ruhig draußen bleiben.

Der Artikel ist zuerst auf theconversation.com erschienen und unter CC BY-ND 4.0 lizensiert. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „Curse of the Selfie Stick“ by Larry Miller (CC BY-SA 2.0)


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5 Lesetipps für den 1. Dezember

In unseren Lesetipps geht es heute um Google+, einen Selbstversuch als Uber-Fahrer, Selfies, Internet-Monopole und den Wandel des Vice Magazin. Ergänzungen erwünscht.

  • GOOGLE+ Medium: Thoughts on Google: Meine Medium-Community herzte das ganze Wochenende über folgenden Text der ehemaligen Google-Mitarbeiters Chris Messina, der sich in seinem Blogeintrag mit dem sozialen Netzwerk Google+ auseinandersetzt. Auch wenn ich sein Urteil, dass Google+ vollkommen überflüssig ist, so nicht teilen unbedingt kann, ist seine Begründung lesenswert, wie auch der Socialmediawatchblog meint: „womöglich der wichtigste Text, der diese Woche über Social Media, digitale Monopole (Stichwort: Facebook), Privacy und informationelle Selbstbestimmung geschrieben wurde“.

  • UBER Jetzt.de: Selbstversuch als Uber-Fahrer in München: Für Jetzt.de hat Jan Stremmel den Selbsttest gemacht und ist eine Nacht als Uber-Fahrer durch München gefahren. Dabei fallen zwei Sachen auf: Zum einen scheint er dabei wirklich viel Spaß gehabt zu haben und viele interessante Leute kennengelernt zu haben, was sich mit meinen Eindruck von den meisten Uber-Fahrern in Berlin deckt. Und zum anderen, dass sich das Geschäft auch in München, wo der festgelegte Kilometerpreis mehr als doppelt so hoch ist wie in Berlin, einfach nicht lohnt. Am Ende zahlt Stremmel für seinen als angenehme Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr wahrgenommenen Dienst noch drauf.

  • SELFIE Quartz: How the selfie is boosting demand for plastic surgery: Auf Quartz setzt sich Hanna Kozlowska mit einer Studie des American Academy of Facial Plastic and Reconstructive Surgery auseinander, demnach ein Drittel der befragten Patienten ihre Schönheitsoperationen zur Verbesserung ihres eigenes Bildes in den sozialen Medien vornahmen lassen. Einerseits lassen Selfies uns sich mehr mit unserem Selbstbild beschäftigen, was sich auch positiv aufs Selbstvertrauen auswirken kann, andererseits ist dieser Trend zur Optimierung, um es diplomatisch auszudrücken, ein wirklich beunruhigendes Zeichen für Narzismus.

  • MONOPOLE The Economist: Everybody wants to rule the world: Der FC Bayern München muss… äh… Google muss zerschlagen werden, denn erfolgreiche Unternehmen auf dem Weg zu Monopolen stellen eine Bedrohung dar. Die Diskussionen der letzten Woche um Googles Marktmacht nahmen immer lächerlichere Züge an und mündeten in einem Antrag des mit der deutschen Zeitungsbranche eng verbundenen Europaabgeordneten, dass derartige Unternehmen, also erfolgreich und nicht aus Europa, zerschlagen werden müssen. Wer sich einmal ernsthafte Gedanken über Internet-Monopole machen will, dem sei dieses Briefing des Economist empfohlen, dass sich auf sehr hohem Niveau mit der Thematik auseinandersetzt.

  • VICE taz: Das Magazin „Vice“ expandiert: Auf taz.de stellt Fatma Aydemir das wohl zur Zeit rentabelste Magazin vor, dass es gibt: Vice. Ich habe das Magazin seit 2008 nicht mehr aufmerksam gelesen. Davor hat es mich begeistert, schockiert und unterhalten. Im gleichen Jahr fing der damals 23-jährige Tom Littlewood an, dass Magazin zu leiten und grundlegend zu wandeln. In den USA wurden bereits weitere Kanäle wie Vice News aufgemacht, bald gibt es sie auch hierzulande. Vice könnte bald jede Art von Journalismus abbilden, denn für Littlewood macht das Magazin den besonderen Zugang zu Inhalten aus, nicht unbedingt das Thema an sich. Es wird wohl mal Zeit, einen Blick in das Magazin zu werfen.

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5 Lesetipps für den 2. September

In unseren Lesetipps geht es heute gleich zweimal um Geld verdienen im Journalismus, Selfies, die Tyrannei der E-Mail und Kommentare auf Süddeutsche.de. Ergänzungen erwünscht.

  • JOURNALISMUS I Fachjournalist: Journalistische Start-ups (Teil 1): Werbung macht’s möglich: Auf Fachjournalist.de schreibt unsere Autorin Katharina Brunner über journalistische Startups. Im ersten Teil ihrer zweiteiligen Artikelserie steht die Finanzierung durch Werbung im Vordergrund. Am Beispiel von Da Hog’n und Mobilbranche.de zeigt sie, dass Geld verdienen mit Journalismus sich immer noch moralischer Kritik ausgesetzt sieht, aber auch in der Nische gut funktionieren kann.

  • SELFIES BBC: Health and life expectancy revealed through analysis of a ‚Selfie‘: Die Forschungsgruppe „Face Aging Group“ der Universität von North Carolina hat ein Programm entwickelt, dass mit zusätzlichen Infos hochgeladene Selfies analysiert und Aussagen zum Alter und Gesundheitszustand macht. Wäre das ein privates Unternehmen, hätte ich dieses Projekt wohl als Datenmagnet kritisiert, aber unter dem Aspekt der Forschung ist es interessant, dass etwas, was man wirklich einmal ab und zu machen sollte, sich selber im Spiegel begutachten, mithilfe von Selfies und Algorithmen vielleicht sogar förderlich für unsere Gesundheit sein kann.

  • ARBEIT 2.0 NYTimes.com: End the Tyranny of 24/7 Email: Gestern war in den USA der Tag der Arbeit, also Zeit für einen Artikel, der vor allem mit dieser Überschrift auch im Feuilleton der F.A.Z. hätte stehen können: Beendet die Tyrannei der 24/7 E-Mail. Worum es aber Clive Thompson geht, ist ein ähnliches Schutzniveau von modernen Arbeitern, wie es unsere Vorfahren in der Vergangenheit erkämpft haben. Gewerkschaftliche Errungenschaften wie die 35-Stunden-Woche sind in Zeiten von E-Mails alles andere als praktikabel durchzusetzen. Sie sind aber wichtig, denn Forschungen zeigen, dass wir ohne genügend Ruhephasen ganz einfach kaputt gehen. Solche sozialdemokratischen Forderungen aus dem letzten Jahrtausend mögen in Zeiten der digitalisierten und globalisierten Arbeitswelt unpassend klingen, sie sind aber wichtig, weshalb wir uns mehr mit unserem Arbeitsalltag auseinandersetzen sollten.

  • KOMMENTARE Süddeutsche.de: Lassen Sie uns diskutieren: Auf Sueddeutsche.de stellt Daniel Wüllner, Redakteur für den Leserdialog, die kommende Umgestaltung der Diskussionsforen und des Leserdialogs vor. Direkter, konzentrierter und besser moderiert will die SZ künftig ins Gespräch mit ihren Lesern kommen. Statt der klassischen Kommentarfunktion unter Artikeln soll es Debatten zu drei Themen des Tages geben. Neue Debattenwege sollen ebenso ausprobiert werden. Eine spannende Entwicklung, denn die Kommentarkultur im Internet ist etwas, dass wirklich sehr viele Schattenseiten haben kann, besonders bei kontroversen Themen. Ein intensiverer Dialog mit Lesern ist aber für ein Medium heutzutage eine Notwendigkeit des Community-Managements. Es wird spannend zu sehen sein, wie sich die SZ dem annimmt.

  • JOURNALISMUS II Online Marketing News: Wie sich der Journalismus durch Klicks und Traffic verändern wird: Das Viralität im Journalismus an Bedeutung gewinnt ist kein neuer Trend, aber bisher wurden diese Auswirkungen meist nur negativ betrachtet. Es würde solchem Journalismus an Substanz fehlen. Doch guter und viraler Journalismus kann für die Menschen, die ihn praktizieren auch ein Gewinn werden, wie Roger Taiber erklärt. Die USA zeigen da mal wieder den Weg. Dort werden Praktikanten schon jetzt nach Page Views bezahlt. Das bedeutet, dass Journalisten noch mehr nach ihrem Wert als Marke bezahlt werden könnten und die Orientierung an Klickzahlen eine nachvollziehbare und leistungsorientierte Bezahlung ermöglicht. Trotzdem wird es noch klassische Bezahlmodelle brauchen, damit Viralität nicht das einzige Kriterium wird.

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5 Lesetipps für den 12. August

In unseren Lesetipps geht es heute um den Wandel von der MP3 zum Streaming von Musik, Selfies und Feminismus, Christian Bollert über detektor.fm, BuzzFeed und wie Landesregierung sich auf Facebook bewegen. Ergänzungen erwünscht.

  • MUSIK Netzwertig.com: Vom MP3-Sammler zum Streamer: Auf Netzwertig.com lässt Martin Weigert seine persönliche Wandlung vom MP3-Sammler zum Streaming-Nutzer rekapitulieren und zeigt damit den Einfluss von Technologien auf unser Nutzungsverhalten. Bis auf eine stete Liebelei zu Vinyl erging es mir genauso und sicher auch noch vielen anderen Musikliebhabern, was Weigerts Fazit, „dass das beste Mittel gegen Piraterie tatsächlich die Bereitstellung von leistungsfähigen legalen Alternativen darstellt„, noch einmal kräftig unterstreicht.

  • SELFIES Time.com: The Feminist Photo Revolution: Auf Time.com schreibt die Journalistin Jessica Bennett über die Rolle von Selfies für die Selbstdarstellung von Frauen und wie diese von Natur aus narzisstischen Bilder es Frauen ermöglichen, selbst das Bild von sich in den Medien zu prägen. Ich bin mir über die Auswirkung auf den Feminismus unsicher, da ich mich in dem Thema auch nicht auskenne, aber es ist ein interessanter Gedanke, dass Social Media (laut einer Studie) heute einen größeren Einfluss auf unsere Schönheitsideale hat und Frauen durch Selfies selber den Maßstab setzen.

  • DETEKTOR.FM torial Blog: “Machen statt Quatschen”: Auch wenn man selbst sich nicht für das Medium Radio interessiert, muss einem das Leipziger Internetradio detektor.fm imponieren. Im Interview mit Ben Schwan erzählt Christian Bollert, Chef von detektor.fm, wie eine Gruppe freier Radiojournalisten ein unabhängiges Internet-Radio für Deutschland hochgezogen hat. Ich kenne die Geschichte schon, bin aber immer wieder neu davon fasziniert.

  • BUZZFEED Siliconrepublic.com: BuzzFeed to spend US$50m investment on major expansion: Während traditionelle Medien über den Anzeigen- und Bedeutungsverlust durch den Medienwandel klagen, hat BuzzFeed ein Erfolgsmodell entdeckt, dass zumindest teilweise etwas mit Journalismus zu tun hat. Das hat Investoren überzeugt und der von Jonah Peretti gegründeten Plattform über 50 Millionen US-Dollar gegeben, damit das Unternehmen sich zu einem der führenden Online-Medien der Welt entwickeln kann. Wann hatte zuletzt jemand so viel Vertrauen in eine Zeitung?

  • FACEBOOK Hamburger Wahlbeobachter: Landesministerien bei Facebook: Der „Hamburger Wahlbeobachter“ Martin Fuchs hat sich angesehen, wie sich die deutschen Landesregierungen im sozialen Netzwerk Facebook bewegen. Mit über 26 Millionen deutschen Nutzern ist Facebook für Regierungsorganisationen durchaus interessant, um die Bürger zu erreichen, aber noch gibt es viel Optimierungsbedarf.

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Selfies – die neue App der WordPress-Macher

Die Entwickler bei Automattic haben neben ihrer Arbeit an WordPress eine Social App nur für das Fotogenre Selfies entwickelt. // von Tobias Schwarz

Selfies von Automattic

Die App mit dem vielsagenden Namens „Selfies“ ist für Automattic ein spannendes Experiment neben der alltäglichen Arbeit an WordPress. Ohne irgendwelche Hinweise oder begleitende Pressearbeit wurde die App der hauseigenen Entwickler einfach in Google Play angeboten und gewartet, was passiert. Nach wenigen Tagen entdeckte der TechCrunch-Redakteur Kyle Russell die App zufällig auf Twitter.

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