Finanzblasen entstehen selten aus dem Nichts. Meist beginnen sie mit einer echten Innovation, einer wachsenden Branche oder einer vielversprechenden wirtschaftlichen Chance, die die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich zieht. Mit zunehmendem Optimismus fließt immer mehr Geld in den Markt, wodurch die Preise steigen und noch mehr Investoren angelockt werden. Schließlich kann sich die Begeisterung von der wirtschaftlichen Realität lösen, sodass Vermögenswerte weit über ihren tatsächlichen Wert hinaus bewertet werden. Dieses Muster hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder wiederholt und endete häufig in dramatischen Marktcrashs.
In den 90er-Jahren gründeten sich allerlei Tech-Unternehmen. Es war eindeutig die Zukunft, und die Aussicht auf reichlich Investitionskapital begeisterte neue Unternehmer. Menschen gründeten sogar Unternehmen, die keinerlei Kenntnisse in Programmierung oder IT hatten. Ein ähnliches Szenario spielte sich Ende der 90er und Anfang der 2000er Jahre im Immobilienbereich ab. Es war zu verlockend zu investieren. Doch in beiden Fällen erhöhte die US-Notenbank die Zinsen, und plötzlich erschienen diese Investitionen nicht mehr so attraktiv. Die Blasen platzten, und die Preise stürzten ab.
Niedrige Zinsen sind zwar gut für Unternehmen und die Wirtschaft, aber sie können nicht unbegrenzt aufrechterhalten werden. Manchmal richten sie mehr Schaden an als Nutzen und hinterlassen viele Menschen in finanziellen Schwierigkeiten.
Wie niedrige Zinsen Vermögenspreisinflation befeuern
Aus verschiedenen Gründen führt ein niedriges Zinsniveau bei Anleihen und Krediten dazu, dass die Aktienkurse und die Werte bestimmter alternativer Anlageklassen steigen. Da Unternehmen günstigere Kreditkonditionen erhalten, entscheiden sie sich häufiger dafür, Schulden aufzunehmen. Sie investieren starker in ihr Wachstum und stellen mehr Mitarbeiter ein. Niedrige Zinsen wirken somit insgesamt als wirtschaftlicher Stimulus. Auch Verbraucher konnen sich größere Hypotheken leisten, und Investoren konnen durch Hebelwirkung ihre Marktpositionen ausbauen.
Da traditionelle sichere Anlagen wie Sparkonten und Staatsanleihen weniger Rendite abwerfen, suchen Investoren nach Alternativen. Viele dieser Ziele sind:
- Aktien
- Maclear P2P-Privatkredite
- Venture Capital
- Immobilien
- Land
- Unterhaltungswerte
Diese doppelte Wirkung führt dazu, dass die Preise von Vermögenswerten insgesamt steigen. Allerdings gibt es auch Unternehmen und Branchen, die unter diesen Bedingungen nur dank der allgemeinen Euphorie knapp überleben. Diese werden früher oder später an Wert verlieren.

Was ist eine Bewertungsblase?
Der Begriff “Blase“ wird recht häufig und oft auch sehr großzügig verwendet. Es gibt viele Branchen, in denen die Gesamtbewertung einfach stark ansteigt. Tatsächlich ist es ein völlig normaler Marktzyklus, dass der Wert einer Branche oder eines Unternehmens weiter steigt. Später kann er zwar wieder fallen, doch das allein macht noch keine Blase aus – das ist ein normaler Bestandteil von Märkten.
Die Definition einer Marktblase ist, wenn sich die Bewertungen immer weiter und schneller auf ein unrealistisches Niveau aufbauen, das durch die Fundamentaldaten nicht mehr gerechtfertigt ist. Wenn es dann zum Crash kommt, fallen die Preise stark und abrupt, was für viele Anleger zu erheblichen Verlusten fuhrt.
Es gibt jedoch Analysten, die den Begriff in vielen unterschiedlichen Kontexten verwenden – etwa für Aktienmärkte, Immobilien oder Studiengebühren – und fast alles als “Blase“ bezeichnen. Zwar gibt es in allen Volkswirtschaften Bereiche mit Überbewertungen, aber nur wenn diese extrem werden, ist ein tatsächlicher Zusammenbruch wahrscheinlich.
Einige erkennbare Anzeichen einer Blase sind:
- Starke und schnelle Preissteigerungen
- Weit verbreitete Narrative, die die steigenden Preise rechtfertigen
- Häufige „Schnell reich werden“-Erzählungen
- Übertriebene mediale Aufmerksamkeit
- Angst, etwas zu verpassen (FOMO)
Zinsen vs. Unternehmensbewertungen
Vereinfacht gesagt wird der Wert eines Vermögenswerts auf Basis der zukünftigen Cashflows bestimmt, die er voraussichtlich generiert. Allerdings ist Geld, das man in der Zukunft erhält, weniger wert als Geld, das man heute erhält. Deshalb verwenden Investoren einen sogenannten Diskontsatz, wenn sie den heutigen Wert eines Vermögenswerts berechnen (also den Preis, zu dem sie bereit wären, Unternehmensanteile zu kaufen).
Wenn die Zinsen niedrig sind, ist auch dieser Diskontsatz in der Regel niedriger, da Investoren kaum attraktive Alternativen haben, in die sie ihr Geld investieren konnen. Zukünftige Gewinne erscheinen dadurch in der Gegenwart wertvoller, sodass Investoren bereit sind, höhere Preise für Aktien, Immobilien und andere Vermögenswerte zu zahlen. Diese Situation ist ein großer Vorteil für kapitalintensive Start-ups, insbesondere wenn sie über lange Zeit hinweg keine Gewinne erwarten.
Wenn die Zinsen steigen
In diesem Fall passiert das Gegenteil. Investoren greifen verstärkt zu sicheren und renditestarken Staatsanleihen oder Kreditanlagen, wodurch Aktien weniger attraktiv werden. Dadurch sinkt ihre Zahlungsbereitschaft. Die Bewertungen gehen zurück, selbst wenn Geschäftsmodell und Gewinne eines Unternehmens stabil erscheinen. Investoren verwenden dann einen höheren Diskontsatz, um den heutigen Wert zukünftiger Erträge zu berechnen, was die Bewertung insgesamt drückt.
Wenn ein Unternehmen zwar hohe Gewinne erwartet, diese aber erst in zehn Jahren erzielt, profitiert es stark von einem Niedrigzinsumfeld. Schwieriger wird es für solche Unternehmen jedoch, Kapital anzuziehen, im Vergleich zu Firmen, die bereits heute hohe Umsätze erzielen. Deshalb sind Anleger bereit, höhere Preise zu zahlen, wenn ein Unternehmen bereits starke aktuelle Einnahmen hat und es weniger attraktive Alternativen gibt.
Wie Investoren Bewertungen berechnen
Angenommen, ein Investor erwartet, dass Netflix in zehn Jahren jährlich 200 Milliarden US-Dollar Cashflow erwirtschaftet, unter anderem durch seine Expansion in den Bereich Künstliche Intelligenz. Dieser zukünftige Wert wird mit einem Diskontsatz abgezinst, da Geld in der Zukunft weniger wert ist als Geld heute.
Die Formel für den heutigen Wert besteht darin, die zukünftigen Cashflows durch den Wert von eins plus dem Diskontsatz zu teilen, hoch der Anzahl der Jahre in der Zukunft, in denen der Cashflow entsteht.
Wenn der Diskontsatz für Netflix 5 % beträgt, läge der heutige Wert dieses zukünftigen Cashflows bei etwa 122,8 Milliarden US-Dollar für einen Investor, der heute investieren möchte. Wenn die Zinsen jedoch hoher sind oder das Unternehmen noch keine Einnahmen erzielt, könnte hypothetisch ein Satz von 10 % verwendet werden. In diesem Fall würde der heutige Wert nur noch etwa 77,1 Milliarden US-Dollar betragen. Dieses System bildet die Grundlage für die Bewertung von Aktien, und Zinsveränderungen beeinflussen direkt den verwendeten Diskontsatz.

Wenn höhere Zinsen keine Blase zum Platzen bringen
Manchmal sind die aktuellen Aktienkurse eines Unternehmens durchaus gerechtfertigt. Zwar tragen niedrige Zinsen dazu bei, dass die Bewertungen hoch bleiben, doch nur weil eine Zentralbank die Zinsen anhebt, bedeutet das nicht automatisch einen Marktcrash. Die Bewertung wird im Vergleich zum vorherigen Niveau wahrschenlich sinken, aber in den meisten Fällen handelt es sich eher um eine Marktkorrektur als um einen vollständigen Zusammenbruch.
Auch das Tempo der Zinserhöhungen spielt eine wichtige Rolle. Wenn die Zinsen langsam steigen, haben die Märkte Zeit, ihre Erwartungen anzupassen und Vermögenswerte schrittweise neu zu bewerten. Plötzliche oder aggressive Zinserhöhungen hingegen konnen zu Schocks bei den Bewertungen führen und deutliche Kursrückgänge auslösen.
Weitere Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle in der Wirtschaft, wie etwa:
- das Wirtschaftswachstum
- die Arbeitslosenquote
- die Bilanzen von Unternehmen
- die Fähigkeit zur Schuldentilgung
Zudem reagieren nicht alle Märkte gleich stark auf Zinsänderungen. Je essenzieller ein Markt für die Bevölkerung ist, desto stabiler ist er in der Regel. Daher sind hohe Zinsen meist eher ein Mechanismus zur Neubewertung von Vermögenswerten als ein automatischer Auslöser für wirtschaftliches Chaos.
Bilder: Gemini
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