Wie wichtig ist ein Social Media Account als Sportler*in? 

Vor wenigen Tagen endeten die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina und brachten einen neuen Stern am Social Media-Himmel hervor. Die 20-jährige Alysa Liu ging neben zwei Goldmedaillen im Eiskunstlauf, auch mit fünf Millionen neuen Followern auf ihrem Instagram Account aus dem Turnier. Eine Währung, die mittlerweile mehr wert ist als eine Medaille?
Einen Social Media Account als Sportler*in zu betreiben scheint heutzutage Pflicht zu sein. Neben professionellen Sport-Fotos, finden sich hier auch immer mehr Werbedeals und Einblicke in das Privatleben der Profis.

Besonders für Sportarten wie Eiskunstlauf, die alle vier Jahre durch Olympia in den Fokus der Öffentlichkeit rutschen, kann Social Media eine wichtige Rolle für die generelle Sichtbarkeit des Sportes und die Finanzierung der Athlet*innen spielen. 
Wie Alysa Liu ihre Plattform nutzt, ein Beachhandballteam eine Regeländerung provozierte und warum der Skispringer Philipp Raimund auf seinem Account von einem KI-Filter Gebrauch macht, besprechen wir in diesem Artikel. 

Aufmerksamkeit für Probleme 

Wer in den letzten Wochen auf Social Media unterwegs war, kam wohl kaum an der US-amerikanischen Eiskunstläuferin Alysa Liu vorbei. Mit ihren originell gefärbten Haaren, einem selbst gestochenen “Smiley”-Piercing und Choreografien zu modernen Liedern verzauberte sie Zuschauer weltweit. Auf ihrem Instagram Account postete sie währenddessen Fotos aus ihrem Alltag und unterhaltsame Videos. 

Mit ihrem Erfolg im Internet kam auch die Aufmerksamkeit für ihre besondere Geschichte einher. Liu geht offen mit ihrer Essstörung und mentalem Druck um, Gründe für ihr vorzeitiges Karriereende mit 16 Jahren. Zwei Jahre später, 2024, kehrte sie zurück – und dieses Mal sollte alles anders werden. Dieses Mal wollte sie nur für sich antreten und Einfluss auf ihre Performance auf, und Geschehnisse abseits von dem Eis haben. 
Dieser offene Umgang, und ihr sportlicher Erfolg, brachten Liu einen enormen Follower-Boost ein und machten sie zum Gesicht des US-Eiskunstlaufes.  

 
 
 
 
 
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Soziale Medien als Sprachrohr

Auch Probleme, die seit Jahrzehnten in Sportarten Gang und Gebe sind, erfahren durch die sozialen Medien neue, nie da gewesene, Aufmerksamkeit. 

Diese Aufmerksamkeit erlebte 2021 auch das norwegische Frauen-Beachhandballteam. Bei der Europameisterschaft im selben Jahr traten die Frauen im Spiel um Platz drei in Shorts anstelle von knappen Bikini Höschen an. Damit verstießen sie gegen Kleidervorschriften der Europäischen Handball-Föderation (EHF) und wurden mit einer Geldstrafe von 1.500€ bestraft.  

Der Vorfall wurde prompt zu dem Thema in den sozialen Medien. Sogar die Sängerin Pink äußerte sich zu der Aktion, und bot an die Geldstrafe zu übernehmen. Ihr viraler Tweet lenkte noch mehr Aufmerksamkeit auf die ungleichen Verhältnisse im Beachhandball – denn Männer dürfen in Shorts spielen.  
So wurde die Aktion der Norwegerinnen im Netz zu einem Kampf für Gleichberechtigung. 

Der öffentliche Diskurs entfachte eine Auseinandersetzung der Kleiderregelung durch die Internationale Handball Föderation (IHF). Diese beschloss wenige Monate später eine Änderung der Regelung, sodass Frauen seit 2021 auch in Shorts auf dem Platz stehen dürfen.  

Hier zeigten sich die sozialen Medien als Sprachrohr, das die allgemeine Kritik bündelte, Druck auf die IHF ausübte und so zu einer Regeländerung beitrug. 

 
 
 
 
 
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Zusätzlicher Druck 

Trotz der Möglichkeiten, die die sozialen Medien Sportler*innen für bieten, stellen sie mindestens genau so viele Gefahren dar.  

Wenn intensives Training und Leistungsdruck zum Alltag gehören, werden negative Kommentare im Internet schnell zu einem zusätzlichen Belastungsfaktor. Und der ist so groß, dass der Deutsche Olympia Sportbund (DOSB) seinen Athlet*innen einen KI-Filter für Hasskommentare anbietet. In einer Pressekonferenz vom 15.02.2026 gab DOSB Vorstand Olaf Tabor an, dass mithilfe der KI bereits über 1.300 Kommentare herausgefiltert wurden. Einige wurden sogar an die Staatsanwaltschaft übergeben. 

Auch der frischgebackene Olympia Sieger Philipp Raimund machte von dem KI-Filter Gebrauch. Denn durch Social Media würde jeder Idiot eine Stimme bekommen, erzählt der Skispringer in einem Interview mit BR24 Sport 
Und diese Stimmen bekommen die Sportler*innen gnadenlos zu hören.  

Raimunds Kollegin Vanessa Voigt ging im Biathlon für Deutschland an den Start. Sie ergatterte eine Bronzemedaille mit ihrem Mixed-Staffel-Team, verpasste die Einzelmedaille jedoch zweimal knapp. Ein guter vierter Platz für sie, ein Grund für Hasskommentare für andere. Voigt reagierte mit einer etwa zweiwöchigen Social Media-Pause und meldete sich vor kurzem mit einem bewegenden Instagram Post zurück. Der Wert eines Menschen hat nichts mit Ergebnissen zu tun”, beginnt sie ihr Statement in der Caption. 

Doch das bekommen sie und viele andere Sportler*innen oft nicht zu spüren. Und das, obwohl die mentale Stärke für Voigt das Wichtigste ist, um auf Höchstleistungen abzuliefern.   

Zu dem Druck, den sich die Sportler*innen selbst machen, kommt also nicht nur der Druck von Trainern und Familie, sondern auch noch der mediale Druck. Dazu bieten Plattformen wie Instagram jedem die Möglichkeit, die eigene Meinung nicht nur zu der Leistung, sondern auch zu der Person, kundzutun. Je mehr die Athlet*innen von sich teilen, desto größer die Angriffsfläche. Ständig sind sie im Rampenlicht und für jeden jederzeit sichtbar.  

 
 
 
 
 
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Einnahmequelle, die mehr wert ist als Preisgelder 

Diese Sichtbarkeit versuchen viele zu ihrem finanziellen Vorteil zu nutzen. Da die meisten nicht von ihrer Sportart allein leben können, bietet ein Social Media Account als Sportler*in eine zusätzliche – oder auch die primäre – Einnahmequelle.  

Die deutsche Leichtathletin Alica Schmidt spricht offen über ihr Einkommen. In einem Video auf TikTok gibt sie bekannt, 2.500€ brutto im Monat von der Bundeswehr zu bekommen. So kommt sie mit möglichen Sporthilfen und ihrem Vertrag mit dem Sportverein SCC Berlin im Optimalfall insgesamt auf um die 4.700€. Von denen muss sie neben Ausrüstung und Training, auch die Anreise zu Wettkämpfen, die dortige Unterkunft und Verpflegung zahlen. 

Um all das zu finanzieren, schlug die 27-jährige den Weg zur Influencerin ein. Auf Instagram nimmt sie ihre 5,4 Millionen Follower mit auf die Tartanbahn, nach Hause und in den Urlaub. Durch Werbedeals und ihre Nebentätigkeit als Model soll sie eine sechs- bis siebenstellige Summe jährlich verdienen. 

Schmidt trat auch bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris an, dem prestigeträchtigsten Wettkampf für Sportler*innen weltweit. Weniger wert als der Name sind allerdings die Preisgelder, das Internationale Olympische Komitee zahlt nämlich keine Geld-Prämien. 

Diese kommen von nationalen Verbänden, und unterscheiden sich dementsprechend stark abhängig vom jeweiligen Land. Dazu kamen für Leichtathlet*innen 2024 erstmalig Preisgelder von dem Internationalen Verband für Leichtathletik, World Athletics. Hätte Schmidt mit ihrer Mixed Staffel Gold gewonnen, und wäre nicht auf dem siebten Platz gelandet, hätten 50.000USD (etwa 43.000€) durch die World Athletics und 20.000€ nationale Prämie durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe auf ihr vierköpfiges Team gewartet.  

Pro Person wären das also etwa 15.750€. Und das höchstens alle vier Jahre. 

Fazit: Social Media, Fluch oder Segen? 

Über Social Media können Sportler*innen also deutlich mehr verdienen, als durch die Teilnahme an ihren Wettbewerben. Für diese brauchen sie teure Ausrüstung und müssen zusätzlich Training und ihre Anreise finanzieren. Die Preisgelder, wenn sie überhaupt ergattert werden können, reichen da oft nicht aus. 

Neben der Finanzierung können sie auch von den Möglichkeiten der Selbstdarstellung, die ein Social Media Account als Sportler*in bietet, profitieren. So können sie die Aufmerksamkeit auf Probleme lenken, die ihnen wichtig sind und auf Veränderungen in ihrer Sportart hinarbeiten.  

Wichtig ist hier aber nicht den enormen Druck zu außer Acht zu lassen, dem die Athlet*innen ständig ausgesetzt sind. Dieser wird durch die ständige, und oftmals anonyme Meinungsäußerung auf Social Media verstärkt und kann zu Social Media Pausen zum Wohle der Gesundheit führen. 


Image by Gustavo Fring via Pexels


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