Transmediale.10 – Future Observatory

Am 05. Februar öffnet in Berlin die transmediale.10 Konferenz anläßlich des transmediale Kulturfestivals (2.-7.2.) unter dem Motto „future observatory“ ihre Pforten für Ewiggestrige, Heutige und Zukünftige. Gäste sind unter vielen anderen Cyberpunk-Mitbegründer und Science Fiction-Autor Bruce Sterling, Wolfram Alpha- Gründer Conrad Wolfram (Mathematica) sowie der Sozialwissenschaftler, Piratensenderspezialist und Autor von „Imaginary Futures“ Richard Barbrook. Wieso galt das 21. Jahrhundert so lange als Projektionsfläche für die Zukunft unserer Gesellschaft? Haben wir unsere Vorstellungen von der Zukunft eingeholt? . Dies sind zwei der Fragen, die dort diskutiert werden sollen.


Fern vom futuristischen Manifest des beginnenden 20. Jahrhunderts haben sich in der zweiten Hälfte nach dem 2. Weltkrieg andere utopische Bewegung formuliert, die ihre ganzen Hoffnungen in das neue Millenium projeziert hatten und doch in den allermeisten Fällen sehr altes, zum Teil antikes Gedankengut neu formulierten. So ist die Gesellschaft jeweils in ihren tradierten Werten und Gewohnheiten befangen aus den sie sich oft mit Gestellen und Technologien befreien will. Noch zu Beginn des Jahrhunderts, war der Gesellschaftstanz zu Jazzmusik ein Affront gegen die kaiserliche Ordnung. Die Verbreitung dieser progressiven und zwanglosen Musik basierte auf dem Siegeszug des Grammophons. Die Überlastung der Arbeiter wurde und wird zumeist durch den Takt der ewig laufenden Maschinen bestimmt. Ein Verteufeln der Technologie und ein Lobpreisen des kulturellen Lebens war und ist zu platt. Denn beides ist sehr oft ineinander verwoben.

Allein der Wandel der Medien als Propagandawerkzeug, Wiege der Auflehnung, Hort der Intelligenzija sowie die Verdummung der Massen mit trivialen Lügengeschichten zeigt die ambivalenten Perspektiven ein und derselben Errungenschaft – der Druck mithilfe beweglicher Lettern.

Aus der Sicht der Griechen befinden wir uns noch immer in einem explosiven Gemisch aus Jetzt (Kairos) und dem lange andauernden Ablauf (Chronos) der Geschichte oder Lebenszeit. Ob die Zukunft durch Prädestination (Christentum), Sternernpositionen (Astrologie), Karma (Bhuddismus) oder Vorratshaltung (Wirtschaftslehre) bestimmt wird, ist nicht essenziell. Denn die Konferenz fokussiert auf unsere Anschauungsformen der Zukunft, auf unsere imaginierten Bilder und auf unser Verhältnis zur Zeit.

Das wird aber nicht nur diskutiert sondern ganz im Sinn des Festivals auch kreativ umgesetzt. Für die Dauer des transmediale.10 Festivals wird das Haus der Kulturen der Welt in einen temporären Echoraum für den Longplayer verwandelt, ein algorithmisches Musikstück, das 1000 Jahre andauert und sich dabei niemals wiederholen wird. Entwickelt und komponiert wurde der Longplayer vom ehemaligen Pogues Mitglied Jem Finer.

Es wird Workshops zu einzelnen Themen geben.

Wer sich für das gesamte Programm des Kulturfestivals interessiert, findet hier im Programm Anregungen, um die Zeit vom 2.2. bisn zum 7.2. 2010 mit Spannung, Aufregung und Staunen zu verbringen.

Bildnachweis: transmediale

Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)


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