Tipps für bessere Videocalls mit Freunden und Kollegen – Pimp My Call

Im letzten Jahr haben die meisten von uns so viel über Video-Calls miteinander kommuniziert, wie noch nie. Jedes Meeting, jede Besprechung und auch private Zusammenkünfte unter Freunden mussten auf Zoom, Skype, Slack, Meets, Teams, Discord und Co stattfinden. Obwohl wir bei uns in der Redaktion einen großen Faible für derartige technologische Lösung haben, ist uns doch aufgefallen, dass Eines nicht funktioniert: Und zwar die Bräuche und typischen Verhaltensweisen eines echten Gesprächs oder Meetings auf einen Video-Call zu übertragen. Im Interview hat uns Evernote- und mmhmm-Gründer Phil Libin in dieser Annahme noch bestärkt. Dafür ist diese Kommunikationsform einfach zu eingeschränkt. Wo wir im realen Leben Elemente wie Distanz, Raumempfinden, Geruch und Körpersprache wahrnehmen, sind wir im Video-Call auf ein (häufig unscharfes und schlecht belichtetes) Bild und die Stimme des anderen beschränkt. Aber über die letzten Monate konnte ich einige Erfahrung sammeln und habe für euch ein paar Tipps, wie ihr eure Video-Calls nicht nur technisch verbessern sondern auch inhatlich und wieder mehr Spaß mit euren Mitmenschen haben könnt. 

Tipps für bessere Videocalls: Technische Austattung

Während wir uns in diesem Artikel hauptsächlich auf die Art und Weise konzentrieren, in der wir Videocalls abhalten, ist natürlich auch der technische Aspekt entscheidend. Welche Software benutze ich wie? Brauche ich eine Webcam? Wie kann ich meinen Hintergrund ausblenende? Die meisten teschnischen Hürden sind nach dem Jahr 2020 für viele von uns nicht mehr sonderlich hoch.. Dennoch lernt man nie aus und es gibt immer Raum für Verbesserungen. Wir haben einige Artikel darüber geschrieben, wie ihr euch technisch gut aufstellt, die ich euch ans Herz legen möchte, falls ihr hier noch Hilfe braucht.

In diesem umfassenden Guide findet ihr einen sehr ausführlichen Rundumschlag zum Thema “Video-Call”. Hier beantworten wir euch fragen nach der passenden Software, aber auch zur Hardware und dem richtigen Licht und Hintergrund. 

Falls ihr auf der Suche nach einer hochwertigen Webcam seid, kann ich euch unseren Test zur Razer Kiyo empfehlen. Die benutze ich selbst täglich und bin sehr zufrieden. 

Und findet ihr hier noch einen Artikle zu SnapCam. Mit diesem Programm könnt ihr eure Videocalls mit den SnapChatfiltern aufwerten.

Trefft euch auch mal zufällig und zwanglos

Was mir persönlich mit am meisten fehlt, ist das mehr oder weniger zwanglose Aufeinandertreffen. In all den Videocalls fehlt dieser Faktor einfach fast immer. Jeder Anruf, jedes Zusammenkommen hat einen Sinn und dient irgendeinem Zweck. Etwas wird besprochen, es muss etwas erarbeitet werden oder man verabredet sich auch privat, um ganz konkret etwas zu tun. Das sind Termine und davon habe ich komischerweise, seit ich den ganzen Tag in meiner Bude hocke, unglaublich viel mehr. Ich finde es daher schön sich, wenn auch nur digital mal zufällig zu treffen. Allerdings ist das nicht mit jeder Videocall-Software möglich. Zoom zum Beispiel ist ganz klar auf konkrete Meetings ausgelegt.

Mein Tipp für bessere Videocalls 

Ich kann dafür die Software Discord empfehlen, die wir auch in diesem Artikel schon näher beleuchtet haben. Hier könnt ihr für euch und eure Freunde oder für euch und eure Kollegen kostenlos einen eigenen Server erstellen, dem alle dann beitreten können. Der Server ist wie eine Art gemeinsamer Bereich. Ihr seht, wer online ist und könnt jeden direkt anschreiben oder anrufen. Die große Stärke liegt aber in den Sprach- und Textkanälen, die ihr erstellen könnt. In den verschiedenen Textkanälen könnt ihr euch permanent austauschen. Gifs schicken oder sonst irgendwie kommunizieren. Das ist besonders praktisch, da es für Discord neben einer Desktop-App auch eine Smartphone-App gibt. Die Sprachkanäle wiederum sind super, um sich belanglos zu treffen.

Wenn ich beispielsweise am Computer sitze – was in den letzten Monaten doch etwas vermehrt der Fall war – dann trete ich meistens einem der Sprachkanäle bei. Tut das ein anders Mitglied des Servers ebenfalls, hören wir uns automatisch und können uns miteinander unterhalten. Wahlweise mit und ohne Webcam. Das ist unglaublich praktisch und fühlt sich fast so an, als würde man sich „zufällig“ über den Weg laufen. Manchmal quatschen wir, manchmal spielen wir etwas, manchmal sind wir zwei oder drei Leute und manchmal bis zu 15. Discord bei sich und im Freundes- oder Kollegenkreis zu etablieren, kann ich in einer Pandemie nur empfehlen. Zumal auch die Audioqualität und diverse andere Features zur Verwaltung eures Servers so ziemlich jedes andere vergleichbare Tool schlagen.

Screenshot aus Discord - discord zu nutzen ist ein Tipp für bessere Videocalls
Ihr könnt auf eurem Discord-Server sowohl Text- als auch Sprachkanäle anlegen und hierüber mit euren Freunden und Kollegen kommunizieren. Screenshot aus Discord von Moritz Stoll

Übrigens ist die Entstehungsgeschichte von Discord super spannend. Das amerikanische Tech-Magazin protocol hat über Discord und dessen Entstehung einen sehr lesenswerten Artikel geschrieben.

Beschäftigt eure Hände!

In einem Videocall oder einer Video-Konferenz ist die Kommunikation ziemlich beschränkt. Euer Körper ist als Objekt im Raum deutlich unbedeutender für die Kommunikation mit anderen. Wo ihr im Raum steht oder wie nahe ihr anderen kommt, ist hier nicht wichtig. Ob nun bei einem Call mit einer weiteren Person oder gleich einer gesamten Gruppe. Verbringe ich jetzt aber den gesamten Tag in irgendwelchen Calls oder auf einem Discord-Server, dann macht das zwar Spaß, aber ich merke förmlich, wie ich zunehmend das Gefühl für meinen eigenen Körper verliere. Alles ist auf den Bildschirm ausgerichtet und meine ganzen Sinne arbeiten irgendwie auf der zweidimensionalen Abbildung meiner Mitmenschen. Das mag sicherlich nicht sehr wissenschaftlich klingen, aber hier fehlt oft einfach die Wahrnehmung des eigenen Körpers.

In seinem Artikel zur Work-Life-Balance hat mein Kollege Stefan bereits über die Bedeutung von Bewegung im Home Office geschrieben – dort bezieht er sich aber vornehmlich auf die Pausen zwischen den Calls. Ich würde hier aber noch einen Schritt weiter gehen. Während die Bewegung in den Pausen natürlich enorm wichtig ist, kann es eben auch helfen, “Bewegung” im weitesten Sinne auch in den Call einzubauen.

Mein Tipp für einen besseren Video-Call: Bewegen und nebenbei zeichnen

Nicht jeder Call muss immer mit eingeschalteter Kamera stattfinden. Ihr könnt euch beispielsweise auch mit Bluetooth-Kopfhörern verbinden oder dem Video-Call mit eurem Smartphone beitreten. So seid ihr weitestgehend ortsunabhängig und könnt euch frei in eurer Wohnung bewegen. Ihr könnt herumlaufen, nebenbei etwas aufräumen oder sogar abwaschen (habe ich alles schon probiert). 

Aber auch am Arbeitsplatz selbst gibt es viele Möglichkeiten. Ich habe immer ein geöffnetes Skizzenbuch vor mir liegen und kritzzle eigentlich immer herum. Gerade wenn ich nur zuhören muss, steigert diese Beschäftigung sogar einorm meine Konzentrationsfähigkeit. Außerdem beschäftigt sie meine Hände und erweitert meinen mentalen Fokus. Auf einmal steht nicht mehr bloß der Bildschirm, den ich ohnehin den gesamten Tag anstarre, im Mittelpunkt.

Nicht nur über Arbeit reden

Dieser Tipp für bessere Videocalls bezieht sich vor allem auf die Calls, die ihr für die Arbeit abhaltet. Aus einer Zeit vor ständigen Videocalls sind wir es häufig noch gewohnt, dass insbesondere berufliche Telefonate schnell und präzise abgehandelt werden sollten. Diese Effizienz hat mit Sicherheit auch ihre Berechtigung, ist aber einer angenehmen Atmosphäre nicht immer zuträglich. Gerade wenn ihr mit Kollegen Meetings habt, dann erinnert euch doch mal daran, wie ihr solche Meetings im Büro abgehalten hättet. Dort sprechen wir immer wieder ganz selbstverständlich über Alltägliches. Seien es aktuelle Erlebnisse, private Geschichten oder die neue Serie, die man am Vorabend angefangen hat. Diese lockere Kommunikation ist auch auf digitaler Ebene wichtig. Ein Videocall muss nicht “kurz” sein. Er darf auch gerne von angenehmen Gesprächen eingerahmt sein.

Mein Tipp für einen besseren Videocall: Bewusste Zeiten schaffen

Diese lockeren Gespräche kommen bei Videocalls allerdings nicht so selbstverständlich wie in einer realen Zusammenkunft. Hier redet man sich schneller dazwischen und der Gesprächsfluss gerät schneller ins Stocken. Mein Tipp wäre daher, diese Elemente bewusst zu formatieren und einzubauen. Nehmt euch bewusst Zeit. Ich frage meine Kollegen oft: “Habt ihr irgendetwas neues gesehen? Habt ihr etwas neues begonnen?“ Und so weiter… Es kann auch helfen, selbst den Anfang zu machen. Ich erzähle eigentlich in jedem Call von irgendwelchen Ideen oder Erlebnissen, die ich hatte. Wenn eure Kollegen merken, dass das völlig okay ist, sind viele sicher nahezu erleichtert, selbst mal etwas erzählen zu können. 

Macht etwas gemeinsam

Diesen Tipp für einen besseren Videocall könnt ihr sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext anwenden. So telefonieren wir eigentlich täglich innerhalb der Redaktion und privat habe ich auch eine mehr oder weniger feste Gruppe, mit der wir uns im Moment regelmäßig auf Discord treffen. Es ist allerdings nicht ganz einfach, diese Treffen spaßig zu gestalten. Schnell kommt man in ein Fahrwasser, in dem jeder einfach nacheinander etwas erzählt und anschließend einer das Zepter übernimmt und weitererzählt. Das funktioniert für eine Zeit ganz gut doch irgendwann ist das meiste einfach auserzählt. 

Der Unterschied zu einem Gespräch im realen Leben ist der, das in einem Zoom- oder Discord-Call weniger im Moment passiert. Denkt mal an einen Abend mit Freunden: Hier passieren Dinge, irgendjemand macht etwas witziges, man spielt Spiele oder guckt sich gemeinsam irgendwelche Fotos an. Das liefert neuen Gesprächsstoff, wenn alle ollen Kamellen verpulvert sind. Damit dieser Stoff auch auf Zoom Discord und Co nicht ausgeht, solltet ihr gemeinsam etwas tun um so neue Erlebnisse zu schaffen, die aus der Situation in der ihr euch gerade befindet heraus entstanden sind.

Mein Tipp für einen besseren Videocall: Gemeinsam spielen

Spielen! Spiele machen Spaß und es gibt ganz tolle Spiele für Gruppen, die so einfach gehalten sind, dass sie jeder versteht. Jonas Haller hat hier mal ein paar seiner Lieblinge aufgelistet. Darunter auch einer meiner Lieblinge: Skribbl.io! Das ist eine Online-Version von Montagsmaler, die sehr gut auf das Format angepasst ist. 

Aber auch Among Us, über das wir hier bereits geschrieben haben, eignet sich hervorragend, um ein Wir-Gefühl zu erzeugen und eine Gruppe zu bespaßen. Probiert einfach ein bisschen was auch. Auch mal in der Redaktionskonferenz? Warum denn nicht!

Moritz Stoll

kann vieles, aber nichts so richtig. Beschäftigt sich gerne und viel mit Tech und Trara, ist fester Bestandteil der Netzpiloten-Redaktion und moderiert den Netzpiloten-Podcast Tech und Trara. Die (digitale) Welt ist für ihn ein Ort voller Möglichkeiten und spannender Technologien, die man ausprobieren, bearbeiten und hinterfragen kann.


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