Deutsche Behörden gelten oft als Sinnbild für Papierstapel, lange Wartezeiten und Formulare, die aussehen, als kämen sie aus den 1990er-Jahren. Digitalisierung, moderne Kommunikation oder souveräner Umgang mit KI stehen eher nicht auf der Tagesordnung. Genau hier setzt Amtshelden an – allerdings anders, als man beim ersten Blick auf den Namen vermuten könnte. Die Plattform ist kein Bürgerservice, der Anträge vereinfacht oder Wartezeiten verkürzt, sondern ein Weiterbildungsangebot für die Verwaltung selbst. Sie richtet sich an genau jene Menschen, die in Ämtern, Kommunen und Behörden dafür sorgen sollen, dass Kommunikation, künstliche Intelligenz und Personalmarketing dort endlich ankommen, wo sie bislang oft fehlen.
Landratsamt trifft Agentur: Wer steckt hinter Amtshelden?
Hinter Amtshelden stehen Julia Lupp und Christian Rosenberger. Sie arbeitet hauptberuflich als Stabsleiterin in einem Landratsamt, er als CSO einer Kommunikationsagentur. Aus dieser Mischung aus Verwaltungs- und Agenturerfahrung entstand die Idee, Behörden praxisnah bei drei Themenfeldern zu unterstützen: Kommunikation, KI & Transformation sowie Personalmarketing. Die Zielgruppe sind dabei explizit nicht einzelne BürgerInnen, sondern Verwaltungsmitarbeitende, Pressestellen, Social-Media-Teams und ganze Behörden, die sich meist im Auftrag ihrer Institution für ein Webinar oder Programm anmelden.
Webinare, KI-Führerschein und eine eigene Bühne: Das Angebot im Überblick
Kernstück von Amtshelden sind Webinare zu sehr konkreten Alltagsproblemen der Verwaltungskommunikation. Von „Social Media von Null auf Los“ über Community-Management bis zu „Gute Fotos mit dem Smartphone für Behörden“ ist alles dabei. Die Sessions dauern meist zwei bis drei Stunden und kosten zwischen 159 und 259 Euro. Daran erkennt man deutlich, dass sich das Angebot an Institutionen mit eigenem Weiterbildungsbudget richtet, nicht an Privatpersonen. Ergänzt wird das Ganze durch den „KI-Führerschein“, der Verwaltungsmitarbeitenden praxisnahes Grundlagenwissen zu KI vermittelt. Auch offline ist Amtshelden sichtbar: Auf der Social-Media-Konferenz „Connected.“ bespielt das Team eine eigene Bühne mit SpeakerInnen aus der Behördenwelt.
Über 100 Folgen Behörden-Talk: Der Podcast „Kleinstadtniveau“
Zum Angebot von Amtshelden gehört auch der Podcast „Kleinstadtniveau“. Genau genommen war er sogar zuerst da: Julia Lupp und Christian Rosenberger starteten das Format Ende 2021, bevor daraus 2022 das Amtshelden-Programm entstand. Mittlerweile sind mehr als 100 Folgen erschienen. Darin sprechen die beiden mit Gästen aus der Behördenwelt über moderne Verwaltungskommunikation, Social Media, Recruiting und Digitalisierung. Zu den Themen gehören etwa Corporate Influencer in Behörden, Cybersicherheit oder die Frage, warum Verwaltungen überhaupt auf Social Media aktiv sein sollten. Damit ist der Podcast zum einen eine Plattform für den Erfahrungsaustausch zwischen Verwaltungen und zum Anderen der Grundstein für die Entstehung der Initiative Amtshelden.
Formulare sind nicht das Problem: Warum es Amtshelden braucht
Dass Deutschland beim Thema E-Government im europäischen Vergleich seit Jahren hinterherhinkt, ist keine neue Erkenntnis. Weniger im Fokus steht dabei aber ein Aspekt, den Amtshelden aufgreift: Es fehlt nicht nur an digitaler Infrastruktur, sondern häufig auch an digitalem Know-how bei den Menschen, die in den Behörden arbeiten. Hinzu kommt der Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst, der Verwaltungen zunehmend zwingt, sich auch als Arbeitgeber attraktiver und sichtbarer zu. Dass es dafür bislang kaum systematische Angebote gibt, liegt auf der Hand. Klassische Verwaltungsausbildung kommt bei Themen wie Social Media oder KI schlicht nicht hinterher. Initiativen wie Amtshelden schließen genau diese Lücke.
Kein Wundermittel, aber ein Anfang
Amtshelden ist kein Zauberstab gegen Bürokratie, sondern ein Werkzeugkasten für die Menschen, die Bürokratie jeden Tag mit Leben füllen sollen. Der Blick auf die Plattform lohnt sich trotzdem, besonders weil sie zeigt, wo ein Teil des digitalen Nachholbedarfs in der Verwaltung liegt: nicht nur bei technischen Lösungen, sondern auch bei den Kompetenzen dahinter.
Diese Lücke soll allerdings nicht allein durch private Initiativen geschlossen werden. Mit dem 2025 gegründeten Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung hat die Bundesregierung die Digitalisierung erstmals in einem eigenen Ressort gebündelt. Zu dessen Aufgaben gehören unter anderem die Modernisierung der Verwaltung, der Abbau bürokratischer Hürden und eine stärkere Nutzung von KI.
Politische Maßnahmen und Angebote wie Amtshelden müssen dabei kein Gegensatz sein. Während das Ministerium die strukturellen Voraussetzungen für eine modernere Verwaltung schaffen soll, setzen Initiativen wie Amtshelden direkt bei den Menschen an, die diese Veränderungen im Arbeitsalltag umsetzen müssen. Ob daraus langfristig eine spürbar modernere Verwaltung entsteht, hängt deshalb nicht nur von neuen digitalen Strukturen ab. Entscheidend ist auch, ob die Beschäftigten das Wissen und die Möglichkeiten bekommen, sie sinnvoll einzusetzen.
Image via ChatGPT (KI-generiert)
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