Port Royale 4 im Test – Handel auf hoher See

Kalypso Media ist mit dem vierten Teil ihrer Port Royale Reihe in See gestochen. An karibischen Stränden schippern wir durchs tiefblaue Wasser und handeln oder rauben Güter, um sie in verschiedene Städte zu verteilen. Port Royale 4 (Provisionslink) zeigt sich im Test noch mehr als Wirtschafts- und Handelssimulation als noch der Vorgänger. Man sollte hier kein klassisches Aufbaustrategiespiel erwarten, sondern lieber die Seekarten aus dem Schrank holen und anfangen, die wirtschaftlich profitabelsten Handelsrouten zu errechnen, um seinen Spielfortschritt am besten zu optimieren.

Was erwartet euch bei Port Royale 4?

Im Test von Port Royale 4 habe ich schnell festgestellt, dass das Spiel definitiv perfekt für Perfektionisten ist. Als Spieler verwaltet ihr eine Gruppe an Küstenstädten, die Rohstoffe produzieren sollen und die dazu gehörigen Schiffe, die diese transportieren. Auf dem Meer schlagt ihr euch dabei mit Freibeutern und anderen Nationen um die Vorherschafft. Was Port Royale so besonders macht, ist das Auge fürs Detail. Zum Beispiel wird der Preis eines Gutes nicht einfach festgesetzt, sondern ist flexibel und errechnet nicht nur durch das aktuelle Angebot, sondern auch durch das zukünftige Angebot, durch Produktion und andere Händler.

Für euch heißt das, dass ihr viele Möglichkeiten habt, den Markt zu analysieren und ihn für euch zu nutzen. Zu wissen, wann und wo man verkauft, ist ein wichtiger Teil des Spiels. Nach und nach automatisiert ihr als Spieler immer mehr Abläufe und könnt euch größeren Themen widmen, wie das Erschießen neuer Handelsplätze, oder das Ausbauen dieser.

Zeigt eine Stadt in Port Royale 4
Screenshot einer Stadt aus Port Royale 4

Die Seeschlachten

Die größte Änderung zu seinen Vorgängern, ist das neue rundenbasierte Kampfsystem von Port Royale. Statt in Echtzeit bewegt man nun die Schiffe abwechselnd zum Gegner über das Meer. Dies macht den Kampf zwar übersichtlicher und gibt ihm mehr taktische Tiefe, jedoch kann sich eine größere Schlacht auch einmal ziehen. Ihr werdet schnell merken, dass eure Handelsflotte ohne passende Kriegsschiffe, sollten sie auf Freibeuter stoßen, sofort kapitulieren. Um dies zu vermeiden schickt ihr natürlich, nachdem ihr den passenden Kapitän angeheuert habt, eine Auswahl an bewaffneten Booten mit. Bei der Zusammenstellung eurer Kriegsschiffe könnt ihr auf deren „Taktiken“ achten und diese im Kampf wir Skills aktivieren. Diese Taktiken reichen von einem Schuss auf die Besatzung der Crew bis hin zum Anlocken eines riesigen Kraken, der das feindliche Schiff festhält. Aber auch hier besteht das Problem, dass man besonders bei größeren Schlachten schnell den Überblick verliert und die Runden sich sehr ziehen.

Zeigt ein Schiff in Port Royale 4
Screenshot einer Seefahrt aus Port Royale 4

Das Gameplay von Port Royale 4 im Test

Port Royale ist eine Mischung aus der Anno-Reihe, Sid Meier´s Pirates! und einer klassischeren Wirtschaftssimulation wie Frostpunk. Wie schon vorher erwähnt liegt der Fokus ganz klar auf Automatisierung und Optimierung. Ihr baut Handelsrouten auf, erfüllt Quests, bekommt dafür Gold um Ruhm um eure Schiffe zu verbessern, oder neue Produktionsgebäude freizuschalten, welche ihr dann nutzt, um mehr Güter herzustellen. Die Quests geben euch außerdem die Taktiken für eure Kriegsschiffe oder neue Items wie Schiffe oder Lizenzen zum Bauen. So baut ihr eure Flotte und eure Handelswege. Nach und nach erweitert ihr eure Produktionsgebäude, um die Vormacht in der Karibik an euch zu reißen. Seuchen, Freibeuter und Kriege stehen euch dabei im Weg und sind Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Leider sind die Bauarbeiten, die in den Städten gemacht werden können etwas limitiert, aber so wird der Fokus noch stärker auf die Schifffahrt und den Handel gelenkt.

Das Bild zeigt das Handelsmenü aus Port Royale 4
Screenshot des Handelsmenüs aus Port Royale 4

Die Pros und Cons

Erstmal zum Positiven. Das Spiel ist sehr anschaulich und besonders für Wirtschaftssimulations-Nerds genau das Richtige. Es ist sehr erfüllend, wenn die Handelsrouten funktionieren und alle Abläufe zusammenspielen. Das Auge fürs Detail und die Komplexität der internen Wirtschaft des Spiels ist super und spornt einen an, noch genauer hinzusehen und weiter seine Handelstransaktionen zu optimieren.  

Was mir sofort negativ aufgefallen ist, als ich mit dem Test von Port Royale 4 angefangen habe, sind die Menüs. Ich habe absolut nichts dagegen mich durch viele Menüs zu klicken. Mein Lieblingsspiel dieses Jahr war Crusader Kings 3 (hier der Artikel zu diesem Strategie-Spiel) und da gibt es nochmal um einiges mehr Menüs. Aber Port Royale schafft es leider nich,t diese anschaulich zu gestalten oder sie organisch zusammen laufen zu lassen. Es fühlt sich manchmal fast wie Arbeit an, die richtige Information im richtigen Menü zu finden. Im Warenmenü wäre schon etwas Einfaches wie eine Suchleiste sehr hilfreich, um nicht ständig durch die komplette Liste scrollen zu müssen.

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass sich meiner Meinung der Kampf etwas zieht, was die Taktiken versuchen auszugleichen, aber die Quest mit denen ich die Taktiken bekomme sind sehr repetitiv und haben auch oft die gleichen Belohnungen. Ein weiteres kleines Problem mit den Quests ist, dass wenn ihr den Ort, zu dem sie auch führen soll, noch nicht entdeckt habt, sie euch auf der Karte auch nicht angezeigt wird. Das führt zu langem ziellosen herumschippern und wird schnell frustrierend. Im Late-Game wurden die Baukosten und Lizenzen für diese unbezahlbar, weswegen hier dringend noch einmal am Balancing gefeilt werden muss. Insgesamt hatte ich zwar Spaß mit dem Spiel, aber durch die Menüführung habe ich mich oft mehr wie ein Steuerberater gefühlt, als wie ein furchtloser Seemann.

 


Titelbild Screenshot aus Port Royale 4

Maximilian Fuchs

 

Der bärtige Bayer aus Bayreuth schreibt und diskutiert gerne über alles was mit Medien zu tun hat. Nebenbei studiert er noch Medienwissenschaft und Medienpraxis, kocht gerne und spielt Gitarre.

 

„Top-Ebayer, gerne wieder. 4/5“ – zwergski251 über Max.
Mehr muss man nicht sagen, oder?


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