KOLUMNEN

Kolumne

Jörg WittkewitzWas uns wirklich dumm macht

Es ist mal wieder soweit. Die Mahner treten gegen die Wünscher an. Fast wäre ich vor Ermüdung eingeschlafen als ich in der FAZ (wo sonst?) den kritischen Artikel vom eigentlich geschätzten Geert Lovink zum Thema Zeit und Informationsüberflutung via Web las. Da ist die Rede von einem externen Zwang zu Echtzeitplattformen wie twitter und facebook. Da ist auch die Rede von all den Informationen, die zwar nicht das Hirn, aber unsere Zeit vermanschen. Auf die andere Seite der Wünscher haben sich Leute wie Clay Shirky und Jeff Jarvis gestellt und werfen mit ihrer Zuversicht und Hoffnung um sich, dass es nur so Feenstaub regnet…

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Jörg WittkewitzLesetipps für den 24. Juni

Erlesene Links zu einigen Perlen im Web: Blogposts, Artikel und Nachrichten, die uns wichtig erscheinen. Ergänzungen erwünscht. Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten “vorgeblättert” START.

Jörg WittkewitzCD des Sommers 2010 – NUFA: das Wetter ist schön heute

Ich bin ja mit DAF, KFC und Fehlfarbens Monarchie und Alltag sozialisiert worden. Insofern war Ideal, Nina Hagen oder gar Nena für uns eher eine Strafe. Ideal hatte mit Effjott noch viel Glück. Als dann deutsche Texte über die Fantastischen Vier wieder salonfähig wurde, ahnte ich Schreckliches. Bands wie Juli, Wir sind Helden oder Silbermond hatten das Schreckliche vollständig erfüllt. Aber es gab ja noch die Sterne und Tocotronic zum Ausgleich.

Aber Rettung naht. Zwei Songs im Radio reichten, um mich zu amazon zu treiben und heute ist das Ding in meinem CD-Player. Sommermusik pur. Manchmal überschreitet es fahrlässig diese und jene Grenze des guten Geschmacks. Immer wenn es nicht bemüht ist, hat es Stil. Am Ende hat man wunderschönen Songs gelauscht, atmosphärischen Krach gehört und dem wilden 70er und 80er Jahre Exzess der Effektgeräte eine Seite abgerungen, die schon tot schien. Man experimentiert wieder – ohne Samples. Endlich. Die bis in den letzten Click hinein perfektionierten Arrangements der amerikanischen Studios hat man sich als Negativbeispiel genommen und einfach Musik produziert und nicht Produkte auf einen Markt hin optimiert. Ort, Farbe Stimme etc., Glitzer und in müden haben das Zeug zu großer Berühmtheit. Genau genommen noch mindestens drei weitere Stücke. Prädikat: Sehr empfehlenswert. Diese Band ist offenbar ein besonderer Wein, der langsam reift und dann zum Jahrhunderttropfen wird. Man wünscht den Jungs aber doch, dass jemand beim finalen Mastern einfach alles mit viel Fingerspitzengefühl durch eine der schönen Kisten von Universal Audio schickt. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau, das in Deutschland lange Jahre nicht im Ansatz erreicht wurde. Allererste Sahne. Meine persönliche CD das Jahres schon jetzt!
NUFA nehmen DAF, Durutti Column, Fehlfarben, Wishbone Ash, Sterne und Einstürzende Neubauten an die Hand und führen sie zurück auf das Wesentliche: Unsichtbare Kraft. Absichtslose Leidenschaft. Der Hang zu Nebengleisen.
Kaufen das Ding, wer immer auf ein Crossover zwischen Rock, Indie, Krach und sentimentalen Texten steht. Ach ja, manche Songs sind zeitweise übrigens süß wie Sirup, das passt und ist weit entfernt von Krach. Macht nichts. Die Texte reißen es eh raus.

Walter BeutlerDas unerbittliche Gedächtnis des WWW

In der WoZ, der „Wochenzeitung„, habe ich einen ausgezeichneten Artikel gelesen über die langfristige Speicherung von Informationen im Internet, insbesondere bei Google, und was das für die Nutzer und unsere Gesellschaft als Ganzes für Folgen haben kann.

Eine mit Einzelheiten vollgestopfte Welt

Unter dem Titel „Googles gnadenloses Gedächtnis“ wird der Leserin, dem Leser geradezu ein Lehrstück über Erinnerung und Vergessen geboten. Am Beispiel von Ireneo Funes, dem Protagonisten einer Kurzgeschichte von Jorge Luis Borges, wird aufgezeigt, dass ein perfektes Erinnerungsvermögen, das Funes als Folge eines Reitunfalls erlangt, mehr Fluch denn Segen sein muss. Ohne Vergessen ist Denken nur schwer möglich, denn „Denken heisst, Unterschiede vergessen, heisst verallgemeinern, abstrahieren. In der vollgepfropften Welt von Funes gab es nichts als Einzelheiten.“ Google stellt im Grossen eine mit Einzelheiten vollgestopfte Welt dar, die nicht vergessen kann. Dies musste Andrew Feldmar, ein Psychoptherapeut aus Vancouver bei seiner Einreise in die USA erfahren. Er hatte in einem wissenschaftlichen Artikel 2001 geschrieben, in früheren Jahren LSD probiert zu haben. Bei seiner Einreise in die USA fünf Jahre später googelte ein Grenzbeamter seinen Namen, worauf er auf den erwähnten Artikel stiess. Da Feldmar gegenüber dem Beamten seine Aussage im Artikel bestätigte, wurde ihm beschieden, er gelte hiermit als Drogenkonsument und dürfe deshalb nicht in die USA einreisen. Auch später war ihm die Einreise in die USA nur mit einer Sondergenehmigung möglich… [Mehr]

Jörg WittkewitzSchwachfug des Sommers 2010 – GDI

Die «Generation App» steht vor der Tür. Wer mit der Erfahrung aufwächst, dass es für jedes Bedürfnis ein massgeschneidertes Programm gibt, entwickelt ein neues Lebensgefühl. Am zentralsten ist dabei die immer grössere Unverbindlichkeit.[sic!] Niemand ist mehr auf niemanden angewiesen – jeder sagt einfach, was er will, und verlässt sich darauf, dass es dazu eine App gibt. [?] Man muss nicht einmal mehr wissen, was man überhaupt will, lässt sich vielmehr schlicht durchs Leben leiten. [Ach so geht das heute – dank Apple.] Das hat Konsequenzen für das Marketing: Die Generation App kann mit keiner Botschaft erreicht werden, weil sie nicht zuhört. Marken müssen die Botschaften der Menschen aufnehmen. [Mit dem Kehrblech?]”


#ähem #nixkapiert #schlechtesteformulierungseit1789
Quelle: Pressemitteilung des Gottlieb Duttweiler Instituts

Lena BrombacherParfum unisex: PG19 Louanges Profanes

Kennen Sie Nag Champa Räucherstäbchen aus Indien – die klassische blaue Packung? Ich liebe sie und habe sie auf Ibiza das erste Mal gekauft. Ich hatte mir dort einmal mit einer Freundin einen Wohnwagen gemietet und wir haben schon zum Frühstück im Freien diese Räucherstäbchen abbrennen lassen. Seitdem bin ich süchtig danach, weil sie mich an ein paar sehr schöne Tage in der Sonne erinnern. Diese Räuchstäbchen riechen anders als alle anderen, süßer. Kein Wunder also, dass mich Louanges Profanes sofort angesprochen hat, auch wenn ich beim ersten Mal nicht genau ausmachen konnte warum, bei der zweiten Duftprobe war die Erinnerung schlagartig da – Nag Champa, das Parfum der Götter. Hier geht’s weiter…

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Jörg WittkewitzDas Ende der Publikation

Es rauscht mächtig im Bloggerwald. Und auch der Strom der professionellen Bedenkenträger bekommt langsam einen Spin in Richtung Kakophonie. Die Diskussion, welche Auswirkungen der endlose Datenfluss im Netz hat, scheint das Ideologische selten zu verlassen. Das Bildungsbürgertum sieht den Humanismus in Gefahr – zumindest dessen Deutungshoheit. Mit Blaulicht und Rettungswagen fahren die semantischen Sanitäter durchs Netz und bringen Ordnung ins Getümmel. Aber was war nochmal das Problem?

Sigmatik ist der Teil der Zeichenlehre, der aus Zeichen Daten bildet. Daten sind potenzielle Informationen. Sie haben also eine Anlage in sich, eine Auskunft zu geben. Was eine Auskunft ist, entscheidet die aktuelle Situation und der Fragende selbst. Massenmedien haben diese Aufgabe für den Leser übernommen und aus vorgefertigten Agenturbausteinen und einem durchschnittlichen Anteil von 25-30% selbst recherchierten Geschichten Informationspakete zu Produkten gebündelt. Aus diesen Bündeln wurde in dem Moment eine Publikation, als tausendfach Kopien auf einen möglichst großen Raum verteilt wurden. Auch wenn keine einzige Zeitung gekauft wurde, galt das Gesamtpaket als publiziert.

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Julia MalzEin Tag in der digitalen Journalisten-Galaxis

Von Marx bis youtube

Dieser Tage finden bundesweit kostenlose Workshops statt, die die jungen, willigen Surfer der digitalen Medienwelle für einen neuen Studiengang des Medieninstitut School of Audio Engineering (SAE) begeistern sollen. Ab September 2010 soll das Studium des Digital Journalism neue Wort- und Bildjongleure für die Netz-Welt ausbilden.

An diesem heissen Donnerstagnachmittag, in einem der wohltemperierten Seminarräume des Hamburger SAE-Instituts, präsentiert Matthias Lange, ehemaliger Printjournalist, inzwischen Blogger, PR-Lemming und „digitaler Nomade“, den „Studiengang 2.0“. Und weil jedem SAE-Studenten bei Studienantritt ein MacBook versprochen wird, hat er an diesem Donnerstag gleich die gesamte Produktpalette des Herrn Jobs mitgebracht und liebevoll dekoriert. Und so applen iPhone, iPad, MacBook und iPod vor ihm auf dem Tisch herum.
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Leander WattigEin Herz für Erzeuger

Viele Leute in der Medienbranche können sich nicht vorstellen, dass Nutzer bei kommerziellen Inhalte-Angeboten in großem Stil anfangen, freiwillig zu zahlen. Letztlich wird es die Zeit zeigen und so langsam haben wir ja auch mit Kachingle, Flattr & Co. immer besser geeignete Möglichkeiten, um solche Modelle zu erproben. Und wenn man irgendwann mal bei Facebook ein “Like” mit einem kleinen Geldbetrag verknüpfen kann, dann wird richtig Bewegung in die Sache kommen.

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