Diese 5 Werbegeschenke haben den Jahreswechsel überlebt – war Ihres dabei?

Peter Schwerin, Marketing-Experte des E-Commerce-Werbemittelspezialisten Gift Campaign, über überraschend langlebige Give-aways, typische Fehlannahmen von Firmen und die Zukunft der Werbegeschenke.

Jedes Jahr „fluten“ Unternehmen regelrecht ihre Kundinnen und Kunden, aber auch die eigenen Beschäftigten mit Neujahrsgeschenken. Viele davon verschwinden schnell in Schubladen oder im Müll. Welche fünf Produkte haben aus Ihrer Sicht den Jahreswechsel 2025/26 tatsächlich überlebt?

Wir sehen jedes Jahr, welche Produkte im Alltag wirklich ankommen und welche nur gut gemeint sind. Fünf Kategorien haben sich diesmal besonders durchgesetzt. Erstens: personalisierte Thermobecher aus Edelstahl. Sie sind robust, alltagstauglich und werden im Büro wie im Homeoffice genutzt. Zweitens: hochwertige Laptop-Rucksäcke, die nicht nur praktisch, sondern auch optisch neutral genug sind, um täglich getragen zu werden. Drittens: kabellose Kopfhörer, die viele Unternehmen inzwischen als Premium-Geschenk einsetzen. Viertens: Powerbanks mit Schnellladefunktion, die im hybriden Arbeitsalltag fast unverzichtbar geworden sind. Und fünftens – das hat uns selbst überrascht – personalisierte Hoodies, die Mitarbeitende tatsächlich tragen, wenn Qualität und Passform stimmen. Sie werden damit auch in ihrer Freizeit, beim Treffen mit Familienmitgliedern, Freunden oder Vereinskameraden, zu Botschaftern der Arbeitgeber.

Warum stechen gerade diese fünf Produkte heraus?

Weil sie im Kern alle ein Problem lösen. Das klingt banal, aber viele Werbegeschenke tun genau das nicht. Ein Thermobecher hält Getränke warm, ein Rucksack schützt Technik, ein Hoodie beispielsweise schafft Zugehörigkeit. Diese Dinge begleiten Menschen über Monate, sind nicht dekorativ, sondern funktional. Das ist der entscheidende Unterschied. Ein Geschenk, das täglich genutzt wird, bleibt sichtbar und erzeugt Bindung. Ein Geschenk, das nur nett aussieht, aber keinen Nutzen hat, verschwindet schnell.

Was können Unternehmen aus diesem Jahreswechsel für ihre nächste Geschenkstrategie lernen?

Drei Dinge. Erstens: Weniger ist mehr. Lieber ein hochwertiges Produkt als fünf kleine, die niemand braucht. Zweitens: Personalisierung wirkt stärker als Branding. Ein Name auf einem Hoodie oder einer Trinkflasche erzeugt mehr Wertschätzung als ein großes Firmenlogo. Und drittens: Timing schlägt Masse. Viele Unternehmen verschicken ihre Geschenke zwischen Weihnachten und Neujahr – genau dann, wenn alle ohnehin überflutet werden. Wer stattdessen im Januar oder zu einem individuellen Anlass schenkt, bleibt besser im Gedächtnis.

Sie sprechen oft über die emotionale Wirkung von Geschenken. Was meinen Sie damit?

Ein Geschenk ist immer ein Signal. Es sagt: „Wir haben an dich gedacht.“ Aber dieses Signal kann stark oder schwach sein. Ein generisches Geschenk wirkt wie eine Pflichtübung. Ein durchdachtes Geschenk vermittelt Wertschätzung. Das ist besonders wichtig im Onboarding, wie wir es in vielen Unternehmen beobachten. Die ersten Wochen entscheiden darüber, ob neue Mitarbeitende Vertrauen aufbauen oder innerlich auf Distanz gehen. Eine hochwertige Erstausstattung zeigt: „Du bist uns wichtig.“ Das ist keine Marketingmaßnahme, sondern Organisationskultur.

Wo machen Unternehmen aus Ihrer Sicht die größten Fehler?

Das eingeplante Budget wird mit Wirkung verwechselt. Ein günstiges Produkt kann wertvoll sein, wenn es gut gewählt ist. Ein teures Produkt kann nutzlos sein, wenn es nicht zum Alltag der Zielgruppe passt. Unternehmen unterschätzen oft auch die Bedeutung von Qualität. Ein Hoodie, der nach zwei Wäschen ausleiert, schadet der Marke mehr, als er nützt.

Gibt es ein Beispiel aus der Praxis, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Ein mittelständisches Unternehmen aus dem Ruhrgebiet hat im vergangenen Jahr komplett auf klassische Neujahrsgeschenke verzichtet und stattdessen ein „Winter-Set“ für Mitarbeitende zusammengestellt: Hoodie, Thermobecher, Mütze – alles personalisiert. Die Resonanz war enorm. Die Mitarbeitenden haben Fotos in internen Chats geteilt, manche sogar auf Social Media. Das Unternehmen hat damit nicht nur Bindung geschaffen, sondern auch Sichtbarkeit – ohne dass es geplant war. Das zeigt, wie stark die Wirkung sein kann, wenn ein Geschenk wirklich genutzt wird.

Wie verändert sich der Markt für Werbegeschenke gerade?

Wir sehen drei Trends. Nachhaltigkeit wird zur Grundvoraussetzung. Recycelte Materialien, langlebige Produkte, reparierbare Technik – das ist kein „Nice-to-have“ mehr. Zweitens: Hybrid Work verändert die Produktpalette. Dinge, die man unterwegs oder im Homeoffice braucht, gewinnen an Bedeutung. Und schließlich der dritte Trend: Personalisierung wird dank innovativer Produktionsverfahren zum Standard. Früher war das Individualisieren von Produkten vergleichsweise teuer und aufwendig, heute ist es technisch einfach. Und Menschen reagieren darauf sehr positiv.

Welche neuartigen Werbegeschenke erwarten Sie für 2026?

Ich glaube, wir werden mehr Produkte sehen, die digitale und physische Nutzung verbinden. Zum Beispiel Notizbücher, die handschriftliche Inhalte automatisch digitalisieren. Oder smarte Schreibtisch-Accessoires, die Ordnung schaffen und gleichzeitig kabellos laden. Außerdem beobachten wir eine steigende Nachfrage nach modularen Geschenksets, die Unternehmen individuell zusammenstellen können – etwa eine Kombination aus Technik, Textil und Büroartikeln, abgestimmt auf verschiedene Zielgruppen.

Viele Unternehmen fragen sich: Wie viel Branding ist sinnvoll?

 Weniger, als man denkt. Ein dezentes Logo reicht völlig. Menschen tragen oder nutzen Produkte eher, wenn sie nicht wie Werbeflächen aussehen. Die stärkste Form der Markenpräsenz entsteht nicht durch Größe des Logos, sondern durch die Häufigkeit der Nutzung. Ein Rucksack, der täglich getragen wird, wirkt stärker als ein auffälliges Produkt, das im Schrank liegt.

Wenn Sie Unternehmen einen einzigen Rat geben müssten – welcher wäre das?

Stellen Sie sich eine einfache Frage: Würde ich dieses Geschenk selbst nutzen?“ Wenn die Antwort ehrlich „Nein“ lautet, ist es das falsche Produkt. Werbegeschenke sind kein Pflichtprogramm. Sie sind eine Chance, Beziehungen zu stärken – zu Mitarbeitenden, zu Kundinnen und Kunden, zu Partnern. Diese Chance sollte man bewusst nutzen.


Image by  mdjaff via Freepik

Peter Schwerin ist Marketing-Manager für den deutschen Markt bei Gift Campaign, einem E-Commerce-Anbieter für personalisierte Werbeartikel. Sein Schwerpunkt liegt auf digitalem Marketing und der Frage, wie Werbemittel Marken im Alltag sichtbar machen und Performance im Vertrieb unterstützen.


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