Im Interview mit O’Reilly (s.u.) erklärt die Künstlerin Nina Paley, auf die ich schon öfter hingewiesen habe, warum sie das Urheberrecht analog zum zivilen Ungehorsam künftig ganz bewusst verletzen möchte und nicht wie andere nachträglich entschuldigend oder mit versuchten Rechtfertigungen. Interessant finde ich ihre Künstler-Perspektive, die man nicht teilen muss, die aber gesellschaftlich wichtige Punkte berührt, über die diskutiert werden sollte.
Dass sich bezüglich des Urheberrechts grundsätzlich etwas ändern muss, erkennt inzwischen ja sogar der Buchbranchen-Verband an und lädt zur Diskussion konkreter Anpassungen ein. Selbst mit Extrem-Standpunkten wird sich anlässlich aktueller Buch-Publikationen differenziert auseinandergesetzt.
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Seit einigen Jahren erscheinen bei Spiegel Online immer wieder mal interessante Beiträge von Künstlern und Medienleuten, in denen diese ihre Berufstätigkeit aus wirtschaftlicher Sicht beschreiben:
[Mehr]Als Autor für das klassische Schreiben bezahlt zu werden, ist kein Naturgesetz. Umso schöner ist es, wenn es doch klappt. Doch die Welt besteht zum Glück nicht nur aus Risiken, sondern auch aus Chancen. Gerade heute. Es tun sich gerade riesige Felder auf, die auch für Autoren neue Betätigungs- und Verdienstmöglichkeiten bieten. Ein Beispiel: Storytelling für Games. Dazu ein kurzes Video (2 min.):
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Ich gehe immer gern zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse ins Gewandhaus, weil dort sehr gute Musik gespielt wird, bedeutende Menschen wortgewandt geehrt werden und man viele Bekannte aus der Branche trifft. Ich bin aber auch immer sehr gespannt auf die Rede des Repräsentanten des Buchindustrie-Verbandes, Prof. Dr. Gottfried Honnefelder, weil diese die aktuelle Position der Industrie quasi kondensiert darstellt. Das hat schon öfter Material für Blog-Beiträge ergeben. Ich kann jedem im Bereich der Medien Tätigen nur empfehlen, sich den Text der diesjährigen Rede durchzulesen, um ein Gefühl für die Standpunkte zu bekommen, die in dieser Direktheit in anderen Branchen vielleicht gar nicht formuliert würden.
Ich verstehe, dass man als Lobby-Gruppe klare Botschaften formulieren und in die Welt tragen muss, um zu wirken. Ich finde es dennoch sehr schade, dass diese Reden immer so spalterisch und auch von Unterstellungen nicht frei sind. In diesem Jahr habe ich das sogar noch extremer empfunden als bspw. im Vorjahr. Obwohl der politische Rahmen des Abends einer der Verständigung und des Miteinanders war, findet sich in der Rede – wieder mal – nicht ein Wort davon. Da heißt es nur: wir gegen die. Und beide Seiten werden auch noch falsch definiert. Sich gegenüber sieht man offensichtlich nur die wie immer unterstellte “Internetgemeinde“, mit der ein Kulturkampf drohe. Die eigene Partei wird mitsamt der Autoren gesehen, obwohl diese (zumindest bisher) noch nicht mal als Teil des Buchmarktes betrachtet werden und vielfach unzufrieden sind. Es würde ja schon reichen, wenn in so einer Rede mal wenigstens ein Halbsatz vorkäme nach dem Motto: Wir finden das Internet wichtig und versuchen, die Chancen zu nutzen. Aber nichts davon. So wird ein radikales Bild erzeugt, das zu Recht angegriffen wird und auch gar nicht dem entspricht, was sich vielerorts in der Branche und selbst im Börsenverein tut – Stichwort protoTYPE.
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Der Buchreport weist auf eine Umfrage hin, bei der der französische Literaturverband Société des Gens de Lettres de France 1.000 Autoren nach ihrem Verhältnis zum Verlag befragt hat:
Interessant ist, dass die Autoren gerade mit der „kommerziellen Verwertung“ unzufrieden zu sein scheinen, die ja in der Regel als Hauptargument pro klassischen Verlag angeführt wird:
Hintergrund dürfte sein, dass jenseits der Bestseller-Autoren die Unterstützung meist wesentlich bescheidener ist. – Bemängelt wird auch das, was einen Dienstleister eigentlich auszeichnen sollte:
Soweit zur Situation in Frankreich. Doch auch in Deutschland wächst der Rechtfertigungsdruck. Ein vielleicht nicht ganz untypisches Beispiel: Vor ein paar Wochen tauschte ich mich auf Facebook mit Tanja Pleva aus. Diese hat zwei Bücher bei Piper veröffentlicht und inzwischen die Nase voll:
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Was ist vor ein paar Tagen passiert? Die Meldung des Tages aus Sicht der Buchverlage kam aus New York: Das dortige Bezirksgericht lehnte das Google Book Settlement ab, womit der Konzern künftig für die Digitalisierung von Literatur in jedem Fall die Zustimmung der Rechteinhaber braucht.
Siehe da: das Internet ist kein rechtsfreier Raum … Ich finde das Urteil gut, weil bestehendes Recht eingehalten werden muss. Es sollte sich niemand darüber hinweg setzen dürfen, wie wir das ja bspw. in der Weltpolitik leider täglich anders erleben. Wenn der Rechtsrahmen nicht mehr passt, weil bspw. neue Technologien Märkte umkrempeln, dann muss in jedem Falle erst das Recht angepasst werden, ehe man anders agieren kann. Sonst endet man in der Willkür.
So weit, so selbstverständlich. Interessant ist es nun, sich die Reaktionen auf dieses Urteil anzusehen. So hat der Justiziar des Buchbranchen-Verbandes Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Dr. Christian Sprang, neulich der Buchbranchen-Verbandsplattform Boersenblatt.net ein Interview gegeben, in dem er zunächst das Urteil gutheißt und die Perspektiven von Googles Projekt einschätzt:
Google wird sich sicher die Frage stellen müssen, ob sich der Aufwand für die Massendigitalisierung noch lohnt, wenn das Verfahren auf „Opt-in“ umgestellt wird. (…) Die Autoren und Verleger können sich das Urteil in Gold einrahmen
Dann aber folgt Wunderliches – im Überschwange des “Sieges”?: [Mehr]
Vor ein paar Tagen habe ich in meinem Blog kurz auf das neue Logo des Buchbranchen-Verbands Börsenverein des Deutschen Buchhandels hingewiesen. Dieses ist Teil eines neuen und durchaus ansprechenden Corporate Designs des Verbandes. Gleich nach Erscheinen des Beitrags bekam ich entsprechendes Informationsmaterial zugeschickt, was ich prima finde.
Beim Börsenverein steht zu lesen: Ein Gedanke, eine Zukunft, ein Logo: Die Börsenvereinsgruppe wächst zusammen. Sichtbar wird diese Entwicklung in der neuen gemeinsamen Bildmarke. Aus der klassischen Buchform wird ein Symbol für das Prinzip Buch. Es abstrahiert und visualisiert, dass Inhalte in vielen Erscheinungsformen angeboten werden – als Print-Bücher, E-Books, Hörbücher oder für mobile Endgeräte. Das neue Corporate Design bildet damit ein Dach – für die Börsenvereinsgruppe und die moderne Buchbranche.
Es soll sich also um ein “Symbol für das Prinzip Buch” handeln, das ausdrücklich Hörbücher mit umfassen soll. Was aber ist “das Prinzip Buch”? Gehört davon habe ich zum ersten Mal irgendwann 2010. Jetzt aber scheint der Begriff die offizielle Sprachregelung zu sein. Zumindest findet er sich allerorten und selbst der Börsenvereins-Vorsteher Prof. Dr. Gottfried Honnefelder, der mir bisher nicht als Verfechter des Digitalen aufgefallen ist, sondern auch auf der Eröffnung der Leipziger Buchmesse 2011 eher wieder als Vorkämpfer der Anpassung des Internets an die Wünsche der Buchbranche, sprach in seinem Vortrag vom “Prinzip Buch”, obwohl das eine Entfernung vom gedruckten Buch bedeutet…
Modelle des freiwilligen Bezahlens sind dank Flattr & Co. ja in aller Munde. Nachdem ich mit dem Radiosender KPFA schon auf ein Beispiel aus dem Medienbereich gestoßen bin, bei welchem Crowdfunding seit über 50 Jahren erfolgreich betrieben wird, habe ich nun ein weiteres interessantes Beispiel gefunden – diesmal aus dem Buchbereich. [Mehr]
Das Motto der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vom 6. bis zum 10. Oktober 2010 hieß für mich Grenzüberschreitung. Wir wissen ja seit langem, dass die Grenzen zwischen den verschiedenen Medienteilmärkten in dem Maße fließender werden müssen, in dem die technisch bedingte Abgrenzung bspw. zwischen Büchern und Datenträgern für Musik, Filme und Software schwächer wird.
Die Abgrenzung wird tatsächlich auch immer schwieriger. Denn was ist auf dem iPad noch ein Buch? Ist ein auf das iPad transportierter Bildband noch ein Buch oder nicht einfach eine Website oder Applikation mit Bildern?
Dass diese Fragen auch in der Buchbranche immer stärker diskutiert werden und zunehmend auch zu praktischen Konsequenzen führen, zeigte schon die zentrale Neuerung der Buchmesse: das StoryDrive-Konzept, bei dem – losgelöst vom Buch – die richtigen Fragen gestellt werden: “Sind auch Sie davon überzeugt, dass Inhalt keine Grenzen kennt? Stehen für Sie Geschichten im Mittelpunkt, unabhängig von ihrer Erzählform? Schaffen Sie mit Geschichten Welten?”
Dementsprechend sollte StoryDrive ein Treffpunkt für die internationale Medien- und Entertainmentwelt sein: “Gemeinsam mit Vertretern der Verlags- und Filmbranche, Experten aus Musik- und Gamesindustrie, aus Technologie und Social Media, mit Cybercitizens, Urhebern und Mediennutzern begegnet sich hier die Zukunft der Medien- und Entertainmentbranchen. StoryDrive richtet sich an alle, deren Welt sich um gute Geschichten dreht – und die mit Geschichten Welten schaffen.” Mehr nach dem Klick…
Viele Leute in der Medienbranche können sich nicht vorstellen, dass Nutzer bei kommerziellen Inhalte-Angeboten in großem Stil anfangen, freiwillig zu zahlen. Letztlich wird es die Zeit zeigen und so langsam haben wir ja auch mit Kachingle, Flattr & Co. immer besser geeignete Möglichkeiten, um solche Modelle zu erproben. Und wenn man irgendwann mal bei Facebook ein “Like” mit einem kleinen Geldbetrag verknüpfen kann, dann wird richtig Bewegung in die Sache kommen.
Bei Techdirt ist vor ein paar Tagen ein interessanter Beitrag erschienen, der sich mit der Frage auseinander setzt, ob die Major-Labels im Musikmarkt ihren Bedeutungsverlust hätten verhindern können, wenn sie das iTunes-Modell früher angewandt hätten: Did The Recording Industry Really Miss The Opportunity To ‘Monetize’ Online Music?
Besonders treffend finde ich die Betonung, dass der durch die Verfügbarkeit quasi kostenloser digitaler Inhaltekopien ausgelöste Preisdruck im Musikmarkt unabhängig von Piraterie entsteht: [Mehr]
Vor ein paar Tagen hatte ich Gelegenheit, Eric Markuse (@eric_markuse)einige Fragen zum Einsatz von Social Media bei MDR Sputnik zu stellen, wo er als Programmchef tätig ist. MDR Sputnik ist das Jugendradio des MDR und dort werden viele Instrumente des Social Web für den Austausch mit den Hörern eingesetzt. Insofern hat mich interessiert, welche Bedeutung das Thema “Social Media” konkret für den Sender hat. [Mehr]