Ace Attorney – Wenn Anwälte auf einmal cool sind

Objection! Ein lauter Ausruf, der mittlerweile in die Gaming-Historie eingegangen ist. Ein Mann mit Igelfrisur, der seinen linken Zeigefinger entschlossen auf den wahren Täter richtet. Der Mörder bricht zusammen und ein weiteres Mal werden die Worte „Nicht Schuldig“ eingeblendet, während Konfetti auf meinen Mandanten herunterfällt. Was ich gerade beschrieben habe, ist einer der Momente, die man nur in einer etwas speziellen, aber auch liebenswerten Spielereihe erlebt: Ace Attorney. Die originale Trilogie gehört zu den interessantesten story-lastigen Videospielen, die ich je gespielt habe und ist nur zu empfehlen. Und wer weiß? Vielleicht kann ich euch diese Reihe ja mit einem kleinen Text schmackhaft machen.

Das Leben eines Ace Attorneys

Ace Attorney erschien ursprünglich 2001 für den Game Boy Advance. Alle drei Teile wurden auf dem Nintendo DS noch einmal veröffentlicht und schließlich 2014 in der „Ace Attorney Trilogy“ zusammengefasst. Wir  steuern den Strafverteidiger Phoenix Wright und verfolgen seine Karriere vom ersten Fall an. In der Trilogie erleben wir drei in sich geschlossene Geschichten, die aber auch immer wieder aufeinander aufbauen. Begleitet werden wir dabei bei von seiner Assistentin Maya, einem Medium, die mit den Geistern kommunizieren kann. Phoenix vertraut auf die Unschuld seiner Mandanten und ist fest entschlossen, diese zu retten. Die Geschichte spielt in einem sehr japanisch angehauchten Amerika in der nahen Zukunft. Oder mittlerweile bereits wieder in der Vergangenheit, in den Jahren 2016, 2017 und 2018. Die Besonderheit dieser fiktiven Zukunft: aufgrund hoher Kriminalität dürfen Gerichtsverhandlungen sich höchstens über drei Tage hinwegstrecken.

Ace Attorney ist ein Visual-Novel-Adventure. Es wird also viel gelesen. Das Gameplay besteht vor allem aus Untersuchungstagen im Adventure-Stil und Gerichtsverhandlungen, bei denen wir mit den gefunden Beweisen den Fall neu aufrollen. 

An den Untersuchungstagen bewegen wir uns von Ort zu Ort und durchsuchen die Umgebung nach Hin- und Beweisen, die uns vor Gericht behilflich sein können. Wir befragen Zeugen und kitzeln, mithilfe von Mayas magischen Magatama auch noch die letzten Informationen aus ihnen heraus. Dabei lösen wir im wahrsten Sinne des Wortes Schlösser im Unterbewusstsein der Zeugen und erfahren Geheimnisse, die sie uns vorher nicht mitteilen wollten.

Die Wahrheit liegt im Gerichtssaal

Im Gericht geht es dann ans Eingemachte: Hier treffen wir auf den jeweiligen Staatsanwalt des Spiels. Dieser fordert euch mit manchmal mehr oder weniger legalen Methoden heraus. Wir hören die Aussagen verschiedener Zeugen und setzen ihnen daraufhin mit Worten zu, um weitere Informationen aus ihnen herauszupressen. Nun präsentieren wir an den richtigen Stellen die entscheiden Beweise, und kommen der Wahrheit immer näher. Schließlich steht der wahre Täter im Zeugenstand versucht sich mit waghalsigen Lügengeschichten aus der buchstäblichen Schlinge zu ziehen. Mit dem finalen Schlag bricht der Täter dann auseinander und wir konnten einen weiteren unschuldigen Mandanten retten. 

Im ersten Teil von Ace Attorney starten wir die Karriere unseres Lieblingsanwalts, indem wir sofort unseren besten Freund Larry Butz verteidigen. Ein Schicksalsschlag im zweiten Fall raubt uns gleich einen Phoenix sehr nahe stehenden Menschen und führt Maya Fey ein, die wir nicht nur verteidigen. Sie begleitet uns fortan auch auf unserer Reise. Bei der Ermittlung des wahren Täters kommen wir einem 15 Jahre alten Fall auf die Spur, der in irgendeiner Weise mit dem ziemlich arroganten Staatsanwalt Miles Edgeworth zusammenhängt. Diesen scheint Phoenix auch noch aus Kindheitstagen zu kennen.

Die Rückkehr des Ace Attorneys

In Teil Zwei „Justice for all“ trifft Phoenix Maya nach einer kleinen Pause in ihrem Heimatdorf wieder, nur um sie gleich wieder verteidigen zu müssen (ein gewisser Trend in dieser Reihe). Die Staatsanwältin Franziska von Karma hat mit Phoenix noch eine Rechnung offen und schwingt im Gerichtsaal mit ihrer Peitsche hin und her. Im großen Finale des Spiels verschwindet Maya auf unbekannte Art und Weise. Um sie zu retten, muss Phoenix einmal mehr all seine Finesse als Strafverteidiger unter Beweis stellen.

Im dritten Teil „Trials and Tribulations“ lernen wir mehr über Phoenix Vergangenheit, treffen viele alte und neue Gesichter und treten im Gerichtssaal gegen den mysteriösen Maskenmann Godot an, der ebenfalls eine Verbindung zu Phoenix zu haben scheint. Dies mündet in einem großartigen Abschluss der Trilogie, zu dem ich hier nichts verraten möchte. Einfach einmal selbst ausprobieren.

Merkwürdige Menschen

Der Fokus dieser Reihe liegt auf jeden Fall auf den Charakteren. Diese sind nämlich vor allem eines: skurril. Vor allem die Zeugen, die ihre Versionen der Ereignisse vor Gericht auf kuriose Art und Weise wiedergeben. Ein Clown, ein Bauchredner und sogar ein Papagei sind nur einige Beispiele für lustige Nebenfiguren, die wir an den Tatorten und im Gericht treffen. Hinzu kommen die sympathischen Protagonisten Phoenix und Maya, Phoenix ehemalige Chefin und Mayas Schwester Mia Fey, der etwas inkompetente aber herzensgute Detetctive Gumshoe und Staatsanwalt Miles Edgeworth. Der anfänglich so arrogante und teilweise skrupellose Edgeworth durchlebt eine Charakterentwicklung, die ihm nicht nur zu einem Fan-Favorite macht, sondern auch noch zwei eigene Spin-Off-Games ermöglichte.

Natürlich kann das viele Lesen und vor allem das Text Weiterdrücken manchmal ermüden. Auch einige Zeugenaussagen und Untersuchungen können anstrengend werden, da das Spiel teilweise seine ganz eigene Logik besitzt. Es gibt kaum etwas nervigeres, stundenlang hin und her zu rennen, nur weil man an irgendeiner Stelle nicht den Mülleimer angeklickt hat, um das nächste Script zu aktivieren.

Ein wahrer Ace Attorney

Doch wenn es ernst wird, erlebt der Spieler in Ace Attorney einige der spannendsten Momente und Geschichten der Videospielgeschichte. Das langsame Entschlüsseln der Wahrheit, das komplette Auf-den-Kopf-stellen eines Falles und das Angreifen des wahren Täters, bis er schließlich auseinander bricht. Unterstrichen von der antreibenden und großartigen Musik fühlt sich der Spieler, wie ein absoluter Meisterdetektiv, der die Wahrheit ans Licht bringt.

Ace Attorney ist eine meiner absoluten Lieblings-Spielereihen. Ich verbinde ein paar der besten Gaming-Erinnerungen mit diesen Spielen. Der Kult-Status, den die Reihe inne hat, zeigt, dass dies wohl nicht nur bei mir der (Kriminal-)Fall ist. Nicht umsonst umfasst die Serie mittlerweile sechs Teile und zwei Spin-Offs. Phoenix Wrights Geschichte ist also noch lange nicht zu Ende erzählt. Und ich freue mich schon jetzt darauf, mir wieder meine Anwaltsmarke anzustecken und „Einspruch“ zu rufen.

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Images by Capcom

Philipp Bader

ist Journalistik-Student an der Hochschule Hannover und hat seit dem unter anderem bei der N-Zone in Fürth und beim Lokalteil der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung einige Erfahrungen sammeln können. Ob Videospiele, Filme oder Serien - in diesen Bereichen fühlt er sich am wohlsten.


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