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Das Ende von Posterous ist eine Niederlage für die Onlinewelt

Die Übernahme von Posterous durch Twitter ließ dunkle Wolken aufkommen am Online-Horizont. Nun wurde die Plattform geschlossen. Dominik Ruisinger spricht von „einer Niederlage für die Onlinewelt“.

Seit den letzten Tagen ist klar: Die Zeit von Posterous ist zum 30. April 2013 abgelaufen. Ziemlich genau ein Jahr nach der Übernahme der 2008 gegründeten Blogging-Plattform schließt Twitter also den Dienst wieder. Noch kann jeder – wie hier beschrieben – seine bisherigen Beiträge retten. Aber danach ist Schluss.

Kein überraschendes Ende

Schade, sage ich ganz offen. Posterous war sicherlich der einfachste und schnellste Weg zu bloggen, den man sich vorstellen konnte. Bloggen war plötzlich so einfach wie der Versand einer E-Mail. “Our mission was to make it easier to share photos and connect with your social networks“, schreibt Posterous zum Abschied. Genau das war der Vorteil und die Marktchance. Und doch kommt das Ende nicht überraschend: Bereits in meinem Beitrag vom 7. Januar hatte ich Posterous auf den Social Media Friedhof geworfen, da ich wie viele davon ausgegangen war, dass 2013 Schluss sein würde.

Der Grund: Seit Übernahme im März vergangenen Jahres war kaum mehr etwas von Posterous zu hören bzw. zu spüren. Den damaligen Spruch, dass für die Posterous Spaces “up and running without disruption” gelte, musste man seitdem wörtlich nehmen: Eine Weiterentwicklung von Posterous fand nämlich nicht mehr statt. Außerdem hieß es damals in der Mitteilung zur Twitter-Übernahme bereits vielsagend: “We’ll give users ample notice if we make any changes to the service.” Es war also schon damals nur eine Frage der Zeit, bis Twitter den Stecker ziehen würde. Dies ist nun also so weit.

Chance zur Blog-Aufklärung verspielt

Dieser Schluss ist für mich auch die Folge einer Niederlage für die Online-Welt. Warum Niederlage? Posterous war wie gesagt das einfachste Blogsystem, das es gab und gibt – und deutlich simpler zu bedienen als Blogger.com, WordPress oder Tumblr. Kinderleicht konnten gerade (noch) nicht online-affine Nutzer ein Blog aufbauen. Der Email sei dank. Nur hat es kaum jemand gemacht. Warum?

Wenn man bedenkt, dass laut Studien wie der ARD-ZDF-Onlinestudie die Zahl der regelmäßigen und gelegentlichen Blognutzer in Deutschland gerade einmal bei 9 Prozent liegt, wurde eine gewaltige Chance verspielt. Hätten nicht viel weitere Menschen auf das Thema Blogs und Bloggen aufmerksam gemacht werden können? Wäre dieses Blogging-System nicht eine geringe Eingangsschwelle gewesen, um vielen Online-Nutzer zum eigenen Bloggen zu verhelfen? Diese Chance wurde vergeben. Auch weil es uns allen nicht gelungen ist, Systemen wie Posterous eine größere Öffentlichkeit zu verschaffen. Schade.

Vertrauen in kleinere Unternehmen sinkt

Das Ende von Posterous zeigt noch etwas: Wenn große Unternehmen wie Twitter oder gerade Google Hoffnungsträger wie Posterous, die E-Mail-Anwendung Sparrow oder die Online-Bildbearbeitung Picnik aufkaufen, bedeutet dies nicht immer etwas Gutes für die Entwickler wie die Nutzer; im besten Fall werden die Anwendungen unsichtbar integriert, im schlechten Fall geschlossen.

Sollte man es künftig also überhaupt als User noch wagen, auf ein kleines Unternehmen und sein innovatives Produkt zu setzen, wenn die Platzhirsche dieses mehr oder weniger ausradieren und die ganze Arbeit “für die Katz” ist? Auf jeden Fall macht diese Entwicklung wieder einmal sehr deutlich, wie wichtig es ist, seine Website oder sein selbst gehostetes Blog als Heimat zu begreifen und Social Media eher als Planeten zu erkennen, die hell aufglühen und dann auch wieder verglühen.

Und noch etwas frage ich mich: Warum hat Twitter vor nicht einmal einem Jahr diesen Service überhaupt übernommen, eine Frage, die ich mir bei der Übernahme von Picnik durch Google im letzten April ebenfalls gestellt hatte? Johannes Lenz schreibt: “inter­es­sant an dem Deal war ein­zig das team und des­sen know how“. Stimmt. So heißt es auch im Posterous-Blog: “On April 30th, we will turn off posterous.com and our mobile apps in order to focus 100% of our efforts on Twitter.”

Kritik von den Posterous-Gründern

Nur, wie lange unterstützen die Posterous-Schlüsselfiguren wirklich Twitter? Wenn ich mir andere Unternehmen ansehe, so ist die Fluchtquote des Führungspersonals raus aus dem großen neuen Unternehmen recht hoch. Es passt hier dazu, dass mit Garry Tan und Brett Gibson zwei der Posterous-Mitgründer mit Posthaven gleich die nächste Plattform gegründet haben. Ihre unverhohlene Kritik am Twitter-Umgang mit Posterous: “Posterous was acquired by Twitter in 2012, and while we were happy that it was a meaningful acquisition for the team and investors, we were bummed to see something get shuttered that we believed should last forever.”

Bei Posthaven wollen sie vieles anders machen. Das beginnt mit dem Geschäftsmodell: Wer eine Gebühr von 5 US-Dollar pro Monat bezahlt, darf ab sofort mitmachen. Dazu versprechen sie: “We’ll never be acquired. We’ll always keep your URLs online. We’ll always keep it the best place to post.”

Ein Versprechen, das im ersten Moment glücklich und Mut macht. Aber ist es haltbar? Was passiert beispielsweise in Fall einer Insolvenz bzw. des Unternehmensendes? Reicht solch ein Versprechen aus, um Nutzer zu überzeugen, jetzt zu Posthaven zu wechseln und dort monatlich 5 Dollar zu bezahlen? Wie viele werden da wohl mitmachen, solange es kostenlose Alternativen gibt? Ich habe bezüglich der Marktchancen meine Zweifel – auch wenn ich gerne an Produkte wie Posthaven glauben würde, die ihr eigenes Geschäftsmodell fahren und sich nicht von den Großen fressen und vernichten lassen. Und dies gerade im Sinn ihrer Nutzer.


Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf www.dominikruisinger.wordpress.com.


 


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Zweiter Streich: Twitter kauft Absturz-Analyse-Tool Crashlytics

Twitter hat das Absturz-Analyse-Tool für Apps Crashlytics gekauft und damit seine zweite große Übernahme in diesem Monat getätigt.

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Twitter geht auf Einkaufstour und das nicht zu knapp. Nachdem in der vergangenen Woche der Videosharing-Dienst Vine in das Repertoire des Microblogs überging, liegt diese Woche das Absturz-Analyse-Tool für Apps, „Crashlytics“, auf dem Warenband. Im Crashlytics-Blog versichern die Gründer Jeff Seibert und Wayne Chang, dass die Arbeit der Entwickler von der Übernahme unberührt bleibt.

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Linklotse: Es brodelt twittert in der Gerüchte-Küche

Das Gerücht: Google kauft Twitter! Die Köche des Gerüchts: Das Web! Die Zutaten: Fragezeichen und die gleiche Frage: Kauft Google Twitter?

ETIOLE: In What happens if Google overtakes? denkt man bei Etiole laut über das was-wäre-wenn nach.
MarketingPilgrim denkt in Google Buying Twitter? Not a Bad Idea ebenfalls laut über den Megadeal nach.
Sprechblase Google kauft Twitter? Ja, das wäre in der Tat ein Hammer, wie auch Cem drüben in der Sprechblase feststellt.
GoogleWatchBlog: Noch ein Fragezeichen zur gleichen Gerüchtedynamik gibt’s im Beitrag Sollte Google Twitter übernehmen? vom GoogleWatchBlog.
Ethority: Fragezeichen plus Zeigefinger gibt’s bei Ethority. Im Blogposting Gefährliche Eigen-Dynamik: Kauft Google Twitter? mahnt man die Gerüchtebrödler.

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StudiVz für 100 Millionen an Holzbrinck

Der Investor kauft sein eigenes Investitionsobjekt: Holzbrinck hat das Studentenverzeichnis StudiVz übernommen. Nach Informationen des Spiegel soll der Verkaufspreis bei 100 Millionen Euro liegen; offiziell bestätigt hat Holzbrinck diese Summe jedoch nicht. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Nach Informationen des Focus soll allerdings auch Springer für das Studentennetzwerk geboten haben, das Angebot lag dabei angeblich sogar bei 120 Millionen Euro.
Der Holzbrinck Verlag war bereits über sein Venture Capital-Unternehmen Holzbrinck Ventures als Investor an StudiVz beteiligt.
Freuen dürften sich nun nicht nur die Gründer sondern auch die anderen Investoren, u.a. die Samwer-Brüder und Lukasz Gadowski.

In den letzten Monaten hatte StudiVz in der Blogwelt und den traditionellen Medien wegen einiger Ausrutscher seines (Mit-)Gründers Ehssan Dariani und mangelnder Datensicherheit für gehörigen Wirbel gesorgt.

[Update, 16:22 Uhr] Wie ein Sprecher von StudiVz mittlerweile betonte, liegt der Kaufpreis “deutlich unter 100 Millionen Euro“.

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