Command & Conquer Remastered im Test – Alt aber sexy

Das Warcraft 3 Remake ist noch nicht lange her. Blizzard weckte mit großer Ankündigung Hoffnung auf die Wiedergeburt eines Klassikers, versagte aber in der Umsetzung. Nicht nur blieben viele Versprechungen aus dem Ankündigungstrailer unerfüllt – sogar einige Features des Originals fanden aus unerfindlichen Gründen nicht ins Remake. Nun soll Command & Conquer Remastered eine, bzw. zwei Ikonen der Echtzeitstrategie neu beleben. Dabei ist Electronic Arts ein Publisher, der sich über viele Jahre einen ziemlich schlechten Ruf bei Spielern erarbeitet hat. Das nächste RTS-Remake, das zum Scheitern verurteilt ist?

Wenn ihr allgemein an Echtzeitstrategie interessiert seid, empfehlen wir euch übrigens unseren Artikel über die aktuelle Renaissance des Genres. Unter anderem kehren Age of Empires und Die Siedler bald mit brandneuen Ablegern zurück.

Wieder vereint – Petroglyph Games zurück zu den Wurzeln

Zum Glück kümmert sich Entwickler Petroglyph Games um Command & Conquer Remastered. In seinen bereits 16 Jahren veröffentlichte der unabhängige Entwickler vor allem eines: Echtzeitstrategie. Darüber hinaus entstand das Unternehmen aus der Auflösung von Westwood Studios. Und Westwood Studios war verantwortlich für? Genau! Command & Conquer! Damals ging es nach der Übernahme von Westwood Studios durch Electronic Arts aber leider eher bergab mit der Serie.

Diesmal ist das nicht der Fall. Es handelt sich allerdings auch um keinen neuen Teil, sondern um ein Remastered der ersten beiden Command & Conquer Teile. Spielerisch noch immer auf einem hohen Niveau, nur optisch schon arg angestaubt und nicht gerade für aktuelle Rechner optimiert. Zum 25. Jubiläum der Reihe darf Petroglyph den Klassiker nochmal überarbeiten und auch den jüngeren Spielern zeigen, warum der Echtzeitstrategie-Titan auch heute noch so beliebt bei den Genre-Fans ist.

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Command & Conquer: Der Tibiriumkonflikt & Command & Conquer: Alarmstufe Rot

Das Schöne an dem Remastered ist, dass wir gleich zwei Klassiker zugleich bekommen. Im Gegensatz zu Age of Empires 2: Definitive Edition gibt es jedoch keine neuen Inhalte. Für 20 Euro bekommt man dennoch ein üppiges Paket, in dem auch alle Erweiterungen der Spiele enthalten sind.

Gemeinsam ist beiden Spielen das grundlegende Prinzip. Wir übernehmen das Kommando einer von zwei Fraktionen mit unterschiedlichen Stärken. In Echtzeit bauen wir eine Basis auf, ernten Rohstoffe und versuchen die Gegenseite zu bezwingen. Dafür stehen uns zahlreiche Infanterieeinheiten, Fahrzeuge, Flugzeuge und Schiffe zur Verfügung. Jede Einheit für sich mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Die eigene Basis können wir zusätzlich auch noch mit Verteidigungsgebäuden sichern.

Die Kampagnen lassen uns den Krieg jeweils von beiden Parteien erleben. Zwischen den Missionen gab es schon damals herrlich trashige Szenen mit Schauspielern, die vor dem Greenscreen gedreht wurden. Für Command & Conquer Remastered wurden die Szenen digital deutlich höher aufgelöst. Verpixelt wie das ursprüngliche Material war, sind die Videos allerdings ähnlich matschig, wie YouTube-Videos in einer 360p-Auflösung. Trotzdem funktioniert der Trash auch heute noch wunderbar. So ganz kann ich die Nostalgie-Brille aber auch nicht ablegen. Es ist verdammt nochmal Command & Conquer!

Gerade diese Filmszenen sind es, die für mich den Reiz der Kampagne ausmachen. Sonst spiele ich eher selten die Kampagnen von Strategietiteln und stürze mich lieber gleich ins offene Gefecht. Übrigens erhält der erste Teil nun endlich auch einen Gefechtsmodus, der erst mit Alarmstufe Rot eingeführt wurde. Beim Rekrutieren von Einheiten haben wir außerdem keine limitierte Warteliste mehr. Die Wegfindung der Einheiten ist dafür noch immer so schlimm wie damals. Ständig wollen einzelne Panzer einen Umweg machen, weil der Weg angeblich schon durch andere Einheiten blockiert ist.

Installationsbildschirm in Command & Conquer Remastered
Der Installationsbildschirm von Command & Conquer Remastered ist der alten Installation nachempfunden und „upgradet“ auch das Spiel für einen.

Command & Conquer: Der Tibirumkonflikt

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den ersten Teil der Kultserie zuvor noch nie gespielt hatte. Meine Command & Conquer-Geschichte fing erst danach an und ich habe es nie geschafft, den Erstling nachzuholen. Aber wie heißt es so schön: Lieber 25 Jahre zu spät als nie.

Schon der Start des Spiels versprüht übrigens einigen Charme, da erstmal eine Installations-Sequenz abläuft. Das Spiel ist natürlich längst über Steam installiert, aber als Intro läuft quasi eine automatisch ausgeführte Installation vor meinen Augen ab, ganz im Stile des alten Installationsprogramms. Selten konnte mich ein Spiel schon vor dem eigentlichen Startbildschirm so gut unterhalten.

Die Story des Spiels dreht sich um den Rohstoff Tiberium, der aus dem Weltraum auf die Erde kam und erstmals am Tiber in Italien entdeckt wurde. Doch nicht nur die Länder haben ein großes Interesse des toxischen aber energiereichen Tiberiums, sondern auch die Bruderschaft von Nod, eine Sekte, die mit einer Privatarmee einen Großteil des Tiberiums an sich reißt. Es entsteht ein Konflikt mit Terroranschlägen, Propaganda und militärischen Einsätzen – die wir wahlweise auf Seiten der Nod oder der vereinten Nationen in Form der Globalen Defensiv Initiative GDI führen.

Ich entscheide mich zuerst für die Bruderschaft, da ihr Anführer Kane einfach mal eine DER Kultfiguren der Gaminggeschichte ist. Das Alter des Spiels merkt man schon daran, dass es einen nicht wirklich an die Hand nimmt. Es erklärt dir selbst in der ersten Mission nicht, wie du etwas baust oder was du überhaupt bauen solltest. Damals gab es noch (gute!) Anleitungen und ansonsten fand man es einfach beim Spielen heraus. Auch die manchmal vagen Ziele muss man aus den Zwischensequenzen selbst erschließen.

Command & Conquer: Alarmstufe Rot

Für mich war Command & Conquer: Alarmstufe Rot der erste Kontakt mit der Reihe. Ich war noch keine 10 Jahre alt und das Spiel in Deutschland eigentlich erst ab 16. Trotzdem hat es mir enormen Spaß gemacht, auch wenn ich damals nicht ansatzweise die trashige Story zu würdigen wusste.

Abermals spielen wir Alternativgeschichte. Albert Einstein reist nach dem 2. Weltkrieg zurück ins Jahr 1926 und stößt Adolf Hitler in ein Paralleluniversum. Was dazu geplant war, den 2. Weltkrieg zu verhindern, änderte nur die Parteien. Stattdessen wird der Kalte Krieg zum offenen Konflikt und die Sowjetunion bekriegt sich mit den Alliierten, einem NATO-ähnlichen Zusammenschluss.

Auch wenn der geschichtliche Kontext etwas anders ist, ändert sich am Gameplay selbst sehr wenig. Abermals haben wir zwei Parteien, deren Basisaufbau und Einheitenausbildung sehr ähnlich verläuft. Nur bauen wir statt Tiberium normales Erz ab (spielt vor der Verbreitung des Tiberiums). Die Alliierten haben dabei eine stärkere Marine und mehr Mobilität, Die Sowjet dafür etwas schlagkräftigere Einheiten. Eine besondere Hassliebe – je nach gespielter Partei) hatte ich schon damals für die Tesla-Spule, einem Verteidigungsgebäude der Sowjet, das Infanterieeinheiten sehr effektiv wegbrutzelt.

Command & Conquer: Alarmstufe Rot erklärt einem in den Missionen genau so wenig wie sein Vorgänger. Wir kommen auf die Map und müssen sehen wie wir zurechtkommen. Und aus Fehlern lernt man. So habe ich in einer Mission erst meine Armee verstärkt, bevor ich mich aus der Basis wagte und musste umso herbere Verluste hinnehmen, als die Alliierten eine Brücke in die Luft jagten und ein Großteil meiner Armee dabei draufging. Es stört aber nicht. Ich habe das schon als Kind hinbekommen und schaffe es auch so. Trotzdem hätte ich mich gelegentlich über eine einfache Einblendung der Kernziele gefreut.

Command & Conquer Remastered: Neuer Anstrich

Wir haben es bei Command & Conquer Remastered nicht mit einer einfachen Jubiläums-Sammelbox zu tun, sondern mit einem Remastered. Das führt unweigerlich zum Spagat, die Fans der ersten Stunde zufrieden zu stellen und dabei auch die neue Generation nicht aus dem Auge zu verlieren. Am meisten Freude haben aber ganz sicherlich die Veteranen.

So bleibt sich Command & Conquer Remastered nicht nur vom Gameplay, sondern auch grafisch größtenteils treu. Im Hintergrund ist das Spiel unverändert und nutzt noch immer Sprites – Bilder für Grafikobjekte, die die Einheiten, Gebäude und Effekte aus (bei den Einheiten) acht Winkeln darstellen. Der Grafikstil bleibt sich treu, sieht aber durchaus ansehnlich aus. Nur mit aktuellen Spielen hält das Remake selbstverständlich nicht mit. Wie nah man sich am Originaldesign gehalten hat wird deutlich, wenn man zwischen alter und neuer Grafik wechselt. Das geht nahtlos mitten im Spiel über die Leertaste.

Mit der alten Technik im Hintergrund, gibt es allerdings auch alte Probleme. So sorgen größere Explosionen auch heute noch für Ruckler. Als Veteran ist das natürlich „retro“, für Neulinge könnte es störend sein.

Auch die Videos wurden in ihrer Qualität verbessert. Trotzdem merkt man den teils doch recht matschigen Gesichtern an, dass man kein hochauflösendes Quellmaterial mehr hatte und sich technischer Hilfsmittel bedienen musste. 3D-generierte Elemente in den Szenen wirken zudem ungefähr so zeitgemäß wie in Babylon 5 – eine geniale Science Fiction Serie, der man heute aber stark anmerkt, dass sie eine der ersten mit 3D-Animationen war.

Auch der Soundtrack bekam ein kleines Update und ging nochmal durch die Hände von Originalkomponist Frank Klepacki. Insgesamt kommt die Musik nun noch ein bisschen druckvoller rüber. Wer mag kann sich wahlweise die Originalversionen, die überarbeitete Fassung oder eine Mischung beider auf die Ohren geben.

Erstmals unzensiert in Deutschland

Damals war noch eine andere Zeit. Obwohl mit FSK16 härter eingestuft als die PEGI-Empfehlung, wurde reichlich zensiert. Aus menschlichen Soldaten wurden Androiden. Immerhin bekam die deutsche Fassung dafür sogar extra andere Geräusche für das Überfahren von Soldaten und deren Todesschreie. Auch das Blut wurde für die deutsche Version umgefärbt. Auch einige Videos wurden verändert oder ganz rausgenommen in der deutschen Fassung.

Mittlerweile ist auch Deutschland etwas offener geworden und die alte Grafik im Vergleich zu aktuellen Titeln ohnehin nicht gerade fotorealistisch. Command & Conquer Remastered bringt die beste Version der beiden Klassiker nun auch unzensiert auf den deutschen Spielemarkt. Zumindest fast. In der deutschen Sprachausgabe der Videos kämpfen wir unverändert gegen Cyborgs, auch wenn das Gezeigte wieder original ist. So dürfen wir laut Sprachausgabe zum Beispiel keine „reparierbaren Überreste“ hinterlassen, wenn es darum geht, keine Überlebenden zu hinterlassen. Wen das zu sehr stört, rate ich eine Umstellung der Sprache in Steam auf Englisch.

Zerstörung einer gegnerischen Basis in Command & Conquer Remastered
Die Basis der Alliierten wird in Schutt und Asche gelegt. Mit dabei auch Teslapanzer – die mobile und etwas fragile Version der Teslaspule.

Freier Sourcecode: Modder bereits fleißig

Eine der größten Überraschungen von Command & Conquer Remastered ist, dass Electronic Arts den Source Code für beide Spiele veröffentlichen ließ. Man ging sogar noch einen Schritt weiter und stellte sicher, dass die Daten auch mit bereits existierenden Community-Projekten wie CnCNet und OpenRA kompatibel ist.

Zwar kann man argumentieren, dass der Code durch diese Hersteller sowieso nachgebildet wurde, aber mir gefällt die Message dahinter. Zum einen akzeptiert Electronic Arts damit die Fan-Remakes und würdigt das Engagement der Community, auf der anderen Seite sagt EA damit auch offiziell „ja“ zum Modding. Aus Spielersicht ist das ein Selbstverständnis, aber da mir Electronic Arts viele Jahre lang am Spieler vorbei dachte, ist das für mich ein großartiges Signal.

Einige Mods, die bereits für Command & Conquer Remastered erschienen sind

Mittlerweile gibt es bereits mehr als 3.000 Mods im Steam Workshop. Meist sind es Maps, aber auch Mods, die das Spiel anpassen. Wir haben eine kleine Auswahl unterschiedlichster Mods für euch zusammengestellt.

ACHTUNG: Aktuell gibt es Probleme wenn mehrere Mods die gleiche Datei überschreiben. Darum sind viele Mods nicht miteinander kompatibel.

CFE Patch: Eine Mod, die einige Quality of Life-Verbesserungen vornimmt. Dazu gehören unter anderem eine neue Wegfindung, Wegpunkte und die Möglichkeit größere Mauerabschnitte zu bauen.

Additional Zoom Levels: Fügt neue Zoom-Stufen hinzu, sowohl fürs Reinzoomen, als auch fürs Rauszoomen.

Better AI Mod: Die KI baut unter anderem auch Nuklearwaffen, Schiffe und Silos. Aber Vorsicht: Je nach Schwierigkeitsgrad bekommt die KI auch deutlich mehr Ressourcen zur Verfügung.

Boxing: Holt das alte Feature zurück, dass sich nahe Einheiten im Nahkampf boxen.

Japanese Speech (GODZILLA Cheat): Ändert die Sprache der Einheiten auf japanisch. Im Original ging das über den GODZILLA-Cheat.

Fazit: Wie gut ist Command & Conquer Remastered im Test?

Ist Command & Conquer Remastered perfekt? Nein, bei weitem nicht! Lohnt sich das Remake denn trotzdem? Aber sowas von! Für 20 Euro erhalten wir zwei Spieleklassiker inklusive Addons (Provisionslink), die liebevoll restauriert wurden. Im Kern bleibt das Spiel unberührt, mit allen Vor- und Nachteilen, die für Strategie-Neulinge erst etwas altbacken wirken können. Auch die Wegfindung der Truppen ist manchmal zum Weglaufen – was die Einheiten deswegen auch ständig machen.

Trotzdem versprühen die Spiele auch heute noch einen Charme. Die Story ist herrlich trashig, der Soundtrack mit seinen Industrial-Einflüssen nachwievor stimmig und das Prinzip der beiden sehr unterschiedlichen, aber dennoch relativ gut ausbalancierten Parteien funktioniert auch heute noch.

Es ist keine Age of Empires 2: Definitive Edition, wo deutlich mehr Komfort-Features, neue Inhalte und optische Highlights wie tolle Zerstörungsanimationen das Original bereichern. Aber es ist auch kein Warcraft 3 Reforged. Fans bekommen, was ihnen versprochen wurde: Die beste Version zweier Klassiker, die im Kern weitgehend unangetastet bleiben. Dazu öffnet sich die Reihe erstmals offiziell für Mods.

Hätte mir jemand vor wenigen Jahren gesagt, dass sich Blizzard mal eine Scheibe bei Electronic Arts abschauen sollte, hätte ich sicherlich den Vogel gezeigt. Jetzt lernt dieser Vogel plötzlich das Fliegen.


Titelbild by Petroglyph Games / Electronic Arts via IGDB, Screenshots by Stefan Reismann

Stefan Reismann

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, entdeckte dann aber vor allem die inhaltliche Seite für sich. Nun schreibt er für die Netzpiloten und betreibt nebenher einen Let's Play-Kanal, auf dem reichlich gedaddelt wird.


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