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Schöner filmen mit der Fotokamera: Tipps zum Einstieg

Symbolbild Filmen mit der Fotokamera

Ob Redakteure, PR-Fachleuchte, Social Media Manager oder ambitionierte Hobbyfotografen – für alle diese Gruppen wird Bewegtbild immer wichtiger. Sowohl im Beruf als auch im Privaten entpuppt sich aber „schnell mal eben ein Video“ zu drehen oft doch komplizierter, als zunächst angenommen. Alle, die ihr Geld in eine spiegellose Systemkamera investiert haben, werden durch das Stöbern in YouTube-Tutorials oder Reise- und Medien-Blogs schnell Lust bekommen, ihre nächsten Urlaubsreisen, Events oder Pressetermine auch als Video festzuhalten. Da Filmen nochmal ein ganz anderer Schnack ist, als das Fotografieren, vermittle ich euch die aus meiner Sicht wichtigsten Basics zum Einstieg ins Filmen mit der Fotokamera. Alle gezeigten Bilder sind übrigens Stills, die ich aus Videoaufnahmen gezogen habe.

Was ihr fürs Filmen mit der Fotokamera braucht

Um schöne, zufriedenstellende Videos zu erstellen, braucht es keine High-End-Ausrüstung. Grundsätzlich lassen sich auch mit Smartphones und Kompaktkameras Videos in hochwertiger Qualität aufnehmen. Eine Systemkamera mit Wechselobjektiv macht es jedoch viel leichter, eine angemessene Qualität zu erzielen und schnell neue Einstellungen vorzunehmen, um sich auf Situationen richtig einzustellen. Dann sieht das Event-Video gleich nochmal professioneller aus. Umfangreiche Bedienmöglichkeiten erhöhen zudem den kreativen Spielraum.

Ich empfehle euch an dieser Stelle nicht ausdrücklich, eine spiegellose Kamera (DSLM) einer Kamera mit Spiegelreflextechnik (DSLR) vorzuziehen. Welche Variante ihr für eure Arbeit oder Hobby wählt, bleibt euch selbst überlassen. Denn beide Systeme haben Vor- und Nachteile fürs Filmen mit der Fotokamera. Für eine spiegelloses Modell habe ich mich jedoch entschieden, weil ich eine Kamera lange und häufig verwende, und der Wegfall von mechanischen Komponenten eine geringere Verschleißanfälligkeit bedeutet.

Ebenfalls wichtig: Die Kamera sollte Videos mit einer Bildwiederholfrequenz von mindestens 50 oder 60 fps aufzeichnen können. Ferner ist ein stufenlos fokussierbares Objektiv praktisch. Trifft das auf eure Ausrüstung zu, habt ihr alles, um zu starten. Bedenkt aber: Wie auch in der Fotografie macht Übung den Meister und Profi-Werkzeuge sind ohne Übung kein Garant für tolle Ergebnisse.

Die richtige Brennweite: 85 Millimeter als Geheimtipp 

Zeiss Loxia 2.4/85 an Sony Alpha 7SM2
Empfehlenswerte Kombination: Das Zeiss Loxia 2.4/85 ist prima fürs manuelle Schärfen beim Filmen mit der Fotokamera geeignet. Die Sony Alpha 7SM2 bietet einen hohen Dynamikumfang für Videos. Image by Katharina Reber

Die Wahl der Brennweite hat großen Einfluss darauf, wie verzerrt, komprimiert oder idealerweise natürlich Gesichter abgebildet werden. Und Menschen zu zeigen, ist für Urlaubsvideos oder in Videos für die Öffentlichkeitsarbeit eine zentrale Säule. Am häufigsten und liebsten verwende ich fürs Filmen mit der Fotokamera eine Festbrennweite mit 85 Millimetern. Hier werden sicher einige empört die Hand heben, denn mit dieser leichten Telebrennweite legt man sich schon ziemlich fest. Wegen des kleineren Bildwinkels muss man genau wissen, welchen Teil einer Situation man betonen möchte. Ich favorisiere 85 Millimeter, weil sich diese Brennweite ideal für Porträts oder kleine Details eignet. Mit etwas Übung sind damit selbst Naturaufnahmen wunderbar abzubilden.

Ein empfehlenswertes Modell ist das Objektiv Zeiss Loxia F2.4/85 Millimeter (Provisionslink), das ich während einer Thailand-Reise getestet habe. Das Objektiv ist für ein kleines Tele nicht zu schwer und sehr wertig verarbeitet. Der Fokusring lässt sich butterweich bedienen, sodass es sehr leicht ist, das Motiv mit der hohen Schärfeleistung des Objektivs herauszuarbeiten. Mit meiner Kamera vom Typ Sony Alpha 7s II (Provisionslink) harmonierte das Zeiss Loxia 85 Millimeter blendend. Der fehlende Autofokus kann für Anfänger zunächst etwas gewöhnungsbedürftig sein. Schnelle Schnappschüssel sind schwierig, aber langfristig wird man den Autofokus-Knopf an seiner Kamera kaum noch gebrauchen. Da das Zeiss Loxia keinen Bildstabilisator bietet, erfordern Aufnahmen ohne Verwacklungsunschärfe eine ruhige Hand oder ein Stativ.

Manuell oder Automatik? Lieber „handgemacht“ filmen mit der Fotokamera!  

Natürlich müssten wir uns nicht zwangsläufig für ein einfaches Urlaubsvideo mit diesen Einstellungen beschäftigen. Die Kamera auf Auto gestellt und los filmen – das geht auch. Aber der ambitionierte DSLM-Besitzer hat sicherlich ein gewisses Interesse daran, zu verstehen, was mit der eigenen Kamera alles möglich ist. Ein schicker Porsche fährt auch geradeaus, wenn man aufs Gas drückt.

Anders als beim Fahren der meisten Porsche-Modelle empfiehlt es sich beim Filmen mit der Fotokamera, den manuellen statt den Automatik-Modus zu verwenden. Das betrifft neben der Belichtung insbesondere die Fokussierung. Denn Personen oder Gegenstände, die sich durch das Bild bewegen, verlassen und betreten konstant den Schärfebereich. Dies kann durchaus teilweise eine gewollte Unschärfe erzeugen. Aber um in entscheidenden Situationen unseren Fokuspunkt scharf zustellen, ist ein manuelles Nachziehen mehr als empfehlenswert. Zwar ermöglicht jedes Objektiv eine manuelle Fokussierung, aber nur von ausdrücklich fürs Filmen ausgelegte Objektive können stufenlos, also ohne störende Ruckler, fokussieren. Deshalb ist die Wahl des Objektivs so wichtig.

Filmen mit der Fotokamera Symbolbild manueller Fokus
Beim Filmen manuell die Schärfe nachziehen zu können, ist bei sich bewegenden Motiven wichtig. Ein pumpender Autofokus würde die Aufnahme ruinieren. (1/160, f2,4, ISO 100) Image by Katharina Reber

Was die Belichtung betrifft, verhalten sich beim Filmen mit der Fotokamera die Einstellung des ISO-Wertes, des Weißabgleich und der Blende ähnlich wie beim Fotografieren und werden deswegen hier nicht noch einmal gesondert erläutert. Doch selbst für geübte manuelle Fotografen birgt der Wechsel in den Video-Modus reichlich Neuland. Das gilt beispielsweise für spezielle Einstellungen im Kamera-Menü.

Die wichtigsten Einstellungen im Kamera-Menü: PAL und NTSC

Bevor wir loslegen mit unserem Urlaubs- oder PR-Film, müssen wir ein paar Basics in den Einstellungen unserer Kameras vornehmen, damit wir ein zufrieden stellendes Ergebnis bekommen. Von zentraler Bedeutung ist die Anzahl der Einzelbilder, die die Kamera pro Sekunde aufnimmt, um eine flüssige Bildfolge darzustellen.

Die Einstellung dieser sogenannten Framerate ist abhängig von der Fernsehnorm, die die Bild- und Ton-Übertragung definieren. Der Unterschied zwischen den beiden wichtigsten Normen, NTSC und PAL, ist nicht so schwierig, wie man zunächst denkt. Und einmal entschieden, muss man sich auch eigentlich nie wieder damit beschäftigen. NTSC wird in den USA und in Teilen Asiens vorwiegend genutzt, während sich im Rest der Welt PAL mehrheitlich durchgesetzt hat. Beim PAL-Format finden die Framerates von 25 fps, 50 fps und 100 fps Einsatz. Üblich bei NTSC hingegen sind 24 fps und 30 fps sowie ein Vielfaches davon, sprich 30 fps, 48 fps, 60 fps und 120 fps.

Technisch ist es aber inzwischen kein Problem mehr, beim Filmen mit der Fotokamera beide Normen zu nutzen und die Aufnahmen dann trotzdem für alle Zuschauer rund um den Globus weiterverarbeiten zu können. Daher ist die Entscheidung zur reinen Geschmackssache geworden. Wichtig ist nur, dass ihr euch im Rahmen eines Projekts für ein Format entscheidet. Wenn ihr stattdessen Sequenzen in NTSC und PAL zusammenschneidet, leidet das Ergebnis. Es kommt zu Rucklern, Stocken und Bildfehlern. Ich nutze NTSC, da ich wegen des Looks am liebsten in 24 fps filme. Aber was hat diese Zahl denn mit dem Bildeindruck zu tun?

Kino oder Seifenoper? Die richtige Framerate für den gewünschten Look finden

Wer sich bisher ausschließlich mit der Fotografie beschäftigt hat, wird sich höchstwahrscheinlich nicht der unterschiedlichen Wirkung von Framerates auf den Bildeindruck bewusst sein. Dabei ist die Bildwiederholrate ausschlaggebend dafür. Beispielsweise sind 24 fps (NTSC) und 25 fps (PAL) die Standardwerte, die bei Kinofilmen zum Einsatz kommen. Sie verleihen Videos daher einen besonders „cineastischen“ Look. Demgegenüber ist 30 fps (NTSC) die typische Framerate für Fernsehshows und Sportsendungen. Die erhöhte Framerate bringt schnelle Bewegungen besser zur Geltung, weil dann keine Schlieren zu sehen sind und der Schärfeeindruck steigt. Ein unnatürlicher Bildeindruck wie bei modernen Sitcoms oder Seifenopern ist allerdings die Kehrseite höherer Framerates.

Die richtige Framerate zu wählen ist für wichtig für den Bildlook und die für die Möglichkeit, beispielsweise dieses schnell drehende Rad hinterher in Slow-Motion zeigen zu können. (1/125, f4,0, ISO 1250) Image by Katharina Reber.

Auch für Zeitlupen spielt die Framerate eine wichtige Rolle. Möchtet ihr Detailaufnahmen im Nachhinein in Slow-Motion abspielen, reichen 24 oder 30 fps nicht. Die Rechnung ist hier relativ leicht: die doppelte Framerate für die Hälfte der Geschwindigkeit. Wenn eure Kamera es zulässt, filmt Details in 50 fps (PAL) oder 60 fps (NTSC), um im Nachhinein eine fließende Slow-Motion ohne Stocken zu bekommen. 

Nicht vergessen: Verschlusszeit auf Framerate abstimmen 

Gleich können wir loslegen. Wir haben uns für NTSC oder PAL entschieden und unsere Framerate festgelegt. Jetzt müssen wir nur noch die Verschlusszeit auf unsere Framerate abstimmen, und es kann losgehen.

Die Verschlusszeit ist in der Fotografie vor allem für die Belichtung relevant. Im Bewegtbild gilt das nicht gleichermaßen, da die Belichtung hier die ganze Zeit variiert. Die Verschlusszeit auf die Framerate anzupassen ist aber simple Mathematik. Bei einer Framerate von 24 fps sollte die Verschlusszeit bei 1/48 Sekunden liegen, im Fall von 30 fps bei 1/60 Sekunden. Wir verdoppeln unsere Bildfrequenz also einfach.

Vergesst Log-Dateien und kümmert euch erstmal nicht um die Farben

Zu einem hochwertigen Video-Look gehört natürlich auch die Farbgestaltung. Dabei werdet ihr früher oder später über die Möglichkeit stolpern, Log-Dateien zu speichern. Ähnlich wie RAW-Dateien bei Fotos, sehen sie zunächst einmal sehr „flach“ aus, beinhalten aber mehr Bildinformationen und ermöglichen daher eine umfassendere Nachbearbeitung. Im Profi-Bereich wissen dies die sogenannten Colorgrader zu schätzen. Doch Einsteiger, die hauptsächlich dokumentieren, können das größere Potenzial für besondere Farbeffekte zunächst einmal ignorieren. Nutzt daher lieber die Standardeinstellungen der Kamera.

Filmen mit der Fotokamera Symbolbild Farben
Klar, Farben sind für den Look wichtig. Nehmt aber ruhig erstmal die Standardprofile, die zum Filmen mit der Fotokamera verfügbar sind. Log-Dateien fürs Colorgrading sind eine Option für später. (1/160, f2,4, ISO 400) Image by Katharina Reber

Wie man das gedrehte Material dann mit wenig Aufwand und ohne Raketenwissenschaft für Social-Media-Plattformen oder das eigene Film-Archiv schneidet, erkläre ich an dieser Stelle demnächst. Aber zum Schneiden braucht es Footage. Also los, raus jetzt und richtig Filmen mit der Fotokamera!

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Images by Sondem / Adobe Stock; Katharina Reber

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Canon EOS R im Test: Premiere mit Potenzial

Canon EOS R im Test

Spiegellos! Vollformat! Endlich! Canon fügt sich dem Trend und hat eine hochwertige Kamera ohne Spiegelreflextechnik aber großem, sogenannten Vollformatsensor vorgestellt. Das verspricht ein kompaktes Paket mit hoher Bildqualität. Wir hatten das neue Modell im Praxiseinsatz. Wie schneidet die Canon EOS R im Test ab?

Das steckt in und an der Canon EOS R

Bei der Canon EOS R handelt es sich um eine Kamera im Look einer DSLR, die aber ohne das Kernmerkmal derselben auskommt: dem Schwingspiegel. Dadurch ist das Gehäuse kompakter und benötigt neue Objektive, die für den kürzeren Abstand zum 30-MP-CMOS-Sensor gerechnet sind. RF nennt Canon das neue Bajonett. Dabei gibt es die Canon EOS R im Set mit einem 24-105-mm-Objektiv dieses neuen Standards, das durchgehend mit Blende F4 öffnet. Mit einem zum Lieferumfang unseres Kits gehörenden Adapter können wir jedoch auch problemlos existierende Objektive mit EF-Bajonett montieren. Der Autofokus funktioniert trotzdem.

Das Magnesiumgehäuse fühlt sich hochwertig an und ist augenscheinlich hervorragend verarbeitet. Im Sucherbuckel sitzt statt eines optischen Suchers eine elektronische Variante, die 3,69 Millionen Pixel auflöst und das Bild 0,78-fach vergrößert. Alternativ komponieren und sichten wir Bilder auf einem 3,2-Zoll-Display, das 2,10 Millionen Bildpunkte auflöst. Weil es klapp- und schwenkbar ist, ermöglicht es kreative Einsätze und eine bequemere Bedienung in ungewöhnlichen Perspektiven. Zudem können wir Einstellungen auf einem monochromen Schulterdisplay ablesen.

Mit 660 inklusive Akku liegt das Gewicht auf dem Niveau anderer spiegelloser Vollformat-Kameras wie der Nikon Z6 oder Sony Alpha A7 III. Zusammen mit dem Kit-Objektiv handelt es sich aber alles andere als um ein leichtes Paket – über 1,3 Kilogramm bringt unser Exemplar der Canon EOS R im Test auf die Waage.

Als „Immer-dabei-Kamera“ für Reisen, Familien-Events und Street Photography ist das Canon-Modell somit nicht ideal. Stattdessen eignet es sich eher für bewusstes Fotografieren, etwa in der Landschaftsfotografie, wofür wir sie während einer Reise nach Berchtesgaden ausprobiert haben. Dennoch ist die EOS R leichter und kompakter als eine Vollformat-DSLR wie die EOS 5D Mark IV oder 6D Mark II, was für viele Umsteiger ein Plus-Punkt sein dürfte.

Bedienung: Viele es ist anders, aber nicht einfacher

Nicht nur beim Gewicht speckt Canon gegenüber seinen traditionellen DSLR ab, auch in Sachen Steuerung trennt sich der Hersteller von Bewährtem. Mit neuartigen Bedienelementen und ungewöhnlicher Platzierung geht er neue Wege. Das fängt schon mit dem Verzicht auf ein separates Rad für den Betriebsmodus an. Denn den wertvollen Platz links neben dem Sucherbuckel belegt Canon lieber mit einem großen An-/Aus-Schalter. Stattdessen rufen wir den Betriebsmodus über einen Knopf auf, der im hinteren Rändelrad versenkt ist.

Zwei Rändelräder für Blende und Verschluss sind Fixpunkte, alle weiteren Funktionen lassen sich frei belegen und sind meist erst über einen Auswahlknopf einstellbar. Wir finden den Druckpunkt der meisten frei belegbaren Tasten aber sehr schwammig, deshalb freuen wir uns über alles, was wir über die gut fühlbaren Rändelräder bedienen können.

Ein besonders gewöhnungsbedürftiges Konzept ist ferner die Touch-Bar auf der Rückseite. Über Wischen und Tippen können wir dort beispielsweise ISO oder EV-Korrektur einstellen. Doch weil die Touch-Bar kein haptisches Feedback vermittelt, erweist sich ihre Bedienung bei der Canon EOS R im Test als sehr unpräzise. Nicht nur in eiligen Situationen bereitet das keine Freude. Alternativ lässt sich ein Einstellring am Objektiv mit einer wichtigen Funktion belegen. Dieser spricht deutlich spürbarer und schneller an als die Touch-Bar. Jedes RF-Objektiv wird künftig damit ausgestattet.

Klar, man kann sich mit diesem ungewöhnlichen Bedienkonzept arrangieren. Es erfordert jedoch ein gehöriges Maß an Kompromissbereitschaft und Einarbeitung. Jedenfalls erweist sich die Canon EOS R im Test als keine Kamera, die man nach kurzer Zeit in spontanen Fotogelegenheiten sofort unter Kontrolle hat.

Im Einsatz: Erstklassige Bildqualität mit einem Aber

Wenn die Bedienung erst einmal sitzt, bereitet das Fotografieren mit der Canon EOS R im Test durchaus großen Spaß. Dank der ausgeprägten Griffwulst liegt die Kamera gut in der Hand und lässt sich selbst mit einem schweren Objektiv akkurat führen. Der Autofokus schärft äußerst schnell und präzise – auch im Schummerlicht und bei sich schnell bewegenden Motiven.

Action-Aufnahmen sind dennoch nicht die Spezialität des neuen Canon-Modells. Mehr als fünf Bilder pro Sekunde mit kontinuierlicher Nachschärfung sind nämlich nicht drin. Um heran preschende Skifahrer auf der Piste im richtigen Moment festzuhalten, sollte man sich daher lieber nicht auf eine Bilderserie verlassen.

Die Bildqualität, die Canon aus dem 30-MP-CMOS-Vollformatsensor herausholt, betrachten wir als erstklassig. Schärfe, Details und Farben begeistern. Die Abbildungsleistung des Kit-Objektivs überzeugt uns. Das überrascht aber auch nicht, weil es sich um ein hochwertiges L-Objektiv handelt.

Dagegen fällt der Dynamikumfang nicht so groß aus wie erwartet. Dass Spitzlichter in Laternen trotz Nachbearbeitung in Lightroom CC derart ausfressen, wie auf der Langzeitbelichtung in der Bildergalerie, überrascht uns. Im gleichen Bild ist ferner erstaunlich viel Luminanzrauschen in den dunklen Bereichen des Berges zu sehen. Beides ist kein Weltuntergang. Doch an ein Vollformat-Spitzenmodell sind höhere Ansprüche zu stellen. Testergebnisse der Kollegen beispielsweise von DPReview decken sich mit unseren Beobachtungen.

Nichts auszusetzen haben wir an den Möglichkeiten der Sichtkontrolle. Sowohl der elektronische Sucher als auch das rückwärtige Display sind hell und scharf. Wer nicht extra einen Blick darauf werfen möchte um Einstellungen abzulesen, kann dafür auch das monochrome Schulterdisplay verwenden.

Trotz der vielen zu beleuchteten Displays ist Energie kein Problem. Der mitgelieferte Akku vom Typ LP-E6N bringt uns mit der Canon EOS R im Test trotz kalten Wetters locker über einen Tag. Selbst aktivierte smarte Funktionen wie Wi-Fi saugen den Energiespeicher nicht aus.

Canon EOS R im Test mit Canon Camera Connect und DPP Express

Canon stattet Kameras vorbildlich umfangreich mit Konnektivitätsfunktionen aus. Daher lassen sich Bilder von der Canon EOS R im Test nicht nur per SD-UHS-II-Karte oder per USB-C-Kabel, sondern auch drahtlos auf Smartphone und Tablet übertragen. Zu diesem Zweck sind Wi-Fi und Bluetooth an Bord. Das ist insbesondere beim beruflichen Einsatz der Kamera praktisch. Beispielsweise auf Events, von denen hochwertige Fotos sofort auf Social Media erscheinen sollen.

Für den kabellosen Transfer ist die kostenlose Android– und iOS-App Canon Camera Connect nötig. Die Verbindung per WLAN herzustellen, ist anfangs fummelig, danach läuft sie stabil. Entweder laden wir die Bilder manuell herunter oder lassen sie automatisch, direkt nach dem Fotografieren, hinüber schaufeln. In beiden Fällen gelangen sie als JPG-Dateien auf dem Mobilgerät – nicht als Raw. Beim manuellen Herunterladen können wir immerhin noch auswählen, ob eine Version von 2 MB Größe oder die Original-Auflösung übertragen wird. Beides geht sehr schnell.

Wer unterwegs Raw-Dateien aus der EOS R auf größerem Screen sichten und bearbeiten möchte, kann dies nur auf einem iPad vornehmen. Dafür hat Canon die kostenlose Software DPP Express für iOS veröffentlicht, die exklusiv mit dem neuem Raw-Format der EOS R, CR3, klarkommt.

Das aus unserer Sicht beste Setup für den Transfer ist, Canon Camera Connect und DPP Express auf dem iPad im „verknüpften Modus“ zu verwenden und dann mit der EOS R zu verwenden. Dann werden die etwa 60 MB großen CR3-Dateien direkt in DPP Express importiert und gehen keinen Umweg über Apple Fotos.

Der Import geht fix, doch mehr Lob können wir für DPP Express nicht aufbringen. Denn die Zahl der Werkzeuge für Belichtung und Schärfe sind arg begrenzt. Außerdem gelingt es der Canon-Software nicht, die Verzeichnungen des Objektivs in Weitwinkelstellung anständig zu entzerren. Wir raten daher, Raw-Fotos aus der EOS R lieber in Lightroom am Computer zu bearbeiten.

Fazit: EOS R braucht noch Feinschliff

Die Canon EOS R ist ein spannender Start in den Bereich der spiegellosen Vollformat-Kameras. Allen voran bietet sie eine erstklassige Bildqualität mit leichten Abstrichen im Dynamikbereich und Rauschverhalten. Verarbeitung und Ausstattung sind außerdem vom Feinsten. Beispielsweise ein voll klapp- und schwenkbares Display ist in dieser Produktkategorie nicht selbstverständlich. Demgegenüber nervt die Canon EOS R im Test mit einer experimentellen Bedienweise, die sowohl für Canon-User als auch für Einsteiger gewöhnungsbedürftig ist. Der Mehrwert insbesondere der Touch-Bar ist nicht ersichtlich.

Problematisch ist ferner der Preis. Denn ein Gehäuse für 2.500 Euro plus Objektive spricht Profis an. Doch für die bietet die Canon EOS R etwas zu wenig, beispielsweise eine viel zu gemächliche Serienbildgeschwindigkeit. Hingegen für viele Hobbyisten dürfte die Kamera zu teuer und auch zu schwer sein.

Insofern ist die Canon EOS R die erste Generation eines Neuanfangs, der noch Feinschliff braucht. Ein paar Kritikpunkte hat der Hersteller bei der kürzlich erschienenen Canon EOS RP ja schon angegangen. Sie ist mit 1.500 Euro und 440 Gramm deutlich günstiger und leichter.

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Images by Berti Kolbow-Lehradt

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Olympus OM-D E-M1X: Kompakte Profi-Kamera sucht die Action

Olympus OM-D E-M1X

Anders als Canon, Nikon und Panasonic springt Olympus derzeit nicht auf den spiegellosen Kleinbild-Zug auf, sondern bleibt dem Micro-Four-Thirds-Standard treu. Sein bestehendes System ergänzt der Kamera-Hersteller mit der Olympus OM-D E-M1X jetzt um ein besonders leistungsstarkes, robustes und wetterfestes Gehäuse für Profi-Fotografen, das für 3.000 Euro ab Ende Februar in den Markt startet.

Bedienung und Ausdauer für Profis

So bietet die Kamera einen integrierten Akkuhandgriff für eine längere Laufzeit und bessere Haptik im Hochformat. Damit können Fotografen sowohl bei vertikaler als auch bei senkrechter Ausrichtung auf identisch angeordnete Bedienelemente zugreifen. Durch den Extra-Platz passen zwei Akku vom Typ BLH-1 in das Gehäuse, weswegen sich mit einer Ladung bis zu 2.580 Bilder aufnehmen lassen. Der Akku passt auch in das Modell E-M1 Mark II, sodass Besitzer beider Modelle nicht zwei verschiedene Typen an Energiespendern dabeihaben müssen.

Außerdem ist die Olympus OM-D E-M1X gegen Staub, Spritzwasser und Frost bis zu minus 10 Grad geschützt. Das ist auch dann gegeben, wenn Anwender beispielsweise ein Mikrofon anschließen und dafür die entsprechende Abdeckung öffnen. Trotz Wetterschutz-Dichtungen und integriertem Handgriff ist die Kamera für ein Profi-Modell noch relativ leicht. Denn das Gehäuse bringt mit Akkus und Speicherkarte – aber ohne Objektiv – 997 Gramm auf die Waage.

Hohe Geschwindigkeit und Auflösung für Action, Architektur und 4K-Video

In besonders dynamischen Motivsituationen soll ein komplett überarbeitetes Autofokussystem noch bessere Ergebnisse liefern. Zum Einsatz kommt ein Phasendetektions-AF mit 121 Kreuzsensoren und neuen komplexen AF-Algorithmen. Unter anderem gehört dazu eine neue intelligente Motiverkennungsfunktion, die beispielsweise Sportwagen, Flugzeuge und Züge automatisch erkennt, auf den optimal bewerteten Bereich fokussiert und diesen verfolgt, während sich der Anwender auf die Bildkomposition konzentrieren kann. Auch bei wenig Licht (-6 LW) soll dies noch funktionieren.

Für Natur- und Sportaufnahmen von Vorteil ist das hohe Serienbild-Tempo von 18 Bildern pro Sekunde bei aktivierter AF/AE-Verfolgung und 60 Bildern pro Sekunde bei inaktiven AF. Bilder speichert die Kamera in zwei SD-Kartenfächern, die beide das schnelle UHS-II-Tempo unterstützen.

Steht nicht die Action im Vordergrund, sondern eine möglichst detailreiche Aufnahme etwa von einer Stadtansicht, ermöglicht die Olympus OM-D E-M1X eine freihändige High-Res-Shot-Funktion. Dabei lassen sich ohne Stativ Einzelaufnahmen zu einer Datei mit 50 Megapixeln Auflösung kombinieren. Durch Verwacklungen verursachte Unschärfe verhindert eine Bildstabilisierung auf fünf Achsen, die bis zu 7,5 EV-Stufen kompensiert.

Ist wiederum zu viel Licht da und wird aus gestalterischen Gründen eine längere Verschlusszeit benötigt, ermöglicht eine integrierte Live-ND-Funktion das Bild wie mit einem Graufilter zwischen einer und fünf Belichtungsstufen abzudunkeln.

Video kann die Olympus OM-D E-M1X ebenfalls, und zwar in 4K. Dabei unterstützt sie sogar Cinema 4K (4.096 x 2.160 Pixel) und Log-Aufnahmen (OM-Log400) für hochaufgelöste Filmaufnahmen mit wenig Detailverlusten. Zeitlupen sind mit 120 Bildern pro Sekunde in Full-HD möglich.

Für die entsprechend nötige Qualitätsreserve und Rechenpower sorgen ein 20-Megapixel-Live-MOS-Sensor mit neuer Beschichtung für verbesserte Empfindlichkeit, sowie gleich zwei Bildprozessoren vom Typ TruPic VIII.

Olympus OM-D E-M1X ist richtig smart

Um Ortsdaten in den Bilddateien festzuhalten, muss niemand ein Smartphone anschließen. Schließlich verfügt die Kamera über eingebaute Sensoren für GPS und Temperatur sowie über ein Manometer und einen Kompass.

Trotzdem ist auch eine Funkverbindung an Bord, nämlich WLAN. Sie ermöglicht Bilder direkt und automatisch nach der Aufnahme an einen Computer zu übertragen. Diese kabellose Variante des Tethered Shooting setzt die Kamerasteuerungssoftware Olympus Capture voraus.

Profi-Service und neues Zubehör

Professionelle Fotografen benötigen nicht nur leistungsstarke Kameragehäuse, sondern auch ein umfangreiches Objektiv- und Zubehörsystem sowie im Bedarfsfall einen schnellen Service. Deshalb können sich Besitzer der Olympus OM-D E-M1X für den PRO Service anmelden, den der Hersteller vor einer Weile gestartet hat.

Mit dem vorhandenen Objektiv- und Zubehörfuhrpark des Micro-Four-Third-Systems ist die neue Kamera voll kompatibel. Zusätzlich gibt Olympus Profi-Fotografen weitere Werkzeuge an die Hand. Dazu zählt die neue, für professionelle Bedürfnisse konzipierte Bildverwaltungssoftware Olympus Workspace, die jedoch alle Olympus-Nutzer kostenlos nutzen können.

Ferner bringt der Hersteller ab Ende Februar das Blitzgerät FL-700WR in den Handel. Wie das neue Kameragehäuse gegen Staub, Wasser und Frost geschützt, ist der mobile Blitz für intensive Einsätze mit heller mobiler Beleuchtung (maximale Leitzahl 42) ausgelegt. Mit kabelloser Funkauslösung ist das Gerät kompatibel. Für den drahtlosen Einsatz mehrerer Blitzgeräte bringt Olympus zeitgleich den Funkauslöser FC-WR und den Funkempfänger FR-WR auf den Markt.

Noch etwas länger warten müssen Olympus-Fotografen auf ein neues Super-Telezoom mit der Typenbezeichnung M.Zuiko Digital ED 150-400 F4.5 TC1.25 IS PRO. Inklusive integriertem 1,25-fach-Telekonverter ermöglicht es eine auf den KB-Standard umgerechnete Brennweite von 1.000 Millimetern. Der Verkaufsstart des für Natur und Sport gedachten Objektivs ist für das Jahr 2020 geplant.

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