Vor der BlizzCon 2019 – Diablo 4, Overwatch 2 und Shitstorms

Am 2. Und 3. November veranstaltet der Publisher Activision Blizzard bereits zum 13. Mal die Hausmesse BlizzCon. Die großen und außergewöhnlichen Ankündigungen bewahrt sich der Konzern traditionelle für die eigene Messe auf. Vor allem in diesem Jahr, wo das amerikanische Unternehmen die großen Events wie E3 und Gamescom gemieden hat. Die BlizzCon ist in diesem Jahr so wichtig wie selten. Denn Blizzard hat wirklich kein leichtes Jahr hinter sich.

Ein Jahr voller Shit-Blizzards

Das vergangene Jahr war nicht gerade das glücklichste für Activision Blizzard. Alles begann auf der letzten BlizzCon, die am 2. Und 3. November 2018 stattfand. Dort hatten sich die Fans einige neue Ankündigungen gefreut. Doch statt der neuen Releases ihres Lieblingsentwicklers erwartete die Fans am Ende ein neuer Aufguss von Warcraft 3 und das polarisierende Mobile-Game Diablo Immortal. Die Neuorientierung auf den Mobile-Markt löste nicht nur im Zuschauerraum der Live-Präsentation Buhrufe aus, sondern entlud auch im Netz einen Shitstorm über de Unternehmen. Auch der Trailer ist zum Ausdruck des Entsetzens über Blizzards vermeintliche Neuorientierung geworden. Mittlerweile kommen bei 5, 7 Millionen Aufrufen 30.000 Likes, aber vor allem 753.000 Daumen runter zusammen. Dabei richtet sich die Wut der Fans gar nicht gegen die Szenen an sich, welche für ein Mobile-Spiel wirklich nicht schlecht aussahen. Sie sind lediglich von der Neuorientierung des Entwicklers und Publishers nicht überzeugt.

blitzchung und ein Shitstorm politischen Ausmaßes

War die Diablo-Immortal-Debatte für Außenstehende stellenweise noch ganz lustig zu verfolgen, so schoss sich Blizzard Anfang Oktober ein noch viel größeres Eigentor. Was war passiert? In einem Post-Game-Interview der Hearthstone Grandmasters hatte der Hongkonger E-Sportler blitzchung mit einer Gasmaske vermummt die Botschaft „Befreit Hongkong, die Revolution unserer Zeit!“ verkündet. Damit solidarisierte er sich mit der seit Monaten andauernden Protestbewegung, die sich in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong gegen eine zunehmende Übernahme durch die Volksrepublik sträubt. Die Hongkonger werden, anders als China, nicht komplett vom Staat kontrolliert und überwacht. Sie wehren sich gegen die wachsende Einflussnahme des chinesischen Staates.

Blizzard reagierte prompt auf diesen Vorfall und sperrte den E-Sportler sowie die offenkundig eingeweihten Moderatoren für ein Jahr. Außerdem erhält blitzchung kein Preisgeld (immerhin 14.500 Euro) für seine bisherigen Erfolge. Die Begründung: laut Abschnitt 6.1 der offiziellen Regeln der Heartstone Grandmasters:

„Die Beteiligung an einer Aktion, die einen nach Blizzards Ansicht, in öffentlichen Verruf bringt, Teile oder einzelne Gruppen der Öffentlichkeit beleidigt, oder in irgendeiner anderen Art und Weise dem Image von Blizzard schadet, führt zum Ausschluss von den Grandmasters und zur Kürzung der Preisgelder auf 0 US-Dollar.“

Hearthstone-Skandal
In den Hearthstone-Grandmasters kam es zum Eklat. Image by igdb.com

Fan-Protest mit #BoycottBilzzard

Die Netz- und Fangemeinde überschlug sich förmlich nach diesem Ereignis. Überall hagelte es Kritik und wütende Kommentare zu der Bestrafung blitzchungs. Der allgemeine Tenor: Blizzard unterstütze mit dieser Aktion aktiv die Machenschaften eines Unterdrückungsregimes und Überwachungsstartes, nur um sich den lukrativen, finanziellen Markt in China nicht zu verhageln. Auf Twitter trendete zeitweise der Hashtag #BoycottBlizzard, mit denen Fans ihre Wut durch den Boykott verschiedener Blizzard-Games wie Word of Warcraft, Overwatch oder Heroes of the Storm ausdrückten.

Mittlerweile ruderte Blizzard teilweise wieder zurück. Immerhin das Preisgeld wurde blitzchung mittlerweile ausgezahlt. Auch mehrere US-Abgeordnete um die Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez äußerten sich kritisch zu der Bestrafung blitzchungs. Alles in allem also keine besonders rosigen Voraussetzungen für die BlizzCon Anfang November. Auch wenn die Probleme natürlich alle hausgemacht sind.

Endlich ein richtiges Diablo

Doch schauen wir doch einmal auch auf die Spiele, die uns erwarten könnten. Besonders eines wird die im vergangenen Jahr so enttäuschten Fans besonders freuen: die Zeichen verdichten sich, dass in diesem Jahr tatsächlich der neueste Teil der Diablo-Reihe angekündigt wird. In Werbetexten zu einem offiziellen Artbook zu der beliebten Rollenspiel-Reihe, welches zur BlizzCon erscheint, wurden unter anderem auch Artworks zu Diablo 4 angekündigt. Auch mehrere Streamer haben sich mittlerweile zu den Leaks geäußert und sie vermeintlich bestätigt. Auch eine Neuauflage des Fanlieblings Diablo 2 steht laut diesen Quellen auf der Agenda.

Diablo 3 erwartet Fortsetzung
Diablo 3 ist mittlerweile bereits sieben Jahre alt. Auf der BlizzCon soll nun Diablo 4 präsentiert werden. Image via igdb.com

Der Streamer Metro schrieb im Vorfeld auf Twitter. „For anyone who cares, diablo 4 and diablo 2 remastered will also be announced“. Metro beruft sich dabei auf einen angeblichen Insider innerhalb Blizzards. Er hatte bereits vor einem Jahr den neuen Charakter Ashe vorausgesagt, der sich schlussendlich bewahrheiten sollte. Trotzdem sind solche Ankündigungen natürlich immer mit Vorsicht zu betrachten. Trotzdem würde ein neuer Diablo-Teil nach dem vergangenen Immortal-Debakel durchaus sinnvoll sein.

Overwatch 2 auch auf der BlizzCon?

Der Streamer Metro spielt auch im zweiten großen Thema der BizzCon eine Rolle. Da sich sein Aufgabengebiet vor allem auf Overwatch-Streams beläuft, hatte er auch hier einiges zu berichten. Laut seiner anonymen Quelle erwartet uns auf der BlizzCon die Ankündigung einer Overwatch-Fortsetzung. Dieser zweite Teil wird neben dem klassischen PvP-Inhalten auch vermehrt auf PvE-Content setzen. Zwar gab es mit den Archive-Events im April auch in jedem Jahr ein paar Story-Missionen gegen KI-Gegner zu spielen, aber in Overwatch 2 soll dieser Story-Fokus noch einmal erhöht werden.

Overwatch von Blizzard
Overwatch 2 könnte auf der diesjährigen BlizzCon angekündigt werden. Image via igdb.com

Außerdem soll es ein komplett neues Level-System geben, welches die einzelnen Fähigkeiten des Helden über die Zeit verbessert. Ob Spieler ihre Level, Ränge, Skins und Goldmünzen mit in den nächsten Teil übernehmen können oder wie das Character-Roster im Allgemeinen aussieht, ist noch unklar. Laut Metro soll es in diesem Jahr allerdings keinen neuen Helden für den aktuellen Ableger geben. In den vergangenen Jahren waren jeweils Sombra, Moira und Ashe angekündigt worden. Ein animierter Kurzfilm ist laut Metro aber geplant. Ob dieser einen Helden aus dem Roster behandelt oder sich womöglich sogar mit Overwatch 2 beschäftigt, ist aber ebenfalls noch nicht bekannt. Da Cover-Girl Tracer relativ prominent auf dem BlizzCon-Poster zu sehen ist, könnte dies auch für eine größere Overwatch-Ankündigung sprechen. 

Update Stand 28.10.2019:

Am Wochenende vor der BlizzCon kochte das Thema Overwatch 2 in den sozialen Medien noch einmal hoch. In Folge eines Artikels des Magazins ESPN ging, wurden mehrere  Bilder in sämtlichen Kanälen umhergereicht. Auf den Bildern sieht man offenbar das neue Logo des Overwatch-Nachfolger, sowie Redesigns der Helden Tracer und Lucio. 

Auf weiteren geleakten Screenshots sind die Helden Reinhardt, Mercy und Lucio in neuen Outfits und der bisher noch nicht spielbare Charakter Sojourn in einem Besprechungsraum zu sehen. Der Fokus dieser Fortsetzung scheint allem Anschein nach auf einem Left-4-Dead-ähnlichen Vier-Spieler-Koop zu liegen. Auch ein neuer Held und ein neuer Spielmodus namens „Push“ soll in Arbeit sein. Der interessanteste Screenshot zeigt ebenfalls Cover-Girl Tracer. Neben ihr sehen wir eine Art Skilltree. Wie bereits im oberen Absatz erwähnt, können wir die Fähigkeiten unserer Helden in Overwatch 2 womöglich aufleveln und weiterentwickeln. Für ein Spiel gegen KI-Gegner ergibt dieses System durchaus Sinn. Overwatch 1 soll sich dagegen weiterhin eher auf die klassische, kompetitive Erfahrung konzentrieren und, wenn man weiteren Leaks glauben schenkt, mit Release der Fortsetzung Free-to-Play werden. Die Leaks scheinen dabei der Wahrheit zu entsprechen. Schließlich gibt es bereits Bilder einer Marketing-Kampange zusammen mit Coca Cola, die das neue Logo ebenfalls benutzt. Diese stellt sich aber weinig später als Fake heraus.

In einem geleakten Key Art zu Overwatch zwei wurden neben ein paar neuen Designs auch ein ein neuer Held gezeigt. Es handelt sich um Echo, den Omnic, der auf der vergangenen BlizzCon bereits in McCrees Kurzfilm gezeigt wurde (oben links in der Ecke). Es liegt also nahe, dass diese Figur auf der Messe angekündigt wird.

Das BlizzCon-Virtual-Ticket

Wie in jedem Jahr gibt es natürlich auch auf dieser BlizzCon wieder ein sogenanntes virtuelles Ticket, welches Blizzard-Fans die Messezeit versüßen soll. Neben der Möglichkeit, sämtlichen Live-Streams während der Messe-Zeit zu verfolgen, wird es für die Fans aller Blizzard-Games wieder einige Goodies geben. In Word of Warcraft erhaltet ihr für jedes der beiden Lager jeweils einen Fraktionsführer in Murloc-Gestalt – Stranduin für die Allianz und Krillvanas für die Horde. Außerdem könnt ihr euch für euren nächsten Ausflug zu den frostigen Berggipfeln mit einem neuen Transmogrifikationsset in das mollig warme Kuschelwendigo-Outfit hüllen.

Für Overwatch erhaltet ihr zwei neue legendäre Skins für die Helden Genji und Symmetra. Wie in den Jahren zuvor basieren diese Skins auf Figuren aus anderen Blizzard-Games. Genjis Skins an die Figur Illidan und Symmetra an Tirande angelehnt. Mit diesen Skins kann dann auch in Overwatch 25 Azeroth gefeiert werden. Die Beute in Hearthstone ist dagegen eher mau: ein spezieller Kartenrücken und eine goldene, legendäre Karte gibt es abzustauben.

Auch für Heroes oft the Storm sind einige Goodies in den Ticket enthalten. Neben thematischen Nexus-Sprays können die Helden durch das Ticket auf dem Rücken des exklusiven, himmlischen Tiefkriechers in den Kampf galoppieren. Für Starcraft 2 dürfen sich die Käufer des Tickets über drei neue Einheiten-Skins und Porträts freuen. Weitere Boni sollen während der BlizzCon veröffentlicht werden. Das Ticket kann auf der Website für schlappe 39,99 Euro käuflich erworben werden.

BlizzCon Virtual-Ticket
Das Virtual-Ticket hält wieder viele Goodies für Blizzard-Fans bereit. Image by Blizzard

Die BlizzCon soll das Jahr retten

Blizzard hat sich durch mehrere unglückliche Aktionen nicht gerade Freunde gemacht. Aus diesem Grund hat die diesjährige Hausmesse einen noch höheren Stellenwert, als ohnehin schon. Blizzard muss liefern. Und zwar im besten Fall nicht nur mit spannenden Spieleankündigungen, sondern auch in Bezug auf die Kritik im Fall blitzchung.

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Beitragsbild by Blizzard

Philipp Bader

ist Journalistik-Student an der Hochschule Hannover und hat seit dem unter anderem bei der N-Zone in Fürth und beim Lokalteil der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung einige Erfahrungen sammeln können. Ob Videospiele, Filme oder Serien - in diesen Bereichen fühlt er sich am wohlsten.


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