Magnus Carlsen – Schach und die Logik des Außerirdischen

Das Online Schachturnier „Magnus Carlsen Invitational 2021“ des amtierenden Schach-Weltmeisters Magnus Carlsen feierte dieses Jahr zusammen mit der Weltraumforschungsorganisation Breakthrough Initiatives den 60. Jahrestag des ersten, bemannten Raumfluges. Wir fragen uns: Was haben Schach und Außerirdische gemeinsam? Wenn man Magnus Carlsen fragt: so Einiges. Logisch, oder? Ein Tipp, weiße Riesen und Schwarze Löcher sind es nicht.

Schach, das königlichste aller Spiele, blickt auf eine lange und traditionsreiche Geschichte zurück. Seit seiner Verbreitung im europäischen Kulturraum um das 13. Jahrhundert, versammelt sich auch heutzutage noch eine treue Anhängerschaft um das sagenumwobene Brettspiel. Mit Magnus Carlsen betrat vor einigen Jahren ein innovativer Akteur die internationale Bühne der logischen Dramaturgie. Der 30jährige Norweger und amtierende Weltmeister beherrscht wie kein Zweiter die drei Schlüssel-Akte des Schachs: Eröffnung, Mittel- und Endspiel. Carlsen erlangte bereits mit 13 Jahren den prestigeträchtigen Titel eines Schach-Großmeisters und gilt, mit einer aktuellen Elo-Punktzahl von über 2600, als einer der herausragendsten Spieler unserer Zeit. Befürworter sehen in ihm eine heroische Glanzfigur, die der Sportart zu nie dagewesener und dringend notwendiger Popularität verhalf. Kritiker verweisen dagegen gerne auf dessen unkonventionelle Spielweise und die durch ihn vorangetriebene Kommerzialisierung des Schachspiels.

Magnus Carlsen – Sturm und Drang im Schachsport

Allen Vorwürfen zum Trotz ist es unstrittig, dass Carlsen eine Schlüsselrolle für die künftige Entwicklung des Schachsportes darstellt. Wagemutig, ja beinah revolutionär war die Gründung des Magnus Carlsen Invitational, einem Online-Schnellschachturnier, vor rund einem Jahr. Das Turnier auf Spitzenniveau bildet seither den Auftakt der zehnteiligen Online-Turnierreihe „Meltwater Champions Chess Tour“, in der nur die weltweit besten und fähigsten Spieler im Kampf um die Krone des Schnellschachs gegeneinander antreten.

In diesem Jahr geht der Großmeister des königlichen Spiels noch einen Schritt weiter und katapultiert den Schachsport in neue Umlaufbahnen. Erstmals in seiner Geschichte, wurde das Magnus Carlsen Invitational zwischen dem 13. – 21. 03. 2021 in Zusammenarbeit mit der Breakthrough Initiatives und Breakthrough Junior Challenge ausgetragen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2015, beschäftigt sich die Non-Profit Initiative mit den wesentlichen Fragen und Forschungsansätzen des außerirdischen Lebens. Von der Suche nach primitiven und intelligenten, zellulären Lebensformen bis zur möglichen Ausweitung des menschlichen Wirkens im Weltraum. Mit visionärer Gesinnung und einer gehörigen Portion Optimismus, forscht das Team nach Antworten im Unergründlichen, Unbegreiflichen. Um die Neugierde und den Wissensdurst im Nachwuchs zu entfachen und zu fördern, wurde die Junior Challenge ins Leben für gerufen, in der bereits seit sechs Jahren herausragende Beiträge in den MINT-Fächern prämiert werden.

Schach & Außerirdisches – Eine kosmische Partie

Ein durchdachter Zug Carlsens, gleichzeitig ein nachdringlicher Appell an die junge Generation der (Schach-)Welt. Es gäbe wohl kaum einen treffenderen Zeitpunkt, als der 60. Jahrestag des ersten, bemannten Raumfluges, um die wesentlichen Ähnlichkeiten zwischen dem naturwissenschaftlichen Arbeiten und dem Schachspiel zu verdeutlichen. Forscher und Spieler verbindet der Wunsch nach Fortschritt, unter der Prämisse einer Logik im Vergangenem und Künftigen. Beide agieren innerhalb klarer Gesetzmäßigkeiten und bewegen sich gleichsam im Geiste durch ein Spielbrett aus Möglichkeiten und Sachzwängen.

Von dem Zusammentreffen beider Disziplinen auf medienwirksamer und internationaler Bühne, erhofft sich der Schach-Weltmeister und die Breakthrough Initiatives eine smartere Welt. Eine Welt, in der junge, talentierte Naturwissenschaftler ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten gleichermaßen aus einer Faszination für das Schachspiel und den großen, existenziellen Fragen des Lebens beziehen. Denn eines steht für Carlsen schon heute fest: „Genau wie der Weltraum ist auch das Schachspiel unendlich. Tatsächlich gibt es beim Schach sogar mehr mögliche Züge als Atome im Universum“.

Das 8×8 des Schachs – Eine Faszination mit langer Tradition

Ganze Dynastien, Königreiche und Hochkulturen wuchsen empor, erblühten und gingen schließlich in die Bedeutungslosigkeit über, aus der sie einst entsprangen. Kriege, Zerwürfnisse und Machtverschiebungen erschütterten die Menschheitsgeschichte seit ihren Anfängen in beinah zyklisch anmutenden Wiederholungen. Barbarisch, blutrünstig und ungezähmt in ihrem Wesen, ist die Kriegskunst seither vor allem eine Frage der Vernunft und des strategischen Scharfsinns. Ratio und Wagnis, Aktion und Reaktion, Position und Observation. Der Gedanke, jene urtümliche Gewalt in ihrer Gesamtheit im Geiste zu beherrschen, sie gar logisch zu dekonstruieren, übt unlängst eine besondere Faszination auf die Menschen aus. So ist es nicht verwunderlich, dass namenhaften Herrscher, Generäle und Intellektuelle bereits seit über tausend Jahren ihren Geist in Strategie und Logik mit Vorliebe beim königlichsten aller Spiele trainieren: Dem Schach.

Es ist die ewige Schlacht und der nicht enden wollende Zwist zwischen Schwarz und Weiß, zudem ein Spiel von unausweichlicher, symbolischer Tragweite. So findet der spirituelle und philosophische Konflikt zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis nicht allein im buddhistischen Verständnis von Jing und Yang sein kulturhistorisches Pendant.

Eine neue Ära – Tragik und Talente

Ausgetragen auf einem so charakteristisch wie mannigfaltigen Spielbrett mit 64 einzelnen, rhythmisch gefärbten Feldern, lebt das Schachspiel vor allem von seinen Figuren, deren Bezeichnung und Funktion wohl beinah über den gesamten Globus hinweg geläufig sind. Seit seiner Verbreitung im europäischen Kulturraum um das 13. Jahrhundert, versammelt sich auch heutzutage noch eine treue Anhängerschaft um das sagenumwobene Brettspiel. Dennoch genoss das Schachspiel, entgegen seiner Klassifizierung als olympische Sportdisziplin, in vergangenen Jahrzehnten ein vergleichsweise geringes Maß an medialer Aufmerksamkeit. Seit dem weltweiten Ausbruch der COVID-19 Pandemie, erlangt der Schachsport wieder einen neuen Spitzenwert auf der Beliebtheitsskala. Charismatischen Ausnahmetalenten wie Elo-Rekordhalter Magnus Carlsen ist es zu verdanken, dass das verstaubte Image des verrückten Schachgenies mittlerweile der Vergangenheit angehört.  Nicht zuletzt auch aufgrund der populären Netflix Serie „Das Damengambit“, welche dem Milieu eine graziöse, von Passion durchdrungene Aura der Tragik und Sehnsucht verleiht. Das Aufleben eines so traditionsreichen Spiels, gespeist durch die Möglichkeiten digitaler Technologien, lässt uns hellhörig werden. Das ist genau der Stoff, den wir Netzpiloten so lieben!

Mehr zum Thema Schach und Intelligenz findet ihr in diesem Artikel.


Images by Fred Jonny & whyframeshot, Adobe Stock

Victoria Wygrabek

fotografiert wirklich jeden Sonnenuntergang, den Sie vor die Linse bekommt. Außerdem ist Sie stolze Adoptivmutter von mindestens 1000 alten Schallplatten und Büchern, die auf der Straße ausgesetzt wurden. Neben ihrem Kunstgeschichtsstudium arbeitet Sie als freiberufliche Texterin und unterstützt das Netzpiloten-Team in der Redaktion.


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