Netflix, Online-Shops, Instagram, Lieferdienste, Musik-Apps und zahlreiche weitere Plattformen gehören für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Alltag. Fast jeder neue Dienst bringt dabei ein weiteres Nutzerkonto mit sich – und damit meist auch ein Passwort. Was zunächst nach einer Kleinigkeit klingt, kann schnell zu einem unübersichtlichen digitalen Schlüsselbund werden.
Je mehr Konten hinzukommen, desto schwieriger wird es, überall unterschiedliche und sichere Zugangsdaten zu verwenden. Ein Passwortmanager kann dabei helfen, den Überblick zu behalten und für verschiedene Dienste eigene Zugangsdaten zu verwalten. Das eigentliche Problem liegt jedoch nicht nur in der Anzahl der Passwörter, sondern auch darin, wie selbstverständlich wir inzwischen digitale Konten miteinander verbinden.
Vom Streamingdienst bis zum Online-Shop
Noch vor einigen Jahren waren Benutzerkonten vor allem mit E-Mail und einigen wenigen Webseiten verbunden. Heute entstehen neue Logins oft ganz nebenbei. Für eine Streamingplattform wird ein Konto benötigt, beim Online-Shop wird eine Adresse hinterlegt und für die nächste App soll ein persönliches Profil erstellt werden.
Hinzu kommen Kundenkonten von Fluggesellschaften, Bonusprogrammen, Lieferdiensten oder Mobilitätsanbietern. Viele dieser Accounts enthalten persönliche Informationen, Zahlungsdaten oder die eigene Bestellhistorie.
Dadurch wird ein Nutzerkonto zu mehr als nur einem Zugang zu einer Webseite. Es wird zu einem digitalen Abbild bestimmter Bereiche des eigenen Lebens.
Das Problem mit dem gleichen Passwort
Die Versuchung ist groß, ein vertrautes Passwort einfach mehrfach zu verwenden. Schließlich möchte niemand für zwanzig oder mehr Dienste jeweils ein komplett neues Kennwort auswendig lernen.
Genau darin liegt jedoch ein Risiko. Wenn ein Passwort durch ein Datenleck oder einen Phishing-Angriff in falsche Hände gelangt und dasselbe Kennwort auch bei anderen Diensten verwendet wird, können mehrere Konten betroffen sein. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt deshalb, für jedes Onlinekonto ein eigenes sicheres Passwort zu verwenden.
Auch Netzpiloten hat sich bereits mit der sogenannten Login-Erschöpfung beschäftigt: Je mehr digitale Dienste wir verwenden, desto schwieriger wird es, für jeden Zugang individuelle Daten zu verwalten.
Social Login: praktisch, aber nicht immer die einzige Lösung
Viele Apps und Webseiten bieten inzwischen die Möglichkeit, sich über bestehende Konten von Google, Apple oder anderen Plattformen anzumelden. Das ist bequem: Statt ein neues Passwort zu erstellen, genügt häufig ein Klick.
Allerdings entsteht dadurch eine andere Abhängigkeit. Ein zentrales Konto kann plötzlich zum Zugangspunkt für zahlreiche weitere Dienste werden. Wird dieser Zugang kompromittiert, kann das entsprechend weitreichende Folgen haben.
Das bedeutet nicht, dass Social Login grundsätzlich vermieden werden muss. Es lohnt sich aber, bewusst zu entscheiden, welche Konten besonders wichtig sind und wie sie abgesichert werden. Gerade das zentrale E-Mail-Konto verdient besondere Aufmerksamkeit, weil es bei vielen Diensten für Passwort-Wiederherstellungen genutzt wird.
Ein Passwortmanager nimmt Arbeit aus dem Alltag
Wer für jeden Dienst ein eigenes Passwort verwenden möchte, steht schnell vor einem praktischen Problem: Wie soll man sich all diese Zugangsdaten merken?
Ein Passwortmanager kann hier eine Art digitalen Tresor bilden. Die Zugangsdaten werden verschlüsselt gespeichert und können je nach Anwendung automatisch beim Login eingesetzt werden. Viele Lösungen können außerdem sichere Passwörter erzeugen, sodass nicht jedes neue Kennwort selbst ausgedacht werden muss.
Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Passwortmanager dabei helfen können, starke und unterschiedliche Passwörter für verschiedene Onlinekonten zu verwenden. Wichtig ist gleichzeitig, das sogenannte Master-Passwort besonders sorgfältig zu schützen und – sofern verfügbar – zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie die Zwei-Faktor-Authentisierung zu aktivieren.
Zwei-Faktor-Authentisierung macht einen Unterschied
Ein Passwort allein muss nicht die letzte Sicherheitsstufe sein. Viele Dienste bieten inzwischen eine Zwei-Faktor-Authentisierung an. Neben dem Passwort wird dabei ein weiterer Nachweis verlangt, beispielsweise ein Code aus einer Authenticator-App oder eine andere Bestätigung.
Das ist besonders bei wichtigen Konten sinnvoll. Dazu gehören nicht nur Onlinebanking und E-Mail, sondern auch Social-Media-Profile oder Konten, über die persönliche Daten und Zahlungsinformationen erreichbar sind.
Das BSI empfiehlt, die Zwei-Faktor-Authentisierung dort zu verwenden, wo sie angeboten wird. Sie kann verhindern, dass ein gestohlenes Passwort allein genügt, um sich in ein Konto einzuloggen.
Auch alte Konten gehören auf den Prüfstand
Bei der Diskussion über digitale Sicherheit geht es häufig um die Frage, wie ein bestehendes Konto geschützt werden kann. Eine andere Frage wird dagegen gerne vergessen: Welche Konten werden überhaupt noch benötigt?
Wer im Laufe der Jahre zahlreiche Apps und Webseiten ausprobiert hat, besitzt möglicherweise Dutzende alte Accounts. Einige davon werden längst nicht mehr verwendet, enthalten aber weiterhin persönliche Informationen.
Ein gelegentlicher digitaler Frühjahrsputz kann deshalb sinnvoll sein. Nicht mehr benötigte Konten sollten – sofern möglich – direkt beim jeweiligen Anbieter gelöscht werden. Auch alte Apps können vom Smartphone verschwinden, nachdem das dazugehörige Konto geschlossen wurde.
Weniger Login-Stress, mehr Kontrolle
Die wachsende Zahl digitaler Dienste lässt sich kaum zurückdrehen. Streaming, Online-Shopping, soziale Netzwerke und zahlreiche andere Angebote sind längst fester Bestandteil des Alltags. Umso wichtiger ist es, den Überblick über die eigenen Zugänge nicht zu verlieren.
Unterschiedliche Passwörter, Zwei-Faktor-Authentisierung und ein bewusster Umgang mit Social Logins können dabei helfen. Ein Passwortmanager kann die praktische Seite übernehmen, sodass Sicherheit nicht jedes Mal bedeutet, ein weiteres kompliziertes Passwort auswendig lernen zu müssen.
Am Ende geht es weniger darum, möglichst viele Sicherheitswerkzeuge einzusetzen, sondern darum, die wichtigsten Konten zu kennen und sie sinnvoll abzusichern. Denn je mehr unser Alltag online stattfindet, desto wichtiger wird auch die Kontrolle über die digitalen Schlüssel zu diesem Alltag.
Foto: Gemini
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