Warum Facebooks Apps nicht halten, was sie versprechen…

Facebook AppsSeit dem Release des Open Graph und der Einführung des Frictionless Sharing tummeln sich verschieden sinnvolle sowie sinnlose Apps im Hintergrund des Facebook-Kosmos. Was sie alle gemein haben ist, dass man, um sie nutzen zu können, mehrere Einwilligungen geben muss, damit die Anwendungen einwandfrei laufen. Manche sind nötig und manche sind freiwillig. Das ehrt die Anbieter und nicht zuletzt auch Facebook. Denn entgegen damaligen Zeiten, wird augenscheinlich die Privatsphäre nun doch höher gehalten und nicht jeder Datenzugriff wird zum unumgänglichen Konsens.

Ich selber bin außerdem ein Freund des Open Graph, denn für mich bietet diese Funktion doch einen großen Mehrwert. Durch dieses Feature können Entwickler nämlich erst die oftmals nützlichen Anwendungen in Facebook implementieren. Umso mehr freute es mich zusätzlich auch, dass die vergangenen Bemühungen der amerikanischen Federal Trade Commission Wirkungen gezeigt haben und Anbieter ihre Funktionen innerhalb der Anwendung nutzerfreundlich gestalten mussten. Zu meinem Bedauern tut sich mir nun leider in der letzten Zeit das Gefühl auf, dass die Bemühungen durch technische Konflikte ausgehebelt werden.

Alles zurück auf Null

Ich nutze nicht sonderbar viele Apps. Die, die ich nutze sind zumeist beruflicher Natur und sollen mir meine Arbeit in und um Facebook vereinfachen. Beispielsweise nutze ich den Browser mit der gleichnamigen Anwendung Rockmelt, der es mir ermöglicht verschiedene Toolbars einzublenden und der mir somit den Informationsfluss und die Kommunikation mit Freunden, Bekannten und Kollegen prominenter präsentiert. Außerdem nutze ich auch Tools wie Hootsuit, die mir über deren Anwendung eine Schnittstelle zu Facebook und Twitter liefert. Mit dieser kann ich mehrere Konten und Profile gleichzeitig nutzen und Statusupdates parallel auf beiden Plattformen versenden.

Diese und einige weitere Anwendungen habe ich nun mal wieder genauer unter die Lupe genommen, denn ich schaue öfter mal in die Privatsphäre-Einstellungen und in die Settings der Apps, um keine Updates zu verpassen. Damals mehr als heute. Doch nun war es mal wieder an der Zeit.

Was mir da direkt aufgefallen ist, war zunächst einmal, dass alle Einstellungen die ich zu Beginn des Open-Graph-Roll-outs gesetzt habe, wieder auf null gestellt wurden. Scheinbar gab es irgendein Feature, das sich neu aufgetan hat und das Facebook entweder ohne Aufklärung einführte oder mir einfach durchgerutscht ist. Kann ja auch mal passieren.

Nach anfänglichem Frust, hab ich mich dann aber an die Arbeit gemacht und alle sogenannten Permissions wieder entsprechend individuell eingestellt. Heißt, freiwillige Einwilligungen wurden von mir wieder entzogen. Es müssen ja nicht mehr Daten übertragen werden, als notwendig sind um die Anwendungen zu nutzen. Das ist zumindest meine Meinung.

The API doesnt run on this site

In der Folge habe ich beispielsweise Hootsuite die Genehmigung verweigert auf meine Kontaktinformationen zuzugreifen und Rockmelt u.a. dass die Anwendung in meinem Namen Artikel und Ähnliches posten darf. Diese Permissions zu untersagen oder zu genehmigen ist ein erstaunlich einfacher Prozess innerhalb der Privatsphäre-Einstellungen, den jeder von euch problemlos durchführen kann und auch sollte.

Entgegen allen Erwartungen haben dann allerdings die Anwendungen nicht mehr einwandfrei funktioniert. Genauer haben die Schnittstellen nicht mehr die oben genannten Aufgaben ausgeführt, für die sie eigentlich erstellt worden sind. Warum bleibt mir unerschlossen. Einzige Fehlermeldung bei ziemlich allen Anwendungen war, dass die API, also die Schnittstelle, beide Dienste nicht mehr verbindet.

Was ist da nun also geschehen? Um den Umstand besser bewerten zu können, habe ich sämtliche Anwendungen gelöscht und sie in der Folge neu installiert, was mit der Verknüpfung der Konten und Einrichtung der Schnittstellen ein doch sehr aufwendiger Schritt war. Ein Schritt den ich aber bereit war zu gehen, um danach wieder arbeitsfähige Tools nutzen zu können. Leider haben diese Schritte nichts bewirkt.

Auf Anfrage bei den jeweiligen Support-Centern wurde außerdem nicht reagiert. Ich bin weder Programmierer noch habe ich irgendwelche Developer-Erfahrungen, die mir bei diesen Problemen hätten helfen können. Ein paar Tage hatte ich den Entwicklern dann aber auch Zeit gegeben, um meine Belange anzunehmen. Jedoch vergebens. Was mich dann auch mehr oder weniger dazu gebracht hat, diesen Beitrag zu verfassen.

Ein Einzelfall?

Warum hebeln die entzogenen Genehmigungen, die Funktionen aus? Und warum, wenn dies der Fall ist, sind die Genehmigungen überhaupt entfernbar? Es tut sich so ein wenig der Gedanke auf, dass wir zurückkehren zur Friss-oder-Stirb-Mentalität. Dein Dienst will Daten. Du gibst sie ihm nicht? Dann kannst du ihn nicht weiter nutzen. Das ist ein ganz klarer Schritt zurück und nicht das wofür Datenschützer, die FTC und nicht zuletzt auch die Nutzer sich so engagiert haben.

Vielleicht bin ich ein Einzelfall?! Vielleicht auch nicht. Ich hätte es gerne herausgefunden. Versucht es mal selber und schaut was passiert, wenn Ihr freiwillige Einwilligungen entzieht. Was ich bewirken will ist eine Wahrnehmung des Problems. Und was ich gerne hätte, wären Rückmeldungen von euch. Ich bin gespannt!

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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