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Canon EOS R im Test: Premiere mit Potenzial

Canon EOS R im Test

Spiegellos! Vollformat! Endlich! Canon fügt sich dem Trend und hat eine hochwertige Kamera ohne Spiegelreflextechnik aber großem, sogenannten Vollformatsensor vorgestellt. Das verspricht ein kompaktes Paket mit hoher Bildqualität. Wir hatten das neue Modell im Praxiseinsatz. Wie schneidet die Canon EOS R im Test ab?

Das steckt in und an der Canon EOS R

Bei der Canon EOS R handelt es sich um eine Kamera im Look einer DSLR, die aber ohne das Kernmerkmal derselben auskommt: dem Schwingspiegel. Dadurch ist das Gehäuse kompakter und benötigt neue Objektive, die für den kürzeren Abstand zum 30-MP-CMOS-Sensor gerechnet sind. RF nennt Canon das neue Bajonett. Dabei gibt es die Canon EOS R im Set mit einem 24-105-mm-Objektiv dieses neuen Standards, das durchgehend mit Blende F4 öffnet. Mit einem zum Lieferumfang unseres Kits gehörenden Adapter können wir jedoch auch problemlos existierende Objektive mit EF-Bajonett montieren. Der Autofokus funktioniert trotzdem.

Das Magnesiumgehäuse fühlt sich hochwertig an und ist augenscheinlich hervorragend verarbeitet. Im Sucherbuckel sitzt statt eines optischen Suchers eine elektronische Variante, die 3,69 Millionen Pixel auflöst und das Bild 0,78-fach vergrößert. Alternativ komponieren und sichten wir Bilder auf einem 3,2-Zoll-Display, das 2,10 Millionen Bildpunkte auflöst. Weil es klapp- und schwenkbar ist, ermöglicht es kreative Einsätze und eine bequemere Bedienung in ungewöhnlichen Perspektiven. Zudem können wir Einstellungen auf einem monochromen Schulterdisplay ablesen.

Mit 660 inklusive Akku liegt das Gewicht auf dem Niveau anderer spiegelloser Vollformat-Kameras wie der Nikon Z6 oder Sony Alpha A7 III. Zusammen mit dem Kit-Objektiv handelt es sich aber alles andere als um ein leichtes Paket – über 1,3 Kilogramm bringt unser Exemplar der Canon EOS R im Test auf die Waage.

Als „Immer-dabei-Kamera“ für Reisen, Familien-Events und Street Photography ist das Canon-Modell somit nicht ideal. Stattdessen eignet es sich eher für bewusstes Fotografieren, etwa in der Landschaftsfotografie, wofür wir sie während einer Reise nach Berchtesgaden ausprobiert haben. Dennoch ist die EOS R leichter und kompakter als eine Vollformat-DSLR wie die EOS 5D Mark IV oder 6D Mark II, was für viele Umsteiger ein Plus-Punkt sein dürfte.

Bedienung: Viele es ist anders, aber nicht einfacher

Nicht nur beim Gewicht speckt Canon gegenüber seinen traditionellen DSLR ab, auch in Sachen Steuerung trennt sich der Hersteller von Bewährtem. Mit neuartigen Bedienelementen und ungewöhnlicher Platzierung geht er neue Wege. Das fängt schon mit dem Verzicht auf ein separates Rad für den Betriebsmodus an. Denn den wertvollen Platz links neben dem Sucherbuckel belegt Canon lieber mit einem großen An-/Aus-Schalter. Stattdessen rufen wir den Betriebsmodus über einen Knopf auf, der im hinteren Rändelrad versenkt ist.

Zwei Rändelräder für Blende und Verschluss sind Fixpunkte, alle weiteren Funktionen lassen sich frei belegen und sind meist erst über einen Auswahlknopf einstellbar. Wir finden den Druckpunkt der meisten frei belegbaren Tasten aber sehr schwammig, deshalb freuen wir uns über alles, was wir über die gut fühlbaren Rändelräder bedienen können.

Ein besonders gewöhnungsbedürftiges Konzept ist ferner die Touch-Bar auf der Rückseite. Über Wischen und Tippen können wir dort beispielsweise ISO oder EV-Korrektur einstellen. Doch weil die Touch-Bar kein haptisches Feedback vermittelt, erweist sich ihre Bedienung bei der Canon EOS R im Test als sehr unpräzise. Nicht nur in eiligen Situationen bereitet das keine Freude. Alternativ lässt sich ein Einstellring am Objektiv mit einer wichtigen Funktion belegen. Dieser spricht deutlich spürbarer und schneller an als die Touch-Bar. Jedes RF-Objektiv wird künftig damit ausgestattet.

Klar, man kann sich mit diesem ungewöhnlichen Bedienkonzept arrangieren. Es erfordert jedoch ein gehöriges Maß an Kompromissbereitschaft und Einarbeitung. Jedenfalls erweist sich die Canon EOS R im Test als keine Kamera, die man nach kurzer Zeit in spontanen Fotogelegenheiten sofort unter Kontrolle hat.

Im Einsatz: Erstklassige Bildqualität mit einem Aber

Wenn die Bedienung erst einmal sitzt, bereitet das Fotografieren mit der Canon EOS R im Test durchaus großen Spaß. Dank der ausgeprägten Griffwulst liegt die Kamera gut in der Hand und lässt sich selbst mit einem schweren Objektiv akkurat führen. Der Autofokus schärft äußerst schnell und präzise – auch im Schummerlicht und bei sich schnell bewegenden Motiven.

Action-Aufnahmen sind dennoch nicht die Spezialität des neuen Canon-Modells. Mehr als fünf Bilder pro Sekunde mit kontinuierlicher Nachschärfung sind nämlich nicht drin. Um heran preschende Skifahrer auf der Piste im richtigen Moment festzuhalten, sollte man sich daher lieber nicht auf eine Bilderserie verlassen.

Die Bildqualität, die Canon aus dem 30-MP-CMOS-Vollformatsensor herausholt, betrachten wir als erstklassig. Schärfe, Details und Farben begeistern. Die Abbildungsleistung des Kit-Objektivs überzeugt uns. Das überrascht aber auch nicht, weil es sich um ein hochwertiges L-Objektiv handelt.

Dagegen fällt der Dynamikumfang nicht so groß aus wie erwartet. Dass Spitzlichter in Laternen trotz Nachbearbeitung in Lightroom CC derart ausfressen, wie auf der Langzeitbelichtung in der Bildergalerie, überrascht uns. Im gleichen Bild ist ferner erstaunlich viel Luminanzrauschen in den dunklen Bereichen des Berges zu sehen. Beides ist kein Weltuntergang. Doch an ein Vollformat-Spitzenmodell sind höhere Ansprüche zu stellen. Testergebnisse der Kollegen beispielsweise von DPReview decken sich mit unseren Beobachtungen.

Nichts auszusetzen haben wir an den Möglichkeiten der Sichtkontrolle. Sowohl der elektronische Sucher als auch das rückwärtige Display sind hell und scharf. Wer nicht extra einen Blick darauf werfen möchte um Einstellungen abzulesen, kann dafür auch das monochrome Schulterdisplay verwenden.

Trotz der vielen zu beleuchteten Displays ist Energie kein Problem. Der mitgelieferte Akku vom Typ LP-E6N bringt uns mit der Canon EOS R im Test trotz kalten Wetters locker über einen Tag. Selbst aktivierte smarte Funktionen wie Wi-Fi saugen den Energiespeicher nicht aus.

Canon EOS R im Test mit Canon Camera Connect und DPP Express

Canon stattet Kameras vorbildlich umfangreich mit Konnektivitätsfunktionen aus. Daher lassen sich Bilder von der Canon EOS R im Test nicht nur per SD-UHS-II-Karte oder per USB-C-Kabel, sondern auch drahtlos auf Smartphone und Tablet übertragen. Zu diesem Zweck sind Wi-Fi und Bluetooth an Bord. Das ist insbesondere beim beruflichen Einsatz der Kamera praktisch. Beispielsweise auf Events, von denen hochwertige Fotos sofort auf Social Media erscheinen sollen.

Für den kabellosen Transfer ist die kostenlose Android– und iOS-App Canon Camera Connect nötig. Die Verbindung per WLAN herzustellen, ist anfangs fummelig, danach läuft sie stabil. Entweder laden wir die Bilder manuell herunter oder lassen sie automatisch, direkt nach dem Fotografieren, hinüber schaufeln. In beiden Fällen gelangen sie als JPG-Dateien auf dem Mobilgerät – nicht als Raw. Beim manuellen Herunterladen können wir immerhin noch auswählen, ob eine Version von 2 MB Größe oder die Original-Auflösung übertragen wird. Beides geht sehr schnell.

Wer unterwegs Raw-Dateien aus der EOS R auf größerem Screen sichten und bearbeiten möchte, kann dies nur auf einem iPad vornehmen. Dafür hat Canon die kostenlose Software DPP Express für iOS veröffentlicht, die exklusiv mit dem neuem Raw-Format der EOS R, CR3, klarkommt.

Das aus unserer Sicht beste Setup für den Transfer ist, Canon Camera Connect und DPP Express auf dem iPad im „verknüpften Modus“ zu verwenden und dann mit der EOS R zu verwenden. Dann werden die etwa 60 MB großen CR3-Dateien direkt in DPP Express importiert und gehen keinen Umweg über Apple Fotos.

Der Import geht fix, doch mehr Lob können wir für DPP Express nicht aufbringen. Denn die Zahl der Werkzeuge für Belichtung und Schärfe sind arg begrenzt. Außerdem gelingt es der Canon-Software nicht, die Verzeichnungen des Objektivs in Weitwinkelstellung anständig zu entzerren. Wir raten daher, Raw-Fotos aus der EOS R lieber in Lightroom am Computer zu bearbeiten.

Fazit: EOS R braucht noch Feinschliff

Die Canon EOS R ist ein spannender Start in den Bereich der spiegellosen Vollformat-Kameras. Allen voran bietet sie eine erstklassige Bildqualität mit leichten Abstrichen im Dynamikbereich und Rauschverhalten. Verarbeitung und Ausstattung sind außerdem vom Feinsten. Beispielsweise ein voll klapp- und schwenkbares Display ist in dieser Produktkategorie nicht selbstverständlich. Demgegenüber nervt die Canon EOS R im Test mit einer experimentellen Bedienweise, die sowohl für Canon-User als auch für Einsteiger gewöhnungsbedürftig ist. Der Mehrwert insbesondere der Touch-Bar ist nicht ersichtlich.

Problematisch ist ferner der Preis. Denn ein Gehäuse für 2.500 Euro plus Objektive spricht Profis an. Doch für die bietet die Canon EOS R etwas zu wenig, beispielsweise eine viel zu gemächliche Serienbildgeschwindigkeit. Hingegen für viele Hobbyisten dürfte die Kamera zu teuer und auch zu schwer sein.

Insofern ist die Canon EOS R die erste Generation eines Neuanfangs, der noch Feinschliff braucht. Ein paar Kritikpunkte hat der Hersteller bei der kürzlich erschienenen Canon EOS RP ja schon angegangen. Sie ist mit 1.500 Euro und 440 Gramm deutlich günstiger und leichter.

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Das sind die Kamera-Highlights der Photokina 2018

Canon EOS R gehört zu den Kamera-Highlights der Photokina 2018

Ein paar Knaller haben Canon und Nikon schon vorher gezündet, doch das große Feuerwerk hoben die meisten Kamera-Hersteller sich für die Photokina auf. Denn einen Tag vor dem offiziellen Start der weltweit wichtigsten Imaging-Messe briefen die großen Marken die Presse. Wir waren daher in Köln bei Sony, Leica, Panasonic, Fuji, Canon, Nikon sowie Olympus dabei und sichteten für euch die Kamera-Highlights der Photokina 2018. Da war auch einiges dabei – allerdings handelte es sich vielfach um Vorabankündigungen. Die größte Überraschung hatte Zeiss mit der Zeiss ZX1 zwei Tage nach dem Medientag parat.

Viele Details folgen erst nach der Messe. Dennoch ist die Richtung klar. Erstmals bekennen sich alle großen Kamera-Hersteller zu kompakten spiegellosen Systemen. Handlich ist Trumpf. Denn weder Smartphone-Nutzer noch Profis wollen viel schleppen. Dennoch geht der Trend zu großen Sensoren im Kleinbildformat oder größer.

Imaging-Branche sucht nach neuer Perspektive

Wer die Photokina 2018 vom 26. bis 29. September in Köln besucht, sieht eine Branche im Wandel. Die Messe öffnet sich stärker als zuvor für jüngere Imaging-Trends. Deshalb sind auch Smartphone-Hersteller wie Huawei und Honor an Bord. Außerdem werden beliebte Schlagwörter wie Künstliche Intelligenz, Cloud sowie Virtual Reality und Augmented Reality bespielt. Die großen Platzhirsche, die die Entwicklung der Branche prägen, besetzen diese Themen aber nur zögerlich. Daher finden sie hauptsächlich auf der Nebenmesse Digility Platz.

Dabei ist der Handlungsbedarf bei den traditionellen Kamera-Herstellern groß. Sie stehen unter Druck. Schließlich fotografieren Immer mehr Menschen mit Smartphones und teilen ihre Bilder übers Netz. Ausdrücke auf Papier spielen eine erheblich geringere Rolle als früher. Und die herkömmliche große Kamera lässt die breite Masse immer öfter zuhause, weil das Smartphone für viele Fälle genügt. Deswegen bricht inzwischen auch die Nachfrage nach Einsteiger-DSLR immer stärker weg, teilt der Digitalverband Bitkom mit.

Der Markt für Kameras wandelt sich Stück um Stück von einem Massenmarkt hin zum Spezialistenmarkt für Hobbyisten und Profis. Die großen Kamera-Hersteller verlegen sich daher zunehmend auf ihre Kernkompetenz: Modelle mit immer besseren Leistungswerten für anspruchsvolle Nutzer. Sie bilden auch den Schwerpunkt der heutigen Pressebriefings. Das sind ihre Kamera-Highlights der Photokina 2018.

Kamera-Highlights der Photokina 2018: Sony mit Kreativpause

Als erstes Unternehmen präsentierte Sony ein Update zur Produktpolitik. Die große Frage war, wie Sony darauf reagiert, dass nun mit der Canon EOS R, Nikon Z6 und Nikon Z7 spiegellose Vollformatkameras von zwei weiteren großen Playern erscheinen. Die Antwort lautete: Überhaupt nicht. Rein gar nichts Neues zeigte Sony. Stattdessen lehnt sich der Hersteller entspannt zurück und ruht sich auf seinem großen technischen Vorsprung aus.

Sony spiegellose Vollformatkamera photokina 2018
Sony präsentierte auf der Photokina 2018 nichts Neues, beruft sich stattdessen auf die marktführende Position bei spiegellosen Vollformatkameras und dem Vorsprung vor den Neueinsteigern Nikon und Canon. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Schließlich ist Sony seit 2013 in diesem Segment aktiv und bietet inzwischen 30 Objektive für seine spiegellosen Vollformatkameras, die gleichzeitig auch noch an APS-C-Kameras funktionieren. Offensichtlich sieht sich Sony damit gut gerüstet gegen Canon und Nikon, die zum Start natürlich erst eine Handvoll eigene Objektive in petto haben.

Leica S3, neues Objektiv-System und erste Smartphone-App

Großer Aufschlag hingegen von Leica. Der Traditionshersteller will das Momentum für große Sensoren und neue Objektive nutzen und stellte daher eine Objektiv-Allianz namens L-Mount vor. Vom Start weg sind neben Leica auch Sigma und Panasonic mit eigenen Objektiven am Start. Linsen anderer Hersteller sollen sich einfach adaptieren lassen. Von Haus aus ist der L-Objektivanschluss für Mittelformatsensoren gedacht. Allerdings ist er so konstruiert, dass auch Objektive für Kleinbild (Vollformat) und APS-C passen sollen.

Ferner stellte Leica ein Upgrade für Profi-Fotografen vor, die Werbung oder Mode im Mittelformat fotografieren. Leica S3 heißt die neue Kamera. Weil auch Leica-Nutzer die Vorteile von Smartphones erkannt haben, bringt Leica in Kürze eine Begleiter-App für iOS und Android namens Leica Fotos. Mit ihr lassen sich per WLAN Bilder von der Kamera übertragen, bearbeiten und verschicken. Die App erscheint am 24. Oktober. Für einen Beta-Test kann man sich bereits anmelden.

Lumix S: Panasonic setzt nun auch auf spiegelloses Vollformat

Spiegellose Vollformatkameras gehören definitiv zu den Kamera-Highlights der Photokina 2018. Nach Sony, Nikon und Canon steigt auch Panasonic in das Geschäft ein. Lumix S heißt eine neue Kamera-Serie, die auf die Spiegelreflextechnik verzichtet und einen großen Sensor mit Kleinbild-Diagonale („Vollformat“) verwendet. Panasonic Lumix S1 mit 24 Megapixel-Sensor und Panasonic Lumix S1R mit 47 Megapixel sind die beiden Modelle zum Start. Diesen terminierte Panasonic wage auf das Frühjahr 2019. Preise und eine Übersicht der technischen Ausstattung nannte Panasonic ebenfalls noch nicht.

Panasonic Lumix S
Panasonic setzt mit der Kamera-Serie Lumix S auch auf spiegelloses Vollformat. Image by Panasonic

Mindestens 18 Objektive sollen innerhalb eines Jahres erhältlich sein – das ist vergleichsweise viel für ein neues System. Dabei profitiert Panasonic davon, dass die neue Kamera-Serie den L-Mount nutzt, den auch Leica und Sigma bedienen. Unter der Lumix-Marke selbst erscheinen zehn Objektive, Leica bringt acht und Sigma eine weitere nicht genannte Anzahl.

Fuji stellt GFX 50R vor und eine Kamera mit 100 Megapixeln in Aussicht

Kameras mit sehr großen Sensoren sind ein Schwerpunkt auf der Messe. Doch wenn das frühere Kleinbild jetzt als „Vollformat“ durchgeht, wie nennt man dann das größere Mittelformat? Fuji prescht vor und führt die Bezeichnung „Super-Vollformat“ ein. Gelegenheit dafür bot die Vorstellung einer weiteren Kamera aus der GFX-Reihe namens GFX 50R. Statt einen Sucherbuckel in der Mitte hat sie ein Sucherdisplay seitlich versetzt, so, wie von früheren Messsucherkameras bekannt. Die Kamera erscheint für 4.500 Euro im November 2018.

Fuji GFX50R
Die Fuji GFX 50R ist eine Mittelformat-Kamera im Messsucherstil. Image by Fujifilm

Dem Namen getreu löst die neue Kamera 50 Megapixel auf. Doch da geht mehr, findet Fuji, und berichtete davon, dass sich eine GFX-Kamera mit 100 Megapixel in Entwicklung befindet. Ferner zeigte Fuji drei neue Objektive, die trotz Mittelformat-Optimierung sehr klein und leicht sein sollen.

Schon vor der Photokina hat der Hersteller seine neue spiegellose APS-C-Kamera Fuji XT3 vorgestellt. Sie wurde von der Fachwelt sehr positiv aufgenommen, weil sie viel Qualität in kleinem Format bietet.

Canon und Nikon: Fokus aus EOS R und Nikon Z

Die beiden wichtigsten DSLR-Hersteller sehen die Zukunft ebenfalls im Spiegellos-Bereich. Ihre Vollformat-Neuankündigungen hatten sie aber schon weit vor Messebeginn vorgestellt. Dennoch zählen die Canon EOS R sowie Nikon Z6 und Nikon Z7 definitiv zu den Kamera-Highlights der Photokina 2018. Schließlich können das Publikum und die meisten Medien sie dort erstmals erleben.

Canon hat ferner eine Superzoom-Bridgekamera PowerShot SX70 HS im Gepäck, die seit vergangener Woche offiziell bekannt ist. Sie bietet einen 65-fachen Zoom und 4K-Video. Zudem wird auf der Photokina die kürzlich vorgestellte Einsteiger-DSLR Nikon D3500 gezeigt.

Canon EOS R
Die Canon EOS R ist eines der Kamera-Highlights der Photokina 2018.

Olympus: Farbenfrohster Stand aber keine neuen Kameras

Mit dem Olympus Playground bietet der Hersteller wieder einen echten Blickfang. In Sachen Neuvorstellungen kam Olympus aber mit leeren Händen. Wie Panasonic stieg Olympus vor zehn Jahren als Pionier in den Bereich der spiegellosen Systemkameras ein, könnte jetzt aber den Anschluss verpassen. Denn während die anderen großen Player den Aufmerksamkeitsschwerpunkt der Foto-Welt auf große Sensoren lenken, hält Olympus am deutlich kleinen MFT-Format fest.

Zwar betont der Hersteller, weiter in neue MFT-Kameras und -Objektive investieren zu wollen. Schließlich sprechen Handlichkeit und geringes Gewicht weiter für dieses Produktkonzept. Aber wenn die Masse der Anwender eher zum Smartphone greifen und die anspruchsvollen Anwender mit Bedarf für High-Performance sich größerformatigen Kameras zuwenden, könnte Olympus die Nutzerbasis abhanden kommen.

Olympus Playground Photokina 2018
Der Olympus Playground ist ein Spaßpark fürs Fotografieren auf der Photokina 2018. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Zeiss ZX1: Kompakte Vollformatkamera mit eingebautem Lightroom CC

Die größte Photokina-Überraschung zeigte Zeiss. Der Hersteller steigt nämlich ins Kamerageschäft ein, natürlich ebenfalls mit einer spiegellosen Vollformatkamera – dem Trend der Stunde. Allerdings handelt es sich um eine kompakte Kamera ohne Wechseloptik. Stattdessen ist ein 35-Milllimeter-Objektiv vom Typ Zeiss Distagon verbaut. Mit f/2 Offenblende ist die Festbrennweite sehr lichtstark. 

Das besonderste Merkmal ist die Smartphone-ähnliche Bedienung über den überdurchschnittlich großen 4,3-Zoll-Touchscreen. Dort können Fotografen ihre Bilder gleich bearbeiten. In der Kamera kommt nämlich eine angepasste Variante von Lightroom CC zum Einsatz. Dadurch lassen sich Rohdaten direkt in der Kamera nach eigenen Vorlieben entwickeln und in JPGs konvertieren. Über WLAN oder Bluetooth teilen Nutzer die Bilder mit ihren Social-Media-Profilen oder speichern sie gleich in der Cloud. Ein Transfer per Speicherkarte ist gar nicht vorgesehen. Vielmehr finden Bilder auf einem 512 GB großen SSD-Festspeicher Platz. Eine Kabelverbindung per USB-C ist hingegen möglich.

Damit nimmt Zeiss einen sehr modernen, innovativen Kurs, von dem wir wünschten, dass mehr Kamerahersteller ihn einschlagen würden. Nichtsdestotrotz handelt es sich um eine klassische Kamera, die eine Bildkontrolle via Sucher, Einstellungen via zwei Rändelrädern und den Aufsatz eines Zusatzlichts per Blitzschuh ermöglicht. Die Zeiss ZX1 soll Anfang 2019 erscheinen. Bis dahin nennt Zeiss auch den Preis und weitere technische Details.

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Canon EOS R heißt die vierte spiegellose Vollformatkamera-Reihe

Canon EOS R by Canon

Drei Wochen vor der Photokina 2018 hat auch Canon die Kamera aus dem Sack gelassen und nach Nikon ein spiegelloses Vollformat-Modell vorgestellt. Die Canon EOS R sieht zwar weitestgehend so aus wie eine herkömmliche DSLR. Aber weil sie auf die Schwingspiegeltechnik verzichtet, fällt das Gehäuse kompakter aus. Mit rund 30 Megapixeln löst der Sensor etwas mehr auf als vergleichbare Modelle von Nikon (Z6) und Sony (Alpha 7 III) und Leica (SL). Ein Kamera-Body allein hilft nicht viel, deshalb hat Canon rund herum ein von Grund auf neues System entwickelt. Dazu gehören zunächst vier eigene Objektive, die den neuen RF-Bajonettanschluss besitzen.

(hier geht es zum ausführlichen Test der Canon EOS R)

Das steckt in der Canon EOS R

Unter dem robusten Gehäuse, das mit einer Magnesiumlegierung geschützt ist, verbirgt sich ein sogenannter Vollformat-Sensor mit der 35-Millimeter-Breite früherer Kleinbildfilme. Wegen der großen Sensorfläche können die Bildzellen viel Licht aufnehmen, sodass auch bei schummeriger Umgebung das Bildrauschen minimal ausfallen sollte. Deshalb ermöglicht Canon, Nutzern der EOS R eine Lichtempfindlichkeit von bis zu 40.000 ISO auszuwählen. Der praktikable Schwellenwert dürfte allerdings weit darunter liegen. Für eine möglichst brillante JPG-Aufbereitung mit tollen Farben und Details kommt Canons aktueller Bildprozessor DIGIC 8 zum Einsatz, der bereits in der spiegellosen APS-C-Kamera Canon EOS M50 Premiere feierte.

Die Canon EOS R richtet sich an anspruchsvolle Hobbyisten und Profis, daher gilt auch bei anderen Aufnahmeparametern das maximale Leistungsprinzip. So soll der Autofokus mit einer Geschwindigkeit von 0,05 Sekunden das Motiv so schnell schärfen wie bisher keine andere Kamera auf diese Welt. Gemessen hat Canon das nach Richtlinien des Branchenverbands CIPA mit internen Messungen in der Einzel-AF-Einstellung. Nutzer können klassisch per Auslöser fokussieren oder auf dem Touch-Display, wobei der Bildschirm so empfindlich ist, dass er 5.655 Fingerpositionen unterscheiden kann.

Canon EOS R RF 24-105
Image by Canon

Um bei schnellen Bewegungen möglichst sicher im richtigen Moment eine scharfe Aufnahme einzufangen, kann die Canon EOS R fünf Bilder pro Sekunde mit Fokusnachführung und acht Bilder pro Sekunde ohne Fokusnachführung aufnehmen.

Praktisch für Reportage- und Hochzeitsfotografen ist, dass sie vom mechanischen zum elektronischen Verschluss wechseln und auf diese Weise lautlos fotografieren können. Bei herkömmlichen DSLR ist das schon aufgrund des Geräusches des Schwingspiegels nicht möglich.

4K-Videos für Profis

Immer mehr rückt neben dem Fotografieren auch die Videoaufnahme in den Blickpunkt von Anwendern. Die Canon EOS R bringt Voraussetzungen für hochwertige Produktionen mit. So können Nutzer das Canon-Log-Format verwenden. Diese Aufnahmeeinstellung gewährleistet einen neutralen Kontrast, der dank 12 Blendenstufen Dynamikumfang (bei ISO 400) viel Reserve für die Nachbearbeitung lässt. Damit lassen sich während der Postproduktion beim Grading selbst kleinste Details in besonders hellen und besonders dunklen Bildbereichen hervorheben.

Neben einem dreh- und schwenkbaren Display erleichtern auch eine umfangreiche Tonregelung sowie Fokus-Hilfen die Videoaufnahme. Mit Focus Peaking und dem aus der professionellen Videokamera Cinema EOS bekanntem Focus Guide unterstützen gleich zwei Verfahren das manuelle Scharfstellen.

Komfortable Bedienung und App-Steuerung

Statt einen optischen Sucher wie bei DSLR bietet die Canon EOS R ein elektronisches Mini-Display (EVF) als Motivhilfe, das auch bei Dunkelheit eine zuverlässige Bildkontrolle erlaubt. Bei einer 100-prozentigen Bildfeldabdeckung und einer sehr detailreichen Auflösung von 3,7 Millionen Bildpunkten ermöglicht der Sucher einen umfassenden und detailreichen Blick auf das Geschehen.

Canon EOS R hinten
Image by Canon

Anspruchsvolle Anwender wird freuen, dass sich laut Canon nahezu jedes Bedienelement des Kamera-Gehäuse nach Gusto mit neuen Funktionen belegen lässt. Neuartig und für Traditionalisten sicher gewöhnungsbedürftig ist eine Multi-Funktions-Touch-Bar auf dem Gehäuse. Darüber können Nutzer mit Wisch- und Touch-Gesten die jeweils konfigurierte Einstellung regeln, beispielsweise die ISO-Empfindlichkeit.

Ohne Konnektivität geht auch bei herkömmlichen Kameras nichts mehr. Daher verfügt die Canon EOS R über Bluetooth, um vom Smartphone GPS-Daten zu ziehen und in die Bilddateien einzubetten. Darüber hinaus lassen sich Bilder nicht nur per Speicherkarte und Kabel sondern auch per Canon Camera Connect App ans Smartphone oder Tablet übertragen. Wer doch lieber die Speicherkarte dafür bevorzugt, kann seine SD-Karten weiter benutzen. Anders als Nikon mit XQD führt Canon kein neues Format ein.

Der Canon Camera Connect App stellt der Hersteller eine weitere Mobilanwendung zur Seite, die ausschließlich für das iPad gedacht ist. Bei Digital Photo Professional Express (DPP Express) handelt es sich um einen Raw-Konverter. Damit können Nutzer Dateien, die in Canons Rohdatenformat vorliegen, nach eigenen Vorlieben zu JPG-Bildern entwickeln lassen.

Objektiv-Quartett zur Premiere der Canon EOS R

Ein spiegelloses Kamera-System weist einen anderen Abstand zum Sensor auf als eines mit Spiegeltechnik. Daher musste Canon für die EOS R neue Objektive inklusive anderem Anschlussdurchmesser entwickeln.

Zur Premiere des RF-Anschlusses erscheinen vier Objektive. Dabei handelt es sich um die Normal-Festbrennweite RF 50 Millimeter F/1.2 L USM, das erweitertes Standard-Zoom RF 24-105 Millimeter F/4 L IS USM und das Nahaufnahmen-Objektiv RF 35 Millimeter F/1.8 Macro IS STM. Ein echtes Highlight ist die vierte Linsenkombination. Denn das lichtstarke Zoom-Objektiv RF 28-70 mm F/2 L USM ist mit einer Offenblende von F/2 über den gesamten Brennweitenbereich noch einen Tick lichtdurchlässiger als vergleichbare Modelle.

Canon EOS R Bajonett-Adapter Filter
Zwei Bajonett-Adapter ermöglichen ND- oder Pol-Filter einzuschieben. Image by Canon

Weitere Objektive mit RF-Bajonett werden sicher folgen. Doch bis dahin können Nutzer Brennweiten-Lücken mithilfe von vier Bajonett-Adaptern durch 70 Objektive aus dem EF- und EF-S-Systemen schließen. Ob die adaptierten Objektive dann auch an der Canon EOS R automatisch fokussiert werden können, sagte Canon nicht. Zwei Bajonett-Adapter ermöglicht den Einschub von ND- und Zirkularpol-Filtern, mit denen sich Belichtung und Reflexionen beeinflussen lassen. Ein Adapter verfügt zusätzlich über einen Kontrollring, mit dem sich bestimmte Bedienoptionen vom alten aufs neue System übernehmen lassen.

Marktstart im Oktober

Lange warten müssen Kaufinteressierte nicht mehr. Kurz nach der Photokina 2018 sollen die ersten Produkte des neuen Systems im Handel erscheinen. Einen Teil des Zubehörs schiebt Canon aber auch erst im Februar 2019 nach.

Das neue Canon-System auf der Produktwebseite
Canon-Produkte bei Amazon (Provisions-Link)

Canon EOS R Gehäuse2.499 Euroab 9. Oktober 2018
Canon EOS R Gehäuse + RF 24-105 mm3.499 Euroab 9. Oktober 2018
RF 24-105 mm F/4 L IS USM1.199 Euroab 9. Oktober 2018
RF 28-70 mm F/2 L USM3.249 Euroab Dezember 2018
RF 50 mm F/1.2 L USM2.499 Euroab Ende Oktober 2018
RF 35 mm F/1.8 Macro IS STM549 Euroab Dezember 2018
Bajonett-Adapter109 Euroab 9. Oktober 2018
Bajonett-Adapter mit Kontrollring219 Euroab 9. Oktober 2018
Bajonett-Adapter mit ND-Filter-Einschub449 Euroab Februar 2019
Bajonett-Adapter mit Pol-Filter-Einschub329 Euroab Februar 2019

Images by Canon

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