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Neues Instagram-Urteil: Ist das denn Werbung?

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Die mit Abstand beliebteste App unter meinen Freunden und auch in vielen anderen Kreisen – seien es Fashion-Victims, Wanderlustige oder Foodies – ist Instagram! Mal postet man sein #OOTD – das “Outfit of the Day” – mit den entsprechenden Marken in der Beschreibung oder markiert einen Beitrag in dem Restaurant, in welchem man gerade schlemmt. Das könnte so schon bald zu heftigen Abmahnungen führen. Was ist da denn los?

Absurdes Urteil: Der Fall Vreni Frost

Influencer erobern derzeit die Social Media Plattformen – allen voran die Bilder-Community Instagram! Vor einiger Zeit war bei deren Postings aber oft nicht klar, ob ihre Meinung zu bestimmten Produkten auch wirklich die eigene war oder ob nicht etwa ein Sponsoring oder ein PR Sample im Spiel war. Gegen diese Art von Schleichwerbung wurde bereits vorgegangen und Markenkooperationen müssen explizit als Werbung genannt werden. “In Kooperation mit..”, “Sponsored by…” oder “#Ad” reicht da nicht mehr!

Jetzt wurde Urteils-Irrsinn aber laut vieler Instagram-Nutzer zu weit getrieben –  so ist das Vreni Frost nämlich passiert. Jüngst hat das Urteil rund um die Bloggerin Instagram-Nutzer landesweit verunsichert. Der Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) hat sie wegen unlauteren Wettbewerbs abgemahnt, da sie die Marken ihrer Kleidung in einem Bild getaggt hat ohne zu erwähnen, dass es sich um unbezahlte Werbung handelt. Das Urteil besagt, dass jede Art der Markennennung nun als Werbung bezeichnet werden muss, selbst wenn man nichts mit dem Konzern zu tun hat und das Produkt, die Dienstleistung etc. rein privat verwendet. Sollte man dem nicht folgen, können heftige Abmahnungen drohen!

Was bedeutet das Urteil jetzt für uns?

Es ist wichtig und notwendig gegen tatsächliche Schleichwerbung auf den sozialen Medien vorzugehen, um leichtgläubigere, aber vor allem auch jüngere Nutzer zu schützen. Dieses aktuelle Urteil gegen “unbezahlte Werbung” geht laut vieler Stimmen allerdings zu weit. Aktuell heißt das für Instagram-Nutzer, dass sie, sobald sie beispielsweise ihren Standort in einem Geschäft der Restaurant angeben, einen Markennamen taggen, in der Beschreibung oder als Hashtag erwähnen, all dies als Werbung kennzeichnen müssen. Diese Kennzeichnung muss zudem gleich zu Beginn der Beitragsbeschreibung erfolgen und nicht etwa unscheinbar am Ende.

Der Kampf gegen das #Abmahngate

Was den Influencern jetzt noch übrig bleibt, ist es dem Urteil den Kampf anzusagen. Wie die Kanzlerin einmal so stechend feststellte, ist das Internet Neuland – so auch viele Rechtslagen darin. Influencern und Privatpersonen sollte es daher ebenso wie Verlags- und Medienhäusern in Zeitschriften und TV-Beiträgen möglich sein redaktionell und ohne Werbeabsicht über Marken, Dienstleistungen etc. berichten zu dürfen.


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Wie Plattformen Politik machen: USA und Deutschland im Vergleich

USA (adapted) (Image by Zoltan Kovacs [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Vor allem Facebook, aber auch Google und Twitter stehen unter dem Druck der Politik: Welche Rolle haben ihre Dienste bei der Wahl von Donald Trump gespielt? Der US-Kongress untersucht derzeit die Rolle, die die Gatekeeper der Online-Öffentlichkeit im Präsidentschaftswahlkampf gespielt haben. Auch Protagonisten russischer Provenienz haben die Plattformen dazu genutzt, um durch Falschmeldungen die öffentliche Meinung zu manipulieren. Im Fokus steht dabei die direkte Adressierung von Nutzern durch Anzeigen mit politisch relevanten Inhalten. Wie und in welchem Umfang die Unternehmen diese Einflussnahme ermöglicht haben, dazu mussten Vertreter der Firmen bei parlamentarischen Anhörungen aussagen.

Citizen Zuckerberg

Facebook hatte schon vor den Hearings bestätigt, dass solche Anzeigen platziert wurden und Twitter bereits publik gemacht, dass für die russische Regierung tätige Medien wie Russia Today und Sputnik seit 2011 global Werbung für 1,9 Millionen $ geschaltet haben. Diese Summe will das Unternehmen nun für Forschung über zivilgesellschaftliches Engagement auf der Plattform einerseits und ihre manipulative Nutzung andererseits spenden.

Gründer und Facebook-Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg hat sich hingegen in einer Videobotschaft zu Wort gemeldet und Schritte angekündigt, „um die Integrität des demokratischen Prozesses zu schützen.. So die Diktion des mächtigen Medienunternehmers, der eine verlegerische Verantwortung für Inhalte doch kategorisch ausschließt. Die New York Times resümiert die Aktivitäten mit Blick auf eigens angeheuerte PR-Berater und ganzseitige Zeitungsanzeigen so: Facebooks Hauptquartier sei seit Monaten im Krisen-Modus um den Image-Schaden einzudämmen.

Freilich geht es dabei nicht nur um das öffentliche Ansehen des Social Network. Vielmehr versuchen die Strategen aus dem Silicon Valley eine weitergehende staatliche Regulierung ihrer Geschäftsmodelle zu verhindern. Denn inzwischen haben drei Senatoren eine Gesetzesinitiative ergriffen und den „Honest Ads Act“ für mehr Transparenz bei der politischen Online-Werbung auf den Weg gebracht: Es soll in Zukunft nachvollziehbar sein, wer inhaltlich und finanziell für die Veröffentlichung einer Polit-Anzeige verantwortlich ist.

Dieser Forderung sind Facebook und Twitter bereits mit Ankündigungen zuvorgekommen. Sie beinhalten die Kennzeichnung und Offenlegung der Anzeigen, die von einem Akteur geschaltet werden. Die betreffenden Inhalte werden dann in einem öffentlich zugänglichen Archiv vorgehalten. Darüber hinaus sollen verausgabte Summen und erreichte Zielgruppen genannt werden. Facebook stellt sogar in Aussicht, diejenigen Inserenten politisch relevanter Inhalte, die sich nicht als solche zu erkennen geben, durch Maßnahmen des maschinellen Lernens automatisch zu identifizieren.

Dark Posts und Silicon Valley Embeds

Damit wird nicht nur auf die aktuelle Diskussion um eine auswärtige Intervention reagiert. Bereits während des US-Wahlkampfs wurde kritisiert, dass insbesondere die Trump-Kampagne bei Facebook unzählige Varianten von Anzeigen für die unterschiedlichsten Zielgruppen lanciert hat. Diese sogenannten „Dark Posts“ sind nicht auf der für alle zugänglichen Präsenz von Donald Trump bei Facebook sichtbar gewesen, sondern wurden nur im News Feed von jeweils für relevant erachteten Nutzersegmenten ausgespielt. Insofern konnten sich Beobachter keinen Überblick über die Gesamtheit der getätigten Aussagen verschaffen, um beispielsweise Inkonsistenzen oder schmutzige Varianten von Wahlwerbung zu entdecken.

Die angekündigten Maßnahmen sind zwar weitgehend, doch sie adressieren nur einen Aspekt der Problematik, die mit der durch die Plattformen konstituierten politischen Öffentlichkeit verbunden ist. Eine aktuelle Studie von Daniel Kreiss und Shannon McGregor enthüllt nämlich das immense Ausmaß, mit dem “Technology Firms Shape Political Communication”. Die Kommunikationswissenschaftler zeigen, wie eng Facebook und Twitter, aber auch Google (und Microsoft) mit den Wettbewerbern zusammengearbeitet haben.

Die Technologie-Firmen haben mit eigens dafür abgestelltem Personal den Politikern, die ihre Dienste nutzen wollten, aktiv unter die Arme gegriffen. Sie stellten ihre Instrumente vor und machten Vorschläge zu deren Einsatz. Dies gilt vor allem für die Identifizierung und Adressierung relevanter Zielgruppen durch Anzeigen, von denen die Plattformen am ehesten finanziell profitieren. Insofern wurden nicht nur die Digital-Strategien der kollaborierenden Kandidaten direkt beeinflusst.

Gerade die Kampagne von Donald Trump hat davon profitiert, insofern sie mit minimalem Personaleinsatz operierte. Dieses Defizit gegenüber der personell aufwändig aufgestellten Organisation von Hillary Clinton konnte also durch die Kompetenz aus dem Silicon Valley kompensiert werden.

Plattformen: Der Blick nach Deutschland?

In den USA stehen Facebook, Google und Twitter unter politischem Druck, weil sie Anzeigen von Akteuren aus Russland mit manipulativen Inhalten publiziert haben. Der US-Kongress untersucht derzeit die Rolle, die die Gatekeeper der Online-Öffentlichkeit im Präsidentschaftswahlkampf gespielt haben. Gibt es vergleichbare Erkenntnis für die Rolle der Technologie-Firmen beim Bundestagswahlkampf?

Die Macht der Informationsintermediäre“ ist zwar auch in der deutschen Debatte ein Thema und ein Forschungsnetzwerk des Hans-Bredow-Instituts widmet sich sogar den Algorithmed Public Spheres. Doch die politische Kommunikationsforschung in Deutschland überlässt das Thema eher dem Datenjournalismus oder einer ebenfalls quantifizierenden Political Data Science.

Demgegenüber bewegen sich die Autoren der US-Studie über den direkten Einfluss großer Digital-Unternehmen auf die datenbasierte Kampagnenführung in der Tradition der qualitativen Sozialforschung. Sie haben sich in das Feld begeben, in dem die Kontakte zwischen Technologie-Firmen sowie politischen Kandidaten und Kampagnen in den USA angebahnt werden. Dort präsentieren die Firmen ihre Dienstleistungen und Produkte auf den Parteitagen der Kontrahenten. Mit dem betreffenden Personal wurden dann Interviews geführt, die Ausmaß und Inhalt der Kollaborationen zu Tage förderten.

Digitale Doppelgänger

Anhaltspunkte für ähnlich enge Kooperationen gibt es auch in Deutschland. Ende September berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg über den Online-Wahlkampf der Alternative für Deutschland: „The German Far Right Finds Friends Through Facebook“. Die AfD habe die auch für rechtspopulistische Parteien und Kandidaten in anderen Ländern tätige US-Agentur Harris Media angeheuert. Deren Vertreter habe bei seinem Deutschland-Aufenthalt direkt Facebooks Berliner Dependance aufgesucht, um eine Arbeitsbeziehung zur Anzeigenabteilung zu etablieren.

In den Fokus sei dabei das von Facebook angebotene Marketing-Instrument der Lookalike Audiences geraten: Ausgehend von bekannten Angaben zu den Abonnenten der AfD-Präsenz bei Facebook wurde eine gleich große Gruppe mit ähnlichen Eigenschaften aus der Gesamtheit der deutschen Nutzer gebildet, die dann für Werbemaßnahmen der Partei ins Visier genommen wurde.

Abgesehen von dieser Episode haben sich die Plattformen allen Parteien als relevanter Partner für die Kommunikation mit der Wählerschaft angedient. Instrument dieser Annäherung waren vor allem Informationsangebote über die politischen Positionen von Kandidierenden und Parteien. Diese Formate wurden den Nutzern von Facebook und Google bei algorithmisch passender Gelegenheit prominent angezeigt. Die Angaben zu Personen und Positionen konnten die betreffenden Akteure dabei selbst verfassen.

Vielleicht lässt sich diese Praxis am ehesten als freiwilliges Äquivalent zur kostenfrei ausgestrahlten Wahlwerbung im Rundfunk verstehen. Eine Parallele zum TV-Duell drängt sich darüber hinaus bei einem weiteren Angebot auf: YouTube veranstaltete zunächst mit Angela Merkel und später mit Herausforderer Martin Schulz für Internet-Verhältnisse epische Einzelinterviews. Bei diesem kamen diverse YouTube-Influencer zum Einsatz, die die beiden Kandidaten im firmeneigenen Berliner YouTube-Space befragten.

Dazu gab es im Gegensatz zu dem von der Kanzlerin in ein ihr genehmes Format verhandelten TV-Duell redaktionelle Einspieler und sogar Wortmeldungen von Zuschauern der beiden Livestreams, die von Google und YouTube auf der jeweiligen Startseite beworben wurden. Auch wenn auf diesem Weg noch keine enorme Reichweite erzielt wurde, dürfte den Kommunikationsstrategen in den Parteizentralen doch klar geworden sein, welcher Kanal in Zukunft den Draht zu Erstwählern herzustellen vermag.


Image (adapted) „USA“ by Zoltan Kovacs [CC0 Public Domain]


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • REDDIT t3n: Kein Reddit für Nazis: Onlineplattform schließt rechtsradikale Foren: Die Onlineforen-Plattform Reddit ist ein wahrer Pool an verschiedenen Themen, Gruppierungen und Meinungen. In sogenannten Subreddits kann sich zu allerlei möglichen Themen ausgetauscht werden, manchmal sucht man in diesen Unterforen aber vergeblich nach Moral wie man sie im richtigen Leben erwarten würde – und manchmal sind solche Inhalte sogar gesetzeswidrig, gewaltverherrlichend etc.. Reddit hat jetzt aber einen bedeutenden Schritt gegen Hassbotschaften im Netz gestartet und seine Richtlinien dementsprechend geändert. Denn zuvor waren rechtsradikale Inhalte auf der Plattform zumindest geduldet. Etliche Hass- und Nazi-Foren, wie /r/NationalSocialism und /r/ Rechtsradikalismus – sogenannte „Subreddits“ – wurden jetzt geschlossen. Ex-Chef Yishan Wong lehnt eine solche Art der „Zensur“ – selbst bei solchen Inhalten – jedoch ab.

  • EPRIVACY wired: Die ePrivacy-Verordnung macht das Netz datenschutzfreundlicher: Das EU Parlament hat sich gestern mit 318 gegen 280 Stimmen für besseren Schutz gegen Tracking und für verschlüsselte Kommunikation entschieden. Netz- und Werbeunternehmen müssen jetzt strengere Richtlinien befolgen und das Surfen im Interent und der Umgang mit Apps wie WhatsApp, Google Mail etc. sollte jetzt ein Stück weit sicherer sein. Ein Stück mehr ePrivacy für Europa, jedoch erst einer von vielen, die noch getätigt werden müssen.

  • TWITTER zeit: Twitter verbannt RT und Sputnik als Werbekunden: Wer, wie, wo, was bei der US-Wahl 2016 beeinflusst oder manipuliert hat ist nicht ganz klar. Vor allem russischen Medienquellen werden Beeinflussugnsversuche vorgeworfen. Auch die beiden Medienunternehmen RT und Sputnik sollen mutmaßlich manipuliert haben. Twitter zieht jetzt zur Verantwortung und last beide Medienhäuser nicht länger Werbung auf ihrer Plattform schalten. Twitter bestätigte im Vorfeld, dass zur US-Präsidentschaftswahl im letzten November gezielt russisch finanzierte Inhalte zugunsten des Kandidaten Donald Trump platziert wurden.

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Destination Check: NEPTUN Award 2016

Der NEPTUN Award hat am 17.11 zum bereits 11. Mal die besten Crossmedia-Kampagnen Deutschlands ausgezeichnet. Neben Preisen wie dem „NEPTUN Talents Award“ (Sieger: „Wir sind das Volt“) oder den „best use of mobile Award“ (Sieger: Volkswagen up!-Kampagne) wurden selbstverständlich auch die begehrtesten Preise des Abends verliehen: der durch das Publikum gevotete Grand Prix, sowie der durch die Jury bestimmte X-Media Award. Das Preisgeld der Hauptpreise und Platzierten beläuft sich dabei auf einen Gesamtwert von 120.000€ als Werbefläche in ausgewählten Titeln des Axel Springer Verlags.

Herzstück des Abends waren vor allem die Präsentationen der 5 Kampagnen-Teilnehmer, denn das Herausragende am NEPTUN Award sind die 10 minütigen, einem Pitch ähnelnden Vorträge der Vertreter der jeweiligen Agentur. Hierbei wird noch einmal das Konzept, die Umsetzung und Reichweite der Kampagne erläutert und kreativ und einladend dargestellt. Anschließend hatte neben der Jury auch jeder aus dem Publikum die Chance mittels eines Voting-Geräts an der Entscheidung teilzunehmen. Gevotet wurde in den 5 Kategorien Innovation, Kreation, Intelligenz, Viralität und Effizienz. Hier nochmal die Teilnehmer im Überblick:

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Startnummer 1: Grabarz & Partner, mit einer Kampagne für den VW up!, vor allem an die „Generation Y“ gerichtet. Image by Lisa Kneidl
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Startnummer 2: Überground mit einer Kampagne für Freeletics, die zu mehr Sportlichkeit motivieren soll. Image by Lisa Kneidl
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Startnummer 3: Grabarz & Partner die 2. – Für den Art Directors Club 2016: Battle of Content (ADC) setzten sie auf die Experten schlechthin, wenn es um Viralität geht: Katzen! Image by Lisa Kneidl
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Startnummer 4: Kolle Rebbe mit dem Aktion Mensch e.V. und einem als Casting getarnten sozialen Experiments gegen zwischenmenschliche Berührungsängste. Image by Lisa Kneidl
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Startnummer 5: GUD. Grüner und Deutscher mit #weilwirdichlieben für die BVG. Image by Lisa Kneidl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Besondere in diesem Jahr – Jury und Publikum waren sich einig und bestimmten einen gemeinsamen Sieger: die Kampagne „#weilwirdichlieben“ von GUD. Grüner und Deutscher für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Eine mutige und schlagfertige Kampagne, wie sich die Besucher einig waren. Einem Betreiber öffentlicher Verkehrsmittel ein gutes Image zu bereiten ist schon ein wahnwitziges Unterfangen, es gibt wohl weniges, was der arbeitenden Gesellschaft mehr Unmut bereitet als die um zwei Minuten verspätete U-Bahn.

So löste der Kampagnen-Hashtag zunächst auch einen regelrechten Shitstorm aus. Aber wie man so schön sagt: Jede Presse ist gute Presse – und so hat sich die Kampagne wie ein Lauffeuer durch Social Media und die Medienkanäle verbreitet und im Endeffekt ihr Ziel erreicht.

Wir haben mit Vertretern der Gewinnern, Jury und dem Publikum über den Abend gesprochen:


Gewinner: Christian Artopé, GUD. Grüner und Deutscher


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Image by Lisa Kneidl
Wie ist dein Gesamteindruck?

Wir sind das erste Mal dabei und sehr glücklich und überwältigt von unserem doppelten Gewinn.

Was hältst du vom Voting?

Toll und herausfordernd. Die Tatsache, dass man für die Präsentation nochmal bewertet wird, ist durchaus ungewöhnlich und wird bei den meisten Award-Zeremonien nicht so gehandhabt. Deswegen waren wir auch ein klein wenig aufgeregt. Aber es ist ja gut ausgegangen.

Haben die Teilnehmer deine Erwartungen erfüllt?

Das steht uns natürlich nicht zu zu beurteilen, aber es waren großartige Kampagnen und Kollegen dabei, was es noch so unglaublicher macht, dass wir gewonnen haben. Die Kollegen von Kolle Rebbe und Grabarz & Partner und auch die jüngeren Agenturen waren fantastisch und haben sich auch sehr viel Mühe bei den Präsentationen gegeben, deswegen haben wir mit überhaupt nichts gerechnet.

Hattest du einen Favoriten?

Mein Favorit waren die ADC Katzen von Grabarz & Partner, das war schon großer Sport!

Wem würdest du die Veranstaltung empfehlen?

Kreativen Kollegen, die einen schönen Abend haben wollen und ihre Arbeit prämieren lassen wollen, weil das grade für Agenturen auch ein Sprungbrett sein kann.

Wo siehst du die Zukunft der Crossmedia-Vermarktung?

Es gibt keinen einen guten Social-Media-Kanal für Vermarktung, es muss immer eine Geschichte, die zum Produkt passt, dahinter stehen. Wenn ich weiß, was ich erzählen will und welches Produkt ich bewerben will, kann ich mir Gedanken machen, welcher Kanal der Richtige ist und das kann ich niemals verallgemeinern. Deswegen gibts für jede Marke, jedes Produkt, zu jedem Zeitpunkt und gegebenenfalls auch für die einzelnen Zielgruppen ganz unterschiedliche Kanäle und nicht den einen richtigen Kanal. Wenn Sie die maximale Reichweite wollen, dann ist es aktuell Facebook.


Jury-Mitglied: Florian Lormes, fandom by wikia


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Wie ist dein Gesamteindruck?

Toll! Die Stimmung war gut, die Leute hatten Spaß und die Kampagnen waren sehr nah beieinander. Alle fünf sind dann am Ende gevotet worden und der Gewinner hat dann offensichtlich jeden überzeugt und beides gewonnen (Jury- und Publikums-Voting).

Was hältst du vom Voting?

Ich war ja in der Jury und auch sofort von Berlin (Grüner und Deutscher) begeistert und alle anderen waren auch gut, aber das war einfach rund und toll und es war interessant zu sehen, dass das Publikum das genauso gesehen hat. Im letzten Jahr war ich auch dabei, da war das nicht so und das ist auch schön. Insofern ist es immer spannend, es ist der einzige Award, der das bietet, dass eben das Publikum auch seine Meinung abgeben kann und nicht nur die „langweilige“ Jury.

Haben die Teilnehmer deine Erwartungen erfüllt?

Die Erwartungen wurden übertroffen. Wer hier überhaupt schon auf der Shortlist ist, ist ja schon herausragend. Wir als Jury haben uns ja durch alles andere durchgegraben, was auch schon gute Einreichungen waren, aber das waren schon die Top 5 und das hat man auch gesehen.

Hattest du einen Favoriten?

Ja und der hat auch gewonnen!

Wo siehst du die Zukunft der Crossmedia-Vermarktung?

Crossmedia ist heute zum Glück ja eigentlich alles. Also die Kampagne „machen wir nur Plakat“ oder „machen wir nur Radio“ ist ja selten geworden. Insofern sehe ich eine große Zukunft dieses Awards. Ich finde nur die Stadt Hamburg müsste sich mehr engagieren, müsste hier nochmal einsteigen. Alle Unterstützung außerhalb von Hamburg läuft in Berlin und das hilft weder der Stadt und noch dem Award. Dieser Award hat, eben, weil er so besonders ist, das Potential, viel größer zu sein. Da müssten eben auch mal in Institutionen mit hinein gehen und nicht nur die Privatwirtschaft.


Jury-Mitglied: Gunnar Brune, STORIES


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Wie ist dein Gesamteindruck?

Extrem gut! Wir haben volles Haus gehabt, super Kampagnen und eine Veränderung gespürt, denn die Kampagnen sind wesentlich druckvoller gewesen, kreativer, multimedialer, crossmedialer – alles, was man will. Die schnelle Form der Präsentation, die Inhalte der Kampagnen und dann nicht einer, der herausragt, sondern alle – es hat sich was getan und das haben wir hier gesehen. Das kann man in keinem anderen Award sehen, denn dort findet das auf einer anderen Ebene statt.

Was hältst du vom Voting?

Es gibt zwei Dinge, die den NEPTUN Award besonders machen: er ist der einzige Award, bei dem eine crossmediale Kampagne als crossmedial und nicht nach ihrem Leitmedium ausgezeichnet wird. Das zweite ist diese Kombination aus einer Fach-Jury und dem Live-Pitch, bisschen wie eine TED-Konferenz, wo die besten Kampagnen auf die Bühne gehen und sich vor einem Fachpublikum präsentieren, weil diese wissen wollen, was crossmedial passiert. Die haben gevotet und dann sogar gemeinsam mit der Jury den Sieger gewählt, das gibts sonst nirgendwo.

Haben die Teilnehmer deine Erwartungen erfüllt?

Die Teilnehmer hier, ja. Man weiß mittlerweile, was der NEPTUN Award ist und wenn man in der Shortlist ist, weiß man, dass man auf der Bühne performen muss und das kann einen zwei bis drei Plätze nach vorne oder hinten bringen. Wir haben gesehen, dass Kampagnen, die in der Jury-Bewertung mäßig abgeschnitten haben, dann hier auf der Bühne richtig performt haben und das ist ganz interessant für unsere Branche. Normalerweise sehe ich eine nicht fertige Kampagne als Marketingleiter im Pitch. Das hier sind fertige Kampagnen, die gelaufen sind, im Pitch auf einer Bühne und vor einem sehr fachkräftigen Publikum. Da sind wir stolz drauf!

Hattest du einen Favoriten?

Das Problem war, dass es dieses Jahr keinen richtigen Favoriten gab. Nehme ich den, der mein Herz am meisten bewegt hat? Da hatten wir zwei. Oder nehme ich den, der in die Breite der technischen Möglichkeiten geht? Nehme ich einen der sein Konzept super witzig überall ausrollt? Nein! Wir haben dieses Jahr keinen Hornbach-Hammer oder Opel-Kampagne. Dieses Jahr war es ganz knapp, das haben wir auch in den Zahlen gesehen. Wer gewonnen hat, hat verdient gewonnen, weil beide Jurys, Publikum und Fachjury, gleich entschieden haben.

Wo siehst du die Zukunft der Crossmedia-Vermarktung?

Die Zukunft wird noch eine Steigerung haben. Wir haben heute gesehen, wie wichtig Snapchat, ein Kanal, den viele hier wahrscheinlich gar nicht richtig kennen, in den Gewinnerkampagnen war und wir werden uns hier also vorbereiten müssen, Kampagnen auf Kanälen zu machen, die wir nicht einfach abends beim Lagerfeuer betrachten können. Wir müssen viel mehr unterwegs sein und medial kleine, private Abenteuer wagen, damit wir unseren Kunden die besten Kampagnen vorschlagen können.


Besucherin: Yanni Subki, Schülerin


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Image by Lisa Kneidl
Wie ist dein Gesamteindruck?

Ich finde ihn eigentlich ganz schön, die Raumgestaltung ist sehr schön und das Publikum entspannt.

Was hältst du vom Voting?

Ich fands ganz cool, ich finde Sie hätten das ein paar Sekunden schneller machen können und das Schulnoten-System war leicht verständlich.

Haben die Teilnehmer deine Erwartungen erfüllt?

Da ich die meisten davon auch kannte würde ich sagen ja. Ich war total begeistert und fand es auch schön sich mit dem Publikum darüber zu unterhalten.

Hattest du einen Favoriten?

Ich finde Aktion Mensch mega cool. Ich gehe selber noch zur Schule und das war so ein Thema, über das alle gesprochen haben und fand das dann auch cool und interessant, als es hier erwähnt wurde.

Aus welcher Motivation bist du zum Award gekommen?

Mein Vater arbeitet bei der Bild und meinte, ich sollte mir das unbedingt ansehen. Ich fand es sehr spannend und würde auf jeden Fall nochmal kommen!


Images by Lisa Kneidl


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • TWITTER TNW: Twitter finally sets date to grow beyond its 140 character limit: Ist das 140 Zeichenlimit, welches Twitter als Microblog charakterisiert, nun wirklich bald Geschichte? Wohl kaum! Spekuliert wird jedoch über weitere Änderungen, die für Nutzer zu einer verbesserten Ausnutzung der begrenzten Zeichen führen sollen. Bereits Anfang des Jahres gab es Gerüchte darüber, dass man den Zeichen-Stopp entfernt. Ab 19. September soll es nun Änderungen am Grundsystem geben. Erwähnungen wie etwa @Netzpiloten sollen zukünftig nicht mehr in die 140 Zeichen eingerechnet werden.
  • TESLA heise online: Tesla macht Radar wichtiger für Fahrassistenten „Autopilot“: Vier Monate nach dem ersten tödlichen Unfall mit seinem Fahrassistenz-System „Autopilot“ kündigt Tesla eine neue verbesserte Version der Software an. In Zukunft soll ein Radar-Sensor die Daten für eine Entscheidung über Weiterfahren oder Bremsen statt einer Kamera liefern. „Neben einem Dutzend kleinerer Veränderungen wird das Radar-Bild in den Mittelpunkt rücken“, erklärt Tesla Chef Elon Musk. Der Radar, welcher zunächst nur als Zusatz zur Erkennung der Umgebung per Kameras gedacht war, wird somit zentraler Sensor des Systems.
  • DROHNEN Welt: Drohnen werden zum Risiko für unseren Alltag: Der Versicherungskonzern Allianz befürchtet durch den Einsatz von Drohnen großes Schadenspotenzial. Große Unternehmen wie Google, Amazon, Airbus und DHL haben bereits Testflüge der künstlichen Vögel angekündigt. Laut einer Studie der Allianz-Industrieversicherungsgruppe AGCS zufolge steht der Drohnenmarkt vor einem starken Wachstum. Bereits in diesem Jahr sollen 1,6 Millionen Hobbydrohnen sowie 600.000 kommerzielle Drohnen zur Verfügung stehen. Die AGCS fordert daher Standards einzuführen sowie die Registrierung von Drohnen, da die Liste an Drohnenzwischenfällen bereits stetig wächst.
  • HP Golem : HP kauft Samsungs Drucker-Sparte für 1 Milliarde US-Dollar: HP will es nun wissen und plant die Fotokopierbranche, in der es seit Jahrzehnten keine Innovation mehr gegeben hat, aufzumischen. Dafür kaufte HP nun für 1,05 Milliarden US-Dollar die Drucker-Sparte von Samsung auf. Geplant ist die veralteten Produkte durch Multifunktionsgeräte zu ersetzen. HP kauft somit 6.500 Samsung Druckerpatente. Außerdem wechseln 6.000 Samsung-Beschäftigte, darunter 1.500 Entwickler und Ingenieure zu HP. Hauptumsatzquelle der Branche stellen Druckertinte und Toner dar, wobei der Absatz stark rückläufig ist.
  • VIDEOWERBUNG Horizont: Neun von zehn fordern bessere Online-Videowerbung: Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Vanson Bourne zufolge sind neun von zehn Verbrauchern der Meinung, dass sich am aktuellen Zustand von Online-Videowerbung etwas ändern muss. Befragt wurden von April bis Mai insgesamt 4.000 Konsumenten von Online-Videoinhalten im Alter über 18 Jahren in Deutschland, Frankreich und UK. Als häufigster Kritikpunkt an Online-Videowerbung wurden mangelnde Relevanz, zu großes Volumen und schlechte Darstellung genannt. Mark Blair, Vice President EMEA von Brightcove sagt: „Wir sind davon überzeugt, dass die Kunden jedes Recht haben, defekte, nervige und intrusive Werbung zu meiden. Andererseits haben aber auch die Unternehmen das Recht, die Inhalte, deren Produktion viel Geld kostet, zu monetarisieren und zu promoten.“
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