Destination Check: German Creative Economy Summit

Zum dritten Mal fand der German Creative Economy Summit nun bereits in Hamburg statt. Vom 28. bis zum 29. April öffnete der Kulturhotspot Kampnagel dieses Jahr erneut seine Tore für zahlreiche Interessierte der Kreativwirtschaft. Auch wir waren vor Ort! 

Unterstützt von der Kultur- und Medienstadt Hamburg und der Hamburg Kreativ Gesellschaft, hat sich der German Creative Economy Summit mittlerweile zum bundesweiten Mainevent der Kreativwirtschaft herauskristallisiert. Seit 2024 widmen sich hier kreative Köpfe der Wissensvermittlung und einem gemeinsamen Austausch. Zwei Tage lang wurde sich vor Ort vernetzt, spannenden Beiträgen gelauscht und das sommerliche Wetter im Spätapril genossen.  

Das diesjährige Event stand dazu im Zeichen der Künstlichen Intelligenz, und ihrer Auswirkungen auf eben diese Kreativwirtschaft. Der German Creative Economy Summit will ihre Rolle und Position sichtbarer machen, und vor allem auch stärken. So soll sie auch in Zukunft als eigener Wirtschaftsfaktor bestehen bleiben und kreative Zukunftsperspektiven bieten können. 

Das Theaterhaus Kampnagel ist normalerweise Bühne für moderne Theater-, Tanz- und Musikperformances. Die Sääle bieten daher reichlich Platz und guten Blick und die Location atmet in der alten Fabrikhalle einfach kreativen Spirit. Neben vier Veranstaltungsräumen – K6, K4, K2 und P1 – mit klassischen Bühnen und Zuschauerräumen, warten mit dem Foyer und einem eigenen Kino auch zwei unkonventionellere Stages auf die Gäste. In dem mit bunten Wimpelgirlanden geschmückten Foyer, konnte den Vorträgen mit einer speziellen App und Kopfhörern gelauscht werden. 

Wenn sie gerade mal keine Präsentation, Panel-Diskussion oder Masterclass besuchten, vertieften sich Besucher*innen aus allen Altersgruppen in spannende Unterhaltungen. Ob auf weichen Sofas, robusten Holzbänken oder bunt zusammengewürfelten Sesseln, war der Austausch untereinander ein signifikanter Teil des Events. Zusätzlich zu den Holzbänken, warteten draußen auch Foodtrucks darauf die Gäste mit Speisen und Getränken zu versorgten. 

Das Programm 

Zwei Tage lang sprachen mehr als 150 Speaker*innen über Themen rund um die KI und die Kreativwirtschaft. Unter anderem beschäftigten sie sich mit dem Wandel von Geschäftsmodellen, der gesellschaftlichen Bedeutung von sozialen Plattformen und den ethischen, politischen und wirtschaftlichen Fragen dahinter. Der Fokus lag dabei in den meisten Fällen darauf, wie man der Kreativwirtschaft den Rücken stärken, und zugleich beim Fortschritt am Ball bleiben könne. 

Nach Grußworten und Statements verschiedenster Politiker*innen, wie dem Hamburger Kultursenator Dr. Carsten Brosda und Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer, startete das Rahmenprogramm mit einer gefühlvollen musikalischen Einlage der Hamburger Musikerin LÙISA. 

Da alle sechs Stages parallel bespielt wurden, konnten sich Teilnehmende zwischen insgesamt über hundert Programmpunkten entscheiden. Mit Workshops, Vorträgen, Masterclasses oder Panel-Diskussionen war für alle etwas dabei. Auch inhaltlich warteten abwechslungsreiche Themen auf uns. Im Alabama-Kino gab es zudem die Premiere der Dokumentation „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“.

Unsere Highlights 

So konnten wir Newsfluencer Fabian Grischkat und Head of YouTube Social Sales Peter Hoffmann zuhören, wie sie über die Verantwortungen der sozialen Plattformen gegenüber Creator*innen und User*innen sprachen. Moderiert wurde das Ganze von Tamara Güçlü, die auf der größten K6-Bühne gekonnt, und stets mit einem lustigen Spruch auf den Lippen, durch beide Tage leitete. 
Am Tag zuvor erklärte uns Influencerin Vera Bauer (Tech like Vera), dass sich Social Media gerade selbst abschafft, und was ausgerechnet KI-Früchte damit zu tun haben. Nach der Dead-Internet-Theory interagieren zunehmend mehr Bots und KI-Systeme mit dem von ihnen in Massen selbst generierten Content. Die Fruit Love Island-Serie auf TikTok ist ein Paradebespiel für KI-generierte Inhalte, das Millionen von User*innen in ihren Bann zieht. 

Ein weiteres persönliches Highlight des German Creative Economy Summits war Michelle Münterfering. Sie ist CEO und Sprecherin der Produktionsallianz Deutscher Produzent*innen für Film, Fernsehen und Audiovisuelle Medien und sprach, wenig überraschend, über KI in der Filmindustrie. Ihren Fokus legte sie hierbei auf die deutsche Industrie. Dabei betonte sie wie wichtig es sei, KI auch als Chance zu sehen. Deutschland solle versuchen sich an der Entwicklung von KI zu beteiligen, um so die Regularien mitbestimmen zu können, findet sie.

Maurice van gen Hassend erzählte, wie Inhalte fernab von Relevanz durch Emotionalisierung, Unterhaltung und die Algorithmen an Aufmerksamkeit gewinnen können. Der Social und Culture Innovation Experte ging auch auf die Flut an – nicht selten KI-generierten – Desinformationen auf Social Media ein, die User*innen zusätzlich die Wahrheitsfindung erschwert.  
Trotzdem sind viele Menschen abhängig von sozialen Plattformen, nicht zuletzt, weil sie einen wichtigen Faktor für die soziale Vernetzung darstellen. Politikwissenschaftlerin Charlotte Freihse untersuchte mit der Bertelsmann Stiftung diese Abhängigkeit, das individuelle Bewusstsein für sie und die dennoch ausbleibenden Verhaltensänderungen. Im Zuge dessen ging sie auch auf die wachsende ökonomische und politische Macht der Plattformen ein. 

Ein prall gefüllter Zuschauerraum vor der Kampnagel Main Stage
Der Zuschauerraum der K6-Bühne war stets gut gefüllt.

Interviews mit Besucher*innen 

Auch dieses Jahr haben wir für unseren Destination Check die Eindrücke von Besucher*innen des German Creative Economy Summits gesammelt. 

Lisa Demetz ist Projektmanagerin des OM7 Business Innovation Centers aus Nürnberg. Das Kreativwirtschaftszentrum unterstützt Kreativschaffende mit Gründungsprogrammen, Arbeitsräumen und vielfältigen Veranstaltungen.  

Wie gefällt dir der German Creative Economy Summit und was war bis jetzt dein Highlight? 

Tatsächlich habe ich die ganzen verschiedenen Begrüßungsreden zum Auftakt gehört und fand es super spannend, mit dem großen Thema KI dieses Jahr im Mittelpunkt, wie unterschiedlich die Leute, die gesprochen haben, an das Thema rangegangen sind.  
Das ging von in meinen Augen sehr, sehr oberflächlichen Beiträgen zu wirklich schon sehr, sehr tiefen und anspruchsvollen, dazu was man zukünftig für die Kreativwirtschaft machen kann, um mit KI umzugehen. Ich fand das ganz spannend, weil das etwas ist, was ich auch aus meiner täglichen Arbeit kenne: Dass man von sehr, sehr low-level zu high-end ganz viele Meinungen hat und keiner so genau weiß, was mit KI gerade so passiert. 

Hast du auch etwas, worauf du dich noch freust? 

Ja, ich freue mich tatsächlich auf den Workshop heute Nachmittag, den eine Bekannte von mir macht. Von schlechten Sprachnachrichten zu grandiosen Zukunftsvisionen: Eine KI-unterstützte Reflexion über die Zukünfte der Kultur und Kreativwirtschaft. Ich freue mich darauf, weil ich hoffe, dass man da auch ein bisschen mitmachen kann. 
Das schätze ich sehr an solchen Events, das Vernetzen mit anderen Leuten, und auch Inspiration zu bekommen. Ich finde es einfach immer sehr, sehr spannend mal rauszukommen und zu sehen, was bei anderen so abläuft. 

Nutzt du in deinem Berufsalltag auch schon KI? 

Ja, auf jeden Fall. Also wir nutzen vor allem im Moment Large Language Models. Wir sind von ChatGPT zu Claude umgestiegen, und nutzen das schon sehr, sehr viel für kreative Prozesse, Planung, Strategie. Dann haben wir auch für Bilderstellung verschiedene Programme. Ich glaube, wir könnten noch viel mehr nutzen und ich bin da auch sehr neugierig, was es noch so gibt. 

Und zu guter Letzt – KI in der Kreativbranche, Fluch oder Segen? 

Ich finde das ganz spannend, dass ich wirklich sagen kann, dass ich das noch nicht weiß und ich glaube, dass es beides sein kann und auch definitiv beides ist. Ich finde es super spannend, zu gucken, wie es weitergeht. Ich habe das Gefühl, ich stehe in der Mitte und beobachte alles. Manchmal ist es positiv und manchmal ist es negativ. 
Wünschen würde ich mir natürlich, dass es ein Segen ist, aber ich glaube, dafür müssen wir wirklich was tun, müssen uns positionieren und müssen wirklich sehr viel darüber nachdenken, wie wir es nutzen wollen. Also in meinen Augen, wenn man es zu etwas Positivem entwickeln will, muss man in den Driver-Seat kommen, und Dinge tun und ausprobieren und nicht nur darauf reagieren. 


Helma Cramer wohnt in der Nähe von Hamburg und interviewt hauptberuflich Bands. Mit ihren Speed-Interviews als Promotion-Tool für mehr Sichtbarkeit von Musiker*innen ist sie in der Musikbranche tätig. Aus diesem Grund ist gerade die Urheberrechtsthematik im Umgang mit Künstlicher Intelligenz ein wichtiges Thema für sie. 

Wie gefällt dir der German Creative Economy Summit und was sind deine Highlights? 

Begeistert bin ich von Carsten Brosda total, weil er ein, finde ich, ganz kluger Mensch ist, der bei seinem Anführungsvortrag extrem gut die Komplexität erkannt hat. Ich finde er ist auch sehr vorausschauend und hat viele gute Impulse gesetzt. 
Ich freue mich einmal aufs Networken generell, und auch den Vortrag Future Collaboration: Neue Formen der Zusammenarbeit für eine komplexe Welt finde ich sehr spannend. Eigentlich sind fast alle Sachen spannend, man kann sich gar nicht richtig entscheiden. Was ich auch interessant finde, ist KI, Urheberrecht, Business: Wem gehört Kreativität im neuen KI-Zeitalter? Urheberrecht ist ein ganz wichtiges Thema, gerade auch im Bereich Musik und Kunst. Dann auch Unsouverän! Europas Umgang mit Kunst, Kultur & Kreativität, weil ich finde, dass es auf jeden Fall auch eine europäische Frage ist, die gelöst und angegangen werden sollte. 

Nutzt du in deinem Berufsalltag auch schon KI? 

Ich benutze gar keine KI in meinem Beruf, sie findet aber sehr viel in meinen Gedanken statt. Das gilt für mich und das gilt, glaube ich, auch insgesamt für alle im Moment. Durch die KI merken wir eigentlich erstmal ganz deutlich, dass wir alle eine Seele haben und diese behalten wollen. Man merkt, wie man einen ganz großen Fokus darauf hat, wie man es für sich nutzen kann – oder ob man es überhaupt muss. 

Ich selber falle ich da komischerweise raus. Wenn ich Kommunikation habe, hilft es mir auch nicht, weil meine Kommunikation davon lebt, dass sie persönlich ist. Also, ich brauche sie nicht, das hat sich nicht ergeben bis jetzt.  
Ich habe mal von jemandem ein schön verdrehtes Zitat bekommen, der hat mir gesagt: „Kunst kommt nicht von Können, sondern von Müssen.“ Eigentlich heißt es, glaube ich: „Kunst kommt nicht von Können, sondern von Wollen.“ Aber ich finde das mit dem Müssen eigentlich viel besser, weil das trifft es bei mir. Wenn ich mir nicht gerade irgendwas ausdenke oder ein Projekt habe, kann ich es eigentlich nicht aushalten. Ich muss irgendwas tun und da frag mich, kann ich das irgendwann mit KI machen?

Vielleicht. Aber das, was ich bräuchte, das habe ich entweder schon oder gibt es noch nicht. Kann ja noch kommen. Aber diese KI-Sachen sind ja alle sehr sprachen- und mengenbasiert, und ich mache etwas sehr persönliches. 
Auch bei der Einführung heute, da ging es viel mehr um Fragen. Da hieß es nicht: “Leute, hier geht es lang”, sondern es ging viel um diese Auseinandersetzung, was passiert hier eigentlich gerade? Die Antwort hat keiner so richtig, wir sind in der Findungsphase. 

Und zu guter Letzt – KI in der Kreativbranche, Fluch oder Segen? 

Das ist eine Frage, die ich nicht mit Sicherheit beantworten kann. Vom Gefühl her ist es eher so, dass es mich tendenziell beängstigt. Ich habe das Gefühl, ich komme gar nicht hinterher, weil es so viele Entwicklungen gibt. Wie soll ich das um Gottes Willen in meiner kleinen Zeit alles bewältigen? 
Irgendwie gibt es auch Möglichkeiten, aber im Moment ist es ein Fluch. Der Weg muss noch gefunden werden – ob es einen Weg gibt, wird sich zeigen. Der Prozess ist sehr komplex und es sind viele Fragen, die wichtig sind, noch nicht geklärt. Wie zum Beispiel der Umgang mit dem Urheberrecht und so weiter. Eigentlich ist die technische Entwicklung zu schnell und das Begreifen, das kommt nicht hinterher.

Und dann ist ja auch noch die Frage, was ist denn KI? Sind das nur diese sprachbasierten Modelle oder ist das auch was anderes? Bei den anderen Sachen, die jetzt nicht rein sprachlich basiert sind, würde ich auf jeden Fall sagen, das ist ein Segen für die Menschheit. Aber diese sprachbasierten Dinge, die sind noch überhaupt gar nicht ausgereift. Kann man schon mal irgendwie nutzen und so, aber das ist doch noch am Anfang der Entwicklung. Auch die Ressourcen, die benutzt werden, stehen ja noch nicht fest.   

Studiert Medien und Kommunikation in Hamburg. Interessiert sich besonders für digitale Trends und Entwicklungen und dafür, wie sie unsere Welt verändern.


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