Cloud Gaming: Liegt die Gaming-Zukunft in Rechenzentren?

Cloud Gaming ist schon seit Jahren immer wieder ein Thema im Tech-Bereich. Lange schien die Idee, eine Streaming-Plattform für Videospiele anzubieten, wie ein interessantes Konzept für die Zukunft, das dem klassischen Gaming mit lokaler Rechenleistung allerdings noch in zu vielen Punkten nachstand. Das ändert sich jedoch langsam. Neben Performance-Verbesserungen sind auch die Preissteigerungen bei PC-Hardware der letzten Monate neue Argumente, die Cloud Gaming für so manch einen immer ansprechender machen dürften. Was bedeutet das für die Zukunft der Gaming-Industrie?

Wie geht Cloud Gaming?

Beim Cloud Gaming geht es darum, die beim Spielen erforderliche Rechenleistung nicht wie bisher üblich aus einem eigenen lokalen Gerät, also einem PC oder einer Konsole, zu beziehen. Stattdessen läuft das Spiel über Hardware, die in großen Rechenzentren steht und per Internet mit dem Gerät des Kunden verbunden ist. Dabei läuft der Datenstrom in beide Richtungen: Der Input aus Tastatur oder Controller wird an das Rechenzentrum geschickt, dort verarbeitet und anschließend als Bild- und Tonsignal wieder an den Nutzer zurückgesendet. Wie flüssig dieser Prozess abläuft, hängt dementsprechend stark von der Qualität und Stabilität der verwendeten Internetverbindung ab.

Lange lag Cloud Gaming deswegen in Sachen Grafikqualität und Eingabeverzögerung deutlich hinter dem herkömmlichen lokalen Gaming. Eine echte Alternative stellte es daher zunächst nicht dar. Inzwischen hat sich bei der Leistung jedoch einiges getan. Neben den Fortschritten beim Thema Cloud Gaming, hat es rund um das Thema Rechenzentren auch in der KI interessante Entwicklungen gegeben, die das Spielen per Abo zukünftig ansprechender machen könnten.

KI und Hardware-Knappheit

Die KI-Revolution ist in vollem Gange. Innerhalb weniger Jahre hat sie zahlreiche bestehende Strukturen verändert und neue Anforderungen an die technische Infrastruktur geschaffen. Die stark steigende Nachfrage nach Anwendungen der Künstlichen Intelligenz führt zwangsläufig auch zu einer erhöhten Nachfrage nach der dafür benötigten Rechenhardware. Falls ihr wissen wollt, in welchen Bereichen die KI besonders häufig eingesetzt wird, haben wir hier einen aktuellen Überblick.

In KI-Rechenzentren kommt häufig ein spezieller HBM-RAM (High Bandwidth Memory) zum Einsatz, der deutlich höhere Datenraten ermöglicht als der herkömmliche Verbraucher-RAM DDR5. Da das große Geschäft mit den KI-Unternehmen deutlich profitabler ist, haben viele Hersteller ihre Produktionskapazitäten entsprechend verlagert. Hinzu kommt, dass die Herstellung von HBM-RAM pro Einheit wesentlich mehr Produktionsressourcen benötigt als die von DDR5-RAM. In der Folge wird die Produktion von DDR5-Ram für Verbraucher weiter vernachlässigt.

Für den Endkunden bedeutet das steigende Preise und eine eingeschränkte Verfügbarkeit von RAM und anderen Komponenten wie SSDs. Dass diese Entwicklung nicht nur kurzfristig ist, zeigt unter anderem die Entscheidung des Speicherherstellers Micron, seine bekannte Verbrauchermarke Crucial einzustellen und sich aus dem direkten Konsumentenmarkt zurückzuziehen. Die Verknappung und Verteuerung von PC-Hardware dürfte daher vorerst anhalten.

Was heißt das für Gamer?

Wenn PC-Komponenten teurer werden, verliert der Kauf eines eigenen Gaming-Rechners zunehmend an Attraktivität. Für viele Spieler, die sich einen leistungsfähigen PC nicht mehr leisten können oder wollen, könnte Cloud Gaming zu einer realistischen und bezahlbaren Alternative werden. Anstelle einer hohen einmaligen Investition treten dabei monatliche Kosten in Form eines Abonnements.

Der Vertrieb von Cloud-Gaming-Diensten erfolgt fast ausschließlich über Abo-Modelle, oft mit unterschiedlichen Leistungsstufen. Dieses Prinzip ist aus der Film- und Serienbranche bereits bekannt. Wer höhere Auflösungen, mehr Leistung oder längere Spielzeiten wünscht, zahlt entsprechend mehr. Marktführer NVIDIA bietet beispielsweise drei Stufen an: Eine kostenfreie Variante mit auf eine Stunde begrenzten Sessions bei 1080p und 60 FPS, ein „Performance“-Abo für 10,99 € im Monat mit bis zu 1440p und sechs Stunden Spielzeit sowie das „Ultimate“-Abo für 21,99 €, das bis zu 240 FPS ermöglicht, jedoch ebenfalls zeitlich begrenzt ist.

Das Abo-Modell hat sich in den letzten Jahren in vielen Bereichen der Softwareindustrie als Standard etabliert. Dass sich dieses Modell nun auch auf Rechenleistung und Gaming ausweiten könnte, ist daher wenig überraschend. Neben der Abhängigkeit von einer stabilen Internetverbindung spielen Fragen der Datensicherheit, der Latenz und der langfristigen Kosten eine Rolle.

Während ein Abo-Modell kurzfristig günstiger sein kann, können sich die laufenden Kosten über viele Jahre hinweg summieren. Zudem verlieren Nutzer beim Cloud Gaming einen Teil der Kontrolle über ihre Spiele, da diese nicht mehr lokal gespeichert sind und vollständig von der Infrastruktur des Anbieters abhängen. Über die vielen Probleme, die Abo-Modelle für Kunden so mit sich bringen, könnt ihr euch hier informieren

Für welche Spiele ist Cloud Gaming geeignet?

Ob sich Cloud Gaming für euch lohnt, hängt jedoch nicht nur vom Finanziellen ab. Trotz deutlicher Leistungssteigerung kann das Cloud Gaming noch nicht auf allen Ebenen mit dem lokalen Gaming mithalten. Dies wird vor allem bei der Latenz klar. Beim Spielen am eigenen Rechner ist der Weg zwischen Eingabegerät und Spiel recht gering. Im Gegensatz dazu muss das Signal beim Cloud Gaming erst zum Rechenzentrum geschickt werden, dort verarbeitet werden, und anschließend wieder zurück geschickt werden.

Wer gutes Internet hat und sowieso eher ruhige Titel spielt, in denen Reaktionszeit nebensächlicher ist, sollte keine Probleme bekommen. In Wettkampf-orientierten Spielen wie Counter Strike oder League of Legends sind Millisekunden jedoch häufig spielentscheidend. Auch in Rennspielen kann die Eingabeverzögerung verhindern, Bremspunkte oder Kurvenscheitel perfekt zu treffen.

Wer dagegen in entspannteren Genres wie Rundenstrategie oder atmosphärischen Rollenspielen unterwegs ist, dürfte dagegen kaum spielerische Einbußen erleben. Macht euch zuvor also Gedanken, ob geringe Eingabeverzögerungen in euren Spielen zum Problem werden. Das gute an Cloudgaming: Zum Reinschnuppern fallen keine großen Erstanschaffungen an. Ihr könnt einfach einen Monat ausprobieren und schauen, wie es euch passt. Habt ihr bereits PC oder Konsole könnt ihr diese zum streamen nutzen. Oft reicht sogar ein Smart-TV oder alternativ ein TV-Stick. Wichtig ist, dass es für den Service eine App gibt.

Ausblick und Marktreaktionen

Wie sich Konsolenpreise in diesem Umfeld entwickeln werden, ist schwieriger vorherzusagen als bei PCs. Konsolenhersteller arbeiten häufig mit langfristigen Lieferverträgen für Speicher und andere zentrale Komponenten, wodurch kurzfristige Preisschwankungen zunächst abgefedert werden können. Gleichzeitig verfolgen sie traditionell eine andere Preisstrategie als PC-Hersteller: Konsolen werden oft mit sehr geringer Marge oder sogar mit Verlust verkauft, um eine möglichst große Nutzerbasis zu schaffen. Die eigentlichen Gewinne entstehen anschließend durch den Verkauf von Spielen, Abonnements und digitalen Zusatzinhalten.

Dennoch sind auch Konsolen langfristig nicht vollständig von den Entwicklungen am Hardware-Markt entkoppelt. Steigende Produktionskosten könnten dazu führen, dass neue Konsolengenerationen teurer werden oder dass bestehende Modelle länger auf dem Markt bleiben, um Entwicklungskosten besser zu amortisieren. Eine solche Verlängerung der Produktzyklen würde wiederum dazu beitragen, dass technische Innovationen langsamer beim Endkunden ankommen. Auch hier könnte Cloud Gaming eine ergänzende Rolle spielen, indem es leistungsintensive Spiele auf älterer Hardware ermöglicht.

Anbieter zeigen sich optimistisch

Große Anbieter im Tech- und Gaming-Bereich zeigen sich insgesamt optimistisch, was Cloud-basierte Modelle betrifft. Microsoft bestätigte bereits, dass der Game Pass profitabel betrieben wird und langfristig ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie ist. Zwar handelt es sich dabei nicht ausschließlich um Cloud Gaming, doch das Modell zeigt, dass Nutzer bereit sind, regelmäßig für Zugang zu Spielen und Services zu zahlen, statt diese klassisch zu kaufen. Für viele Spieler rückt damit der Besitz einzelner Spiele in den Hintergrund, während der Zugang zu einer großen Bibliothek wichtiger wird.

Auch andere Unternehmen investieren weiterhin massiv in Cloud-Infrastruktur. NVIDIA baut sein GeForce-Now-Angebot stetig aus, während Sony und Amazon ebenfalls an eigenen Cloud-Gaming-Lösungen arbeiten. Diese Investitionen deuten darauf hin, dass die Anbieter nicht nur auf kurzfristige Trends reagieren, sondern Cloud Gaming als langfristige Ergänzung oder sogar als festen Bestandteil der Gaming-Industrie sehen. Besonders für Regionen oder Zielgruppen, in denen leistungsfähige Hardware schwer zugänglich oder finanziell nicht realisierbar ist, eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten.

Diese Entwicklung lässt sich in einen größeren technologischen Kontext einordnen. Amazon-Gründer Jeff Bezos formulierte bereits vor einigen Jahren die Vision, dass Rechenleistung in Zukunft ähnlich genutzt werden könnte wie elektrische Energie. Während Unternehmen früher eigene Generatoren betrieben, ist es heute selbstverständlich, Strom aus einem zentralen Netz zu beziehen. Rechenleistung könnte künftig nach demselben Prinzip funktionieren: flexibel, bedarfsgerecht und unabhängig von lokaler Hardware.

Die zukünftige Rolle des Cloud Gaming

Cloud Gaming zeigt, wie komplexe und rechenintensive Aufgaben aus spezialisierten Rechenzentren ausgelagert werden können, während der Nutzer lediglich ein vergleichsweise simples Endgerät benötigt. Smartphones, Tablets oder ältere PCs könnten dadurch Zugang zu Spielen erhalten, die sonst nur auf High-End-Systemen lauffähig wären.

Trotz dieser Einschränkungen deutet vieles darauf hin, dass Cloud Gaming in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird. Steigende Hardwarepreise durch den KI-Boom, zunehmende Knappheit bei zentralen Komponenten und die wachsende Akzeptanz von Abo-Modellen schaffen ein Umfeld, in dem klassische Kaufmodelle zunehmend unter Druck geraten. Cloud Gaming kommt damit zu einem Zeitpunkt, an dem sowohl technologische als auch wirtschaftliche Faktoren seine Verbreitung begünstigen.

Ob Cloud Gaming den klassischen Gaming-PC vollständig ersetzen kann, ist fraglich. Wahrscheinlicher läuft es auf eine Koexistenz verschiedener Modelle hinaus: leistungsstarke lokale Systeme für Enthusiasten und wettkampforientierte Spieler auf der einen Seite, Cloud-basierte Lösungen für Gelegenheitsspieler und preisbewusste Nutzer auf der anderen. In dieser Rolle könnte sich Cloud Gaming als fester Bestandteil der Gaming-Industrie etablieren – nicht als Ersatz, sondern als logische Ergänzung in einer sich wandelnden technologischen Landschaft.


image via ChatGPT (KI-generiert)

studiert Philosophie und VWL. Bei den Netzpiloten verbindet er dies mit seinem Interesse an digitalen Entwicklungen.


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