Girls Go STEM

MINT, oder auf Englisch STEM, ist die Abkürzung für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Berufe in diesen Bereichen sind essenziell für unsere Zukunft, doch nur etwa ein Drittel der Absolvent*innen von MINT Studiengängen sind Frauen. In der Berufswelt sieht das ähnlich aus, nur 28% der MINT-Fachkräfte weltweit sind weiblich. Und gerade in rasant wachsenden Bereichen, wie der Informationstechnik oder Künstlichen Intelligenz, fehlt es an genau diesen Fachkräften. 

Durch Stereotype und Chancenungleichheiten, die schon in der Schule anfangen, ist es schwierig für junge Mädchen Fuß zu fassen. Aus genau diesem Grund rief das Europäische Institut für Innovation und Technologie (EIT) 2020 Girls Go Circular ins Leben. Warum das mittlerweile unter dem Namen Girls Go STEM agiert und wie ihr daran teilnehmen könnt, erfahrt ihr in diesem Artikel.  

Girls Go Circular 

Girls Go Circular ist eine von der EU geförderte Bildungsinitiative. Unterstützt wird sie zudem von EIT RawMaterials, dem größten Rohstoffnetzwerk weltweit, und der Abteilung der europäischen Kommission für Bildung, Jugend, Sport und Kultur. So kann ganz ohne Kosten an ihr teilgenommen werden. Was essenziell ist, da die Teilnehmer*innen primär Schülerinnen im Alter von 14 bis 19 Jahren sind. 

Die Initiative will das Interesse von Mädchen an MINT-Fächern wecken. Sie sollen Selbstbewusstsein gewinnen, um sich in den Männer dominierten Feldern durchzusetzen. Das soll mit einem digitalen Lernprogramm erreicht werden, welches sogar schon den Weg ins Klassenzimmer gefunden hat. 

Seit ihrer Gründung 2020 ist Girls Go Circular in mehr als 1.000 Schulen in über 30 europäischen Ländern vertreten. Über 80.000 Schülerinnen und Schüler haben in der Zeit das Programm erfolgreich abgeschlossen – Jungen dürfen nämlich auch teilnehmen.  

Sie sind mit einem Teilnehmeranteil von 14% deutlich in der Minderheit, der Initiative ist es aber wichtig, Jungen nicht aktiv auszuschließen. Neben der Begeisterung junger Mädchen für MINT Fächer, strebt Girls Go Circular auch eine gerechtere Zukunft an. Und die gelingt nur, wenn wir alle zusammen daran arbeiten. In Mixed Learning Environments sollen geschlechterspezifische Vorurteile und Stereotypen aufgebrochen werden. Dabei ist das Ziel dem Gender Pay Gap entgegenzuwirken.  

Der Gender Pay Gap beschreibt den Einkommensunterschied abhängig vom Geschlecht. In Deutschland liegt er unbereinigt, also ohne die Berücksichtigung struktureller Faktoren wie Beruf, Position oder Arbeitszeit, bei 16%Das bedeutet, dass Frauen im Schnitt 16% weniger pro Stunde verdienen als Männer.
Hier spielt auch die geringe Präsenz von Frauen in MINT-Berufen eine Rolle, da diese Berufe meist gut bezahlt, zukunftssicher und mit guten Aufstiegschancen versehen sind. Girls Go Circular sieht es als wichtigen ersten Schritt im Kampf gegen den Gender Pay Gap an, ihn anzuerkennen und zu benennen.
 

Das Ziel

Um Mädchen den Weg in Berufe im MINT-Bereich zu erleichtern, bringt Girls Go Circular ihnen digitale, ökologische und unternehmerische Fähigkeiten bei. Außerdem befassen sich die Schülerinnen mit der Kreislaufwirtschaft, oder Circular Economy. Sie ist namensgebend für Girls Go Circular und beschreibt ein Wirtschaftsmodel in dem Nachhaltigkeit die Hauptrolle spielt. Grundsätzlich will die Kreislaufwirtschaft Abfall vermeiden, indem der Fokus bei Produkten auf deren Langlebigkeit, Reparatur und Wiederverwendung gesetzt wird.  

Um diesen Fokus zu erweitern und noch mehr Schülerinnen zu erreichen, nannte sich die Initiative Ende 2025 in Girls Go STEM um. Die Idee: neuer Name, breiterer Fokus, mehr Themenfelder. 
STEM ist die englische Version für MINT und die Abkürzung für Sciene, Technology, Engineering und Mathematics. So soll sich der Fokus von der Kreislaufwirtschaft auf viele andere Bereiche ausweiten.
 

Weiterhin findet das Programm überwiegend online statt. In vielfältigen Modulen, rund um Künstliche Intelligenz, nachhaltige Mode und den Klimawandel, können Schülerinnen ihre Fähigkeiten testen und erweitern. Dafür wurde eine eigene Online-Lernplattform entwickelt: der Circular Learning Space. 

Circular Learning Space 

Die Plattform möchte europäische Schulen auf dem Weg zur digitalen Bildung unterstützen. Sie ist in allen 24 Amtssprachen der EU verfügbar und für jede*n zugänglich, zur Website kommt ihr hier.

Rund 18 herausfordernde Module warten darauf bearbeitet zu werden. Die Aufgaben sind von Problemen aus dem echten Leben inspiriert, für die die Schülerinnen alleine, oder auch in Gruppen, Lösungen finden sollen. 
Nachdem sie die Einführungsmodule zur Kreislaufwirtschaft und sicherem Verhalten im Netz abgeschlossen haben, können sie sich auf die Wahlmodule stürzen. In diesen geht es um Themen wie Elektroschrott, Plastik und Lebensmittel – alles unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Die Module umfassen Videos, Podcasts, Lernmaterialien und Gruppen-Herausforderungen, sowie Roleplays. Konkrete Aufgaben sind beispielsweise die Entwicklung eines App-Mock-Ups oder das Erstellen eines Geschäftsplans. 

Nach Abschluss eines Wahlmoduls erhalten die Schülerinnen ein themenspezifisches Zertifikat. Das übergeordnete Programme Completion Certificate wird nach Bestehen des Abschlusstestes ausgestellt. 

Für Schulen ist der Circular Learning Space eine willkommene Ergänzung für den Unterricht. Lehrer*innen können die Plattform mit speziellen Lehraccounts nutzen und so den Fortschritt ihrer Schülerinnen verfolgen. Um solch einen Zugang zu erhalten, können Lehrkräfte eine E-Mail an girlsgocircular@eitrawmaterials.eu senden. So bekommen sie einen individuellen Link für ihre Schule, über den sich ihre Schülerinnen registrieren können. Auf diese Art sind Lehrer*innen und Schülerinnen Accounts direkt verknüpft.

Allen, die mehr über die Digitalisierung in Schulen erfahren möchte, empfehle ich unsere Podcastfolge zu dem Thema. Zu Gast waren Emilia Sommer für die Schüler*innen-Perspektive und der ehemalige Lehrer und Schulleiter Gert Mengel. 

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von open.spotify.com zu laden.

Inhalt laden

Ein Teil von Girls Go STEM sind die sogenannten Student Challenges. Von ihren Lehrkräften betreut, sollen die Mädchen verschiedenste Technologien entdecken und die Möglichkeit bekommen, ihre Talente, Kreativität und Gelerntes anzuwenden. Bei den Student Challenges geht es darum für Herausforderungen, oder Challenges, aus der echten Welt, in Teams Lösungen zu designen. Um daran teilnehmen zu können, müssen die Schülerinnen mindestens zwei Module des Circular Learning Space absolviert haben.  

Women and Girls STEM Forum

Die besten Teams aus den teilnehmenden Ländern werden schließlich zu dem jährlichen Highlight-Event Women and Girls STEM Forum eingeladen. Seit fünf Jahren wird es von Girls Go STEM, der EIT Community und der Europäischen Kommission organisiert. Dabei übernimmt Girls Go STEM die Reisekosten für die eingeladenen Teams und jeweils eine begleitende Lehrkraft. Letztes Jahr, 2025, fand das Event in Brüssel, der Hauptstadt von Belgien, statt und wurde von dort livegestreamt. 

Das Thema in dem Jahr war Cybersecurity, die Schülerinnen sollten sich ein Tool für eine sicherere Internetnutzung überlegen. Die Challenge war es dieses Tool zu designen und in einem Video vorzustellen. Im Finale durften die drei Top-Teams ihre Idee auf der Bühne vor Publikum und einer Jury präsentieren. Verliehen wurden dann der Jury-Award und ein Publikumspreis. Im Publikum fanden sich neben Schülerinnen, Lehrer*innen und Organisator*innen auch Politiker*innen, Expert*innen und Firmen. 

Den offiziellen Jury-Award gewann LegIT aus Zypern, mit Aanvi Tandon und Sophia Cagnetti. Cookie Crumblr aus dem Vereinigten Königreich erhielt den Publikumspreis. Beide Konzepte beschäftigen sich mit Cookies und wie sie – unabhängig von Alter oder Technikaffinität – von jede*m verstanden und eingeschätzt werden können.

Cookies sind im Grunde Textdateien, die Informationen wie Login Daten oder Websiteeinstellungen enthalten und von eurem Browser lokal abgespeichert werden. So sollen Websites nutzerfreundlicher gestaltet werden. Es gibt aber auch andere Cookies, die zum Beispiel von Dritten genutzt werden, um das Nutzerverhalten für Werbezwecke auszuspionieren. 

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Girls Go STEM will Schülerinnen durch das Lernen verbinden und ihnen nicht nur die Skills, sondern auch das Selbstvertrauen, geben ihren Platz im MINT-, oder STEM-Feld, zu finden. 

Die Zukunft – Girls Go STEM 

Aus diesem Grund findet seit letztem Jahr die bereits angesprochene Erweiterungen unter dem neuen Namen Girls Go STEM statt. Die Kreislaufwirtschaft bleibt weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Programms, das jetzt aber alle STEM-Bereiche abdecken möchte. Girls Go STEM soll noch mehr Mädchen erreichen, inspirieren und motivieren ihren Weg zu gehen. Durch das Verknüpfen des theoretischen Lernens mit praktischen, alltagsnahen Problemen werden Mädchen wichtige Kompetenzen für ihr späteres Berufsleben beigebracht.

Das Ziel ist es, bis 2028 insgesamt 100.000 Schülerinnen auszubilden. So möchte die Initiative ihren Beitrag zu dem EU-Ziel leisten, bis 2028 eine Million Frauen und Mädchen in der STEM-Bildung zu wissen – für eine gerechte und innovative Zukunft. 


Image by Max Fischer via pexels

Studiert Medien und Kommunikation in Hamburg. Interessiert sich besonders für digitale Trends und Entwicklungen und dafür, wie sie unsere Welt verändern.


Artikel per E-Mail verschicken