KOLUMNEN

Kolumne

Jörg WittkewitzPreferred Blog: Studio Glumm

“Wir verabschieden uns flüchtig, und als ich durch das Loft gehe, schauen die Mädels mich mit großen Augen an, als wollten sie in meinem Gesicht ablesen, wie es gelaufen ist, aber ich bleib cool. Undurchsichtig bleiben, Mädels. Das A und O in diesem Metier. Als ich endlich draußen stehe, in den Straßen von Köln, bin ich heilfroh. Einerseits. Andererseits verdient man kaum Geld damit, dass man andauernd heilfroh ist, weil es nicht geklappt hat.”

Wer wirklich lesen will. Wer wirklich eine Stimme hören will, der landet früher oder später beim Glumm. Als die Dinosaurier noch herumwankten, hatte er mal einen Literaturpreis gewonnen. Doch irgendwas kam dazwischen. Zwischen ihn und die große Schriftstellerkarriere. Ein Glück. Vielleicht hätte er dann nie seine beiden Blogs 500beine und seit einiger Zeit das Studio Glumm begonnen. So können wir lesen, schmunzeln, uns ertappt fühlen, in schallendes Gelächter ausbrechen und mitleiden. Ach ja, das Thema. Es geht um das Leben an sich – also echte Literatur. Prosa.
Einer der Besten!

Jörg WittkewitzLesetipps für den 29. Juni

Erlesene Links zu einigen Perlen im Web: Blogposts, Artikel und Nachrichten, die uns wichtig erscheinen. Ergänzungen erwünscht. Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten “vorgeblättert” START.

AdvertorialAdvertorial: Sommer-Festivals in England

Seit den Beatles nennt sich England gerne die Heimat der Popmusik. Man muss fairer Weise auch sagen, dass Popmusik nach wie vor eines der wichtigsten Export-Produkte Englands ist. Viele Bands, die auf deutschen und anderen europäischen Festivals spielen, kommen aus Großbritannien. Außerdem ist man hier verrückt nach Festivals und zieht scharenweise jedes Jahr mit lustigen Kostümen, bunten Zelten und manchmal sogar der ganzen Familien auf in die Felder von Glastonbury, Reading oder auf die Isle of Wight. Das muss man mal gesehen haben, schon alleine unter dem Aspekt Kulturstudien.

Der Klassiker aller Festivals: Glastonbury

Ist natürlich schon längst ausverkauft und auch leider schon vorbei. Weil das Kult-Festival, das als Konzert auf einer Wiese des Bauern Michael Eavis angefangen hat, aber inzwischen das beliebteste und sehenswerteste des Landes ist, soll es nur aus Vollständigkeitsgründen erwähnt werden. Und vielleicht klappt es ja nächstes Jahr. Unzählige Bühnen, ein überdimensionaler Zeltplatz und ein ganzes Dorf, das sich dem… äh Merchandising absolut überlebenswichtiger Artikel (Wasserspritzpistolen, Band-T-Shirts, Armbänder, heiße Würstchen, Bier) widmet. Und 2006 sogar ein eigener Kinofilm! Wer, wann, wo und wie viel? 23.-27- Juni, Glastonbury, ca. € 200 [Mehr]

Philipp NoltensmeierMUSIK: Autechre – Move Of Ten

Steve Becket, Chef des Warp-Labels und Wegbegleiter Autechres seit ihrer ersten LP, antwortete in einem älteren Interview auf die Frage, welchem seiner Künstler er es am ehesten gönnen würde, in einem Space-Shuttle abzuheben: “Ganz bestimmt Autechre. So etwas würden sie sich bestimmt nicht entgehen lassen und ihre Musik passt auch sehr gut in den Weltraum!” In fast jeder Autechre-Kritik ist die Rede von “Geräuschen, die ausserirdischer nicht mehr sein könnten”, vom “Sound, um eines Tages in einer anderen Welt aufzuwachen.” Während man den Kollegen Squarepusher eher mit schwitzenden Jazzimprovisationen assoziiert, Aphex Twin mit Horrorsoundtracks und exzentrischem Humor, waren Autechre immer die weltfremden Raumschiff-Helden aus der Zukunft…

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Jörg WittkewitzTanz Deine Spiele!

Jetzt geht es endlich los. Nachdem die Wii den Weg geebnet hatte für ein physisches Spielerlebnis trotz virtueller Simulation, stehen nun Microsoft mit Kinect und Sony mit Move in den Startlöchern. Wer zukünftig spielsüchtig sein will, muss auf eine Konsole verzichten, denn nach einer Stunden dürfte der untrainierte Zocker mit seiner Kondition am Ende sein. Die Redmonder haben mit Kinect eine völlig controllerfreie Variante auf die Beine gestellt. Mit einer Leiste, die an die Wii erinnert, weil man sie auf den Fernseher stellen muss, nimmt Kinect mit zwei Kameras die Bewegungen des Spielers im Raum auf und übersetzt sie in Bewegungen der Spielerfigur. Sonys Antwort auf der PS3 basiert noch auf einem Controller, den man in der Hand halten muss. Das hat bei einigen Spielarten, wo man eh einen Schläger oder ähnliches nutzt möglicherweise Vorteile. Dort kann man dann eventuell auch noch mit den Fingern feineren Einfluß auf bestimmte Parameter nehmen.
Es hängt alles von den Spieleentwicklern ab. Die zeigen sich jedoch außer Peter Molyneux (Black & White, Fable) nicht unbedingt begeistert. Activisions COO Thomas Tipps äußerte gegenüber gamasutra.com:”„Ich glaube, Move und Kinect liefern interessante Möglichkeiten, um Innovationen in bestimmten Franchisesysteme zu bringen, aber wahrscheinlich nicht in jede Art von Spiel. Wir werden abwarten müssen, wie groß die installierte Basis dafür letztendlich sein wird.“ In den USA wird man Kinect von Microsoft für 150 Dollar erwerben können. Sony nennt für seine beiden Move Controller einen Preis von 110 EUR in Europa. Die Befürchtungen der Entwickler könnten mit einem tollen Spiel verschwinden, das die Hemmschwelle senken würde. So wie seinerzeit Halo der XBOX zum Erfolg verholfen hatte oder God of War bei der Playstation 2. Aber da sind wir dann wieder beim Henne-Ei-Problem.

Jörg WittkewitzWas uns wirklich dumm macht

Es ist mal wieder soweit. Die Mahner treten gegen die Wünscher an. Fast wäre ich vor Ermüdung eingeschlafen als ich in der FAZ (wo sonst?) den kritischen Artikel vom eigentlich geschätzten Geert Lovink zum Thema Zeit und Informationsüberflutung via Web las. Da ist die Rede von einem externen Zwang zu Echtzeitplattformen wie twitter und facebook. Da ist auch die Rede von all den Informationen, die zwar nicht das Hirn, aber unsere Zeit vermanschen. Auf die andere Seite der Wünscher haben sich Leute wie Clay Shirky und Jeff Jarvis gestellt und werfen mit ihrer Zuversicht und Hoffnung um sich, dass es nur so Feenstaub regnet…

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Jörg WittkewitzCD des Sommers 2010 – NUFA: das Wetter ist schön heute

Ich bin ja mit DAF, KFC und Fehlfarbens Monarchie und Alltag sozialisiert worden. Insofern war Ideal, Nina Hagen oder gar Nena für uns eher eine Strafe. Ideal hatte mit Effjott noch viel Glück. Als dann deutsche Texte über die Fantastischen Vier wieder salonfähig wurde, ahnte ich Schreckliches. Bands wie Juli, Wir sind Helden oder Silbermond hatten das Schreckliche vollständig erfüllt. Aber es gab ja noch die Sterne und Tocotronic zum Ausgleich.

Aber Rettung naht. Zwei Songs im Radio reichten, um mich zu amazon zu treiben und heute ist das Ding in meinem CD-Player. Sommermusik pur. Manchmal überschreitet es fahrlässig diese und jene Grenze des guten Geschmacks. Immer wenn es nicht bemüht ist, hat es Stil. Am Ende hat man wunderschönen Songs gelauscht, atmosphärischen Krach gehört und dem wilden 70er und 80er Jahre Exzess der Effektgeräte eine Seite abgerungen, die schon tot schien. Man experimentiert wieder – ohne Samples. Endlich. Die bis in den letzten Click hinein perfektionierten Arrangements der amerikanischen Studios hat man sich als Negativbeispiel genommen und einfach Musik produziert und nicht Produkte auf einen Markt hin optimiert. Ort, Farbe Stimme etc., Glitzer und in müden haben das Zeug zu großer Berühmtheit. Genau genommen noch mindestens drei weitere Stücke. Prädikat: Sehr empfehlenswert. Diese Band ist offenbar ein besonderer Wein, der langsam reift und dann zum Jahrhunderttropfen wird. Man wünscht den Jungs aber doch, dass jemand beim finalen Mastern einfach alles mit viel Fingerspitzengefühl durch eine der schönen Kisten von Universal Audio schickt. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau, das in Deutschland lange Jahre nicht im Ansatz erreicht wurde. Allererste Sahne. Meine persönliche CD das Jahres schon jetzt!
NUFA nehmen DAF, Durutti Column, Fehlfarben, Wishbone Ash, Sterne und Einstürzende Neubauten an die Hand und führen sie zurück auf das Wesentliche: Unsichtbare Kraft. Absichtslose Leidenschaft. Der Hang zu Nebengleisen.
Kaufen das Ding, wer immer auf ein Crossover zwischen Rock, Indie, Krach und sentimentalen Texten steht. Ach ja, manche Songs sind zeitweise übrigens süß wie Sirup, das passt und ist weit entfernt von Krach. Macht nichts. Die Texte reißen es eh raus.

Walter BeutlerDas unerbittliche Gedächtnis des WWW

In der WoZ, der „Wochenzeitung„, habe ich einen ausgezeichneten Artikel gelesen über die langfristige Speicherung von Informationen im Internet, insbesondere bei Google, und was das für die Nutzer und unsere Gesellschaft als Ganzes für Folgen haben kann.

Eine mit Einzelheiten vollgestopfte Welt

Unter dem Titel „Googles gnadenloses Gedächtnis“ wird der Leserin, dem Leser geradezu ein Lehrstück über Erinnerung und Vergessen geboten. Am Beispiel von Ireneo Funes, dem Protagonisten einer Kurzgeschichte von Jorge Luis Borges, wird aufgezeigt, dass ein perfektes Erinnerungsvermögen, das Funes als Folge eines Reitunfalls erlangt, mehr Fluch denn Segen sein muss. Ohne Vergessen ist Denken nur schwer möglich, denn „Denken heisst, Unterschiede vergessen, heisst verallgemeinern, abstrahieren. In der vollgepfropften Welt von Funes gab es nichts als Einzelheiten.“ Google stellt im Grossen eine mit Einzelheiten vollgestopfte Welt dar, die nicht vergessen kann. Dies musste Andrew Feldmar, ein Psychoptherapeut aus Vancouver bei seiner Einreise in die USA erfahren. Er hatte in einem wissenschaftlichen Artikel 2001 geschrieben, in früheren Jahren LSD probiert zu haben. Bei seiner Einreise in die USA fünf Jahre später googelte ein Grenzbeamter seinen Namen, worauf er auf den erwähnten Artikel stiess. Da Feldmar gegenüber dem Beamten seine Aussage im Artikel bestätigte, wurde ihm beschieden, er gelte hiermit als Drogenkonsument und dürfe deshalb nicht in die USA einreisen. Auch später war ihm die Einreise in die USA nur mit einer Sondergenehmigung möglich… [Mehr]
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