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Neues Instagram-Urteil: Ist das denn Werbung?

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Die mit Abstand beliebteste App unter meinen Freunden und auch in vielen anderen Kreisen – seien es Fashion-Victims, Wanderlustige oder Foodies – ist Instagram! Mal postet man sein #OOTD – das “Outfit of the Day” – mit den entsprechenden Marken in der Beschreibung oder markiert einen Beitrag in dem Restaurant, in welchem man gerade schlemmt. Das könnte so schon bald zu heftigen Abmahnungen führen. Was ist da denn los?

Absurdes Urteil: Der Fall Vreni Frost

Influencer erobern derzeit die Social Media Plattformen – allen voran die Bilder-Community Instagram! Vor einiger Zeit war bei deren Postings aber oft nicht klar, ob ihre Meinung zu bestimmten Produkten auch wirklich die eigene war oder ob nicht etwa ein Sponsoring oder ein PR Sample im Spiel war. Gegen diese Art von Schleichwerbung wurde bereits vorgegangen und Markenkooperationen müssen explizit als Werbung genannt werden. “In Kooperation mit..”, “Sponsored by…” oder “#Ad” reicht da nicht mehr!

Jetzt wurde Urteils-Irrsinn aber laut vieler Instagram-Nutzer zu weit getrieben –  so ist das Vreni Frost nämlich passiert. Jüngst hat das Urteil rund um die Bloggerin Instagram-Nutzer landesweit verunsichert. Der Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) hat sie wegen unlauteren Wettbewerbs abgemahnt, da sie die Marken ihrer Kleidung in einem Bild getaggt hat ohne zu erwähnen, dass es sich um unbezahlte Werbung handelt. Das Urteil besagt, dass jede Art der Markennennung nun als Werbung bezeichnet werden muss, selbst wenn man nichts mit dem Konzern zu tun hat und das Produkt, die Dienstleistung etc. rein privat verwendet. Sollte man dem nicht folgen, können heftige Abmahnungen drohen!

Was bedeutet das Urteil jetzt für uns?

Es ist wichtig und notwendig gegen tatsächliche Schleichwerbung auf den sozialen Medien vorzugehen, um leichtgläubigere, aber vor allem auch jüngere Nutzer zu schützen. Dieses aktuelle Urteil gegen “unbezahlte Werbung” geht laut vieler Stimmen allerdings zu weit. Aktuell heißt das für Instagram-Nutzer, dass sie, sobald sie beispielsweise ihren Standort in einem Geschäft der Restaurant angeben, einen Markennamen taggen, in der Beschreibung oder als Hashtag erwähnen, all dies als Werbung kennzeichnen müssen. Diese Kennzeichnung muss zudem gleich zu Beginn der Beitragsbeschreibung erfolgen und nicht etwa unscheinbar am Ende.

Der Kampf gegen das #Abmahngate

Was den Influencern jetzt noch übrig bleibt, ist es dem Urteil den Kampf anzusagen. Wie die Kanzlerin einmal so stechend feststellte, ist das Internet Neuland – so auch viele Rechtslagen darin. Influencern und Privatpersonen sollte es daher ebenso wie Verlags- und Medienhäusern in Zeitschriften und TV-Beiträgen möglich sein redaktionell und ohne Werbeabsicht über Marken, Dienstleistungen etc. berichten zu dürfen.


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Gibt es einen Weg, um Schleichwerbung zu stoppen?

How to beat meat on the subway (adapted) (Image by Poster Boy) (CC 2.0) via Flickr

Der Ethikausschuss, diverse Anwälte und Historiker haben sich darum gestritten, dass Donald Trump die Grenze zwischen seinem öffentlichen Amt und den Interessen seines privaten Geschäfts in einer beispiellosen Art und Weise verwischt hat. Andererseits ist dies auch Teil eines viel größeren Trends. Schleichwerbung – ob in der Form von Magazinwerbungen, Werbemelodien im Radio oder Fernseh-Werbespots – ist schon seit langem Teil des modernen Lebens.

Städte und Staaten garantieren Betrieben jetzt das Recht, ihre Namen und Logos auf Parkuhren, Brücken, Hydranten und sogar auf den Badeanzügen von Rettungsschwimmern zu platzieren. Öffentliche Parks, die eine Ruhepause von den Mühen des täglichen Leben bieten, erlauben Händlern nun, Reklame inmitten von historischen Stätten und Naturgebieten zu machen. Schulräte unterschreiben Vereinbarungen mit Betrieben aller Art, um Ihnen bei der Einhaltung ihrer Haushaltsmittel zu helfen.

Es ist nicht nur der öffentliche Raum, der voller Werbung ist. Bei meiner Recherche für mein neues Buch über modernes Marketing und dessen Regeln habe ich herausgefunden, dass eine ganze Reihe früher werbefreien Umgebungen – vom Wohnzimmer bis hin zu unseren Freundschaften – nun zu Orten für Anzeigen oder Überwachungstechnologien werden, die dafür entworfen sind, sie effektiver zu machen.

Manche werden mit den Schultern zucken und sagen, dass Schleichwerbung ein unvermeidbarer Teil des modernen Lebens ist. Aber dieser Trend ist mit einigen Gefahren und juristischen Komplikationen verknüpft – wenn die Leute sich genug darum kümmern würden, um auch wirklich etwas zu tun.

Die neuen Grenzen des Marketings

Die neuen Marketingtechniken und Technologien erlauben es den Betrieben, die Kunden über neue Wege und an neuen Orten zu erreichen. Marktforschern zufolge ist ein Ort, der zunehmend kritisch beobachtet wird, das eigene Zuhause.

Intelligente Technologien – von Microsofts Xbox One bis zu den Geräten von Vizio – kommen nun mit eingebauten Fähigkeiten daher, die uns ausspionieren könnten. Diese Geräte können Aktivitäten aufnehmen, die früher einmal als privat galten – wie die Filme, die wir und ansehen und sogar die Gesichtsausdrücke, die wir machen, während wir ein Videospiel spielen. Diese Information wird Teil eines digitalen Profils, das von Werbern benutzt wird, um ein besseres Bild darüber zu bekommen, wer wir sind und wie wir davon überzeugt werden können, etwas zu kaufen.

Mittlerweile werden wir jedes Mal, wenn wir uns bei Facebook einloggen oder eine Suche bei Google auf unserem privaten Rechner tätigen, zu einem Teil des enormen Datenbestands der Marktforschung. Es ist schwer, dieser Art der Überwachung zu entkommen. So mancher Händler hat alte Cookies versetzt. Sie können jetzt individuelle User über die Anzahl der Quellen in ihrem Browser oder über gar über die Batterielaufzeit des einzelnen Rechners identifizieren.

Sogar unsere Hirne sind für Werbeanschluss für Werber interessant geworden. In einer Studie aus dem Jahr 2004 wurden Probanden gebeten, kleiner Schlucke Cola oder Pepsi zu nehmen, während eine Maschine den Blutfluss derer Gehirne messen sollte. Wenn die Marke nicht bekannt war, mochten die Teilnehmer im Durchschnitt Pepsi lieber. Wurden jedoch die Markennamen vor dem Schluck enthüllt, bevorzugten die Teilnehmer, sowohl verbal als auch neurologisch, die Konkurrenzcola. Die Studie gilt seither als Beweis dafür, dass Werbung unsere Gehirnchemie tatsächlich verändern kann. Sie kann emotionale Kennzeichnungen einbauen, die die rein objektive Betrachtung des aktuellen Produkts überlagern.

Seither haben Unternehmen Millionen ausgegeben, um das Verhalten der Verbraucher zu entschlüsseln und die Wünsche, die wir nicht äußern oder äußern können, zu erfassen. Manch größere Werbekampagne, die wir momentan beobachten, angefangen bei Samsung bis hin zu den Suppendosen von Campbell’s, gleichen die Ergebnisse dieser neuen Forschungen im Neuromarketingbereich ab.

Unsere Freundschaften und soziale Netzwerke sind dagegen leider auch nicht immun. Die Werber und Händler nutzen die Taktik der Micro-Influencer, um die gewünschte Zielgruppe zu erreichen. Dies sind meist Leute mit durchschnittlichen Followerzahlen bei Instagram oder Twitter. Sie werden eingesetzt, um über soziale Medien Produkte oder Dienste zu verkaufen. Zwar erfordern die Regeln der Kartellbehörde von den Indossanten die Vergütung, die sie erhalten, als Gegenleistung für das erfolgreiche Rühren der Werbetrommel anzuerkennen, setzen sie sich in den wenigsten Fällen durch.

Die Konsequenzen der Schleichwerbung

Sogar diejenigen, die optimistisch gegenüber diesen neuen Marketing-Schachzügen sind, geben zu, dass diese störend sein können. Trotzdem hört man meist als Antwort auf Beschwerden über die wachsende Präsenz von Werbeanzeigen das Totschlagargument: „Was soll schlecht daran sein?“. So ist die Werbeunterbrechung ein kleiner Preis, den man für eine gut subventionierte öffentliche Infrastruktur, freie Inhalte im Netz und die Veröffentlichung von Werbeanzeigen, die eher auf unsere aktuellen Interessen und Notwendigkeiten angepasst sind, zahlen muss.

Meine Forschung zeigt dennoch, dass es ein erhebliches Opfer darstellt, sein Leben für die Werber zu öffnen. Zunächst handelt es sich hierbei um den Verlust der Verbraucheragentur. Die Zuversicht, dass Gehirnscans zur Erstellung von effektiveren Fernsehwerbespots beitragen, ziehen die Zuschauer aus ihrer Fähigkeit, den Werbeinhalt, den sie sehen und hören, bewusst selbst zu formen. Der Fokus der Marktforschung beruhte ursprünglich auf Gruppen und Befragungen, nicht auf der ungefilterten Messung und Auswertung der Gehirnaktivität. Das Ergebnis wäre also eine Werbekampagne, die Neigungen oder Verhalten zelebrieren, die wir geheim halten. Beispielsweise startete das Unternehmen Frito-Lady dank Daten, die aus Gehirnscans gewonnen wurden, eine Serie von Werbeanzeigen, die zu antisozialen Praktiken ermutigen. Man sollte beispielsweise Cheetos-Snacks in die Waschtrommel mit weißer Wäsche eines Anderen legen. Bei direkter Befragung widersprachen Beispielzuschauer dem eher schadenfrohen Umgang mit Vandalismus der Werbeanzeigen, die MRI-Auslesungen deuteten jedoch auf etwas anderes hin.

Die bürgerlichen Werte, die uns in der Schule beigebracht werden, müssen nun mit materialistischen Nachrichten von Sportfirmen und Textileinzelhändler konkurrieren, die in Cafeterias und Schulfluren werben. Die Nutzung von Micro-Influencern in sozialen Medien könnte uns misstrauisch machen. Wir können nie genau wissen, ob dieser Kontakt aus dem Netz nicht vielleicht in Wirklichkeit ein gesellschaftlicher Lockvogel ist.

Und während kommerzielle Spionage zur Routine wird, verändern sich die Gesetze, mit denen das Schnüffeln in anderen Teilen unseres Lebens gestattet wird. Man betrachte nur die neuen Nutzung von Gesichtserkennungstechnologie in Kirchen, um die Anwesenheitsrate der Gemeindemitglieder aufzunehmen und das Installieren von Überwachungseinrichtungen in einst harmlosen Objekte wie Barbiepuppen und Kinderzahnbürsten, sodass Eltern ihre Kinder kontrollieren können.

Die Notwendigkeit von gesetzlicher Intervention

Was muss also getan werden? Für Verbraucher ist es nicht realistisch, sich von Google fernzuhalten, aus Facebook auszusteigen, ihre Kinder aus öffentlichen Schulen zu nehmen oder keine öffentlichen Infrastrukturen mehr zu nutzen. Halbherzige Vorkehrungen, wie Regelungen, die den Verbraucher dazu auffordern, in einige der nervigen Werbepraktiken einzuwilligen, würden ohnehin nicht viel ändern. Studien haben gezeigt, dass solche legislativen Umstöße nicht funktionieren und dass motivierte Werber uns dazu bringen können, den Vorgaben zuzustimmen, wenn sie nur genügend Druck ausüben.

Statt neuer Standards muss das Gesetz jetzt also rasch harte Regeln aufstellen, die den Eintritt von Werbung und gesellschaftlichen Spionage in diese Räume verhindern. Diese Art von Reform erfordert keine grundlegende Veränderung der gesetzlichen Haltung. Die Geschichte der Werbebestimmung in den USA weist einige Vorfälle auf, in denen Abgeordnete zur Tat geschritten sind, um unzulässigen Verkaufsstrategien, die durch neue Technologien angefacht wurden, ein Ende zu setzen.

Das Recht auf Privatsphäre der US-Bürger kam im späten 19. Jahrhundert als Antwort auf Werber auf, die die noch relativ neue Technologie der Fotografie nutzten, um Bilder von Leuten ohne deren Einwilligung zu machen und diese nutzten, um Produkte zu verkaufen. In der Folge sprachen sich Gerichte gegen diese Mischung aus persönlichen und kommerziellen Rechten aus. Der Streit ging bis vor ein Gericht, das im Urteil Werbung mit der Versklavung eines “erbarmungslosen Meisters“ gleichstellte. Ähnliche Widersprüche zwingen Abgeordnete in dem frühen 20. Jahrhundert und der unterbewusst manipulierenden Werbung in den 1950ern, gegen Reklametafeln anzugehen, die die Landschaft verschandelten. Natürlich wurde nicht jede Werbestrategie juristisch geprüft. Und doch finden sich in der Geschichte beeindruckende Beispiele für Präzedenzfälle, bei denen das Gesetz genutzt wird, um der Schleichwerbung den Zutritt zu bestimmten Lebensarealen zu verweigern.

Wenn die Werbung erst einmal in ein neues Gebiet vorgedrungen ist, wird sie schnell normal. Man nehme als Beispiel die Werbung im Kino vor dem Film. Als sie das erste Mal in den 1990ern eingeführt wurde, beschwerte sich das Publikum massiv. Jeder Versuch, diese Praktik juristisch einzugrenzen, ist in den verschiedenen US-Regierungen gescheitert. Führt man heute Befragungen durch, wird klar, dass das Publikum mittlerweile gespaltener Meinung über die Werbung vor dem Film ist.

Die Geschichte der Werbung vor dem Film im Kino sollte uns eine Warnung sein. Ohne koordinierte Bemühung wird der Werbung in mehr und mehr Räumen Einzug halten, indem sie uns in das kommerzielle weiße Rauschen hüllt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „How to beat meat on the subway“ by Poster Boy (CC BY 2.0)


The Conversation

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Lesetipps für den 13. August

In unseren Lesetipps geht es heute um Schleichwerbung, politische Kommunikation, Twitters Zeichenbeschränkung, Facebook und dem neuen Browser Firefox 40. Ergänzungen erwünscht.

  • WERBUNG Redaktionsblog: Rechtsfragen: Wie ist das mit dem Kommerz?: Die Rechtsfrage, wie das eigentlich mit dem Kommerz auf eigenen Plattform-Accounts oder Blogs aussieht, beschäftigt viele Blogger und Nutzer. Es herrscht eine rege Diskussion über juristische und moralische Implikationen der kommerziellen Betätigung auf Blogs. Schleichwerbung ist bei Plattformen wie beispielsweise YouTube keine Seltenheit. Diese Art von verschleierter Werbung ist illegal und oftmals nicht einmal beabsichtigt. Auch bei Facebook kann Schleichwerbung teuer werden. In einem Fall, bei dem ein Autoverkäufer diverse Angebote seines Arbeitgebers auf Facebook angepriesen hat, entschied ein Gericht, dass es sich um verbotene Werbung handelte. Wer einen eigenen Blog betreibt, muss vorsichtig sein, denn auch hier können sich in den Kommentaren kommerzielle Spams einschleichen, die unter Umständen gegen das Verbot von Schleichwerbung verstoßen können.

  • POLITIK Deutschlandfunk: Auf allen Kanälen – Politische Kommunikation im digitalen Zeitalter: Soziale Medien haben so einige Veränderungen mit sich gebracht. Eine wäre beispielsweise die Verbreitung von politischen Nachrichten. Es gibt viele Fälle, die zeigen, wie viel Einfluss soziale Medien mittlerweile auf die Verbreitung von politischen Themen haben. Dass sich Plattformen wie Twitter, Facebook oder YouTube in den politischen Alltag geschlichen haben, ist längst nichts Neues mehr. Aber die Meinungen darüber sind gespalten. Dass viele politische Akteure noch nach ihrer Rolle suchen, ist unter anderem die Meinung von Professor Martin Emmer. Sein Fachbereich ist die Mediennutzung. Aber andere wiederum behaupten, dass der direkte Draht zwischen Bürgern und Politikern gestärkt sei, da sich die Öffentlichkeit besser an Entscheidungen beteiligen kann.

  • TWITTER FAZ: Längere Nachrichten: Twitter weicht 140- Zeichen-Grenze auf: Bei Twitter stehen große Veränderungen an. Um neue Nutzer zu erreichen, schafft das Microblogging-Tool die Längenbeschränkung von 140 Zeichen bei den direkten Textbotschaften zwischen den Nutzern ab. Twitter ist der Ansicht, dass die Plattform auf diese Weise noch mächtiger und spaßiger wird. Die Änderungen sollen in den kommenden Wochen beginnen und auf Smartphone-Apps, der Twitter Hauptseite, Tweetdeck und Twitter für Mac international umgesetzt werden. Die Ähnlichkeit mit den konkurrierenden Chat-Systemen wie Whatsapp oder dem Facebook-Messenger dürfte sich dann annähern. Bei Tweets allerdings, bleibt die Begrenzung nach wie vor, wie sie ist.

  • FACEBOOK Digital Trends: Is Facebook working on an app for breaking news alerts?: Es wird spekuliert, dass Facebook an einer neuen mobilen App arbeitet, die ihren Nutzern Nachrichten auf das Smartphone sendet. Ein Insider, welcher behauptet bereits Screenshots von der neuen App gesehen zu haben, berichtet, dass Nutzer in der Lage sein werden aus einer Liste von Themen auszuwählen, wofür sich der einzelne Leser am meisten interessiert. Sobald dann eine Neuigkeit eintrifft, über die man informiert werden möchte, wird der Nutzer direkt benachrichtigt. Die Länge dieser Mitteilung soll nicht länger als 100 Zeichen lang sein.

  • FIREFOX 40 Die Welt: Neuer Look und sicherer: Firefox 40 ist bereit für Windows 10: Firefox 40 wurde veröffentlicht und macht sich bereit für das neue Betriebssystem Windows 10. Der neue Browser soll nicht nur sicherer sein, er bringt auch ein neues Design mit sich. Unter anderem sind die Symbole und Designelemente des Browsers kräftiger dargestellt. Eine kleine Freude für Nutzer hat sich Mozilla auch ausgedacht, denn dem Nutzer werden jetzt Seiten empfohlen, die ihn eventuell interessieren könnten. Das heißt, der Browser bietet dem Nutzer jetzt personalisierte Werbung.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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Gekaufte Bewertungen: Wie HRS seine iPhone-App promotet

All about smartphones (adapted) (Image by Denis Dervisevic [CC BY 2.0], via flickr)

Studenten geben regelmäßig Geld aus: 30 Euro bei der Party am Wochenende, ein Lehrbuch für 50 Euro und jeden Monat ein paar hundert Euro Miete. Den Kontostand bessern die angehenden Akademiker typischerweise mit Kellnern oder einem Job im Call-Center auf. Wenn sie darauf keine Lust haben, können sie für kleine Aufgaben im Netz ein paar Euro verdienen. Das Hotelbuchungsportal HRS zahlt zum Beispiel für einen Test der eigenen iPhone-App – und eine damit verbundene positive Bewertung im App Store. 

Beauftragen Sie qualifizierte Studenten online – Fachexperten schreiben Ratgeber, Produktbeschreibungen, Kategoriebeschreibungen oder Kurzgeschichten.“ Mit diesen Sätzen wirbt das Studentenjob-Portal Mylittlejob.de auf seiner Startseite um Auftraggeber. Ergänzend könnte es wohl heißen: „Studenten bewerten Ihre App mit fünf Sternen!“ Doch dieser Satz fehlt.

Die Idee von Mylittlejob ist im Trend. So genannte „Microjob„-Portale gibt es inzwischen einige. Das Prinzip: Unternehmen teilen ihre umfangreichen Jobs in viele kleine Mini-Aufgaben. Die Betreiber von Online-Shops lassen so etwa Produktbeschreibungen für ihre Seiten erstellen. Jeder einzelne Student textet beispielsweise fünf Beschreibungen und erhält dafür 20 Euro.

„iPhone User gesucht: Kurzer App-Test“

Zwischen den Aufträgen für Texte über Modemarken, Standortbeschreibungen für eine Autovermietung und Produkttexten für einen Technik-Shop findet sich bei Mylittlejob.de auch der unscheinbare Microjob mit dem Titel „iPhone User gesucht: Kurzer App-Test“. 3,20 Euro werden den Studenten versprochen. Dafür sollen sie eine App installieren und ausprobieren, eine Feedback-Liste mit Pros und Contras erstellen sowie eine Rezension mit dem persönlichen Account im App Store verfassen. Die Aufgabe sei innerhalb weniger Minuten erledigt, wird versprochen.

Das klingt nach leicht verdientem Geld, denkt sich der arme Student. Und das klingt nach einem App-Entwickler, der ehrliches Feedback für seine App erhalten möchte. Wenn der arme Student den Auftrag allerdings bis zum Ende liest, erhält er noch eine weitere wichtige Anforderung: „In den Rezensionen sollen vor allem die positiven Aspekte hervorgehoben werden. Auch die Bewertung sollte dementsprechend ausfallen.

Bei der zu „testenden“ App handelt es sich um die „Hotel Suche“ des Buchungsportals HRS. HRS kauft sich also für 3,20 Euro eine Bewertung im App Store, bei der „vor allem die positiven Aspekte hervorgehoben werden“ sollen.

IT-Anwalt: Wettbewerbswidrige Schleichwerbung

Durch die Aufforderung, ausschließlich positive Bewertungen abzugeben, würde Schleichwerbung generiert, schätzt der Rechtsanwalt Christian Solmecke den Fall ein. Der Experte für IT-Recht erklärt: „Ein Verbraucher muss immer erkennen können, ob eine Bewertung aus freien Motiven heraus erfolgt oder unerlaubterweise durch ein Unternehmen beeinflusst worden ist. Hier wird die Objektivität der Bewertungen widerrechtlich gegen Zahlung von Geld beeinflusst.“ Dies verstoße gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und sei wettbewerbswidrig. Bei einem solchen Wettbewerbsverstoß drohten dem Unternehmen teure Abmahnungen, sagt Solmecke.

Auf Nachfrage teilt HRS mit, die „Usability-Tests“ würden dazu dienen, positives wie negatives Feedback der Nutzer zu sammeln und die Apps „kontinuierlich zu optimieren„. Dafür arbeite HRS unter anderem mit der Agentur „gjuice“ zusammen, die wiederum die Jobs bei Mylittlejob.de beauftragt habe.

HRS: Rezension dient nur der Kontrolle

Warum sind aber für die Usability-Tests die Rezensionen im App Store nötig? Für das Feedback würde doch auch die Pro/Contra-Liste genügen. HRS-Sprecherin Anja Klein: „Die Rezension im Store dient ausschließlich der Verifikation, um nachvollziehen zu können, dass die Nutzer die App auch tatsächlich installiert und getestet haben. Insgesamt machen diese Bewertungen jedoch nur einen sehr geringen Teil der gesamten Rezensionen im Store aus.

Auch das Microjob-Portal Mylittlejob.de äußerte sich auf Nachfrage zu dem Fall. Geschäftsführer Marlon Litz-Rosenzweig erklärt, nicht jeder einzelne Job würde manuell geprüft, bevor er für die Studenten freigeschaltet wird. Stattdessen überprüfe das System der Seite ständig, ob bestimmte Schlagworte auftauchen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Pornographie. „Da monatlich etwa vier- bis fünftausend Jobs veröffentlicht werden, können wir mit unserem kleinen Team nicht jeden einzelnen Auftrag händisch überprüfen. Da säßen wir ewig„, sagt Litz-Rosenzweig.

Er gibt aber zu: Die konkrete Auftrags-Passage, in der von den „positiven Aspekten“ die Rede ist, sei „zu schwammig formuliert„. Nach seinen Angaben hat HRS aber auch Jobs in Auftrag gegeben, bei denen in den App Store-Rezensionen konkret die negativen Aspekte hervorgehoben werden sollen. Das Team von Mylittlejob.de wolle außerdem Kontakt mit HRS aufnehmen und auf die „unglückliche Formulierung“ hinweisen.

Das Geschäft mit den Bewertungen

Wie wichtig gute Bewertungen und damit eine gute Position in den Rankings des App Stores ist, zeigt alleine schon die Masse an vorhandenen Smartphone-Apps. Über eine Million verschiedene Anwendungen bietet Apple seinen iPhone- und iPad-Nutzern zum Download an. Um aus dieser Masse hervorzustechen, scheinen manche App-Entwickler inzwischen neue Wege zu suchen. Es gibt Marketing-Agenturen, die sich rein auf „ASO“, die „App Store Optimization“ spezialisiert haben. Die gratizzz GmbH aus Mainz beispielsweise bietet 50 App-Bewertungen zum Preis von 290 Euro an und verspricht „die Pole-Position für Ihre App„. Die „App Promotion Agentur mit Transparenz“, wie sie sich selbst beschreibt, garantiere dabei aber keine hohen Durchschnittsbewertungen, „da unsere Nutzer zu aufrichtigem Feedback angehalten sind.“ Vorteile der bezahlten Rezensionen seien unter anderem das Aufsteigen der App in den Charts und der Ausgleich von schlechten Bewertungen. Dabei werden doch gar keine positiven Bewertungen gekauft, es geht doch um „aufrichtiges Feedback“ – oder doch nicht?

Wer auffliegt, fliegt raus

Der Einkauf von positiven App Store-Bewertungen kann für die Entwickler auch nach hinten losgehen. In Apples offiziellen App Store-Richtlinien heisst es: „Entwickler, die mit gefälschten oder gekauften Rezensionen das Ranking im App Store manipulieren, werden vom iOS Entwickler-Programm ausgeschlossen„. Wer im App Store etwas veröffentlichen will, muss zwingend Mitglied in diesem Programm sein. Sollten also Bewertungs-Manipulationen auffliegen und Apple konsequent sein, hätte dies unangenehme Folgen für die Entwickler.

Anfang Juni bemerkte das IT-Blog Techcrunch.com, dass bei der App „Better Fonts Free“ über Nacht rund 16.000 Bewertungen verschwunden waren. Techchrunch erklärt, dieser Vorgang zeige, dass Apple eingeschritten sei und gefälschte Bewertungen entfernt habe. Entwickler, die wegen gefälschter Rezensionen komplett ausgeschlossen wurden, sind jedoch bisher nicht bekannt.

Trotz rechtlicher Bedenken und der Gefahr, von Apple aus dem App Store geworfen zu werden: Für HRS scheint es sich gelohnt zu haben, bei den Studenten auf Mylittlejob.de einzukaufen. Die „Hotel Suche“-App war zwischenzeitlich im Durchschnitt mit viereinhalb von fünf Sternen bewertet. „Eine App wie sie sein sollte!“ und „Absolute Downloadempfehlung!“ schreiben die Rezensenten. Und bewerten die App allesamt mit der Bestnote – 5 Sterne.


Image (adapted) “All about smartphones“ by Denis Dervisevic (CC BY 2.0)


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5 Lesetipps für den 4. April

In unseren Lesetipps geht es um Amazon, Schleichwerbung auf YouTube, die Zukunft von Facebook, Anonymität und programmierende Frauen. Ergänzungen erwünscht.

  • AMAZON CNET: World domination through video games: Last, but not least hat jetzt auch Amazon eine Box für den heimischen Fernseher im Angebot, die aber gleich sämtliche andere Konkurrenten herausfordert. Apple und Google sind mit ihren TV-Sticks genauso im Visier von Jeff Bezos wie Microsoft und Sony mit ihren Spielekonsolen. Auf CNET gehen Nick Statt und Joan Solsman der Frage nach, ob Amazon endlich sein perfektes Werkzeug für die Beherrschung der Welt gefunden hat.
  • YOUTUBE W&V: Youtube-Blogger_innen starten Kampagne gegen Schleichwerbung: YouTube-Blogger wie Sami Slimani oder die Comedy-Truppe Y-Titty fallen immer mehr durch Schleichwerbung auf und beschädigen damit den Ruf anderer Blogger und Bloggerinnen auf YouTube. Mit den beiden Hashtags #angeber und #Youtuberfürtransparenz ergreifen jetzt vornehmlich Youtuberinnen die Initiative, sprechen sich gegen Schleichwerbung aus und versprechen mehr Transparenz.
  • ANONYMITÄT Techdirt: Yes, Federal Agents Can Identify Anonymous Tor Users, Because Most People Don’t Know How To Be Anonymous: Klare Antwort von Mike Masnick auf TechDirt: „Ja, Bundesagenten können die anonymen Nutzer von Tor identifizieren, weil die meisten Leute gar nicht wissen, wie sie anonym verhalten sollen.“ Kein Wunder, denn auch wenn Verschlüsselung in den letzten Jahren einfacher geworden ist, sich im Internet zu anonymisieren ist immer noch eine etwas kompliziertere Geschichte, weshalb es sich nur um eine vermeintliche Sicherheit handelt.
  • FACEBOOK ReadWrite: Why No One Trusts Facebook To Power The Future: Wer könnte besser über die Zukunft von Facebook Bescheid wissen als die Mitglieder des sozialen Netzwerks, die es tagtäglich nutzen, neben anderen Diensten? Oder doch nicht? Denn trotz der Einkaufstour von Mark Zuckerberg um sein Facebook für die (mobile) Zukunft zu rüsten, haben die Nutzer und Nutzerinnen selbst ihre Zweifel daran. Selena Larson erklärt auf ReadWrite warum.
  • RAILS GIRLS Kleinerdrei: Von der Redakteurin zur Programmiererin in einem Sommer: Anika Lindtner leitet die Travis Foundation und ist Mitgründerin der Berliner Initiative „Rails Girls Summer of Code“, die dreimonatige Stipendien an lernende Frauen (und Männer) vergibt, die an Open Source*-Projekten arbeiten. In einem Gastbeitrag auf kleinerdrei.org schreibt sie über die bisherigen Projekterfahrungen und wie schnell den Wandel von einer Redakteurin zur Programmiererin gehen kann.

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5 Lesetipps für den 28. März

In unseren Lesetipps geht es den Schutz der Privatsphäre, unser Verhältnis zu Technologie, die Zukunft von Facebook, die Geschichte des iPhone und Schleichwerbung im Handelsblatt. Ergänzungen erwünscht.

  • PRIVATSPHÄRE Carta: Worauf es jetzt ankommt: Kryptographie, Freie Software, Dezentralisierung: Verschlüsselung, freie Software und Dezentralisierung sind alles technische Mittel gegen die Überwachung des Digitalen, doch meines Erachtens schützen sie uns nur gefühlte 5 Minuten davor, denn sie lösen das Problem nicht: den politischen Will zur Überwachung. Die Lösung muss deshalb eine politische sein. Da gibt mir der freie Journalist Jürgen Drommert in seinem Artikel auf Carta auch Recht, verweist aber darauf, dass solange es keine politische Lösung gibt, diese Technologien zur Zeit die letzte Verteidigungslinie der Privatsphäre sind. Da gebe ich ihm Recht.
  • TECHNOLOGIE Vocer: Der smarte Mensch und seine Computerliebe: Der Film “Her” wird unser Bild von der Zukunft prägen, schreibt David Streit im Vocer-Blog. Der Film, der seit gestern im Kino zu sehen ist, untersucht die intimen Beziehungen, die wir zu Technologie aufbauen und wie wir mit Individuen umgehen, die nicht zwangsläufig menschlich sind.
  • FACEBOOK Strat?chery: Face is not the Future: Auf Strat?chery schreibt Ben Thompson über Facebooks Wandel von einem Unternehmen, dass noch vor rund einem Jahr keine Ahnung vom mobilen Markt hatte hin zu einem Unternehmen, dass durch Akquise von Firmen sich für die mobile Zukunft des Unternehmens bereit machen möchte. Doch der Kauf von Oculus könnte sich laut Thompson als nicht ganz so revolutionär herausstellen, denn seiner Meinung nach handelt es sich hier nicht um das neue iPhone.
  • iPHONE Süddeutsche.de: Greg Christie redet über die Entwicklung des iPhone: Nur wenige Tage vor eine weiteren Runde vor Gericht im Patentstreit zwischen Apple und Samsung, packt der Helfer von Steve Jobs aus: Erstmals spricht Greg Christie öffentlich über die Zeit, als er mit dem Apple-Gründer am iPhone tüftelte. Benjamin Romberg hat seine spannende Geschichte auf Süddeutsche.de veröffentlicht.
  • SCHLEICHWERBUNG heute2: „Handelsblatt“ verkauft Seite-3-Artikel: Scheinbar bietet das von Gabor Steingart (Herausgeber) und Hans-Jürgen Jakobs (Chefredakteur) geführte „Handelsblatt“ auch sogenannte „Sponsored Post“ an. Im Gegensatz zu den meisten Online-Medien aber ohne Kennzeichnung, dass es sich um einen bezahlten Beitrag handelt. Das will „Werben & Verkaufen“ recherchiert haben. Peter Turi spricht bei diesem Fall von Schleichwerbung von Prostitution. Feststeht, dass es auf der Suche der Branche nach Finanzierungsmodellen für den Journalismus, auch negative Beispiele geben muss.

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