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5 Lesetipps für den 14. Juli

In unseren Lesetipps geht es heute um Netzneutralität, Ulrike Langer über Journalismus, die Zukunft des Buchhandel und Big Data bei der Weltmeisterschaft im Männerfußball. Ergänzungen erwünscht.

  • NETZNEUTRALITÄT TechCrunch: 647,000 Comments Have Been Sent To The FCC About Net Neutrality: Ende Mai berichtete der Moderator John Oliver in seiner Late Night-Show über das Thema Netzneutralität und die Pläne der US-Handelskommission FCC, diese abzuschaffen. Die FCC hat eine bis dahin nicht sehr beachtete Online-Kommentarfunktion zu der geplanten Reform, auf die Oliver hinwies und seiner Zuschauer bat, dort ihre Meinung zu den für das Internet gefährlichen Plänen zu hinterlassen. Mehr als 647.000 kommentierten daraufhin die Pläne des FCC.
  • JOURNALISMUS Journalist: Interview mit Ulrike Langer: Ulrike Langer ist mehr als nur eine freie Journalistin unter vielen: Sie begreift sich als eigene Medienmarke; das Internet ist ihre Marketing-Plattform. Im Interview mit „Journalist“ erzählt sie, warum genau diese Berufsauffassung der zukünftige Schlüssel zum journalistischen Erfolg ist und was Blogger mit Hobbychirurgen zu tun haben.
  • BUCHHANDEL I Spiegel Online: Über Amazon, Buchmarkt, Literaturbetrieb und Medienkrise: „Begrüßt die neue Zeit mit einer Rose im Mund“, schreibt die Schweizer Schriftstellerin Sibylle Berg in ihrer Kolumne auf Spiegel Online. Statt die Vergangenheit zu betrauern, sollten wir uns ihrer Meinung nach überlegen, wie wir den Buchmarkt von morgen selbst gestalten können – und weder Leser noch Autoren für Idioten halten.
  • BUCHHANDEL II More Intelligent Life: Let’s reinvent the bookshop: Nach Sibylle Bergs Plädoyer für mehr Mut in der Buch- und Literaturbranche zum Wandel sollte man die von der Journalistin Rosanna de Lisie eingessamelten Ideen von vier Architekten und Designer lesen, wie eine in Zeiten von Amazon, E-Books und Medienkrise eine Buchhandlung in Zukunft aussehen sollte.
  • BIG DATA Handelsblatt: Der neue deutsche Co-Trainer ist eine App: Auf Handelsblatt.de stellt Axel Postinett ein interessantes Detail der Arbeit des Trainerstabs der Nationalmannschaft im Männerfußball vor. Mithilfe einer Datenbank-Analysesoftware von SAP sind die Trainer auch am Spielfeldrand in Echtzeit über alle Daten des Spiels informiert. Acht Kameras liefern 5000 Datenpunkte pro Spiel, deren Analyse die Trainer via App sofort abrufen können.

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Friede, Freude, Kopf in den Sand

In seiner Kolumne beschäftigt sich Nico Lumma mit dem Medienwandel und Kompetenzen die damit einhergehen. Nicht nur im Beruf, sondern auch in der Schule und Familie. Diesmal geht es um den deutschen Buchhandel. Der Friedenspreis des deutschen Buchhandels für Jaron Lanier war lange überfällig. Lange dachte man, die Musikindustrie hätte den Schuss nicht gehört und würde die Zukunft verschlafen, aber da haben die Herren der Plattenlabel die Rechnung ohne den Börsenverein des deutschen Buchhandels gemacht. Lange schon führt der Börsenverein einen Kampf gegen das Böse in Deutschland. Das Böse, das ist das Digitale.

Das Böse wird verkörpert von Jeff Bezos und die E-Books sind schlimm, einfach nur schlimm. Na sicher, mit dieser Einstellung kann man einen Verband wie den Börsenverein des deutschen Buchhandels ganz wunderbar positionieren als vermeintlichen Gralshüter des Schönen, Wahren, Guten. Aber ehrlich gesagt wirkt die Führung des Börsenvereins des deutschen Buchhandels wie ein Haufen Ewiggestriger, die nicht mehr verstehen können, welche Veränderungen ihre Branche erfassen und daher verzweifelt versuchen, am Status Quo Ante festzuhalten, denn früher war alles besser.

Jaron Lanier passt da natürlich ganz hervorragend ins Bild. Vom vermeintlichen Saulus zum vermeintlichen Paulus geläutert, verkündet Lanier so zielgerichtet Platitüden, dass man sich durchaus Gedanken über den Zustand deutscher Feuilletons machen muss, die einen derartigen kruden Krempel auch noch feiern. Ein Mahner ist heutzutage jemand, der die Vergangenheit verklärt und Panik vor der Zukunft schürt. Also genau so, wie der Börsenverein des deutschen Buchhandels seit Jahren agiert.

Man könnte ja auch den Friedenspreis des deutschen Buchhandels dafür nutzen, ein Zeichen zu setzen für die neuen Chancen, die sich in alternativen Publikationsformen wie dem Self-Publishing bieten. Immerhin waren im Mai erstmals alle Top-eBooks auf Amazon.de durch einen Selbstverlag entstanden und nicht durch Verlage auf den Markt gebracht. Aber, hey, wo kommen wir denn da hin? Veränderungen werden so lange ignoriert, bis auch der letzte kleine Buchhändler Pleite gegangen ist und die großen Ketten zwischen Nippes und Spielzeug nur noch vereinzelt Bücher anbieten, von Beratung mal ganz zu schweigen. Eigentlich müsste der Börsenverein des deutschen Buchhandels alles versuchen, um Bücher und Leser zusammenzubringen, aber stattdessen fokussiert man lieber auf das weitere Ausprägen von Vorurteilen gegenüber der Digitalsierung und feiert jemanden wie Lanier mit dem Friedenspreis.

 

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