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Digitalmedia Events in Hamburg 2018 Part II: heißer Sommer mit frischen Impulsen

In den letzten zehn Monaten habe ich für Netzpiloten eine Reihe sehr interessanter Veranstaltungen besucht. Aber die Besonderheiten jedes Ereignisses lassen sich vielleicht am besten in einem zusammenfassenden Überblick geben. So entstand die Idee, die besten Digitalmedia Events 2018 in einer dreiteilige Serie vorzustellen.

Im ersten Teil ging es um die Social Media Week Hamburg, die Blockchain Masters, Mind the Progress und den Digital Kindergarten. Die Events in diesem heißen letzten Sommer haben vor allem für viel frischen Wind in der Branche gesorgt; ob mit Gedanken von Trend-Forschern, technisch raffinierten Installationen oder einfach einer anregenden Atmosphäre, in der sich alle gerne austauschen und vernetzen.

Ich hoffe, die Erinnerung an die Hitze wärmt euch ein bißchen über den Winter. Wenn ihr wollt, sehen wir uns 2019 in Hamburg wieder.

II. Sommerfrische

Adobe Future of Design

Digitalmedia Events Hamburg 2018
Bauhausfonts Lichtinstallaton an der Fassade des Klubhaus St. Pauli. Image by Lena Simonis

Mit diesem Vortragstitel von Produktchef Scott Belsky sorgte Adobe Ende Juni für einen Menschenauflauf vor dem Klubhaus St.Pauli am Spielbudenplatz. Der Behancegrüder und Creative Cloud Chef verkörpert mehr als jeder andere die Vernetzung von kreativen Talenten. In seiner Vision stehen Designer im Zentrum aller Geschäftsprozesse. Dazu bietet Adobe den Kreativen mit Sensei eine Anwendung, die künstliche Intelligenz und Machine Learning nutzt, um kreative Prozesse sinnvoll zu unterstützen. Ich habe schon ausführlich darüber berichtet, wie gelungen ich die Veranstaltung auch wegen der Hidden Treasures Bauhausfonts an der interaktiven Fassade fand. Außerdem habe ich Instagrammerin Uwa Scholz aus Berlin kennen gelernt und ein paar Vorurteil über Influencer abgelegt.

Fazit: Influencer-Bashing ist so 2016

 

 

solutions.hamburg 2018

Digitalmedia Events Hamburg 2018
Hamburgs größter Digitalkongress fand auf Kampnagel statt. Image by Lena Simonis

…oder wie ein kleines Hamburg Sommerfest zum Top-Event in der Digitalbranche wurde, das dieses Jahr 5.000 Besucher und 500 Speaker aus aller Welt anlockte. An drei Tagen drehte sich auf den Bühnen von Kampnagel alles rund ums Motto Teamsport und Kollaboration. Für gute Impulse sorgten Vorträge von so namhafte Gäste wie Ranga Yogeshwar, Sascha Lobo oder Tijen Onaran, aber auch die vielen Aussteller und Partner. Über dieses Event habe ich ebenfalls schon einen kleinen Beitrag gemacht. In unserem 20 minütigen Gespräch erörtert Moritz Avenarius die wichtigsten sozialen Fähigkeit für gelungenes Teamwork und erklärt am Beispiel FC St.Pauli, wie Teams durch Niederlagen stärker werden. Habe außerdem einen neuen Kontakt per QR-Code gemacht – mal was anderes.

Fazit: You’ll Never Walk Alone
Nächster Termin: 11. – 13. September 2019 / Hamburg

 

NEXT Conference 2018

Digitalmedia Events 2018 Hamburg
Mario Klingemann & sein Uncanny Photobooth bei der NEXT18. Image by Lena Simonis

„Digital Fix – Fix Digital“ lautete das diesjährige Motto der NEXT, einer der ersten Digitalkonferenzen in Deutschland überhaupt. Meiner Meinung nach ist die NEXT auch immer wieder eines der visionärsten Events, denn buchstäblich steht die Zukunft der Branche hier im Fokus. So sagte Trendforscher David Matten in seiner Keynote über die nächste Welle neuer digitaler Technologien vorher, wie etwa das IOT oder neue Plattformen die Suche nach Beziehungen, Statusdenken und Glauben im 21. Jahrhundert transformieren werden. Mit Imogen Heap und Mario Klingemann waren außerdem zwei Künstler zu Gast, die der Konferenz das gewisse Extra an interaktiver Kreativität verliehen. Das Feuerzeug der Kollegen von t3n halte ich in Ehren – bestes Giveaway 2018 so long.

Fazit: Ein Netz das kann man reparier’n!
Nächster Termin: 19. – 20. September 2019

 

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Imogen Heap will die Musikindustrie revolutionieren

Imogen Heap (image (adapted) by PopTech [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Die Musikerin Imogen Heap hatte immer schon einen Hang zum Experiment und dieser könnte nun zu einer Revolution der Musikindustrie führen. Der entscheidende Schlüssel könnte dabei die Blockchain-Technologie darstellen. Diese ist vor allem durch Bitcoins bekannt geworden, soll nun aber, wenn es nach Heap geht, für die Erschaffung einer dezentralisierten, offenen und vor allem für die Künstler fairen Musikplattform Einsatz schaffen. Die Idee besitzt viel Potenzial, aber auch noch viele Ungewissheiten, die es nun mit Hilfe einer Community aus Techies, Hackern und Kreativen zu klären gilt.

Time for Change

Was war das Gejammer von der Musikindustrie Anfang der 00er Jahre groß. Napster, Bit Torrent und andere neue Technologien sorgen dafür, dass niemand mehr Musik kauft, da ja alles plötzlich kostenlos verfügbar ist. Die ganze Industrie und natürlich auch die Künstler werden in den Ruin stürzen, war die wohl beliebteste Endzeitvision dieser Zeit. An allen Ecken wurde sich über die Situation beklagt, aber auf die Idee, die neue Technologie für die eigenen Zwecke zu nutzen, kam niemand – stattdessen wurden erbitterte Kämpfe gegen die Nutzer und Technologien gefochten. Dann kamen iTunes und viel wichtiger noch YouTube und Spotify, denen das Kunststück gelang, die Piraten in zahlende Nutzer zu verwandeln. Alles was nötig war, war eine große Musikbibliothek, und ein günstiges Abomodell und schon zahlen die Nutzer im Schnitt monatlich mehr für Musik, als sie jemals zuvor für physische Datenträger ausgegeben haben. Eigentlich sollten alle glücklich sein, allerdings jammern nun die Künstler, denn bei ihnen kommt, gerade aus dem Streaming-Geschäft, kaum Geld an. Und wie damals bei der jammernden Musikindustrie fehlt bisher die zündende Idee, wie man die Misere beheben und die Künstler fair bezahlen kann.

Die Musikerin Imogen Heap hat nun möglicherweise die zündende Idee, wie man das undurchschaubare Wirrwarr, das die Musikindustrie derzeit ist, übersichtlicher machen kann. Für Künstler ist es kaum nachvollziehbar, wo das Geld auf dem Weg vom Streaming-Anbieter oder Online-Store zu einem bleibt. Plattenfirmen kennt man, aber dann gibt es noch diverse Distributoren, außerdem müssen diverse Lizenzgebühren bezahlt werden, dann gibt es noch die Verwertungsgesellschaften und Verlage, die allesamt ein Stück vom Kuchen abhaben möchten – dazu kommt noch eine Vorliebe für Geheimhaltungsvereinbarungen seitens der Plattenfirmen. All dies macht es für Künstler nahezu unmöglich herauszufinden, wie viel Geld ihnen eigentlich zusteht. Und dies beklagen die Künstler allerorts, ohne jedoch zu wissen wie man die Situation ändern kann. Als Reaktion und um ein Zeichen zu setzen, ziehen immer mehr Künstler ihre Musik von Streaming Anbietern wie Spotify oder Apple Music zurück. Auch Imogen Heap hat sich oft über die Situation beklagt, bis sie es satt hatte, sich ihre Klagen anzuhören. Als sie sich mit der Musikerin Zoë Keating darüber unterhielt, ließ diese das Stichwort Blockchain fallen. Heap begann sich in die Thematik einzulesen und Ideen zu entwickeln, wie man das Rauschen in der Musikindustrie reduzieren kann.

Mycelia

Imogen Heap war schon immer für ihren Erfindergeist bekannt. Sie hat 2005 ihr Album “Speak for Yourself” auf eigene Faust veröffentlicht, bevor dies populär wurde, sie hat als bisher einzige Frau einen Grammy für Tontechnik erhalten und arbeitet seit 6 Jahren an Musikhandschuhen für die Steuerung von Musik auf der Bühne oder im Studio. So beeindruckend all diese Dinge auch sind, ihre neueste Idee hat das Potenzial alles Dagewesene in den Schatten zu stellen und wirklich disruptiv zu sein. Das Problem mit digitaler Musik ist, dass sie ohne großen Aufwand kopiert werden kann und die Dateien deshalb niemand wirklich besitzt. Ein Ansatz der Musikindustrie war DRM, also ein digitaler Kopierschutz – eine Idee, die sich glücklicherweise nicht durchgesetzt hat. Heap hat nun die Idee, dass es eine öffentliche Datenbank geben soll, in der Informationen chronologisch gespeichert werden – ebenso wie bei der Kryptowährung Bitcoin. Auf diesem Wege lässt sich verhindern, dass die Dateien kopiert, manipuliert oder gelöscht werden. Mit dem Unternehmen Ethereum hat Heap dann auch gleich eine Firma gefunden, die genau solche Lösungen anbietet. Das System von Ethereum ist zwar nicht auf Musik zugeschnitten, aber das Team ist sehr von Heaps Vision für ein Blockchain-Modell, das sie Mycelia nennt, begeistert und hilft ihr bei der Umsetzung.

Imogen Heap hat zwar die Idee zu Mycelia gehabt, die Umsetzung schafft sie aber nicht auf eigene Faust, sondern benötigt Entwickler, die ihr bei dem Unterfangen helfen. Aus dem Grund wird Heap ihren neuen Song “Tiny Humans” inklusive Video, Live-Performance und allen nur erdenklichen Daten die potenzielle Klienten (andere Künstler, Werbung, Marken oder Film) interessieren könnten, als Dateien zum Download auf ihre Website stellen, offen für alle, die neue Technologien für die Blockchain entwickeln. Aber noch wichtiger, es werden auch simple Verträge enthalten sein, die Aufschluss darüber geben, unter welchen Bedingungen die Musik heruntergeladen oder von Dritten weiterverwertet wird und wie das damit verdiente Geld zwischen den beteiligten Kreativen verteilt wird. Alle erhaltenen Zahlungen durch Kryptowährungen werden innerhalb von Sekunden an die Empfänger weitergeleitet – eine massive Verbesserung gegenüber den derzeit üblichen Wochen bis Monaten, die es dauert, bis Lizenzgebühren beim Künstler ankommen.

Seit Heap das erste Mal Online über Mycelia gesprochen hat, haben sich bereits viele Unternehmen bei ihr gemeldet, die Technologien für Blockchains entwickeln und ihr bei dem Projekt helfen wollen. Das Potenzial für die Revolution der Musikindustrie ist definitiv vorhanden, aber es gibt noch viele ungeklärte Fragen zu klären und Probleme zu lösen, bevor das dezentralisierte Musiknetzwerk tatsächlich Ausmaße annimmt, die Heap mit der Namensgebung angedeutet hat – Myzel bezeichnet die fadenförmigen Zellengeflechte eines Pilzes, die sich über einen Quadratkilometer ausbreiten können. Wie wird sich dies jedoch auf die Musikindustrie wie wir sie heute kennen auswirken? Kurz gesagt, jeder, der etwas von Wert beisteuern kann, wird auch eine Überlebenschance haben. Plattenfirmen können weiter existieren – wenn sie Talente frühzeitig erkennen oder den Künstlern mit Marketing helfen, können sie diesen Services verkaufen. Wer allerdings keinen Mehrwert für die Künstler bietet, hat auf lange Sicht keine Überlebenschance. Auf diese Weise könnte sich die Musikindustrie wieder auf ein gesundes Maß gesundschrumpfen und ein faires und offenes System für Künstler schaffen.


Image (adapted) „Imogen Heap – PopTech 2010 – Camden, Maine“ by PopTech (CC BY-SA 2.0)


 

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