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Konrad Weber über WhatsApp im Journalismus

Whatsapp (adapted) (Image by HeikoAL [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Der Medienjournalist Daniel Bouhs hat sich mit Konrad Weber, Community Manager in der Newsredaktion des SRF, über WhatsApp im Journalismus unterhalten. Seitdem die BBC und das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) erfolgreich den von Facebook aufgekauften Messenger-Dienst WhatsApp für ihre Berichterstattung eingesetzt haben, wird auch hierzulande über die Möglichkeiten für den Journalismus diskutiert. Einen Share-Button zu WhatsApp zu haben, gilt schon als Innovation, werden damit doch Menschen mit einem gänzlich anderen Kommunikationsverhalten erreicht und in bisher schwer zugängliche Community-Blasen vorgestoßen.

Beim SRF ist Konrad Weber für den Einsatz von WhatsApp verantwortlich. Im Interview mit Daniel Bouhs erzählt Weber, dass zum einen die in der Schweiz, ähnlich wie in Deutschland, hohe Verbeitung des Messengers ein Grund war, warum der SRF sich dafür entschied, WhatsApp als weiteren Distributionskanal aufzumachen (die BBC nutzt neben WhatsApp inzwischen auch Line), aber es auch ein entscheidendes Ereignis dafür gab: die Schweizer Hochwasser im Sommer 2014. Über WhatsApp wurden Fotos und Informationen in Gruppen geteilt, die die Schweizer Medien durch zufälliges Nachfragen entdeckten und dann aufnahmen. Zum Vergleich, bei der zweiten Magdeburger „Jahrhundertflut nach 2002, nur elf Jahre später im Jahr 2013, war Facebook der bevorzugte Kanal der Menschen an der Elbe, um Hilfe zu organisieren und Informationen zu verbeiten.


Der Journalist Sudhiranjan Sen erklärt, warum WhatsApp für Nachrichtendistribution wichtig wird:


An die Informationen in WhatsApp-Gruppen zu kommen, diese überhaupt zu entdecken, ist eine der größten Herausforderungen für Journalisten. Der SRF entschied sich deshalb, selber auf WhatsApp präsent zu sein, um in diesem privaten Kommunikationsraum als Akteuer wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Weber dazu im Interview: „Bis vor kurzem diskutierten wir in dieser App ausschließlich mit unseren Vertrauten. Und plötzlich taucht da auch ein Medium auf, das wir zwar kennen, aber auf den ersten Blick unpersönlich wirkt. Aus diesem Grund überlegten wir uns bei SRF, dass wir selbst zuerst mal präsent sein müssen, um danach überhaupt auch auf diesem Kanal ansprechbar zu werden, falls jemand seine Informationen mit uns teilen will.“ Ist dies geschafft, werden sich WhatsApp-Nutzerin im Idealfall die Nummer der Redaktion im Adressbuch abspeichern, um somit auch direkt Nachrichten zugeschickt zu bekommen. Der erste Anwendungsfall war dann beim SRF der Abstimmungstag im September. „Hier herrscht in der Schweiz sowieso eine große Informationsnachfrage. Da wir die erste Redaktion waren, die diese Nachfrage genau über den Kanal befriedigen konnten, ist es vielleicht ein umso größerer Anreiz, unsere Nummer auch für später zu speichern„, erklärt Weber den erfolgreichen Einsatz.

Zwei wichtige Erkenntnisse sind, dass solange WhatsApp kein für Medien passendes Angebot hat, auch die größte Nachrichtenredaktion nur genauso wie ein klassischer WhatsApp-Nutzer mit dem Smartphone arbeiten kann und das die WhatsApp-Nutzer, ganz im Sinne eines Messengers, an Interaktion interessiert sind. Nutzt man WhatsApp für die eigene journalistische Arbeit, muss auch die Bereitschaft vorherrschen, mit den Lesern zu kommunizieren. Das wird vielleicht die größte Herausforderung für Journalisten. 

Das ganze Interview in voller Länge findet sich auf dem Blog von Daniel Bouhs wieder.


Image (adapted) „WhatsApp“ by HeikoAL (CC0 Public Domain)

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Das Geheimnis von Selbstvermarktung im Journalismus

Secret Comedy Podcast 11 - 2 August 2013 (adapted) (Image by Amnesty International UK [CC BY 2.0] via Flickr)

Journalisten sollten mehr tun als Journalismus, sich nämlich als Marke im Netz positionieren. Elf solcher Marken habe ich interviewt. Ein Zwischenfazit. Wer sich als Journalist auf dem hart umkämpften Markt behaupten möchte, der kann sich nicht nur auf das Arbeiten im stillen Kämmerlein beschränken. Eine starke Präsenz im Web scheint in diesen digitalen Zeiten unerlässlich. Einige Journalisten haben es geschafft: Sie sind zu einer Marke im Netz geworden. Ich habe mit elf solcher Journalistenmarken über das Thema Selbstvermarktung gesprochen, sie nach ihrem Geheimrezept gefragt und von ihnen wissen wollen, ob bei all dem Eigenmarketing überhaupt noch genügend Zeit für die eigentliche journalistische Arbeit bleibt.

Das Geheimrezept

Das eine Geheimrezept gibt es nicht, so viel ist klar. Aber wer einige Aspekte beachtet, der ist schon einen Schritt weiter. Der freie Journalist Daniel Bouhs stellt erst einmal klar, um was es beim Thema Selbstvermarktung überhaupt geht, nämlich „erkennbar zu sein, für Gesprächspartner, Hinweisgeber, Kritiker und nicht zuletzt natürlich Redaktionen, die Aufträge zu vergeben haben.“ Die Journalisten, die zu einer Marke geworden sind, sprechen bei der Frage nach dem Geheimrezept viel von Authentizität. Daniel Fiene etwa betont, es sei ihm wichtig, er selbst zu bleiben, sich nicht zu verkrampfen. Dennoch sollte man das Eigenmarketing immer im Blick behalten. Mehr noch: Eigentlich sollte man es als selbstverständlichen Teil der Arbeit von Journalisten betrachten, wie Karsten Lohmeyer behauptet: „Alles in allem würde ich das als ‚Journalismus pur‘ beschreiben.”

Der Aufwand

Wenn man das Marketing für die eigene Person in den journalistischen Alltag integriert, bleibt aber doch weniger Zeit für den eigentlichen Job, oder? Natürlich dürfe nicht verschwiegen werden, dass Selbstvermarktung per Twitter, Facebook und Co. Zeit kostet, wie der Netzpiloten-Kollege Tobias Gillen erwähnt. „Aber es ist a) Zeit, die sich lohnt und b) kann man meist sehr gut kontrollieren, wann man wie viel Zeit investiert und wann es eben mal nicht passt.“ Doch wenn man erst einmal begriffen hat, dass Journalismus mehr bedeutet, als Beiträge zu erstellen, dann gehört dieser Aspekt der journalistischen Arbeit genauso selbstverständlich dazu wie das Recherchieren vor dem Schreiben. Richard Gutjahr erläutert die Aufgaben, die für Blogger nichts Neues sind: „Nach der Freischaltung muss man dafür sorgen, dass ein Text gefunden, diskutiert und moderiert wird“. Ganz klar ist für ihn, dass das „Zeit und oft auch Nerven“ kostet. „Aber was ist die Alternative?Silke Burmester rät deshalb, „sich selbst einen Rahmen zu setzen”.

Die Konkurrenz

Auf die Frage, ob mehr Marken auf dem Markt nicht der eigenen Marke schaden, war eine häufige Antwort: Statt gegeneinander zu arbeiten, sollte man miteinander arbeiten. Der Wirtschaftsjournalist Gunnar Sohn zählt auf, warum das sinnvoll ist: “Es geht um Netzwerk-Effekte, es geht um Anregungen, es geht um Wissensaustauch, kollaborative Recherchen, gegenseitige Unterstützung beim Einsatz von Tools, Crowdfunding-Ideen und um Manöverkritik.” Dass es letztendlich aber diejenigen leichter haben, die schon jetzt eine Marke sind, betont Netzfeuilletonist Jannis Kucharz. Selbstvermarktung gehört also schnellstens auf die Agenda. Allerdings wird es wohl immer welche geben, die damit noch nichts anfangen können, wie Carolin Neumann prognostiziert: „Bis der digitale Graben im Journalismus zugeschüttet ist, wird es ohnehin noch lange dauern.“ Oder um es mit den Worten von „Gelegenheitsjournalist“ Thomas Knüwer zusammenzufassen: „Journalisten, die über zu wenig Zeit zur Kommunikation und Informationssammlung klagen, sollten ihre Berufswahl hinterfragen.“

Selbstvermarktung wird wichtiger

Alle diese Beispiele zeigen: Ohne einen Funken Selbstvermarktung werden es – vor allem freie – Journalisten schwerer haben, sich auf dem Markt zu positionieren. Das Zwischenfazit der elf ersten Interviews lautet deshalb: Nein, es gibt kein Geheimrezept für die Markenbildung, aber authentisch zu sein ist hilfreich. Ja, Selbstvermarktung kostet Zeit, aber sie lohnt sich. Jein, Wettbewerb belebt zwar das Geschäft, aber der Netzwerkgedanke sollte über dem des Konkurrenzkampfes stehen. Ulrike Langer hebt zum Schluss noch einen Aspekt hervor, der nicht vergessen werden darf: All die gute Selbstvermarktung helfe nichts, wenn die journalistische Qualität nicht stimme. Das ist natürlich wahr.


Image (adapted) „Secret Comedy Podcast 11 – 2 August 2013“ by Amnesty International UK (CC BY 2.0)


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