Unterschiedliche Ansätze der Markenführung auf Amazon im Vergleich zum klassischen E-Commerce

Die digitale Markenführung findet heutzutage auf einer Vielzahl von Plattformen statt. Eigenständige Online-Shops, Social-Commerce-Plattformen sowie große Marktplätze haben jeweils ihre eigenen Strukturen und Funktionsweisen. Amazon nimmt in diesem Kontext eine besondere Stellung ein. Der Konzern fungiert nicht nur als Verkaufsplattform, sondern auch als Suchmaschine, Werbenetzwerk und datenbasiertes Ökosystem. Für Marken bedeutet dies, dass traditionelle E-Commerce-Strategien nicht zwangsläufig auf Amazon erfolgreich sind. Wer auf dieser Plattform anerkannt werden möchte, muss die Mechanismen der Plattform verstehen und strategisch nutzen.

Amazon als Marktplatz mit spezifischer Systemlogik

Im klassischen E-Commerce haben Marken erheblichen Einfluss auf die Customer Journey. Sie können Gestaltung, Navigation, Inhalte und oft auch die Kontrolle über die Daten steuern. Im Gegensatz dazu verfolgt Amazon einen anderen Ansatz. Die Plattform standardisiert Produktseiten, schränkt die Gestaltungsmöglichkeiten ein und betont die Vergleichbarkeit der Produkte. Sichtbarkeit wird in erster Linie durch interne Suchalgorithmen, Verkaufsleistung und Werbeplatzierungen erreicht.

Wichtige Steuerungsfaktoren sind Kennzahlen wie die Conversion-Rate, die Click-Through-Rate, die Abverkaufsrate und die Verfügbarkeit des Lagerbestands. Diese Metriken fließen kontinuierlich in die Rankings ein. Marken stehen zudem nicht nur im Wettstreit mit anderen Marken, sondern oft auch mit Amazon-eigenen Produkten. Der Marktplatz ist Infrastrukturbetreiber und Wettbewerber in einem.

Daten statt Markeninszenierung

Waren es bei klassischen Onlineshops vor allem die Markenästhetik und das Storytelling, die zum Verkauf führten, verlangt Amazon einen lauteren, datengetriebenen Ansatz. Die Produktdarstellung wird nach messbaren Leistungswerten optimiert. Titel, Bullet Points, Bilder und A+ Content folgen klaren Kriterien, die sich nach Suchverhalten und Kaufwahrscheinlichkeit ausrichten.

Wesentliches Instrument ist Amazon Advertising. Sponsored Products, Sponsored Brands und Display Ads beeinflussen Sichtbarkeit direkt. Werbeanzeigen sind sehr eng mit organischen Rankings verzahnt. Steigende Verkaufszahlen durch Ads können die organischen Platzierungen gleich mit anheben. Ohne strategische Steuerung steigen aber auch die Kosten pro Verkauf sehr schnell.

An diesem Punkt kommen für viele Unternehmen Agenturen ins Spiel. Eine Agentur für Amazon Marken kann Prozesse, Datenanalysen und Kampagnensteuerung bündeln und damit die Plattformlogik professionell abbilden. Dabei steht weit weniger klassische Werbung als vielmehr Performance im geschlossenen System im Vordergrund.

Markenführung unter Plattformbedingungen

Marken führen auf Amazon bedeutet nicht Markenidentität aufzugeben. Sie bedeutet nur etwas anders. Wiedererkennbarkeit erzeugt sich nicht mehr so sehr über individuelle Shop-Erlebnisse, sondern über konsistente Produktdarstellungen, mehr oder weniger vorteilhafte Bewertungshistorien und Markenstores innerhalb der Plattform. Kundenbewertungen sind dabei sehr einflussnehmend. So zeigen Studien, dass Produkte mit besseren Bewertungsdurchschnitten signifikant bessere Conversion Rates erzielen.

Marken müssen Prozesse schaffen, um Feedback systematisch auszuwerten, Qualitätsprobleme frühzeitig zu erkennen und Retourenquoten zu senken. Diese operativen Punkte schlagen sich direkt auf Sichtbarkeit und Wirtschaftlichkeit nieder. Klassische Marketingabteilungen sind darauf oft nicht vorbereitet, da sich das Steuern mehr an Kennzahlen als an Kampagnen orientiert.

Unterschiedliche Kostenstrukturen im Vergleich zum eigenen Shop

Ebenfalls keine Selbstverständlichkeit ist die Kostenlogik auf Plattformen. Eigene Shops erzeugen Kosten für Traffic, Technik und Zahlungsabwicklung, während Amazon Verkaufsprovisionen, Lagergebühren und Werbekosten erhebt. Die Höhe dieser Kosten ist zwar vergleichbar transparent, ihre Schwankungen unterliegen jedoch den Dynamiken der Werbekonkurrenz und können die Margen sehr unter Druck setzen, eine permanente Kostenkontrolle ist daher notwendig.

Erfolgreiche Marken betrachten deshalb ihre Kampagnen kanalübergreifend und isolieren Amazon nicht, sondern sehen es als Teil ihres gesamten Portfolios. Entscheidungen über Breite des Sortiments, Preisgestaltung und Werbebudgets werden auf der Basis von Deckungsbeiträgen und Skaleneffekten getroffen. Ohne belastbare Datenbasis lassen sich diese Zusammenhänge kaum bewerten.

Regulierung und Marktbeobachtung als strategischen Faktor

Amazon gerät zunehmend in den Fokus der Wettbewerbsbehörden. Datenzugang, Selbstbevorzugung und Marktmacht sind hier die regulatorisch diskutierten Fragen. Marken sollten diese Entwicklung aufmerksam verfolgen, da sie langfristig auch auf die Plattformregeln und Geschäftsmodelle der Anbieter wirken kann, etwa durch veränderte Transparenzpflichten, Zugangsregelungen oder Änderungen der Marktplatz Logik.

Informationen zur Regulierung digitaler Plattformen finden sich in den Materialien der Europäischen Kommission zu diesem Thema. Mit diesen Regelwerken strebt die EU an, faire Wettbewerbsbedingungen auf großen Plattformen zu schaffen und Transparenz zu erhöhen.

Operative Anforderungen an die Markensteuerung der Zukunft

Wer mit Amazon strategisch erfolgreich arbeiten will, muss in Prozesse und Systeme investieren. Regelmäßige Datenanalysen, automatisierte Preisüberwachung, strukturierte Werbeauswertungen müssen auf der Agenda stehen.

Wichtige Schnittstellen zwischen Warenwirtschaft, Advertising und Reporting gewinnen an Bedeutung, denn sie schaffen die Basis für tragfähige Entscheidungsprozesse und verkürzen die Reaktionszeiten.

Auch organisatorisch wird etwas kommen. Amazon-Management wird häufig als eigene Wissenschaft für sich gesehen und vom klassischen E-Commerce oder Performance Marketing getrennt durchgeführt. Diese Spezialisierung geht auf die Komplexität der Plattform ein, verbessert die internen Verantwortlichkeiten und verringert operative Risiken durch klare Zuständigkeiten.

Amazon verändert die Art und Weise, wie Marken digital geführt werden. Selber machen ist nicht mehr, vielmehr stehen Daten, Prozesse und Plattformregeln im Vordergrund. Unternehmen, die diese Differenzen begreifen und strategisch einordnen können, werden den Marktplatz nutzen können, ohne die sich daraus ergebenden Abhängigkeiten zu unterschätzen. Für die Leser von netzpiloten.de ist das Thema ein Einblick in die Mechanismen der Plattformökonomie und in die Gründe, warum Markenführung auf Amazon auch eigene Kompetenzen benötigt.


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