FIFA 20 – Festagsessen oder die gleiche alte Suppe?

Traritrara, der Herbst ist da! Und damit auch die obligatorische Veröffentlichung von FIFA 20. Die Fußball-Simulation geht in die nächste Runde und will auch mit wahnwitzigen neuen Ergänzungen den Ball neu erfinden. „Aber Fußball ist doch immer noch Fußball!“, mag da doch der ein oder andere nicht ganz unbegründet denken. Aus diesem Grund schauen wir uns in diesem Test einmal genauer an, mit welchen Features EA Sports den diesjährigen neuen Release zu rechtfertigen glaubt.

FIFA wird realistischer – wie jedes Jahr

Zu allererst werfen wir einen Blick auf das Gameplay. Der Realismus wird auch in diesem Jahr großgeschrieben. Das Spiel ist wieder etwas langsamer, der Ball scheint etwas mehr zu hoppeln, als in den Vorgängern. Pässe wirken meist weitaus intuitiver und Flanke um einiges präziser. Auch die Defensive hat sich verbessert. Wo im vergangenen Spiel noch die automatischen Verteidiger dem angewählten Spieler sehr effektiv unter die Arme griffen, müssen wir sie nun aktiv anwählen. Das macht Verteidigen sehr anspruchsvoll und zu Beginn auch etwas gewöhnungsbedürftig. 

Auch die Standards wurden überarbeitet. Bei Freistößen können wir jetzt mithilfe des rechten Sticks die Flugbahn um einiges besser beeinflussen. Ob Flatterball, angeschnitten oder unter der Mauer hindurch: die Freistöße bieten viele Möglichkeiten zum Experimentieren.

Ab auf die Straße!

Der neue Volta-Modus ist definitiv die größte Neuerung von FIFA 20. In diesem waschechten FIFA-Street-Modus treten wir mit Dreier-, Vierer- oder Fünferteams in Straßen- und Hallenmatches gegeneinander an. Gespielt wird in 17 Locations auf der ganzen Welt, von Japan, über Rio de Janeiro, bis nach Amsterdam. Der Gameplay-Fokus liegt vor allem auf dem trickreichen Ausdribbeln des Gegners und einem effektiven Kurzpassspiel. Das Toreschießen mit Keeper gestaltet sich dabei wirklich knifflig und das Nutzen der Bande für clevere Kombinationen bringt wirklich viel Spaß. Der Modus bietet außerdem viele Anpassungsmöglichkeiten. Wir können mit und ohne Torwart spielen, mit Mini-Toren, mit oder ohne Bande oder in einem Survival-Modus, bei denen die Torschützen aus dem Spiel ausgeschlossen werden. So gestaltet sich Volta sehr abwechslungsreich und spaßig.

Der Kern von Volta ist aber der Story-Modus, der die Alex-Hunter-Trilogie der der vergangenen Jahre ablöst. Anders als in dieser Geschichte, schlüpfen wie dieses Mal in die Fußballschuhe eines selbst erstellten Charakters, „Revvy“. Dieser möchte unbedingt an der Straßenfußball-Weltmeisterschaft in Argentinien teilnehmen. Begleitet wird er dabei von einem Haufen eindimensionaler und manchmal etwas peinlicher Charaktere, die in immerhin ganz hübsch ausschauenden Cutscenes pseudo-coole Sprüche ablassen.

In den Spielen sammeln wir Skillpunkte, die wir, wie bereits bei Alex Hunter, in drei Fähigkeitsbäumen verteilen. So steigt unserer Figur immer weiter auf, um schließlich der König der Straße zu werden. Außerhalb der Spiele kaufen wir uns im Shop neue Klamotten und werden so zum hippesten Kicker aller Zeiten. Die Volta-Geschichte ist also wirklich nicht originell, aber immerhin recht kurzweilig und macht aufgrund des neuen Gameplays schon durchaus Laune. Nach der Hauptgeschichte können wir uns der Volta Liga und der Volta Tour widmen und Online mit unserem aufgebauten Team antreten. 

Ein neuer Manager betritt die Weltbühne

Der FIFA-Karriere-Modus gehört in der Spielerschaft immer noch zu den beliebtesten Spieloptionen, vor allem im Einzelspieler. Dort wurden auch in diesem Jahr eher kleine Veränderungen im Vorhinein angekündigt. Neben der neuen rumänischen Liga (endlich!!), sollte das Zusammenspiel mit deiner Mannschaft verbessert werden. Dafür gibt es jetzt das dynamische Potenzial. Jeder Spieler hat eine eigene Motivationsleiste, die dauerhaft im grünen Bereich gehalten werden muss. In Spielergesprächen können wir deshalb mit unseren Spielern reden und auch die Antworten, die wir in den neuen Interviews und Pressekonferenzen geben, beeinflussen die Team-Moral. Bleibt diese durch Siege, Einsatzzeiten und natürlich auch das liebe Geld auf einem guten Level, so steigern sich auch die Werte der Spieler.

Diese Fragen wiederholen sich natürlich relativ fix, trotzdem sind es nette Ergänzungen, die den Karrieremodus persönlicher wirken lassen. Auch die Pressekonferenzen, die ich in den vergangenen Jahren meist vernachlässigte, sind nun um einiges besser mit eingebunden. Trotzdem bleibt der Managermodus in seinen Kernbereichen eher flach. Kein eigener Stadionausbau, kein eigenes Merchandise und nicht einmal die mittlerweile viel genutzte Leihe mit Kaufoption haben es in den neuen Teil geschafft (obwohl sie vor zwei Jahren noch existierte). Doch das sind nicht die größten Probleme des Karrieremodus.

Bugs und Glitches – der FIFA-20-Karrieremodus

Technische Mängel sind für FIFA nichts Neues. Hier und da rutscht gerne mal ein Ball durch den Füße eines Spielers oder die Torlinientechnik gibt einen Treffer, der offensichtlich noch auf der Linie geklärt wurde. Doch was EA da in diesem Jahr mit dem Karrieremodus abgeliefert hat, das geht auf keine Kuhhaut. Das größte Problem besteht aktuell mit den Kadern der Top-Mannschaften, die vom Computer übernommen werden. Diese spielen aufgrund eines Glitches mit ihrer absoluten C-Mannschaft. Die besten Spieler bleiben in fast jedem Spiel auf der Bank. Dies führt dazu, dass Mannschaften wie Manchester City oder Chelsea in mehreren Test-Durchläufen auf einmal auf den Abstiegsplätzen in der Liga standen und sich sogar in die zweite Liga verabschiedet haben.

Das ist dann weder realistisch, noch macht es Spaß, in der zweiten Saison gegen keine Top-Mannschaften mehr zu spielen. Dazu kommen einige merkwürdige Gespräche zwischen Spielern und Trainern, falsche Champions-League-Gruppen, ein überfrachteter Spielplan und ein exorbitant hohes Maß an Rauswürfen und der Spielspaß ist in diesem Modus auf einmal gleich null. Diese Probleme sind leider auch kein Einzelfall: auf Twitter trendete nicht umsonst vor kurzem der #FixCareerMode auf Twitter. Eine Online-Petition, die eine öffentliche Entschuldigung von EA fordert, sammelte ebenfalls bereits über 3000 Unterschriften. EA hat für den kommenden zusätzlichen Patches angekündigt. Der aktuelle Zustand des Karrieremodus ist allerdings eine absolute Frechheit.

FIFA 20 Ultimate Team – virtuelle Sammelkarten für nicht wenig Geld

Als zweiter großer Spielmodus von FIFA 20 geht auch wieder das Ultimate Team an den Start. Im virtuellen Sammelkartenspiel öffnet ihr virtuelle Packs und baut euch aus euren Spielkarten eine Mannschaft mit einer möglichst guten Chemie zusammen. Mit diesen tretet ihr dann wieder im Online-Modus gegen andere Spieler an. Die beliebten Modi „Turnier“, „Saison“ und „FUT-Draft“ . Neu sind die sogenannten Season Objectives. Diese funktionieren ähnlich wie Fortnite-Saisons, also bestimmte Ziele, die bei Erfüllung Erfahrungspunkte und Belohnungen wie Packs oder Items geben.

Diese werden alle paar Monate aktualisiert und Spieler möglichst lange bei Stange halten. Auch Freundschaftspiele lassen sich im Einzelspieler oder im Koop zocken. Außerdem wurden natürlich auch noch ein paar neue Icon-Karten hinzugefügt. Zu den neuen Legenden gehören absolute Weltstars wie Andrea Pirlo, Didier Drogba und Zinedine Zidane, die sich in diesem Jahr wieder in sehr wenigen Packs verstecken. Diese sind auch in diesem Jahr nicht ganz günstig. Doch woran liegt diese Vernachlässigung des Karrieremodus? Der Fokus von EA scheint eben klar auf dem Ultimate-Team-Modus. Also der Modus, der vor allem durch In-Game-Käufe zusätzliches Geld verdient. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Fazit

Alles in allem macht FIFA 20 in fast allen Modi auf jeden Fall wieder Spaß. Das Gameplay gefällt mir persönlich besser als im vergangenen Jahr, vor allem das Passspiel funktioniert sehr gut. Auch der Volta-Modus ist ein spaßiger neuer Spielmodus, auch wenn die Story wirklich eher schwach ist. Der trickreiche Straßenfußball und die verschiedene Spielmodi sorgen für einige spaßige Partien. Aber was sich EA mit dem diesjährigen Karrieremodus erlaubt hat, ist schon ziemlich lächerlich. Ich hoffe, dass sich da vielleicht noch etwas im Nachhinein schrauben lässt. Im aktuellen Zustand von FIFA 20 rate ich allen Karriere-Modus-Freunden deswegen nur ab. 

Für den Volta-Modus und Ultimate-Team könnt ihr euch FIFA 20 aber hier über Amazon bestellen (Provisionslink).


Images by EA Sports via igdb.com

Philipp Bader

ist Journalistik-Student an der Hochschule Hannover und hat seit dem unter anderem bei der N-Zone in Fürth und beim Lokalteil der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung einige Erfahrungen sammeln können. Ob Videospiele, Filme oder Serien - in diesen Bereichen fühlt er sich am wohlsten.


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