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Wikipedia erhält von Google zwei Millionen Dollar – und mehr

Wer regelmäßig Wissenslücken über Wikipedia schließt, kennt sicherlich die Spendenaufrufe der Seite. Wikipedia finanziert sich nämlich nicht durch Werbung, sondern durch freiwillige Spenden. Bei der Größe der Seite und seiner Infrastruktur, kommen dabei schon einige Kosten zusammen. Schon in der Vergangenheit gab es auch größere Spenden von Google. Nun spendet Google erneut eine große Summe und bietet darüber hinaus kostenlose Cloud- und Machine-Learning-APIs für die freie Enzyklopädie.

Zwei Millionen Dollar und Machine Learning

Google erweitert sein Engagement für Wikipedia gleich um zwei Millionen US-Dollar. Die gesamte Unterstützung durch Google beläuft sich mittlerweile auf 7,5 Millionen Dollar. Neben der monetären Unterstützung bietet Google jedoch auch noch kostenlosen Zugriff auf einige seiner Cloud- und Machine-Learning-Werkzeuge.

Damit möchte Google helfen, Wikipedia-Inhalte noch mehr Nutzern zugänglich zu machen. Im Google-Blog äußert sich das Unternehmen, das viele Sprachen auf Wikipedia noch stark unterrepräsentiert sind. Um die Verbreitung von Inhalten in mehreren Sprachen zu fördern, stellt Google seine Google Translate API zur Verfügung. Diese umfasst viele Sprachen, die Wikipedia bislang noch gar nicht anbietet.

Außerdem weitet Google seine Project Tiger-Initiative für Wikimedia aus. Die Initiative möchte mit technischer Ausstattung und anderen Anreizen bislang schwach vertretene Sprachen zu mehr Artikeln motivieren.

Auch Wikipedia selbst ist sich der ungleichen Sprachverteilung bewusst. Die Wikimedia Foundation machte kürzlich selbst darauf aufmerksam, dass lediglich drei Prozent der Internet-Inhalte auf arabisch verfügbar sind. Arabisch wird allerdings von mehr als 420 Millionen Menschen gesprochen. Auch Zulu wird erwähnt mit mehr als zwölf Millionen Sprechern, aber nur rund 1.100 Wikipedia-Artikeln.

Cloud-Dienste für Quellen

Die Google Cloud Custom Search API soll Redakteuren zusätzlich die Suche nach nutzbaren Quellen erleichtern und sicherstellen, dass Inhalte angemessen von ihren Quellen zitiert werden. Das ist unter anderem wichtig, da nicht jedes Land Urheberrecht so genau nimmt. Die Cloud Vision API soll Redakteuren ermöglichen, frei zugängliche Bücher in indischen Sprachen zu digitalisieren. Dies soll für vielfältigere und verlässliche Quellen sorgen.

Ob Wikimedia diese technischen Hilfen annimmt, steht natürlich auf einem anderen Stein – schließlich würde man sich damit gewissermaßen von Google abhängig machen. Andererseits stellen die APIs eine potentielle Bereicherung dar, um das Wissen einfacher auch in bislang schwächer vertretene Sprachen zu übersetzen.


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Was Fachärzte in Zeiten von Wikipedia wissen müssen

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Fachleute im Gesundheitswesen haben die Aufgabe, die zahlreichen medizinischen Einträge auf Wikipedia zu verbessern – zumindest, wenn man nach einem Brief der Lancet Global Health geht, der heute veröffentlicht wurde. Das liegt vor allem daran, dass die Wikipedia eine der ersten Quellen ist, die aufgerufen wird, wenn man nach medizinischen Begriffen sucht.

In unserer Korrespondenz habe ich mich mit einer Gruppe internationaler Studenten an verschiedene medizinische Fachzeitschriften gewendet, um ihnen klarzumachen, dass man mehr tun muss, damit Experten die Wikipedia nützlicher und präziser machen können. Zudem sollte die medizinische Community diese Verbesserungen zu einem ihrer wichtigsten Punkte erklären.

Rund um die Welt in Benutzung

Wikipedia steht auf Platz Fünf der am meisten besuchten Webseiten der Welt und ist auch die am häufigsten gelesene Quelle, wenn es um medizinische Informationen geht. Zudem greifen auch viele Ärzte, Medizinstudenten, Gesetzgeber und Professoren auf sie zu. Das Aufrufen der Seite ist kostenfrei und läuft über das Programm Wikipedia Zero. In Entwicklungsländern ist die Seite damit zu einer der am meisten benutzten Quellen für Gesundheitsthemen geworden. Während des Ebola-Ausbruchs im Jahr 2014 wurde die Seite über das Ebola-Virus täglich über 2,5 Millionen Mal aufgerufen.

Anfang des Jahres startete die Seite die kostenlose Medical Wikipedia Offline-App in sieben Sprachen. Die Android-App hatte fast 100.000 Downloads in den ersten Monaten und ist in Ländern mit sehr knappem und mittlerem Einkommen, wo der Internetzugang meistens langsam und vergleichsweise teuer ist, extrem nützlich.

Wegen all dieser Punkte müssen die Einträge in die Wikipedia sehr präzise formuliert sein, denn jeder Eintrag kann potentiell zu gesundheitlichen Konsequenzen in der wirklichen Welt führen.

Eine Frage der Prioritäten

Obwohl die Wikipedia es jedem ermöglicht, die Einträge zu bearbeiten, ist die Genauigkeit erstaunlich und konkurriert sogar mit der Encyclopedia Britannica. Aber obwohl sich die Enzyklopädie weiterentwickelt, ist die Genauigkeit der medizinischen Inhalte nicht stetig. Die Plattform hatte schon immer Schwierigkeiten damit, Expertenmeinungen von Forschern einzuarbeiten. Bei den Ärzten und anderen Experten im Gesundheitswesen hatte eine Aufarbeitung der Themen in der Wikipedia bisher einen eher unwichtigen Stellenwert.

Das unbezahlte Schreiben in einem unbekannten Format verliert leider schnell an Reiz, wenn man es unmittelbaren Karriereentscheidungen entgegenstellt. Die Ärzte haben oft mehrere Stunden täglich mit Patienten zu tun und die Forscher sind oft noch zusätzlich damit beschäftigt, sich für Stipendien zu bewerben oder in akademischen Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Der Eintrag zu Stillgeburten zeigt deutlich, warum Wikipedia mehr Experten beim Erstellen der Artikel braucht. Jeden Tag gibt es auf der ganzen Welt 7000 Stillgeburten, aber bevor meine Kollegen und ich die Wikipedia-Seite aktualisiert hatten, haben dort noch einige wichtige Informationen gefehlt.

Wichtige Faktoren, wie beispielsweise Malaria als Krankheitsauslöser, waren nicht aufgelistet, aber auch häufige Komplikationen wie Depressionen fehlten. Man benötigt das gesamte Bild einer Erkrankung, um eine wirksame Behandlung angehen zu können. Und für die Patienten ist es ebenso wichtig, zu wissen, dass Depressionen eine normale Nebenwirkung der Totgeburt ist. Wenn sie sich dessen bewusst sind, können sie mit dem Gefühlschaos einer Stillgeburt besser umgehen lernen.

Vergleichbar ist dies mit detaillierteren Informationen über die medikamentöse Behandlung, die ärztliche Verschreibung derer, den Wünschen des Patienten und dem Wissen der angehenden Medizinstudenten – solche wichtigen Themen verlangen einfach nach Genauigkeit.

Mögliche Lösungen

Während man relativ einfach sagen kann, woran es mangelt, ist es umso schwieriger, die Probleme auch vollends zu lösen. Der Einsatz vieler mit verschiedenen Stärken ist hier vonnöten. Ärzte und Fachleute bringen ein enormes Wissen über komplexe Themen mit, medizinische Fachzeitschriften können ihre Infrastruktur für starke Kollegenkontrolle und Indizes aushebeln. Wikipedianer können ihr Wissen über Enzyklopädisches Schreiben und ihre technische Expertise einbringen und medizinische Lehranstalten können ihre Studenten dazu auffordern, mitzuhelfen.

Das gleichzeitige Veröffentlichen von überprüften Arbeiten auf Wikipedia und in akademischen Journalen würde eine Verbesserung für alle bedeuten. Das heißt, dass man bereits existierende Einträge überprüfen, aber auch passende Einträge aus Fachzeitschriften in Wikipedia-Einträge umwandeln muss. Die offizielle Anerkennung für die Mühen des Autors durch zitierfähige Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften ist eine wichtige Belohnung für die Community-Mitglieder, die unter Zeitdruck stehen. Kontrollen durch die Peer Group würden die Qualität entsprechend sicherstellen. Die Wikipedia ist zudem ein wunderbares Werkzeug für Fachzeitschriften, die einen Einfluss auf die öffentliche Gesundheit nehmen wollen.

Mehrere wissenschaftliche Fachzeitschriften haben sich in die akademische Kontrollvariante der Wiki-Einträge eingearbeitet, andere wollen bald dazu stoßen. Beispiele für diese gemeinsamen Veröffentlichungen sind die Einträge über das Dengue-Fieber und das Kleinhirn, die von den Zeitschriften Open Medicine und WikiJournal of Medicine überprüft und veröffentlicht wurden.

Um mehr Einfluss zu nehmen, folgte PLOS Computational Biology diesem Beispiel und hat auch gemeinsam erstellte Artikel in ihrem Journal und auf Wikipedia veröffentlicht. Die Fachzeitschrift RNA Biology verlangt von den Forschern, die eine neue RNA-Gruppe beschrieben, einen zusätzlichen Wikipedia-Eintrag dazu.

Die neue Herangehensweise verankern

Der Fortschritt kommt nur langsam voran, aber mehrere unabhängige Projekte zeigen, wie sich die Einstellungen von wichtigen Akteuren im biomedizinischen Bereich nach und nach verschieben und wie sie beginnen, Wikipedia ernster zu nehmen. Cochrane erstellt medizinische Richtlinien nach Forschungsdaten und nutzt nun Partner der Wikipedia für ihre Review-Gruppen, um ihre Informationen auf Wikipedia zu verbreiten.

Medizinische Lehranstalten beteiligen sich jetzt auch daran, die Wikipedia-Einträge zu verbessern. Medizinstudenten der University of California in San Francisco können Creditpunkte erlangen, indem sie vernachlässigte Wikipedia-Einträge unter Aufsicht verbessern.

Solche und ähnliche Pläne können die Bearbeitung der Wikipedia in der medizinischen Community der Zukunft hoffentlich selbstverständlicher werden lassen. Von diesen Umständen werden vor allem die Patienten profitieren, denn wenn es um gesundheitliche Inhalte geht, kann die Deadline nicht früh genug gesetzt werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


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Wissen per Klick – die Top Ten der kostenlosen Online-Nachschlagewerke

Bald ist wieder Platz im Bücherregal! Der altehrwürdige Brockhaus hat angekündigt, sein gesamtes Wissen ab dem 15. April nur noch im Internet bereit zu stellen – und zwar kostenlos. Die 21. Ausgabe der 30-bändigen Brockhaus-Enzyklopädie wird vermutlich auch die letzte sein. Während die Bücherfreunde aufschrieen, war es für Online-Experten nur eine Frage der Zeit, ab wann der Brockhaus-Verlag diesen Weg gehen würde. Denn freies Wissen im Netz – das ist doch nichts Neues. Wir haben die besten Quellen zusammengestellt:

  1. Ganz vorn dabei natürlich Wikipedia – der Klassiker und die unangefochtene Nummer Eins im Internet. Seit ihrem Start 2001 hat sich die freie Online-Enzyklopädie zu einer der wichtigsten Informationsquellen gemausert und hält bei verschiedenen Untersuchungen längst mit den traditionellen Lexika mit.
  2. „Der Spiegel“ hat die Türen seines Archivs seit kurzem für alle geöffnet und bietet unter der Rubrik Spiegel Wissen einen Einblick in 60 Jahre Zeitgeschichte. Kombiniert mit Bertelsmann-Lexikoneinträgen und Wikipedia-Treffern lassen die Suchergebnisse keine Fragen mehr offen.
  3. Auch aus dem Hause Brockhaus kommt Meyers Lexikon. Über 150.000 Stichworte sind hier seit 2006 online abrufbar. Nach einer kostenlosen Registrierung ist es auch möglich, Artikel zu kommentieren oder neue Themen vorzuschlagen.
  4. Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet in der Rubrik „Wissen“ mehrere Lexika aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Geographie an, die parallel oder einzeln durchsucht werden können. Ein Rundumpaket für die Allgemeinbildung.
  5. Wer war eigentlich…? – Auf der Suche nach Biographien von bekannten Persönlichkeiten hilft Biographie.net. Über 27.000 Lebensbilder in vier Sprachen sind hier zu finden.
  6. Auch die „New York Times“ stellt ihr Online-Archiv seit vergangenem Jahr kostenlos zur Verfügung. Abgerufen werden können alle Artikel von 1851 bis 1922 und ab 1986 bis Heute. Wermutstropfen: Wer wissen möchte, was in den über 60 Jahren dazwischen passiert ist, muss weiterhin für die Artikel bezahlen.
  7. Bertelsmann bietet mit wissen.de seit 2000 eine Online-Recherchemöglichkeit. Suchergebnisse werden in mehrere Kategorien unterteilt und ergänzt durch Treffer in Wörterbüchern und aktuellen Schlagzeilen.
  8. zeno.org beschreibt sich selbst als größte, deutschsprachige digitale Volltextbibliothek. Rund 1,6 Millionen Seiten Text können durchsucht werden. Treffer werden u.a. in zahlreichen klassischen Lexika als auch in der Wikipedia angezeigt – eine korrekte Quellenangabe mit Seitenzahl, Link oder Scanvorlage inklusive.
  9. Die britische Wochenzeitung „The Economist“ ist im vergangenen Jahr auch auf den Online-Zug aufgesprungen. Artikel sind ab dem Jahr 1997 freigegeben, darüber hinaus gibt es ein umfangreiches Lexikon mit wirtschaftswissenschaftlichen Begriffen.
  10. Wörterbuch, Enzyklopädie und Almanach vereint das englischsprachige Angebot infoplease. Aus über 2500 Quellen werden die Infos zusammen getragen und in kurzen Infotexten aufbereitet.

Noch nicht schlau genug? Fehlende Links können gerne in den Kommentaren ergänzt werden.

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