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Schluss mit Kinkerlitzchen: Die einzige sichere E-Mail besteht aus reinem Text

Kontrolle, Tastatur, E-Mail (adapted) (Image by antonynjoro [CC0 Public Domain] via pixabay)

Es ist ein beunruhigender Gedanke: Man könnte jederzeit eine E-Mail öffnen, die aussieht, als käme sie vom Arbeitgeber, einem Verwandten oder der Bank. In Wirklichkeit könnte es sich jedoch um PhishingScams handeln. Jede der vielen unschuldigen E-Mails, die wir den ganzen Tag über erhalten, könnte uns dazu kriegen, unsere Zugangsdaten herauszurücken und Verbrechern die Kontrolle über unsere vertraulichen Daten oder Identität zu geben.

Die meisten Leute gehen davon aus, dass es die Schuld der Benutzer selbst ist, wenn sie auf Phishing-Betrügereien hereinfallen. Jemand könnte einfach auf das falsche Feld geklickt haben. Um das Problem zu beheben, sollten Benutzer einfach damit aufhören. Als Sicherheitsexperten, die sich mit Malware-Techniken beschäftigen, glauben wir jedoch, dass hier der Falsche beschuldigt wird.

Das wirkliche Problem besteht darin, dass die heutigen webbasierten E-Mail-Systeme elektronische Minenfelder ähneln, die mit Anforderungen und Verlockungen angefüllt sind, um zu klicken und sich in einer zunehmend reaktionsschnellen und interaktiven Online-Erfahrung zu engagieren. Es sind nicht nur Google Mail, Yahoo-Mail und ähnliche Dienste. Desktop-basierte E-Mail-Programme wie Outlook zeigen Nachrichten auf die gleiche unsichere Art und Weise an.

Einfach ausgedrückt, ist die einzig sichere E-Mail eine reine Text-Mail. Sie zeigt nur den nackten Text an, ohne eingebettete Links oder Bilder. Webmail ist für Werbetreibende praktisch – und erlaubt gutaussehende E-Mails mit Bildern und netten Schriften zu schreiben, birgt aber unnötige und ernsthafte Gefahren in sich. Denn eine Webseite – oder eine E-Mail – kann leicht das Eine zeigen, aber auch das Andere tun.

Die Rückkehr von E-Mails zu ihrem Ursprung mag radikal erscheinen, bietet aber eine deutlich höhere Sicherheit. Sogar die besten Experten für Cybersecurity der US-Regierung kommen zu dem erschreckenden, aber wichtigen Schluss, dass jede Person, die ernsthaft mit Web-Sicherheit zu tun hat, egal, ob es sich hierbei um Organisationen oder Regierungsmitglieder handelt – zu Text-E-Mails zurückkehren sollte:

„Organisationen sollten sicherstellen, dass sie HTML in E-Mails nicht mehr verwenden können und Links deaktivieren. Alles sollte zu Klartext gezwungen werden. Dies verringert die Wahrscheinlichkeit, dass potenziell gefährliche Skripte oder Links im Text der E-Mail versendet werden. Außerdem wird die Gefahr gebannt, dass ein Benutzer einfach nur auf etwas klickt, ohne darüber nachzudenken. Mit Text-Mails müsste der Benutzer den Link selbst eingeben oder die Kopierfunktion nutzen. Dieser zusätzliche Schritt ermöglicht dem Benutzer eine weitere Gelegenheit zum Nachdenken und zur Analyse, bevor er auf den Link klickt.“

Das Problem falsch verstehen

In den letzten Jahren wurden Webmail-Nutzer strengstens angewiesen, auf jeden verdächtigen Hinweis in E-Mails zu achten. Sie durften keine E-Mails von Leuten öffnen, die sie nicht kannten. Sie sollten keine Anhänge öffnen, ohne den Absender vorher sorgfältig zu prüfen. Viele Unternehmen bezahlen Sicherheitsfirmen mehr als fürstlich, um zu prüfen, ob ihre Angestellten auf diesen Versprechungen gut machen. Aber das Phishing geht weiter – und kommt immer häufiger vor.

Die Berichterstattung zu dem Thema kann hier noch verwirrender erscheinen. Die New York Times bezeichnete den Verstoß gegen die E-Mail-Sicherheitsvorschriften des Democratic National Committee als „dreist“ und „schamlos“. Man wies auf eine Vielzahl möglicher Probleme hin – alte Netzwerksicherheitsausrüstung, hoch entwickelte Angreifer, gleichgültige Ermittler und unaufmerksame Mitarbeiter des Supports – bevor es eine weitere Schwäche aufdeckte. Des Pudels Kern ist allzu oft ein eifriger Benutzer, der „ohne viel nachzudenken“ handelt.

Aber das eigentliche Problem mit Webmail – der Sicherheitsfehler, der schon viele Millionen Dollar gekostet hat – war die Idee, dass, wenn E-Mails über eine Website versendet oder empfangen werden könnten, sie mehr als nur reiner Text sein könnten, selbst wenn die Webseiten von einem Webbrowser-Programm angezeigt werden. Dieser Fehler hat erst die Möglichkeit für eine kriminelle Phishing-Branche geschaffen.

Entwickelt für Gefahren

Ein Webbrowser ist das perfekte Werkzeug für Unsicherheit. Browser sind so konzipiert, dass sie Inhalte aus mehreren Quellen nahtlos zusammenfügen: Text von einem Server, Anzeigen von einem anderen, Bilder und Videos von einem dritten Server, Buttons, die dem Benutzer nachverfolgen, und so weiter. Eine moderne Webseite ist ein Flickenteppich von dutzenden Drittanbieter-Seiten. Damit diese Zusammenstellung von Bildern, Links und Buttons einheitlich und integriert dargestellt wird, zeigt Ihnen der Browser nicht an, woher die einzelnen Teile einer Webseite stammen – oder wohin sie führen, wenn sie angeklickt werden.

Schlimmer noch, sie erlaubt es Webseiten – und damit E-Mails – ihre Herkunft zu verschleiern. Wenn man „www.google.com“ in die Browserzeile eingibt, kann man ziemlich sicher sein, dass man auf die Google-Hauptseite gelangt. Klickt man jedoch auf einen Link oder Button mit der Bezeichnung – wird man dann tatsächlich zum echten Google geleitet? Man müsste bei jedem Link sorgfältig den zugrunde liegenden HTML-Quellcode der E-Mail lesen. Es gibt darüberhinaus noch dutzende weitere Möglichkeiten, wie Browser manipuliert werden können, um uns zu täuschen.

Das ist das Gegenteil von Sicherheit. Die Nutzer können die Folgen ihres Handelns nicht vorhersagen und auch nicht im Voraus entscheiden, ob die möglichen Ergebnisse akzeptabel sind. Ein absolut sicherer Link wird möglicherweise direkt neben einem bösartigen Link angezeigt, ohne, dass ein Unterschied zwischen diesen erkennbar ist. Wenn ein Benutzer mit einer Webseite konfrontiert ist, muss er sich entscheiden, ob er auf etwas klicken will.

Hier gibt es keine gangbare Möglichkeit, vorher zu erfahren, was nach dem Klick passieren könnte oder mit welcher Firma oder anderen Teilnehmern der Nutzer zu tun haben wird. Der Browser verbirgt diese Informationen. Immerhin können wir uns, wenn wir selbst aktiv im Internet surfen, entscheiden, auf welche Website unseres Vertrauens wir uns begeben wollen. Kommt ein Link per Webmail, liefert er uns jedoch eine von einem Angreifer erstellte Webseite direkt in unsere Mailbox!

Der einzige Weg, um die Sicherheit im heutigen Webmail-Umfeld zu gewährleisten ist, sich die Fähigkeiten eines professionellen Web-Entwicklers anzueignen. Erst dann werden die Ebenen von HTML, Javascript und anderem Code klar; erst dann werden die Konsequenzen eines Klicks im Voraus bekannt. Natürlich ist dies ein unangemessen hoher Grad an Raffinesse, den die Benutzer zum Schutz ihrer selbst an den Tag legen müssen.

Solange Softwaredesigner und Entwickler keine Browser-Software und Webmail-Systeme reparieren und die Benutzer nicht in Kenntnis der Sachlage entscheiden lassen, wohin sie ihre Klicks führen können, sollten wir den Ratschlägen von C. A. R. Hoare folgen, einem der ersten Pioniere der Computersicherheit: Der Preis für Zuverlässigkeit ist das Streben nach höchster Einfachheit.“

Die sicherste E-Mail ist die reine Text-E-Mail

Unternehmen und andere Organisationen sind noch anfälliger als Einzelpersonen. Eine einzelne Person braucht sich nur um ihre eigenen Klicks zu kümmern – viele Mitarbeiter in einer Organisation sind ein viel größeres Risiko. Es ist eine einfache Gleichung: Wenn jeder Mitarbeiter die gleiche Chance hat, auf einen Phishing-Betrug hereinzufallen, ist das Risiko für das Unternehmen insgesamt viel höher, dass auch etwas passiert. Tatsächlich besteht bei Unternehmen mit 70 oder mehr Angestellten eine um 50 Prozent erhöhte Chance, dass jemand mit einer Phishing-Mail getäuscht wird. Die Unternehmen sollten Webmail-Anbieter, um deren Sicherheitsaspekt es theoretisch schlechter bestellt ist als die Chance, bei einem Münzwurf zu gewinnen, sehr kritisch betrachten.

Als Technologen haben wir uns längst damit abgefunden, dass manche technischen Entwicklungen einfach eine schlechte Idee sind, auch wenn sie zunächst spannend aussehen. Die Gesellschaft muss dasselbe tun. Sicherheitsbewusste Nutzer müssen von ihren E-Mail-Providern eine Klartext-Option verlangen. Leider sind solche Optionen noch nicht sehr verbreitet und mühsam durchzusetzen, aber sie sind ein Schlüssel zur Eindämmung der Gefahrenwelle.

Mail-Anbieter, die sich weigern, dies zu tun, sollte man schlichtweg meiden – genauso wie man dunkle Gassen für ein florierendes Ladengeschäft meiden sollte. Diese Hintergassen des Internets können mit ihren bunten Anzeigen, Bildern und Animationen attraktiv aussehen – sicher sind sie allerdings nicht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Kontrolle, Tastatur, E-Mail“ by antonynjoro (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Acht (oder mehr) Geschäftsmodelle für E-Mail Newsletter

mail-newsletter-home-mailbox (adapted) (Image by Anne-Onyme [CC0 Public Domain], via pixabay

Als ich vor einigen Jahren begann, die redaktionellen E-Mail-Newsletter der Financial Times zu überarbeiten, wurde ich schnell mit positiver Bestätigung, technischer Frustration und Quellen tiefer Zufriedenheit konfrontiert.

Die gute Nachricht war, dass wir am Höhepunkt eines wiedererstarkten Interesses für E-Mails von Medienfirmen waren, das gerade wieder angestiegen ist. Dies legte nahe, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Von legendären Printunternehmen wie der New York Times bis hin zu digitalen Unternehmen wie BuzzFeed – fast jeder erkennt den Wert des Mediums.

Das Frustrierende war, dass E-Mails und das kommerzielle System, in das sie eingebunden waren, nur wenig an die Bedürfnisse von Journalisten und Lesern angepasst waren. Das Senden von E-Mails bedarf einer Navigation durch ein komplexes Labyrinth aus technischen Systemen und vermehrten regulatorischen Anforderungen. Es bedeutet, Systeme anzupassen, die hauptsächlich auf die Bedürfnisse von Spezialisten abgestimmt sind, die in Marketingabteilungen mit Programmierfähigkeiten für verschiedene Anwendungsfälle von Journalisten mit engen Deadlines sitzen.

Trotz dessen waren wir mit den Antworten, die wir erhielten, zufrieden: Viele gaben an, sich durchgängig für E-Mail-Newsletter einzutragen, diese dann auch zu öffnen und auf Artikel zu klicken. Viele gaben sogar ein regelmäßiges, positives Feedback. Das, was wir taten, hatte Ähnlichkeit mit einer „Heilung“: Wir durften die besten Stücke aus den Nachrichten und Analysen auswählen. Entwickelt werden sollte ein Narrativ für Leser, die unter Zeitdruck standen und geradezu in Informationen ertranken. Wir konnten so außerdem eine direkte Beziehung zu unseren Lesern herstellen.

Dan Oshinsky, Leiter der Newsletter-Abeilung bei BuzzFeed, berichtete mir: „Uns geht es darum, Geschichte zu erzählen, die die Leute teilen möchten. Deshalb ist die E-Mail so ein natürlicher Startpunkt. Es ist sicherlich nicht die schillerndste oder neueste Plattform. Aber sie hat eine gewisse Reichweite, bringt Leute zurück auf die Seite und verteilt unsere Inhalte.“

Wie bei so vielem in den Redaktionen sind auch die Ressourcen stark begrenzt und Medienunternehmen suchen immer noch den besten Weg, um E-Mails als Teil eines größeren Engagements zu monetarisieren. Dies brachte mich dazu, mit Kollegen von anderen Medienorganisationen zu sprechen – in Nachrichtenabteilungen und kommerziellen Abteilungen – um die Trends zu verstehen, die ich in einem neuen Bericht für das Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität Oxford hervorhob.

Es werden zurzeit mindestens acht verschiedene Geschäftsmodelle getestet:

  1. Internetraffic generieren oder konvertieren. Die Klicks, die durch die E-Mail-Newletter hereinkommen, können die Gesamtzahl der Pageviews erhöhen. Dies unterstützt das breitere Geschäftsmodell und erhöht Anmeldungen und Werbeumsätze. Die Washington Post, die mehr als 70 redaktionelle E-Mails betreut, nennt dies eine „Zugbrücke“. Sie erhöht die Reichweite und zieht eine größere Zahl potentieller Leser an. Der New Yorker sagt, dass die Antwortquote höher ist als in den sozialen Medien. Für kleinere und jüngere Organisationen ist es eine wertvolle Möglichkeit, um Aufmerksamkeit zu bekommen und Lesegewohnheiten bei den Nutzern aufzubauen. Blendle generiert so ein Drittel des Traffics. Die Firma hat ein Mikrozahlungsmodell adaptiert, das nach dem Prinzip „Pay as you go“ funktioniert. Man zahlt, wenn ein Link von einer teilnehmenden Mediengruppe angeklickt wird.
  2. Einzelabonnement: Der Espresso (und die App) von The Economist, The Browser und Brief.me in Frankreich rechnen alle für die E-Mail selbst ab und bieten einen einzigartigen Inhalt oder die Entdeckung von anderen Artikeln auf Grundlage eines starken Urteilsvermögens und einer besonderen Schreibqualität. Laurent Mauriac, Gründer von Brief.me sagt: „Der beste Weg, eine starke Beziehung mit dem Leser aufzubauen, ist, sie dszu zu bringen, zu zahlen.“ In Großbritannien überlegt die „Red Box“ der Times, die die aktuelle Politik behandelt, ein solches Modell einzuführen.“
  3. Spenden oder verschiedene Beiträge: Eine bestimmte Anzahl Newsletter wird umsonst gesendet, aber verlangt regelmäßig Beiträge, wie beispielsweise Johnson’s Russia List. Diese aggregiert Medien und akademische Artikel über Russland und die ehemalige Sowjetunion. Genauso ProMed, die Krankheitsausbrüche mit ansteckendem Charakter abbildet. Manche werden umsonst an Privatpersonen und Akademiker ausgegeben, aber an Geschäftskunden und gewerbliche Abonnenten verkauft.
  4. Zusatz zu Abonnement: Free Lunch, Brexit Briefing und andere spezielle Newsletter werden gratis an Standard oder Premium-Abonnenten versandt. Sie stellen einen alternativen Weg für Leser dar, um Inhalte zu konsumieren. Sie helfen auch dabei, Artikel von der Financial Times im Netz zu verbreiten und das Engagement zu erhöhen, indem mehr Artikel gelesen werden. Auf diese Weise bindet man seine Leser oder kann sie zu Upgrades bewegen.
  5. Werbung: Viele Newsletter enthalten Werbung oder Banner wie Red Box. Immer mehr beinhalten auch native Werbung oder gesponserten Inhalt, wie beispielsweise Quartz’s Daily Brief, The Monocle Minute und TTSO (Time to Sign Off) in Frankreich.
  6. Querverkauf: E-Mails enthalten oft eine Leseprobe, um die Reichweite durch neue Leser zu erhöhen. Man bekommt ungewohnte Inhalte präsentiert und generiert Loyalität und Klicks zu einem Abonnement oder einer Abo-Paywall. Manche tun dies mit ihren eigenen Seiten in Kopperation mit kommerziellen Seiten. Beispielsweise haben die Washington Post und BuzzFeed sich mit Amazon zusammengeschlossen. Andere bewerben Bezahl-Events oder bauen Adresslisten auf, mit denen man verschiedene Zielgruppen adressieren kann.
  7. Markenwahrnehmung: Kostenlose Newsletter sollen größeres Interesse an einer Nachrichtenorganisation oder einem Produkt auslösen. Auch kann das Wissen über die Organisation oder ihren Inhalt vergrößert werden, genau wie die Wahrnehmung von neuen Inhalten oder Services.
  8. Gemeinschaftsbildung: Newsletter, die bestimmte Interessen, Themen oder Leute in bestimmten Regionen ansprechen, bieten eine Möglichkeit, um eine tiefergehende Vernetzung zu speziellen Gruppen herzustellen und eine direkte Beziehung aufzubauen. Auch die Loyalität wird vergrößert und Mitgliedschaften und Eventteilnahmen werden angeboten.

Nicht jedes dieser Modelle funktioniert für jeden – und diejenigen ohne starkes, redaktionelles Urteilsvermögen, eigenen Inhalt oder andere Arten der Abgrenzung werden an dem zunehmend umkämpften Newslettermarkt sehr zu leiden haben. Der Newsletter closure of This, bei dem Leseempfehlungen erteilt werden, ist eines dieser Beispiele.

Neben größerer Experimentierfreude mit diesen Modellen müssen auch andere Zukunftsthemen für redaktionelle E-Mails berücksichtigt werden, wenn es um die Entwicklung von journalistenfreundlicheren Plattformen geht: die Veränderung der Regulierung (vor allem in Europa) und die Rolle der Algorithmen, die bei der Entdeckung von Inhalten eine Rolle spielt.

E-Mails sind ein Hybridmedium, das weit davon entfernt ist, perfekt zu sein. Zur Zeit füllen sie aber eine Lücke für Nachrichtenabteilungen. Ihre Einschränkungen bieten eine wichtige Plattform für Experimente, deren Eigenschaften auch in anderen Medienformen tragen können, die sie vielleicht eines Tages ersetzen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „NiemanLab” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “mail-newsletter-home-mailbox” (adapted) by Anne-Onyme (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • AMAZON golem: Amazon will Lebensmittelläden eröffnen: Künftig sollen Amazon-Kunden ihre Bestellungen in eigenen Lebensmittelläden des Onlineversandhändlers abholen können. Der Kunde soll sich die Waren aussuchen können und die von ihm bestellten Artikel entgegennehmen. Damit spart sich Amazon die Lieferung verderblicher oder schwer zu transportierender Waren zum Kunden. Es soll zunächst in den USA mit Teilnehmern des Frischedienstes Amazon Fresh getestet werden. Auch in Deutschland sollen Berichten zufolge Vorbereitungen für den Start des Lebensmittellieferdienstes Amazon Fresh getroffen werden.
  • YAHOO PC-WELT: Yahoo will Abwanderung seiner Nutzer dreist verhindern: Mit einem dreisten Trick versucht Yahoo zu verhindern, dass von Datenklau und Spionage genervte Nutzer zu einem anderen E-Mail-Anbieter wechseln. Nachdem Hacker die Daten von 500 Millionen Benutzern gestohlen haben und nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen für einen US-Geheimdienst die E-Mails von Millionen Nutzern durchsucht hat, wollen sicherlich viele zu einem anderen Anbieter wechseln. Doch das ist gar nicht so einfach, weil Yahoo die automatische E-Mail-Weiterleitung abgeschaltet hat.
  • WINDOWS heise online: Windows-Update macht Minix-PC unbrauchbar: Nach dem Einspielen einer falschen Firmware, die Windows 10 automatisch per Windows Update installiert, booten Mini-PCs von Typ Minix NEO Z64W mit Atom Z3735F nicht mehr. Nach Informationen von heise online sind derzeit keine anderen Systeme mit Bay-Trail-Technik beziehungsweise Atom Z3735F von dem Firmware-Update-Fehler unter Windows 10 betroffen. Nach Informationen im Minix-Supportforum liefert Windows Update das falsche Firmware-Update auch nicht mehr aus.
  • SMARTPHONE HORIZONT: Android dominiert, Apple macht Kasse: Im weltweiten Smartphone-Markt ist Samsung bislang die klare Nummer eins. Im zweiten Quartal kam der südkoreanische Konzern nach Berechnungen der Marktforscher von IDC mit rund 77 Millionen verkauften Computer-Handys auf einen Anteil von gut 22 Prozent. Apples iPhone lag mit 40,4 Millionen Telefonen und knapp zwölf Prozent Marktanteil auf Platz zwei. Doch da Apple auf günstige Modelle in seinem Angebot verzichtet, erzielt der Konzern mit Abstand die höchsten Gewinne in der Branche.
  • DEUTSCHLAND Handelsblatt: Für viele Senioren ist die Pflege zu teuer: Was Altenpflege in Deutschland kostet, ist je nach Region extrem unterschiedlich. Viele Senioren können sich keinen teuren Heimplatz leisten. Doch auch günstige Pflege hat ihren Preis, wie eine aktuelle Studie zeigt. In einer am Mittwoch vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung, übersteigt der fällige Eigenanteil für den Heimplatz in fast der Hälfte aller Städte und Kreise (44 Prozent) das durchschnittliche Haushaltsbudget der über 80-Jährigen. Bislang fehle es der Politik an einer Lösung, wie Altenpflegekräfte leistungsgerecht bezahlt werden, ohne die Pflegebedürftigen und ihre Familien finanziell zu überfordern.
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Zeitgeist Technik: „Sie haben Post!“– Wer braucht denn heute noch E-Mails?

email (image by philippechazal[CC0 Public Domain] via Pixabay)

Das Internet der frühen Neunziger und seine berühmteste Erfindung, die E-Mail, hat einen Sound. Ich meine nicht das ohrenbetäubende Modem-Piepen, sondern den Klang der kühlen Frauenstimme, wie sie standfest verkündet: „Sie haben Post!“. Als das Internet bei uns so richtig durchstartete – das war damals, als noch kostenlose Installations-CDs von AOL oder CompuServe verteilt wurden wie geschnitten Brot – hatte jeder, den ich kannte, so ein elektronisches Postfach und die Frauenstimme war das Synonym für die Zukunft der Kommunikation.

Die E-Mail stellte eine der revolutionärsten Ideen dar, die das 21. Jahrhundert kommunikationsgeschichtlich hervorgebracht hat: Jederzeit und überall Nachrichten empfangen und senden, weltweit, sekundenschnell und ohne Wartezeit.

Trotzdem gibt es seit einigen Jahren immer wieder Experten, die den endgültigen Untergang der E-Mail prophezeien. Aber wieso eigentlich? Was ist an der einst so guten Idee plötzlich schlecht?

Komplett ausgestorben: Die Mail als persönlicher Briefkontakt

In den Anfangszeiten der Kommunikation über das Internet hatte ich eine Art E-Mail-Freundschaft mit einem Gleichgesinnten. Wir lernten uns in einem rege besuchten Musikforum kennen und tauschten uns aus. Bald reichte das Forum nicht mehr aus und wir schrieben uns E-Mails – sehr, sehr lange E-Mails. Seine Mails waren tatsächlich so lang, dass meine damals noch begrenzte Internetzeit (damals noch reglementiert durch Minutentaktung und Aufzeichnen der Internetzeit ins Muttiheft) rasch zur Neige ging, wenn ich seine Gedanken online verfolgen wollte. Ich musste also bald zu einer eher bei meinen Großeltern bewährten Praxis greifen und die E-Mail ausdrucken, um sie in Ruhe lesen zu können.

Einige dieser Briefe, denn nichts anderes waren sie eigentlich, habe ich heute noch – was ich von den wenigsten anderen E-Mails behaupten könnte, die ich seitdem bekommen habe. Doch bei ihm war es anders. Das Antwort-Prozedere war mindestens ebenso langwierig, schliesslich sollte die Antwort keine mal eben schnell hingeworfene Nachricht, sondern etwas „Richtiges“ sein. Heute muss ich über den Gedanken eher schmunzeln, denn der Umgang mit der elektronischen Post hat sich heute völlig geändert.

Was aus dem Freund geworden ist, weiss ich leider nicht. Irgendwann wurde uns das Geschreibe wohl einfach zu mühsam und der Kontakt schlief ein. Und das sind E-Mails für mich heute eigentlich am Ehesten: mühsam. Die Bedeutung des blinkenden Briefumschlages wandelte sich mit der Zeit, von einer frohen Erwartung wurde es langsam Alltag, bis fast nur noch Spam das Postfach verstopfte.

Extra einloggen? Ist mir zu umständlich!

Dabei sind E-Mails eigentlich so viel praktischer als die sozialen Medien: man muss nicht einmal miteinander „befreundet“ sein, um sich Nachrichten schicken zu können, sondern kann sich ganz einfach und ohne große Ankündigung Texte und Anhänge schicken, verabreden, informieren – eben alles, was Kommunizieren im Netz heute so kann. Aber nutzt heute noch jemand ausschließlich E-Mails? Irgendwo in meiner Wohnung habe ich einen Zettel herumliegen, auf dem alle meine Mailadressen stehen. Die Passworte kann ich mir schon länger nicht mehr merken. Und wozu auch? Meine Freunde erreiche ich viel bequemer per App – und kann hier spontan alles schicken, was ich auch per Mail geschickt hätte. Und hier kann ich sicher sein: sie lesen es sofort.

Denn nach der E-Mail kamen andere Dienste, über die ich schneller – und ja, leider auch unkonzentrierter – kommuniziere: Ich schreibe mit Freunden in Gruppenchats bei WhatsApp, einen Großteil meines Arbeitsalltags bestreite ich mithilfe der Dienste Skype oder Slack, und immer sind mehrere Personen beteiligt.

Zwar schicken wir uns selten mehr als nur einen Satz, der eigentlich Anweisung ist – oder Emojis. Einen ganzen Abend nur für eine Person nehme ich mir eigentlich nur am Telefon oder wenn wir uns direkt gegenübersitzen. Alles andere ist und bleibt: oberflächlich.

Nur selten nehme ich mir heute die Zeit, in mein privates Mailpostfach zu schauen – dabei habe ich, seit ich das erste Mal im Internetcafé meiner Heimatstadt war, also seit ziemlich genau 17 Jahren, die selbe E-Mail-Adresse, die ich auch heute noch nutze. (Möge der Anbieter noch lange bestehen bleiben!) Man kann mich also durchaus erreichen, wenn man will. Aber dass ich die Nachrichten gespannt und mit voller Aufmerksamkeit lese, ist eher unwahrscheinlich. Denn: Wir haben uns das Aufmerksamsein durch die permanente Erreichbarkeit ziemlich gut abtrainiert.

E-Mail-Schwemme im Büro – gibt es keine andere Lösung?

Wenn ich meinen E-Mail-Account im Büro öffne, werde ich oft als erstes mit einer Ladung Spam, überflüssiger Kommentare zu bereits geklärten Problemen und jeder Menge Zeug überspült, das gar nicht für mich bestimmt war. Ich bin kurz genervt, scrolle mich durch die größtenteils unwichtigen Nachrichten und wundere mich, wie lange es in traditionellen Strukturen wohl noch dauert, ein System durchzusetzen, mit dem jeder Mitarbeiter nur mit dem ihn betreffenden Thema behelligt wird. Bis dahin lösche ich wohl weiterhin alte Mails.

Laut einer Untersuchung von McKinsey, die bereits aus dem Jahr 2012 stammt, müssen wir uns jeden Tag um durchschnittlich 122 Nachrichten kümmern. Klingt viel? Ist es auch. Ausserdem wirkt sich die mangelhafte Filterung der nicht für uns bestimmten Nachrichten sogar direkt auf unseren Arbeitsalltag aus: „Mehr als zwei Stunden kostet uns das Freischaufeln der Inbox, Tag für Tag neu“ heisst es in der Studie. Seitdem werden es kaum weniger Spam-Mails und fehlgeleitete Nachrichten geworden sein. Die Berechnungen reichen auch in die Zukunft: „Bis 2019 sollen es laut Marktforscher Radicati Group 126 Nachrichten täglich werden, und jede verlangt Aufmerksamkeit, die anderswo verloren geht.“, heisst es zusammenfassend.

Kein Wunder also, dass ich nach Feierabend eher selten Muße habe, mich dem eigenen Postfach zuzuwenden – nachdem das Tagwerk getan ist, schalte ich an manchen Tagen nur ungern noch einmal den Computer an. Und auch in den Firmen soll nach neuen Lösungen gesucht werden, die übersichtlicher und besser zu händeln sind. Denn die Nachrichtenwut hat sich, trotz schwindender Nutzung der klassischen Mailing-Dienste, eigentlich nur verlagert.

Messenger sind die neuen Mails

Für die Gruppen- und Firmenorganisation haben sich in einigen Firmen bereits Chat-artige Messenger wie Slack durchgesetzt. Die Systeme haben einen entscheidenden Vorteil: Alle können die Unterhaltung zeitgleich verfolgen, mitkommentieren und direkt reagieren – so kann nicht nur ein besseres Gruppengefühl geschaffen werden, sondern auch die Arbeitsabläufe werden deutlich effizienter gestaltet.

Das bedeutet zwar das Ende der endlose Kettenmails mit lyrischen Betreff-Betitelungen wie beispielsweise „Re: Fwd: Re: Fwd: LETZTE DURCHSAGE!! Der Letzte räumt die Spülmaschine aus!!“, aber auf die Meisten dieser Nachrichten können wir sicherlich auch verzichten.
Und überhaupt: alberne Witzchen lassen sich im Messenger genauso reißen – so begrüßt mich ein Kollege jeden Tag im Firmenchat in einer neuen, exotischen Sprache, die wir erst einmal erraten (oder ergooglen) müssen. Nicht zu vergessen: die kleinen Bilderrätsel, die man sich per Emoji stellen kann. Man kann schon seinen Spaß haben mit den neuen Diensten.

Bei Messengern mit VoIP-Funktionen wie Skype, Facetime oder WhatsApp kommt noch die bequeme Funktion des Gruppenanrufes hinzu, die man nutzen kann. Manchmal geht, bei aller Digitalität, Besprechen doch einfacher als Tippen. Und ich höre auch meine Kollegen, die oft über die ganze Welt verteilt sind, gern ab und zu persönlich.

DE-Mail und Verschlüsselungen: Eine gute Idee verläuft im Sande

Doch war da nicht vor ein paar Jahren noch was? Gab es nicht mal die Idee, die E-Mail wiederzubeleben? Allerdings! Ein (letztes?) Aufbäumen hat die E-Mail mit der Initiative der Bundesregierung bereits im Jahr 2008 erlebt: Die als besonders sicher beworbene De-Mail sollte dafür sorgen, dass Behördengänge verringert und Dokumente verschlüsselt (auf Wunsch sogar Ende-zu-Ende) versendet werden können. Doch bisher hat sich wenig getan.

Das Unternehmen scheiterte, weil die Deutsche Post mit ihrem ganz ähnlichen Konzept des E-Postbriefes eine entsprechende Gesetzesänderung des Post-Gesetzes verzögerte. Und tatsächlich: bis heute kenne ich niemanden, der je einen E-Postbrief verschickt hat.

Das DE-Mail-Projekt hat sich wohl wegen des langwierigen Zertifizierungsprozesses nicht weiterführend durchgesetzt, auch wenn seit einiger Zeit die zu 1&1 gehörenden Mailanbieter GMX und web.de den Service von verschlüsselten Emails nach erfolgter Akkreditierung anbieten. Keine allzu schlechte Voraussetzung also für eine Verbreitung einer eigentlich sicheren Idee – zumindest sollte man das meinen. Wenn es nicht so umständlich wäre.

Viele dieser Dienste sind zudem kostenpflichtig – soweit ich weiß, nutzt nur ein einziger Mensch in meinem Umfeld den verschlüsselten E-Mail-Dienst Posteo. Mit einem Euro im Monat ist der Dienst zwar ziemlich günstig – aber, werden viele im Stillen denken, wozu brauche ich etwas nur günstig, wenn ich es auch umsonst haben kann?

Verschlüsselung ist die neue Währung?

Bisher sind nur sehr wenige Leute in meinem Umfeld auf den Verschlüsselungszug aufgesprungen. Ein Grund ist sicherlich schlichtweg die Bequemlichkeit, ein anderer die Umstellung – so banal es klingt, der Mensch gewöhnt sich nicht gern an neue Systeme, vor allem dann nicht, wenn er von deren Nutzen nicht sonderlich überzeugt ist.

Ein grundsätzliches Problem bei den traditionellen Mailanbietern hat mein Kollege Sebastian Haselbeck schon vor einigen Monaten kommentiert: Sie sind miteinander nicht kompatibel und daran hat sich noch immer nichts geändert.

Der siebte Tag ist E-Mail-Tag

Stattdessen gibt der Marktführer WhatsApp die bisher garantierte Verschlüsselung auf und verscherbelt seine Daten an die Datenkrake Facebook. Für datenbewusste Nutzer, zu denen auch ich mich zumindest halbwegs zähle, bedeutet das also wieder einmal, auf die Suche nach einem neuen, sicheren, kompatiblen Messenger gehen zu müssen. Die E-Mail als alleiniger Kommunikator fällt dabei aber – wenig überraschend – erneut hinten über. Nachdem ich mich so schnell und intuitiv an WhatsApp und seine Kollegen gewöhnt habe, sieht die Kommunikation per E-Mail noch viel umständlicher und unübersichtlicher aus als ohnehin schon – und eine Gruppenfunktion gibt es hier eben nicht.

Aber behalten wir im Hinterkopf: Nur durch diesen Schritt der Kommunikation konnten sich die Messenger erst entwickeln, deren Vorteil wir jetzt nutzen. Unsere E-Mails können wir ja dann in Ruhe am Wochenende lesen. Übrigens ist auch der Sonntag statistisch gesehen der beste Tag für Newsletter– der Trend setzt sich, trotz aller Unkerei, weiter durch, da lesen die Leute nämlich viel entspannter. Und ich auch. Bis zum Sonntag dann!


Image ”Posteingang” by philippechazal (CC0 Public Domain)


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„Nerve“: Wetten wir bald auf das Leben unserer Social-Media-Idole?

Am Donnerstag startet ein Zuckerwatte-Thriller in den Kinos, der sich mit den sozialen Medien auseinandersetzt. Spannend daran ist weniger die Machart als das Thema selbst. Denn hier trifft Live-Streaming auf riskante Mutproben. „Nerve“ ist der Titel eines nicht ganz legalen Online-Spiels, in dem die Menschen entweder Player oder Watcher sind.

Die Player erwartet das große Geld und Watcher zahlen immense Summen, um a) in den Profilen der Player herumschnüffeln zu dürfen, diese b) zu riskanten Challenges herauszufordern und c) zuschauen zu können, wenn es an die Umsetzung geht. Richtig perfide kann es werden, weil sich die Watcher dank der gesammelten Informationen aus den Social-Media-Profilen natürlich die Vorlieben und Ängste der Player zunutze machen. Ein Geheimnis vor den Eltern kann somit schnell zum Druckmittel werden, um den Player auch zur nächsten Mutprobe zu überreden – bis es richtig gefährlich wird.

Der Film startet mit dem Computer-Bildschirm von Vee (Emma Roberts, „Palo Alto“). Erst öffnet sie Spotify, startet einen Powerpop-Track von Lowell feat. Icona Pop, liest eine Mail, browst ein wenig durch Fotos und schon klingelt Facetime. Durch die Computer-Kamera bekommen wir die Hauptdarstellerin nun das erste Mal zu Gesicht. Ein cleverer Schachzug, bedenkt man die Prämisse des Werks. Hier wird Online First gelebt!

Obwohl die Zielgruppe des Social-Media-Krimis eher Schüler und Studenten sein dürften und alles auf Highschool-Teenie-Konflikte hinausläuft, kann man sich doch über den Zeitgeist erfreuen, den „Nerve“ von der ersten bis zu letzten Minute hinterfragt. Müssen wir alle Dinge online teilen, damit sie auch eine Wirkung für uns haben? Ist es gesund, dass ein andauernder Wettkampf um Likes, Shares und Views stattfindet? Und wie schnell lassen wir uns online in Rollen drängen, die uns eigentlich gar nicht entsprechen?

Die Mechanismen hinter „Nerve“ sind gar nicht mal so unrealistisch. Schon heute ist Aufmerksamkeit die absolute Währung in den sozialen Medien. Wenn Facebook beispielsweise ein neues Feature ausrollt, schenkt es den Anwendern auch Reichweite. Wer zuerst Videos postet, wird im Feed bevorzugt angezeigt. Wer zuerst Live-Streams anbietet, bekommt Mitteilungen an seine Follower geschenkt. Erst nach und nach wird die organische Reichweite wieder eingeschränkt, damit die Seiteninhaber Geld in die Hand nehmen, um ihre potentielle Reichweite auch auszuschöpfen.

„Nerve“ fügt diesem Prozess den Nervenkitzel hinzu. Außerdem stellt der Film die These auf, dass wir tatsächlich auch Geld in die Hand nehmen würden, um Teil der Lebenswelt unserer Social-Media-Ikonen zu werden. Schließlich ist es ein großer Spaß, an ihrem Alltag teilhaben zu können – informativ, unterhaltsam und orientierend zugleich.

Man stelle sich nur vor, dass Casey Neistat nicht mehr nur sein tägliches Video-Tagebuch veröffentlicht, sondern andauernd die Kamera mitlaufen lässt. Näher geht’s nicht! Und dann ist es schon nicht mehr so weit, bis uns der Live-Chat allein nicht länger genügt und wir Gefallen daran finden, die Ereignisse aktiv beeinflussen zu können. Warum auch nicht? Wir bezahlen ja schließlich dafür.

Erinnert sich noch jemand an „Second Life“? In der virtuellen Welt konnte jeder sein, wer er wollte. Von Außenstehenden wurde man allerdings immer schräg beäugt, weil das alles ja nicht echt sei. Guess what: Dank Live-Streaming, Virtual-Reality-Brillen und ein bisschen Geld-Motivation könnten wir schon bald wirklich ein „First Life“ erleben. Und quasi direkt in die Haut von jemanden schlüpfen, den wir in der Realität steuern.

Das Online-Spiel in „Nerve“ wirkt gegen diese Vorstellung noch harmlos. Kein Wunder, stammt die Jugendbuch-Vorlage „Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen“ doch aus dem Jahr 2012. Instagram und Snapchat kannte zu dem Zeitpunkt noch niemand und auch die Mobilfunknetze waren noch nicht dazu in der Lage, Live-Streams stabil wiederzugeben. Das sieht heute schon ganz anders aus.

Es dürfte daher nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Plattformen den passiven Videokonsum durch Formate der aktiven Teilhabe aufbrechen. Und wenn das soweit ist, werden wir uns gar nicht mehr vorstellen können, wie wir jemals unbeteiligt vor einem Video verharren konnten.

„Nerve“ startet am 08.09.2016 in den Kinos. Der Thriller mit Emma Roberts und Dave Franco („21 Jump Street“) regt zu futuristischen Gedankenspielen ein.


Image by StudioCanal


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Google-Mail macht auf GTD

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Google Mail bietet ab sofort eine Listenfunktion im Stile der Getting Things Done Bewegung. Frisch aus den Labs kann man Tasks über die Labs-Rubrik aktivieren. Ähnlich wie das Chatfenster wird Tasks dann am Bildschirmrand angezeigt. Die Bedienung per Maus bzw. Tastatur ist auf das Wesentliche reduziert und funktioniert deshalb reibungslos. Für Fans von Google UND GTD-Listen sicherlich ein tolles neues Feature.

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