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Wenn in Unternehmen nur noch Effizienz ausgeschwitzt wird

Schild 190 - Fortbildung (adapted) (Image by Thomas Reimer via Adobe Stock)

Fu?r Unternehmen bieten hochentwickelte Technologien wie Ku?nstliche Intelligenz, Big Data oder das Internet der Dinge vor allem neue Mo?glichkeiten zur Steigerung von Effizienz und Produktivita?t, sagt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2017). Recht fantasielos. Beschränken wir uns auf die Betrachtung von Effizienz und Produktivität? Dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn folgendes Beispiel Schule macht:

Weitreichende Vera?nderungen des Arbeitsmarktes lassen sich am chinesischen Unternehmen Changying Precision Technology verdeutlichen. Das Unternehmen ersetzte 90 Prozent der 600 Bescha?ftigten in ihrer Produktion durch 60 Roboter und erzielte dadurch nicht nur einen Ru?ckgang der Defekte um 80 Prozent, sondern zugleich gar auch eine Produktivita?tssteigerung um 250 Prozent.

Oder die viel zitierte Studie von Osborne und Frey (2013). So sollen 47 Prozent der im Jahr 2010 in den USA ausgeu?bten Berufe in den nächsten zehn bis 20 Jahren von der Ersetzung durch Maschinen bedroht sein. Die Forscher bewerteten 702 Berufe nach ihrer Automatisierungswahrscheinlichkeit.

Automatisierung statt Innovation

Brzeski und Burk (2015) berechneten ebenfalls die Automatisierungswahrscheinlichkeit ganzer Berufszweige. Sie schlussfolgerten aufgrund ihrer Befunde, dass 59 Prozent der Bescha?ftigten in Deutschland in den kommenden zehn Jahren durch moderne Technologien ersetzt werden ko?nnten. Analysen von Bonin, Gregory und Zierahn (2015) zeigen unter Verwendung eines berufsbasierten Ansatzes, dass 42 Prozent der aktuell ausgeu?bten Berufe einer vergleichsweise hohen Automatisierungswahrscheinlichkeit von mehr als 70 Prozent unterliegen. So könnte man die „Prognosen“, die in den vergangenen Jahren vorgestellt wurden, endlos fortsetzen.

Mal abgesehen von der Unfähigkeit der Forscher, wirklich belastbare Aussagen über die Zukunft über einen Zeitraum von 12 Monaten vorzulegen, sind alle Protagonisten von der Überlegung beseelt, dass es ausschließlich um die Steigerung der Produktivität und um die Senkung von (Lohn)-Kosten geht – selbst das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Vielleicht sollten die „Forscher“ mal darüber nachdenken, was erfolgreiche Unternehmer in der Vergangenheit ausmachte und Szenarien darstellen, wie es auch anders laufen könnte.

„Gerade weil Diskussionen über Zukunftsszenarien allzu oft ahistorisch geführt werden, rutschen sie nicht selten, ohne sich dessen bewusst zu werden, in überkommene Denkmuster hinein. Vielleicht besteht der beste Gewinn des Rückblicks auf die vielen Fehlprognosen der Vergangenheit darin, das Neue der Gegenwart schärfer ins Visier zu nehmen und sich von eingefahrenen Gewohnheiten der Zukunftsschau zu befreien. Dazu gehört auch, über technische Innovationen möglichst konkret zu reden“, fordert der Historiker Professor Joachim Radkau in seinem Opus „Geschichte der Zukunft“, erschienen im Hanser Verlag.

Unternehmertum verlernt

Wir sollten uns auch mit der Frage auseinandersetzen, ob wir in Deutschland mit der Digitalisierung wirklich nur Effizienz können und bei Innovationen versagen, wie Detecon-Analyst Marc Wagner im Interview zur Kölner Fachmesse Zukunft Personal ausdrückte:

„Beim Aufsetzen von Effizienzprogrammen und bei inkrementellen Verbesserungen sind wir in Deutschland total gut. Darauf sind wir konditioniert. Da werden die letzten fünf Prozent an Effizienz herausgeschwitzt. Was Unternehmer wie Robert Bosch gut konnten, das haben wir verlernt.“

Als aktionistische Ausweichaktion gründet so ziemlich jedes Unternehmen etwas und dem Stichwort „Lab“ oder „Garage“. Davor steht dann meistens „Digital“. Beheimatet sind die Zukäufe oder Neugründungen meistens in San Francisco, Tel Aviv oder Berlin.

In den Labs ballert man Geld raus

„Man erhofft sich in einem fancy Umfeld tolle radikale Innovationen. Ausgestattet mit einem dicken Budget soll der Anschluss an Unternehmen in den USA, in Asien und Israel gelingen. Es geht aber in diesen Labs primär nur um den Anfang von Innovationen. Es geht um die Frage, mit welchen Ideen die Firmen antreten könnten. Die Umsetzung ist häufig ausgeklammert“, bemerkt Wagner im Vorfeld der Kölner Fachmesse Zukunft Personal.

Das sei abhängig vom „Rest“ der Organisation und die beäugt das Lab-Spektakel kritisch. Im Brot-und-Butter-Geschäft werden Gehälter gekürzt, Konstrukte zur Kostensenkung in Gang gesetzt und Rationalisierung im Kundenservice durchgesetzt. „In den Labs ballert man das Geld raus, pumpt den Kollegen die Finanzmittel in den Hintern, scheut keine Kosten und Mühen, wenn es um die Gestaltung des Arbeitsumfeldes und in der Stamm-Organisation geht, sitzen alle wie die Hühner auf der Stange. Solche Diskrepanzen motivieren nicht zur Umsetzung neuer Ideen.“

Chef-Controller macht die digitalen Buden dicht

Einen weiteren Grund für die mangelhafte Innovationskultur sieht Wagner im klassischen Management, die er vor allen Dingen in Konzernen feststellt. Da werde viel von Innovationen und visionären Ideen gesprochen. In Wirklichkeit gehe es um eine gnadenlose Kapitalmarktorientierung und kurzfristige Optimierungen von KPIs – also Leistungskennzahlen mit denen Mitarbeiter gegängelt werden. Da sei kein Platz für innovative Ideen. Die Hipster in den Labs sind eher Feigenblatt-Einheiten, die beim nächsten Vorstandswechsel wieder rausfliegen.

Irgendwann schlägt der Chef-Controller zu und macht die digitalen Buden dicht. In deutschen Unternehmen gibt es extrem viele Manager, die dafür exzellent ausgebildet sind. Wir finden viele Controller, Finanzexperten und Juristen, die mit dem Kapitalmarkt umgehen können und die am Reißbrett von einer Restrukturierung zur nächsten jagen. Unternehmerischer Sachverstand ist im Top-Management aber Mangelware. Wir sind im Vergleich zu den USA viel stärker auf kurzfristige Maßnahmen gepolt, um den Kapitalmarkt zu pflegen.

Planwirtschaftliche Effizienzorgien

Das ist keine Risikokultur, das sind planwirtschaftliche Effizienzorgien. Richtige Unternehmer gehen Risiken ein und kaprizieren sich nicht auf interne Kontrollsysteme. Im Ergebnis finden wir mehrheitlich Optimierer und kaum noch Erfinder, moniert der Leadership-Strategie Ralf Schwartz im ichsagmal.com-Interview.

„Erfinder sind die Leute, die etwas Neues schaffen, Märkte durchbrechen und Neues kreieren.“ Das würde immer weniger gelingen.

„Wir brauchen Menschen, die Vorbilder sind. Wir brauchen Menschen, die Dinge bewegen. Wir brauchen Menschen, die Dinge verändern. Wir brauchen nicht wirklich Menschen, die auf Konferenzen auf Bühnen stehen und um den heißen Brei herumreden, die sich selbst verkaufen und nur heiße Luft verbreiten. Das sind keine Gestalter. Seit Jahrzehnten hängen wir in der Luft und leben davon, was wir früher mal waren. Es dominiert ein fragwürdiger Vierklang: Adaption ist die neue Innovation; Taktik ist die neue Strategie; Einfalt ist die neue Vielfalt; Billig ist das neue Besser. Wir verhindern unternehmerisches Rebellentum“, sagt Schwartz.

New Work setzt zu spät an

In der Schule, Hochschule und in der Einstellungspolitik werden die Menschen zu Managern erzogen und nicht zu Führungspersönlichkeiten. „Es gibt kein Personalmanagement, um das ändern zu können. Der Rebell fliegt sofort raus. In einer reibungslos funktionierenden Organisation sind die Menschen nur das Getriebeöl“, meint Schwartz. Symptomtherapien wie New Work, Arbeiten 4.0, agile Methoden, flache Hierarchien oder sonstige Managementweisheiten überdecken die Ursachen der Fehlsteuerung. „Wenn New Work einsetzt, ist es schon zu spät. New Work setzt im Unternehmen an und da sind keine Rebellen“, resümiert Schwartz. Das Notitz-Amt verortet Klärungsbedarf bei den Live-Talks auf der Messe Zukunft Personal am 19. und 20. September.


Image (adapted) „Schild 190 – Fortbildung“ by Thomas Reimer/stock.adobe.com


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Die Netzpiloten sind Medienpartner beim Digital Festival #DiFe17

In Zürich findet vom 13. bis zum 17. September das Digital Festival statt. Das Digital Festival beschäftigt sich mit der Frage nach der Zukunft und wie es weiter geht. Es versteht sich als Inkubationsplattform für nächste Schritte und Ideen – und eine Vielzahl spannender Keynotes, Workshops, Labs und Parties liefert dazu wertvolle Anstöße und jede Menge Gelegenheit zum Networking.

Bodenständige Speaker werden spannende Keynotes halten. Es wird eine Reihe von unkonventionellen Sessions geben, die die Besucher wirklich zusammen bringen und zum Networken einladen. Außerdem sind noch viele Labs geplant, bei denen ihr euch in kleinen Gruppen in aktuelle Themen vertiefen könnt. Zu guter Letzt gibt es noch einen Wettbewerb, der HackZurich. Bei diesem haben die Teilnehmer 40 Stunden Zeit, um eine innovative Lösung für ein digitales Problem zu entwickeln. Eine Jury zeichnet hinterher die besten Ansätze aus.

Spannende Speaker

Zu den Speaker beim Digital Festival gehören:

Hier findet ihr das Programm und die dazugehörigen Locations. Hier gibt es eure Tickets. Unter dem Hashtag #DiFe17 bleibt ihr bei Twitter auf dem Laufenden, bis es soweit ist. Wir wünschen euch viel Spaß beim Digital Festival in Zürich!

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5 Lesetipps für den 24. Juni

In unseren Lesetipps geht es heute um EU-Verhandlungen zum Datenschutz, Windows 10 auf USB-Sticks, Googles Sidewalk und News Lab und die NSA in Frankreich. Ergänzungen erwünscht.

  • DATENSCHUTZ taz.de: Vor EU-Verhandlungen zum Datenschutz: Gleich schlechte Standards: Bürgerrechtsorganisationen sowie Daten- und Verbraucherschützer kritisieren den Entwurf der EU-Jusiz- und Inennminister für einheitliche Datenschutzgrundverordnung. Die derzeitige Richtline definiert einzelne Mindeststandards, stammt jedoch aus den 90ern und ist überarbeitungsbedürftig. Mit der Reform soll das Datenschutzniveau in allen EU-Ländern vereinheitlicht werden, damit sich die Unternehmen nicht in den Ländern mit den laxesten Behörden niederlassen. Kritiker des Entwurfs sagen allerdings, dass fundamentale Bürgerrechte missachtet werden und viele Vorschläge hinter den bisherigen Gesetzen zurückbleiben.

  • WINDOWS 10 Betriebssystem: Microsoft verkauft Windows 10 auf einem USB-Stick – Golem.de: Windows 10 wird wohl auch auf einem USB-Stick erhältlich sein, um für einige Nutzer die Installation zu vereinfachen. Bei neuen Laptops und vor allem bei Tablets sind keine Laufwerke vorhanden, während ein USB-Port meist vorhanden ist. Es wird zum einen für 120 US-Dollar Windows 10 Home und für 200 US-Dollar Windows 10 Pro zu kaufen geben. Bei den Sticks muss der User sich außerdem nicht mehr entscheiden, ob er entweder die 32- oder die 64-Bit-Version des Betriebssystems installiert, da beide auf dem Stick zur Verfügung stehen werden.

  • SIDEWALK LABS WIRED: Google’s Next Moonshot: Lining City Streets With Wi-Fi Hubs: Google setzt zu seinem nächsten Paukenschlag an: Anfangs des Monats verkündete Larry Page, dass Google ein Startup namens Sidewalk Labs gründen wird. Heute ist bekannt geworden, dass dieses Startup hinter der LinkNYC Initiative steht, welches alte Telefonzellen in öffentliche WiFi-Hubs umwandelt. Damit wird angestrebt, dass man überall freies ultra schnelles WiFi hat, um damit „endlose Möglichkeiten zu schaffen“.

  • NSA heise online: NSA-Skandal: Auch Frankreichs Präsidenten ausspioniert: Offenbar ist sind die letzten drei fanzösische Präsidenten von der NSA ausspioniert worden. Wikileaks hat Dokumente veröffentlicht, aus denen das hervor geht. Ein US-Vertreter versicherte allerdings, dass man Francois Hollande nicht ausspioniere. Die veröffentlichten Dokumente listen eine Reihe von Telefonnummern aus, welche dem Handy des Präsidenten und verschiedenen hochrangigen Beratern gehören. Wie schon bei der Spionage von Angela Merkel gibt es keinen Blick auf die der Liste zugrunde liegenden Dokumente. Allerdings gibt es mehrere Zusammenfassungen von Überwachungskenntnissen.

  • NEWS LAB heise online: Google kündigt News Lab für Journalisten an: Google kündigt an mit einer Sammlung von verschiedenen Diensten in Form eines News Lab Journalisten aus aller Welt Zugriff auf Daten zu geben. Damit soll deren Arbeit erleichtert werden. Des weiteren soll die News Berichterstattung damit noch innovativer gestaltet werden können. Über Newslab with Google können Redaktionen sich über Maps, YouTube, Fusion Tablets, Google Earth oder die Suche im Bereich der Berichterstattung informieren und Tipps abholen, um diese in die tägliche Arbeit des Journalisten einzubinden.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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Social Impact: Geschäftsideen mit Herz und Verantwortung

Social wörtlich genommen. Dies haben junge Existenzgründer beim „social impact start pitch“ in Hamburg unter Beweis gestellt. // von Oliver Bernt

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Eines haben die meisten Startups gemeinsam: Sie wollen eine clevere Geschäftsidee binnen kürzester Zeit vergolden. Getrieben von enthusiastischen Geschäftssinn mit kleinen Dollar-Zeichen in den Augen, suchen die Jungunternehmer nach einem wohlwollenden Finanzier, der sich ebenfalls Gewinn aus seiner Investition erhofft. Doch wenn das beworbene Geschäftsmodell auf Wohltätigkeit basiert, nehmen die meisten Unternehmer schnell die Beine in die Hand. Damit diese Ideen trotzdem eine Chance bekommen, gibt es in Hamburg das social impact lab. Weiterlesen »

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