The Legend of Zelda: Link‘s Awakening im Test – ein Klassiker im neuen Gewand

Was war so los, vor 26 Jahren? In Europa tobte der Bürgerkrieg in Jugoslawien, in Deutschland stiegen die Sportler Franziska van Almsick und Henry Maske zu Idolen auf und ein gewisser Autor dieser Zeilen, war noch weit davon entfernt, geboren zu werden. Und noch etwas passierte: auf dem Gameboy erschien das erste The Legend of Zelda für einen Handheld. 26 Jahre später veröffentlicht Nintendo das Remake eines absoluten Klassiker. The Legend of Zelda: Link’s Awakening entführt uns zurück auf die Insel Cocolint.

Link’s Awakening: Erinnerung an alte Zeiten

Für Spieler des Originals lässt sich zu aller erst festhalten: das Spiel hat sich von seinem eigentlichen Inhalten kaum verändert. Der grün gekleidete Held beginnt sein Abenteuer dieses Mal eher unfreiwillig. Auf einer Reise mit seinem Segelboot gerät der wackere Link in einen furchtbaren Sturm, der seine Schaluppe hin und her schleudert. Ein Blitz lässt sein Boot schließlich zerschellen und nur mit sehr viel Glück wird er an der einsamen Insel Cocolint angespült. Die junge Frau Marin sammelt Link vom Strand auf und pflegt ihn gesund.

Doch so idyllisch es auf Cocolint auch zu sein scheint, Link muss trotzdem wieder nach Hause in sein geliebtes Hyrule kommen. Doch niemand auf der Insel weiß von diesem fremden Reich. Niemand, außer dem Schutzpatron, der Windfisch. Aber jener wird seit längerem von fiesen Albträumen geplagt. Link muss nun also ausziehen, um die acht Instrumente des Windfisches zu sammeln. Denn nur die Melodie des Windfisches vermag es, die bösen Träume zu beenden und den Windfisch zu erwecken.

Besonders die schöne Musik sorgt für ordentlich Nostalgie und fast sogar die ein oder andere Träne der Rührung. Selbst für mich, der nicht einmal das Original vor 26 Jahren, sondern nur die DX-Variante auf dem Gameboy Color gespielt hat, gerät bei den Melodien in Melancholie. Die alten Melodien wurden außerdem sehr schön aufbereitet und unterstreichen die Stimmung perfekt. So schwingt selbst in den lustigsten Moment eine gewisse Melancholie mit. Wenn Link mit seiner neu gewonnen Freundin Marin am Strand sitzt und das Spiel sich langsam dem Ende zu neigt, sorgt dies schon für eine kleine aber feine Geschichte.

Ein klassisches Zelda-Abenteuer

Das Gameplay ist dabei so klassisch, wie es für ein Zelda-Spiel nur geht. Acht Dungeons sind in der Spielwelt verteilt, in jedem gibt es ein neues Item, das man braucht, um den Boss zu besiegen und schlussendlich das nächste Musikinstrument zu finden. Mit dem neuem Item erreichen wir dann den nächsten Dungeon. Abseits der Hauptstory sind überall kleine Nebenaufgaben versteckt. Neben den klassischen Herzteilen und Rubinen, kann Link Angeln gehen, mit dem Floß über den reißenden Fluss fahren und verschiedene Tauschobjekte an die Bewohner der Insel weitergeben.

Ein sehr wichtiges Detail sind die neuen Item-Funktionen des Remakes. Items können auf die Y- und X-Knöpfe gelegt werden. Dies war früher nicht möglich, schließlich hatte der gute alte Gameboy ja nur zwei Tasten. Auch Ausrüstungsgegenstände, wie Schwert, Schild und Krafthandschuhe müssen nicht mehr extra als Items ausgerüstet werden. Früher musste man zum Beispiel innerhalb von drei Dungeon-Räumen zwischen fünf verschiedenen Gegenständen hin und her wechseln. Dieses Problem wurde nun angepasst und macht einen riesigen Unterschied.

Finstere Tempel und viele alte Bekannte

Auch bei den Bosskämpfen hat sich einiges getan. Waren diese früher doch recht pomadig unterwegs, sind sie jetzt aktiver und dadurch auch anspruchsvoller. Die Dungeons sind alle recht kurz, aber auch sehr gut aufgebaut. Serienveteranen werden zwar nur selten gefordert, für Neueinsteiger eignet sich Link’s Awakening jedoch perfekt. Die Tempel spielen sich dabei alle abwechslungsreich und spaßig.

Besonders lustig sind die vielen Eastereggs, die sich auf andere Nintendo-Serien beziehen. In manchen Dungeons treffen wir auf Gumbas, Shy Guys und Piranha-Pflanzen und beim Greifarm-Minispiel gibt es eine Yoshi-Puppe zu gewinnen. Die musikalischen Erneuerungen der Originalmusik des Gameboys sorgen für Freude und auch bei mir für Nostalgie.

Erschaffe deine eigenen Dungeons

Ein wirklich komplett neues Feature ist der Kammer-Labyrinth-Generator. In der alten Hütte des aus verschiedenen Zelda-Spielen bekannten Totengräber Boris können wir in Link’s Awakening eigene Dungeos bauen. Nachdem wir jeden Tempel beendet haben, erhalten wir die einzelnen Kammern zum Bauen. Die Kammern können dann so zusammengeschoben werden, wie wir das möchten, um eigene Kerker zu erschaffen. Die Dungeons speichern wir auf die kompatiblen Zelda-Amiibos und nehmen sie zu Freunden mit. Diese müssen dann versuchen, unsere Zeit zu schlagen. Mit der neuen Links’s Awakening Amiibo kann außerdem die böse Variante unseres Helden Schatten-Link als Mini-Boss platziert werden.

Link’s Awakening reizt die Nintendo Switch voll aus

Vor allem die Grafik spricht für dieses Remake. Der cartoonige Grafikstil scheint zwar nicht jedem zu gefallen, für mich sieht es aber absolut top aus. Die Welt und die Charaktere haben einen tollen Diorama-Stil und sehen fast ein wenig aus, wie kleine Spielzeuge. Das Spiel sieht hübsch aus. Problematisch wird es nur beim Wechsel zwischen den einzelnen Bildschirmen. Hier werden die sonst konstanten 60 Bilder auf 30 Bilder herunter reguliert. Dies sorgt für kleine Ruckler von eins bis zwei Sekunden, welches auf Dauer etwas nervig wird.

Link’s Awakening ist dabei ein eher kurzes Spiel. Vor allem, wenn man das Original bereits kennt, kommt man in gut und gerne 9 Stunden durch das Abenteuer. Mit Nebenaufgaben erhöht sich die Spielzeit natürlich dementsprechend. Der Schwierigkeitsgrad ist eher seicht. Bereits zu Beginn werden uns die Herzteile gerade zu hinterhergeworfen, sodass wir in kurzer Zeit unsere drei mickrigen Herzen bereits auf ein angemessenes Maß anheben können. Auch kann bereits von Beginn an der Heldenmodus angewählt werden. Hier verursachen Gegner doppelt so viel Schaden und in Grasbüschel verstecken sich keine Notfallherzen mehr. Das macht das Spiel dann bereits um einiges anspruchsvoller, aber wirklich oft wird Link dadurch auch nicht ins Gras beißen.

Eine Neuauflage für Jung und Alt

Link’s Awakening ist schlussendlich ein richtig schönes Remake geworden. Sowohl für Fans des Originals, aber auch für Neueinsteiger ist einiges dabei. Links zweites Switch-Abenteuer ist dabei ein ganz anderes Spiel, als Breath of the Wild, sehr viel klassischer. Der schwierige Spagat wurde auf beeindruckende Art und Weise geschafft. Dies macht das Spiel zu einer echten Retro-Perle, welche sich auch für den Vollpreis definitiv lohnt.

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Images by Nintendo via igdb.com

Philipp Bader

ist Journalistik-Student an der Hochschule Hannover und hat seit dem unter anderem bei der N-Zone in Fürth und beim Lokalteil der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung einige Erfahrungen sammeln können. Ob Videospiele, Filme oder Serien - in diesen Bereichen fühlt er sich am wohlsten.


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