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Wie eine Webseite zur digitalen Zeitkapsel wird

Kamera-Fotos (image by condesign [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Geschichte entsteht aus Geschichten. Die Webseite The History Project versucht genau diese Geschichten mit moderner Technologie einzufangen und als interaktive Geschichte für zukünftige Generationen aufzubewahren und abzubilden. So sollen aus chaotischen Anekdoten und Objekten bedeutungsvolle Erinnerungen werden.

Alles begann, als Niles Lichtenstein eine Kiste voller alter Schallplatten auf dem Dachboden fand. Die Schallplatten hatten seinem Vater gehört, der vor vielen Jahren an Krebs gestorben war. Für Lichtenstein war dieser Moment so, als ob er eine wertvolle Schatztruhe gefunden hätte. “Die Musik hatte meinen Vater und mich immer verbunden. Als ich anfing die erste Platte zu hören, kamen all diese Erinnerungen hoch und ich hatte ein unglaubliches Hochgefühl.”

Desperado von den Eagles:

Doch kaum war die Musik verklungen, war diese Verbindung, die er gefühlt hatte verpufft. Er fühlte sich traurig und alleine. Er begann fast wie besessen eine Platte nach der anderen zu hören, auf der Suche nach mehr Erinnerungen an seinen Vater. Als das nicht mehr reichte, tauchte er in alte Fotoalben ein. Er besuchte Freunde seines Vaters und interviewte sie. Seine Reise in die Vergangenheit führte ihn immer weiter. Er reiste sogar nach Vietnam, an den Ort, an dem sein Vater während des Kriegs stationiert war. “Als ich von dieser Reise wiederkam, war ich körperlich total ausgelaugt, fühlte mich aber im Geiste sehr erhoben.” 

Als er aber seiner Familie diese intensive Erfahrung beschreiben und zeigen wollte, hatte er nur eine Daten-CD mit ein paar Liedern und Fotos in der Hand. “Das gab überhaupt nicht wieder, was ich erfahren hatte. Es war genau das Gegenteil von dem, was ich auf meiner Reise in die Vergangenheit erlebt hatte.”

Die Vergangenheit mit Technologien von heute für die Generation von morgen aufbewahren

Seine Erfahrung mit der Vergangenheit seines Vaters hatte Niles Lichtenstein zwei Dinge gezeigt: Erstens, Menschen leben durch die Geschichten, die wir mit ihnen verbinden, in nachfolgenden Generationen weiter und zweitens, es müsste einen Weg geben, um diese Geschichten in einer Art lebendiger, interaktiver Zeitkapsel aufbewahren zu können. So entstand wenige Zeit später The History Project. Die Webseite sieht sich als

Eine Welt, in der Momente wichtig sind, für immer aufbewahrt werden können und einfach zugänglich sind.

Die Vergangenheit soll so mit Technologien von heute eingefangen und für künftige Generationen aufbewahrt werden. Dabei kann The History Project viel mehr als etwa ein geteiltes Fotoalbum auf Facebook. Jede Geschichte wird anhand eines Zeitstrahls erzählt. Hier können einzelne Geschehnisse festgehalten werden, wie die Geburt eines Kindes, das erste Date oder der erste Tag im neuen Job. Jedes Ereignis kann dabei mit Fotos, Tonaufnahmen, Videos, Musik, Dokumenten, Landkarten, alten Zeitungsschnipseln und vielem mehr bereichert werden. “Denn es ist nicht dasselbe, wenn wir uns einfach alte Fotos anschauen oder wenn unsere Eltern daneben sitzen und uns die Geschichte und die Hintergründe zu diesen Fotos erklären.” Mit The History Project sollen genau diese Geschichten wieder erzählt werden.

Screenshot Erstes Date 650x326

So werden durch die Timeline alte Erinnerungen wieder lebendig und in einen Zusammenhang gebracht. The History Project orientiert sich dabei an die Art und Weise, wie wir selbst Erinnerungen abspeichern. Ein bestimmtes Lied kann zum Beispiel eine Welle von Bildern, Orten und Ereignissen in unserer Erinnerung hervorrufen. Genau diese Erinnerungsflut will The History Project simulieren. Ein Klick auf das Ereignis “Erstes Date” ruft zum Beispiel gleichzeitig alte Fotos, die erste Email, die Musik, die damals spielte und eine Speisekarte des Restaurants auf.

Diese Geschichts-Timelines können auch mit anderen Nutzern geteilt werden, sodass man mit mehreren gleichzeitig an einer Geschichte arbeiten kann. Niles Lichtenstein ist es dabei wichtig, dass wir stets Zugriff auf die Geschichten haben. Geschichte soll dadurch ein viel größerer Teil unseres Alltags werden: “Wer an Geschichte denkt, sieht gleich langweilige alte Wälzer oder vergrabene Zeitkapseln vor sich, die man erst in 30 Jahren wieder ausgraben kann. Aber unsere Idee ist, dass Geschichte uns in unserem Alltag begleiten soll, wenn wir morgens unsere Emails checken oder beim Essen mit der Familie, wenn wir uns diese Geschichten erzählen.”

Lichtenstein glaubt, dass wir nur in und durch unsere Geschichten wirklich lebendig sind: Wenn unsere Großeltern davon erzählen, wie sie als Kinder gespielt haben; wenn unsere Onkel und Tanten uns verraten, wie viel Unsinn unsere Eltern früher getrieben haben; wenn wir uns an unsere Schulzeit erinnern. Mit anderen Worten: Wenn wir uns an all die Geschichten, die uns ausmachen erinnern und diese weitergeben, dann bleiben wir selbst dadurch lebendig und können anderen ein Stück von uns selbst mitgeben.

Das Erinnerungschaos ordnen

All das will The History Project auf digitale Art und Weise einfangen. Dabei ist das Ausfiltern von Erinnerungsstücken ein wichtiger Teil des Prozesses. Denn einerseits haben wir viele alte Objekte wie Fotos oder Kassetten, die vom Verfall bedroht sind. Andererseits verfügen wir über riesige digitale Datenbanken mit Tausenden Fotos, die völlig überwältigend – aber in ihrer angesammelten Masse auch völlig bedeutungslos sind.

The History Project hat sich zum Ziel gesetzt, Ordnung in dieses Erinnerungschaos zu bringen. Gespeichert wird alles im Netz, mit Cloud-Technologien. So bleiben bedeutungsvolle Erinnerungen nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder und Enkel erhalten – das erhofft sich zumindest das Team von The History Project. Dabei ist das Projekt nicht nur für persönliche Erinnerungen oder als digitales Erinnerungsalbum für die Familie gedacht. The History Project kann beispielsweise auch von Firmen oder Organisationen genutzt werden, um ihre Gründungsgeschichte oder ihre Firmenideologie für ihre Angestellten, aber auch für die Zukunft festzuhalten.

Geschichte mit allen Sinnen erleben

Niles Lichtenstein gibt zu, dass die digitale Erinnerungszeitkapsel erst der Anfang ist. “Wir arbeiten derzeit auch an Techniken mit 3D Druckern oder digitalen Gerüchen, denn Erinnerung hat auch so viel mit Anfassen und Riechen zu tun.” Geschichte soll also mit allen Sinnen erlebt werden. Eine Idealvorstellung wäre für Lichtenstein etwa ein Video von der Oma beim Kochen, darunter liest man direkt das Rezept, hört die Radiomusik, die sie damals dazu gehört hat und riecht gleichzeitig das leckere Essen.

Ganz soweit ist The History Project aber noch nicht. Bisher kann man über die Webseite entweder selbst an digitalen Erinnerungesprojekten basteln (Spoiler Alert: hoher Spaßfaktor) oder das Team von The History Project, die selbsternannten Geschichts-Hausmeister, damit beauftragen, seine Erinnerungen professionell zu ordnen, entweder modern und digital als Web-Projekt, oder doch ganz klassisch – als Fotoalbum.

Screenshot Fotoalbum 650x165

Und die Moral von der Geschicht

Unsere Erinnerungen und unsere Geschichten machen uns als Menschen aus. The History Project bietet eine spannende sowie unterhaltsame Möglichkeit, diese in digitalen Zeitkapseln für uns sowie für nachfolgende Generationen aufzubewahren.

Niles Lichtenstein über die Hintergründe von The History Project


Teaser & Image “Kamera-Fotos” by condesign (CC0 Public Domain).


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5 Lesetipps für den 13. November

In unseren Lesetipps geht es heute um Facebook und Hasskommentare, einen Shitstorm auf Twitter, Apple Pay, Google Maps und YouTube Music – die neue Streaming-App. Ergänzungen erwünscht.

  • FACEBOOK SPIEGEL ONLINE: Facebook sperrt mehr Hasskommentare und Gewaltverherrlichungen: In seinem Bericht über Regierungsanfragen hatte Facebook bekannt gegeben, dass das Unternehmen in diesem Jahr mehr als 20.000 Beiträge und Kommentare von seiner Plattform entfernte. Hierbei handelte es sich um diejenigen, die nach dem Recht in den einzelnen Staaten illegal sind. Aber das sei nicht genug, denn noch immer ist die Mehrheit darüber entsetzt, wie fahrlässig Facebook mit der Löschung von Hasskommentaren vorgeht. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat jetzt ein Verfahren gegen den Facebook Manager eingeleitet, da der Verdacht auf Beihilfe zur Volksverhetzung besteht. Facebook jedoch wehrt sich gegen diese Vorwürfe.

  • SHITSTORM NETZWELT: #ichkaufdasnicht: Neues Müllermilch-Design sorgt für Twitter-Shitstorm – NETZWELT: Auf Twitter herrscht derzeit ein Shitstorm gegen die Molkerei Müllermilch. Unter dem Hashtag #ichkaufdasnicht, lassen sich die Nutzer über das neue Design der beliebten Müllermilch aus. Aufreizende Posen von Pin-Up-Girls, sind der eine Grund, warum die Bilder auf negative Kommentare stoßen. Der andere Grund ist das dunkelhäutige Pin-Up-Girl auf der Verpackung der Schokoladenmilch, denn dieses Design wird als rassistisch angesehen. Die Molkerei hingegen wehrt sich gegen die Vorwürfe, dass das neue Design sexistisch, rassistisch und ekelhaft sei, mit dem Argument, dass es rassistischer gewesen wäre, hätten sie für das Design nur weiße Motive verwendet.

  • APPLE PAY Süddeutsche.de: Apple könnte Zahlungen von iPhone zu iPhone ermöglichen: Apple erweitert seinen Bezahldienst Apple Pay, der gerade mal in zwei Ländern nutzbar ist. Nutzer sollen in Zukunft nicht nur in Geschäften via iPhone oder Apple Watch bezahlen können, sondern auch unter privaten Nutzern Überweisungen tätigen. Der Sinn dahinter ist beispielsweise das Bezahlen in Restaurants: Hier müssen die Rechnungen nicht mehr kompliziert aufgeteilt werden, sondern ein einfacher Kontakt zwischen den Smartphones, sorgt für eine angenehme Aufteilung und Bezahlung der Rechnung. Mitte nächsten Jahres soll der Dienst dann starten.

  • GOOGLE MAPS FOCUS Online: Neue Google Maps-Funktion: Karten können auch offline genutzt werden: Eine gute Idee von Google, die Maps-Funktion nun auch offline bereitzustellen. Der Nutzer muss sich hierfür nur einen bestimmten Kartenabschnitt auf das Smartphone laden, um nach den gewünschten Zielen in der Umgebung suchen zu können. Bisher war es nur möglich eine einfache Ansicht im offline Modus zu erkennen. Jetzt können Wege, Öffnungszeiten, Kontaktdaten und Bewertungen angezeigt werden. Vorerst ist diese Funktion nur auf Android-Geräten anwendbar, jedoch wird die Version für Apple ebenfalls bald folgen. In Zukunft sollen es noch weitere Funktionen geben, die man offline nutzen kann.

  • YOUTUBE MUSIC t3n: YouTube Music: Videodienst startet Streaming-App für iOS und Android: Es war nur eine Frage der Zeit – YouTube bringt YouTube Music und somit seine erste eigene Streaming App an den Start. Hier können Musikvideos angeschaut und ganz klassisch Musik gehört werden. Außerdem sollen personalisierte Kanäle individuelle Musik für die Nutzer spielen, die sich nach den einzelnen Geschmäckern zusammensetzt. Die Gratisversion bietet zahlreiche Songs und Videos, jedoch kann man diese nur mit Werbung nutzen. Für diejenigen, die auf Werbung verzichten und den Dienst offline nutzen möchten, die können YouTube-Red-Abonnenten werden und dafür monatlich 9.99 US-Dollar bezahlen. Einen genauen Zeitpunkt, wann der Dienst in Deutschland verfügbar sein wird, gibt es jedoch noch nicht.

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Trends des Monats – Oktober

Samsung Gear VR (adapted) (Image by Maurizio Pesce [CC BY 2.0] via Flickr)

Gemeinsam mit der Standortinitiative der Hamburger Medien- und Digitalwirtschaft, nextMedia.Hamburg, stellen wir euch ausgewählte Trends des Monats vor. Die Medien- und Digitalbranche ist ständig in Bewegung. Fast im Tagesrhythmus gibt es neue, innovative Medienprojekte, praktische Gadgets oder neue digitale Geschäftsmodelle. Wir stellen euch dieses Mal “Borapp” – die App gegen Langeweile, eine Plattform für Virtual Reality Erlebnisse, Emojiface und Facebook Moments vor. Außerdem zeigen wir euch “News Decoder” – die Plattform, die Nachrichten für junge Leute verständlich macht.

Borapp – die App gegen Langweile

Vermutlich kennt jeder diesen einen Moment, in denen wir uns langweilen und wir uns nichts sehnlicher als eine Nachricht auf unser Smartphone herbei wünschen. Dann gibt es wiederum diese Momente, in denen wir Push-Nachrichten ganz und gar nicht gebrauchen können. Mit “Borapp” soll sich das jetzt allerdings ändern. Die App basiert auf einem Algorithmus, der merkt, wann man sich langweilt und versorgt einen dann mit Push-Nachrichten. Hierfür hat ein Wissenschaftler-Team anhand der Parameter wie beispielsweise Uhrzeit oder Akku-Stand analysiert, wann der Nutzer sich langweilt. Setzt die Langeweile beim User ein, wird dieser direkt mit einer News-Nachricht aufgeheitert.

Discovery VR läd den Zuschauer ein dabei zu sein

Schon seit vielen Jahren überzeugt der Discovery Channel mit atemberaubenden Bildern und faszinierenden Dokumentationen. Der Zuschauer wird hier an einen anderen Ort versetzt. Daher erweitert sich der Konzern in Richtung Virtual Reality. Bei einer Raubtierfütterung direkt daneben zu stehen, erscheint für viele kaum vorstellbar. Oder bei einem Tauchgang mit Haien dabei zu sein, kann ebenfalls sehr faszinierend sein. Durch die VR-Erweiterung soll das aber nun möglich sein. Um die komplette Erfahrung wahrzunehmen, benötigt der Zuschauer möglichst Google Cardboard oder die Samsung MilkVR und die DiscoveryVRApp.

Mit Emojiface wird man selbst zum Emoji

Emojis sind in unserer Welt eigentlich kaum noch weg zudenken. Mit ihnen drücken wir unsere Emotionen aus, wenn auch etwas unpersönlich. Aber wer keine Lust mehr auf Standard Emojis hat, der kann jetzt seine eigenen erstellen und das ausgerechnet mit seinem eigenen Gesicht. Mit der App “Emojiface” kann man nicht nur sein eigenes Gesicht sondern auch seinen eigenen Hund oder die eigene Katze cartoonifizieren lassen. Außerdem sind die selbsterstellten Emojis auch kompatibel mit Whatsapp und iMessage.

Facebook Moments zaubert Erinnerungen

Erinnerungs-Videos, die sich selbst erstellen – mit der neuen App “Moments” von Facebook werden jetzt automatisch Videos erstellt, die sich aus einzelnen Bildern zusammen setzen. Das Ganze wird noch dazu mit passender Musik nach Wahl ergänzt und schon hat man sein persönliches Erinnerungsstück. Im Anschluss kann man dieses selbstverständlich auf Facebook mit seinen Freunden teilen. Der Sinn dahinter ist, dass das Teilen von Fotos mit den Freunden dadurch erleichtert werden soll. Allerdings ist diese App vorerst nur in den USA erhältlich, da in Europa die damit einhergehende automatische Gesichtserkennung aus Datenschutzperspektiven kritisch gesehen wird.

News Decoder macht Nachrichten für junge Leute verständlich

Viele junge Erwachsene und Jugendliche informieren sich derzeit über die aktuellen Schlagzeilen. Allerdings ist leider das Verständnis für die Inhalte nicht immer ganz so stark ausgeprägt. Mit “News Decoder” soll das Verständnis von Nachrichten bei jungen Leuten gestärkt werden. Die Plattform bietet nicht nur Raum für Austausch und Diskussionen – sie hält auch Erklärstücke von internationalen Experten, Korrespondenten und ausgewählten Jungredakteuren bereit. Zusätzlich findet man in der Rubrik “Decodes” auch einige Erklärungen wie beispielsweise China, die US-Wahlen oder der Klimawandel.


Image (adapted) “Samsung Gear VR” by Maurizio Pesce (CC BY 2.0)


 

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Hat Musik-Streaming den Höhepunkt bereits erreicht?

Spotify App (adapted) (Image by freestocks.org [CC0 1.0] via Flickr)

Musik-Streaming ist die Rettung und Zukunft der Musikindustrie, dachte man bisher. Doch das Wachstum lässt plötzlich nach – gibt es keine neuen Streaming-Nutzer mehr? Nach der Krise ist vor der Krise. Jetzt wo die Musikindustrie sich aus dem Würgegriff der illegalen Tauschbörsen der frühen 2000er Jahre befreit hat, versucht man eine Wiederholung einer derartigen Krise zu verhindern. Musik-Streaming soll dabei die Schlüsselrolle spielen, weisen die entsprechenden Anbieter doch seit Jahren massiv steigende Nutzerzahlen auf. Doch die schöne Zukunftsvision kommt derzeit etwas ins Straucheln, denn plötzlich stagniert das Wachstum. Ein Plateau wäre für die Major-Labels das Worst-Case-Szenario, denn ohne neue zahlende Nutzer ist der gesamte Streaming-Zweig, auf den alle setzen, wertlos.

Vorwärts immer?

Es sah lange Zeit so gut aus für die Musikindustrie. Nach dem die Filesharing-Krise überwunden war, sollte das Streamen von Musik das nächste große Ding sein. Und die Rechnung schien zunächst aufzugehen. Jahr für Jahr stiegen die Nutzerzahlen bei den verschiedenen Anbietern gewaltig an. Doch die aktuellen Halbjahreszahlen (PDF) des Verbandes der amerikanischen Musikindustrie, Recording Industry Association of America (RIAA), versetzt der Euphorie nun einen ersten heftigen Dämpfer. Innerhalb eines Jahres sind die Nutzerzahlen lediglich um 2,5 Prozent von 7,9 auf 8,1 Millionen zahlende Nutzer gestiegen. Im Vorjahreszeitraum betrug das Wachstum noch satte 43 Prozent. Auch ein genaueres Betrachten der Zahlen kann das Bild derzeit nicht schöner färben. Denn die große Mehrheit der Nutzer, nämlich diejenigen, die werbefinanzierte “Freemium”-Angebote von Spotify, Soundcloud oder YouTube verwenden, generieren mit 299 Millionen US-Dollar lediglich 27 Prozent des gesamten Umsatzes aus Streaming-Angeboten.

Das werbefinanzierte Freemium-Modell trägt also nur sehr wenig zum Gesamtumsatz bei, da verwundert es nicht, dass die Plattenfirmen diese Angebote unterbinden, oder zumindest einschränken wollen. Doch ob durch dieses Vorgehen das Problem gelöst werden kann, ist zweifelhaft, denn eine Umfrage vom Martforschungsunternehmen Nielsen für Digital Music News hat ergeben, dass die 3 häufigsten Gründe, warum Nutzer kein Geld für Streaming-Angebote ausgeben wollen wie folgt aussehen:

  • Sie sind zu teuer (46 Prozent)

  • Ich kann Musik auch kostenlos streamen (42 Prozent)

  • Ich werde den Streaming-Service nicht genug nutzen (38 Prozent)

Natürlich wird das Augenmerk der Major Labels auf dem zweiten Punkt liegen, doch sind die anderen beiden Punkte mindestens genau so wichtig. Der derzeitige Standardpreis von 9,90 Euro pro Monat liegt bereits deutlich über dem, was der Durchschnitt sonst für Musik in Form von physischen Datenträgern oder MP3s) ausgegeben hat. Nun also davon auszugehen, dass man die meisten Nutzer dazu bewegen kann, einen derart hohen Betrag pro Monat für Musik auszugeben, scheint deutlich naiver zu sein als anfangs gedacht.

Apple Music als Rettung?

Natürlich ist es verlockend, eine gewaltige Musikauswahl für nur 10 Euro im Monat zur Verfügung zu haben und sie von jedem Gerät im Haus und unterwegs hören zu können, doch letztendlich ist dies nur für Musikenthusiasten wirklich aufregend. Wer sich nicht besonders für Musik interessiert, ist besser bedient die Songs und Alben von Interesse einfach käuflich zu erwerben, oder schlicht im Radio zu hören. Und wer wirklich enthusiastischer Musikhörer ist, will sichergehen, dass von dem angelegten Geld auch möglichst viel bei den Künstlern ankommt, was bei Streaming ja leider nicht gegeben ist. Dazu passt auch ein anderer Trend, nämlich der zurück zu physischen Tonträgern, genauer gesagt zur guten alten Schallplatte. Das Vinyl-Revival hält derzeit nämlich weiter an und sorgt dafür, dass die Schallplatten-Verkäufe mehr Umsatz generieren, als die kostenlosen Streaming-Angebote von Spotify und YouTube zusammen. Die Masse interessiert sich einfach nicht genug für Musik, um eine regelmäßige Ausgabe von 10 Euro im Monat zu rechtfertigen. Dies belegt die Nielsen-Umfrage deutlich, denn von den befragten 3500 Amerikanern sagen 78 Prozent, dass sie nicht beabsichtigen, in den nächsten 6 Monaten Geld für ein Streaming-Abo auszugeben – 13 Prozent befinden sich in der Grauzone der Unentschlossenheit und nur 9 Prozent halten es für sehr oder einigermaßen wahrscheinlich.

Wie sehr sich dieser Trend derzeit bereits in den Zahlen der Streaming-Anbieter wiederspiegelt, wird anhand des Beispiels Deezer klar. Nur die Hälfte der rund 6 Millionen zahlenden Nutzer verwendet den Dienst überhaupt, die anderen Accounts liegen komplett brach, ohne dass ein Track gespielt wird. Schaut man sich die verbleibenden 3 Millionen aktiven Nutzer an, fällt schnell auf, dass nur die Hälfte von ihnen überhaupt zahlt, die andere Hälfte sind Nutzer, die das Deezer-Abo als Bundle zu ihrem Mobilfunkvertrag hinzubekommen haben. Ein erneuter Blick auf die Zahlen macht deutlich, dass auch die 3 Millionen inaktiven Nutzer eben solche Bundle-Nutzer sind. Von den über 6 Millionen Deezer-Nutzern zahlt also nur ein Viertel überhaupt den vollen Preis. Bei Spotify dürften ähnliche Verhältnisse herrschen, denn einige Mobilfunkanbieter bundeln ein Spotify-Abo an ihre Verträge.

Die Hoffnung liegt also mal wieder auf Apple, die mit Apple Music vor drei Monaten ihren eigenen Streaming-Dienst gelauncht haben. Genau diese drei Monate dauert die kostenlose Testphase an. Von den ungefähr 15 Millionen Nutzern haben laut der New York Post, zugegebenermaßen nicht gerade die seriöseste Quelle, rund die Hälfte die automatische Verlängerung des Abos nach Ablauf der Testphase deaktiviert. Nehmen wir mal an, die Zahlen stimmen halbwegs und die verbleibenden 7,5 Millionen Nutzer haben ihr Abo nicht einfach nur vergessen, sondern wollen Apple Music tatsächlich kostenpflichtig weiternutzen. In dem Fall hätte Apple auf einen Schlag mehr als ein Drittel der zahlenden Nutzermenge von Spotify (20 Millionen). Realistisch betrachtet ist aber eher damit zu rechnen, dass ein Großteil der Nutzer das Apple-Music-Abo aber spätestens dann kündigen wird, wenn sie das erste Mal per Rechnung daran erinnert werden. Mit aussagekräftigen Zahlen ist also erst in mehreren Wochen zu rechnen. Wenn Apple es allerdings nicht gelingen sollte, die Nutzer zum Zahlen zu bewegen, sollten die Streaming-Anbieter und vor allem die Major Labels vielleicht mal darüber nachdenken, warum doch nicht so viele Leute dazu bereit sind, für gestreamte Musik zu zahlen.


Image (adapted) „Spotify App“ by freestocks.org (CC0 Public Domain)


 

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Zeig mir deine Playlisten und ich sag dir wer du bist

Playlisten sortieren nicht nur unsere Musik (Image by kaboompics [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Playlisten helfen uns dabei, die unerschöpfliche Musikauswahl im Internet zu sortieren. Doch sie sind noch viel mehr: eine neue Kommunikationsform. Spotify, Grooveshark, Pandora – die Auswahl an Musikplattformen ist groß, die Auswahl an Musik schier unendlich. Playlisten helfen Nutzern dabei, Musik zu filtern und einzuordnen. Doch nicht nur das: Online-Playlisten können auch mit sozialen Netzwerken verbunden werden – und werden somit zum Teil unseres öffentlichen Profils. Dadurch haben Playlisten ihre ganz eigene Kommunikationsform entwickelt. Es gilt: Zeig mir deine Playlisten, und ich sag dir wer du bist!

Vom Mixed Tape zu Spotify

Es gab mal eine Zeit, in der Jugendliche gespannt vor ihren Radiogeräten saßen, Finger auf der Aufnahmetaste, um ihre Lieblingssongs auf Kassette aufzunehmen. Dann kam die MP3, dann Napster und schließlich Spotify. Mittlerweile bieten die Digitalisierung von Musik und das Internet Nutzern zahllose Möglichkeiten, um schnell, einfach und günstig an Musik zu kommen.

Die Auswahl ist sogar so überwältigend, dass wir Hilfe brauchen, um unsere Musiksammlung zu sortieren: Playlisten. Playlisten helfen uns dabei, die scheinbar endlose Musikauswahl, die uns zur Verfügung steht, zu sortieren. Nach Künstlern, Musikrichtung oder Stimmung. Playlisten sind so etwas wie Mixed Tapes 2.0.

Playlisten als Teil unseres öffentlichen Profils

Doch Playlisten sind mehr als nur eine Sortierhilfe für Lieder, sie sind eine soziale Kommunikationsform geworden. Mit unseren Playlisten machen wir Aussagen über unsere Persönlichkeit, und über Playlisten kommunizieren wir auch mit anderen. „Playlisten sind ein Medium geworden. Wer eine Playlist zusammenstellt und die Lieder dafür auswählt, sagt bewusst oder auch unbewusst etwas über sich selbst aus“, erklärt Katie Rochow, Doktorantin an der Victoria Universität in Wellington, im Gespräch mit den Netzpiloten. Die Medienwissenschaftlerin hat in einer Studie Studenten zu ihren Playlisten befragt und dabei Folgendes herausgefunden: „Playlisten sind einerseits eine symbolische Repräsentation unseres ‚Selbst’ und andererseits kommunizieren wir damit auch etwas nach außen.“

Nachgefragt: Paul Hoppe

Wir definieren uns also über unsere Playlisten. Mit einer Klassik-Playliste sagen wir beispielsweise etwas ganz anderes über unseren Musikgeschmack und über unseren Charakter als mit einer Punk-Playliste. Menschen haben sich schon immer über ihre Musikauswahl definiert, aber mit der Möglichkeit Playlisten mit Social-Media-Accounts zu verlinken, wird unser Musikgeschmack plötzlich öffentlich und für Tausende sichtbar. Ähnlich wie Profilfotos werden so auch Playlisten zu einem Teil unseres öffentlichen Profils. Andere können direkt auf Facebook oder Twitter sehen, welche Playlisten ein Freund gerade auf Spotify hört. Damit bekommt die Playliste eine ganz neue Dimension. Wir können die Playlisten von anderen sehen und sie danach beurteilen.

Rochow nennt diesen Playlisten-Voyeurismus „Playlitismus“. Ganz nach dem Motto: Zeig mir deine Playlisten und ich sag dir wer du bist. Sicher ist die Liederauswahl für die Playlisten oft unterbewusst und klar ist auch, dass dieselbe Person eine komplett unterschiedliche Playliste für den romantischen Abend zu zweit als für das Fitnesstudio zusammenstellt. Dennoch, je mehr Möglichkeiten es gibt Playlisten über soziale Netzwerke mit anderen zu teilen, desto mehr werden Playlisten auch zu einem Teil unseres öffentlichen Profils – und andere können, sollen und werden uns danach beurteilen.

Nachgefragt: Rabea Determann

Der analoge Gegentrend

Vielleicht entsteht auch gerade deshalb ein Gegentrend, weg von öffentlichen Playlisten, hin zu mehr Privatsphäre. So bietet Spotify seinen Nutzern beispielsweise die Möglichkeit, ihre Playlisten unter „Privacy-Modus“, also unsichtbar für andere, abzuspielen. Auch Medien aus dem analogen Zeitalter wie Kassetten und Schallplatten sind wieder stark im Kommen. Gegen die Geschwindigkeit und den Öffentlichkeitsdrang des Internets, setzen viele auf Slow Music. Die große Auswahl im Internet wird schnell beliebig und damit bedeutungslos. Auch das Teilen von Playlisten ist nicht besonders persönlich, wenn sie mit Tausenden Fremden geteilt wird. Viele bevorzugen es daher, ihre Playlisten nur noch für einen kleinen Kreis zusammenzustellen und über Medien wie Kassetten oder Schallplatten ihre Musikauswahl bewusst auf das Wichtigste zu reduzieren.

Wenn es um das massenhafte Sammeln und Teilen von Musik geht, ist das Internet nach wie vor unschlagbar. Doch wenn es um Qualität und Privatsphäre geht, wählen viele bewusst analoge Formen. Und wer weiß, vielleicht sitzt auch gerade jetzt ein Jugendlicher an seinem Kassettenrekorder, um ein Mixed Tape aufzunehmen.


Image „Music“ by kaboompics (CC0 Public Domain)


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5 Lesetipps für den 28. August

In unseren Lesetipps geht es heute um ein neues Vine-Feature, Facebooks Meilenstein, ein nützliches Update von Instagram, Twitter und ein Interview über den heutigen Journalismus. Ergänzungen erwünscht.

  • FEATURED TRACKS The Verge: Vine can now put perfectly looping music over your videos: Vine bewegt sich in die Musik-Richtung: Mit einem neuen Update können User der App Musik zu ihren sechs-sekündigen Videos hinzufügen, die von Vine ausgewählt und lizenziert wird. Es ist noch nicht klar, ob man dabei Musik aus der eigenen Mediathek  oder nur aus bestimmten Tracks, die Vine ausgewählt hat, einen heraussuchen kann. Die ersten Künstler, die zu Vines “Featured Tracks” gehören, sind unter anderem Avicii, Migos und Odesza. Das neue Feature soll nicht nur für den eigenen Gebrauch nützlich sein, sondern auch helfen, neue Musik zu entdecken.

  • MEILENSTEIN STERN.de: Facebook: Zuckerberg meldet eine Milliarde User an einem Tag: Facebook hat einen neuen Meilenstein erreicht: Innerhalb von einem Tag wurde das soziale Netzwerk von einer Milliarde Menschen genutzt. Schon seit einiger Zeit bewegte sich Facebook auf diesen Meilenstein zu, erreichte ihn aber erst vergangenen Montag. Momentan arbeitet das Social Network daran, Milliarden weitere Nutzer zu gewinnen und da zwei Drittel der Weltbevölkerung keinen Internetzugang haben, will Facebook diesen Menschen günstigen oder sogar kostenlosen Zugang zu ausgewählten Online-Diensten organisieren. “Das ist erst der Anfang”, so Mark Zuckerberg.

  • UPDATE futurezone.at: Instagram hebt Fotoformat-Einschränkung auf: Instagram-User kennen es wohl zu gut: Man hat ein tolles Foto gemacht, das aber nicht quadratisch ist und jetzt muss man es zuschneiden oder in einer App so bearbeiten, dass es immer noch gut aussieht und vom Format her passt. Der Dienst hat dem jetzt ein Ende gesetzt: Mit dem neuen Update ist es auch möglich, Bilder im Quer- und Hochformat hochzuladen. In der App wird eine neue Schaltfläche eingeführt, mit der man einstellen kann, ob man ein Foto im Original- oder Quadrat-Format mit seinen Followern teilen möchte.

  • TWITTER The Next Web: Twitter now lets you pin tweets to the top of your profile on iOS and Android: Twitter ermöglicht es nun, einen Tweet an sein Profil zu pinnen. Das bedeutet, dass dieser Tweet immer ganz oben auf dem eigenen Profil zu sehen ist, was praktisch ist, wenn man zum Beispiel einen wichtigen Tweet gepostet hat, aber nicht möchte, dass dieser unter all den anderen eigenen Tweets untergeht. Das neue Feature soll heute für alle iOS und Android-Geräte verfügbar gemacht werden.

  • INTERVIEW SRF.ch: Wider den Zynismus – jetzt wird Journalismus konstruktiv: Ulrik Haagerup, Nachrichtenchef des Dänischen Rundfunks plädiert für einen Kulturwandel bei den Nachrichten: Reporter sollten ihre Fragestellung und Rolle etwas verändern. Sie sollten sich nicht immer so stark auf Konflikte fokussieren, sondern auch versuchen, Lösungen zu ermöglichen. Menschen wenden sich von den Nachrichten ab, weil sie “zu deprimierend sind” und sie nicht wollen, dass ihre Kinder so etwas sehen, was sehr schlecht ist, da gerade die traditionellen Nachrichten den Menschen wichtige Fragen vermitteln und ermutigen sollten, sich zu engagieren.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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PR-Debakel für Spotify wegen neuer Datensammelei

Spotify easter eggs (adapted) (Image by Jon Åslund [CC BY 2.0] via Flickr)

Instagram ist es schon passiert, Facebook passiert es dauernd und jetzt war einmal Spotify dran: Weil man die Nutzer nicht ausreichend über die anstehende Änderung der Nutzungsbedingungen informierte, musste der Musik-Streaming-Dienst einen medialen Shitstorm über sich ergehen lassen. Spotify-Chef Daniel Ek entschuldigte sich sogar öffentlich für die Kommunikationspanne und versprach Besserung.

Am Donnerstag vergangener Woche, poppten die ersten Berichte, unter anderem jene von heise.de und von Wired im Netz auf, die über die neuen Geschäftsbedingungen des Musik-Streaming-Dienstes Spotify berichteten. Die schwedische Firma will sich ab dem 19. September das Recht einräumen, über die Smartphones der Nutzer auf Adressbücher, Standortdaten oder Fotos zuzugreifen und außerdem Informationen über ihre Geburtstage einzuholen. Und das brachte dann einige auf die Palme: Spotify räumt sich das Recht ein, diese Daten mit Dritten zu teilen, etwa Werbenetzwerken. Aus unternehmerischer Sicht ist das verständlich. Drei Viertel der 75 Millionen Nutzer verwenden die kostenlose Version des Streaming-Dienstes, die werbefinanziert ist. Wenig verwunderlich will Spotify, so der Verdacht, seinen Werbekunden ein genaueres Targeting anbieten.

Der Sturm der Entrüstung ließ nicht lange auf sich warten: Viele Nutzer, darunter auch der schwedische Minecraft-Erfinder Markus “Notch” Persson, machten via Twitter ihrem Ärger über die neuen Nutzungsbedingungen Luft und drohten, ihre Accounts bei Spotify zu löschen. Auch der britische Guardian brachte einen großen Bericht über den Nutzerprotest und schon war bei Spotify Feuer am Dach.

Es dauerte keine 24 Stunden, bis sich Spotify-CEO Daniel Ek per Blog-Eintrag zu Wort meldete, um die Sache aus seiner Sicht zu erklären. Mit einem großen “SORRY” vorangestellt erläuterte er im Detail, was man mit den neuen Daten und Berechtigungen, die sich Spotify einholen will, zu tun gedenke. Der Grundtenor: ohne die explizite Zustimmung des Nutzers werde man die Daten gar nicht anrühren und wenn doch, dann werde die Datenverarbeitung natürlich dem Nutzer in Form praktischer Funktionen zugute kommen. Mit den eigenen Fotos könne man bald Cover-Bilder für eigene Playlists gestalten, mit Hilfe der GPS-Daten würde man über beliebte Musik in der näheren Umgebung informieren können und via Kontaktlisten könne man das “soziale” Musikerlebnis verbessern, weil Nutzer auf der Plattform so einfacher zueinanderfinden könnten.

Wie die Zusammenarbeit mit Werbenetzwerken genau funktioniere, darüber hielt sich Ek aber bedeckt. Einzig schrieb er, dass er die Daten anonymisiert an Werbepartner weitergebe. Immerhin versprach der Spotify-Chef, in den nächsten Wochen eine neue Version der Nutzungsbedingungen zu präsentieren, in denen das alles genauer erklärt wird. An dem Umstand, dass Spotify in Zukunft mehr Nutzerdaten sammeln will, wird das aber wohl wenig ändern.


Image (adapted) „Spotify easter eggs“ by Jon Åslund (CC BY 2.0)


 

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Gewinnspiel: Pop-Kultur Festival in Berlin

PopKultur Logo 200x200 Image: PopKultur

Am 26. bis 28. August 2015 eröffnet das Pop-Kultur Festival in Berlin seine Tore. Drei Tage lang finden auf allen Bühnen des Berliner Kult-Clubs Berghain, Konzerte, Gesprächsrunden und Lesungen statt. // von Redaktion

Pop-Kultur Logo 650x288 Image: PopKultur

Pop-Kultur ist weit mehr als ein Raum für Konzerte und DJ-Sets, es ist auch ein Ort für Wissensvermittlung und Kontroversen. So trägt beispielsweise der Musiker Bernard Sumner aus seiner Autobiografie vor, und die Sänger Gillian Gilbert und Stephen Morris von New Order treffen in einer Talkrunde in der eindrucksvollen Schlackehalle auf Mute Labelgründer Daniel Miller und den Musiker und Komponisten Owen Pallett.

In diesem Jahr wird Pop-Kultur zum ersten Mal vom Musicboard Berlin unter der Leitung von Katja Lucker organisiert. Die Kuratoren sind Martin Hossbach und Christian Morin.

Musikalisch wird einem bei Pop-Kultur wie gewohnt einiges geboten. So wird beispielsweise der Berliner Produzent Pantha du Prince sein neues Projekt The Triad vorstellen und zudem auch das erste Mal als Sänger auftreten. Die schwedische Hip-Hop-Künstlerin Nehneh Cherry bespielt mit ihrer Band RocketNumberNine in aufwändiger Weise die Halle am Berghain, während die britische Schauspielerin, Songwriterin und Sängerin Ebony Bones erstmals ihr neues Album offenbart.

Pop-Kultur Nachwuchs«: 26. + 27. August

Die Auswahl der Talente des eigenständigen Pop-Kultur Nachwuchs Programms ist gefallen. Aus knapp 400 internationalen Bewerberinnen und Bewerbern aus 23 Ländern wurden nun von einer Fachjury 150 Talente ausgewählt. Die Teilnehmer stellen sich hier vor und können schon jetzt miteinander in Kontakt treten.

Zudem stellt das Pop-Kultur Nachwuchs Team die interessantesten Beiträge aus der neuen Community für alle Interessierten öffentlich auf der Startseite vor. Am 26. und 27. August heißt dann Pop-Kultur Nachwuchs die 150 jungen Talente aller Disziplinen in den Werkstätten des Bühnenservice der Stiftung Oper in Berlin willkommen.

Ausgewählt wurden 27 Kulturjournalisten, 80 Musiker, DJs und Produzenten und 43 Promoter, Club- und Festivalmacher. In direkter Nachbarschaft zum öffentlichen Pop-Kultur Festivalschauplatz Berghain werden hier die jungen Hoffnungsträger und Macher von morgen mit Künstlern und Entscheidungsträgern in Kontakt gebracht.

+++Gewinnspiel+++

Bei uns könnt Ihr 1×2 Tickets zum Urheberrecht-Talk mit Alec Empire, Dieter Gorny, Anne Haffmans + Gast: Heiko Maas, gewinnen und an einem spannenden Austausch, zwischen drei sehr unterschiedlichen Experten teilnehmen. Des Weiteren könnt ihr 1×2 Tickets für die Spex Session gewinnen. Das Magazin Spex wird für diesen Talk einen selbstkritischen Blick auf die Gerechtigkeit im Pop-Betrieb werfen und ein Problem thematisieren, das älter ist, als das Magazin selbst: die noch immer ausstehende, angemessene Repräsentation weiblicher Musikerinnern und Journalistinnen auf Festivals, in Labelkatalogen und den Musikmedien. Teilnahmeschluss ist der 19.08.15 um 15:00 Uhr. Schreibt uns einfach eine Mail mit dem Betreff: „Talk + Session“ an gewinn@netzpiloten.de.


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Chris Barton über die Vergangenheit und Zukunft von Shazam

Auf dem Berliner Tech Open Air (TOA) sprach Shazam-Mitgründer Chris Barton mit den Netzpiloten über die Vergangenheit und Zukunft der beliebten App.

Shazam-Mitgründer Chris Barton auf dem TOA Berlin (Image: Tobias Schwarz-Netzpiloten, CC BY 4.0)

Nur wenige Wochen nachdem ich Shazam-Mitgründer Philip Inghelbrecht zu einem Interview auf der Heureka getroffen habe, sitzt mir mit Chris Barton auf dem diesjährigen Tech Open Air Berlin der nächste aus dem Gründerteam gegenüber (Avery Wang und Dhiraj Mukherjee, Ihr seid die nächsten!) und spricht mit mir beim Spaziergang am Stralauer Spreeufer über die Anfänge des Unternehmen, das Potential von Shazam und wohin seiner Meinung nach die Reise noch gehen kann. Besonders interessant sind die doch sehr unterschiedlichen Antworten auf die Fragen, die ich beiden Mitgründern gestellt habe.

Tobias Schwarz (TS): Eine Sache interessiert mich ganz besonders: Wer nutzt Shazam? Ich denke nämlich, dass ich ein Vielnutzer bin, aber als ich meine Freunde und meine Familie gefragt habe, kannten sie die App gar nicht. Das hat mich überrascht. Wer ist der typische Shazam-Nutzer?

Chris Barton (CB): Das ist ein weites Spektrum, aber eines haben sie alle gemeinsam: sie mögen Musik. Viele Leute mögen Musik, besitzen Smartphones und wollen neue Musik entdecken. Ich denke, das sind die drei Gemeinsamkeiten. Die Leute, die Shazam nicht brauchen sind die, die bereits eine Musiksammlung haben. Sie suchen nicht nach neuer Musik, vielleicht mögen sie nur Klassik und hören das auch nicht so oft in der Öffentlichkeit. Das wäre ein Beispiel für jemanden, der Shazam nicht so oft nutzt.

Aber die Leute, die neue Musik entdecken wollen, nutzen Shazam sehr gern. Die App ist weit verbreitet und erreicht viele Leute. Ich glaube, mittlerweile sind es über 600 Millionen Downloads. Sicherlich sind es nicht 100 Prozent der Leute, die Shazam nutzen, sogar Twitter wird nur von einem Drittel der Smartphone-Nutzer genutzt. Vielleicht befinden wir uns in der Nähe von Twitter, was die Nutzerzahlen angeht. Und die Nutzer sind alle möglichen Leute jeden Alters aus den verschiedensten Ländern.

TS: Ich habe vor Kurzem Ihrem Mitgründer Philip Inghelbrecht eine Sache gefragt: Wie war das vor 15 Jahren, als Sie mit Shazam angefangen haben, und wie kann man das mit heute vergleichen? Was würden Sie anders machen? Bevor das iPhone erfunden wurde, konnten Sie ja noch nicht wissen, dass man sich auf mobiles Internet verlagern würde. Das gab es da noch gar nicht. Wie war es so als Startup im Jahr 2000?

CB: Das war eine ziemliche Herausforderung damals. Wir mussten Geld heran bekommen und unsere Bank hat im August 2001 seine Pforten geschlossen. Die Welt damals brach zusammen, die Internetblase war geplatzt, Investoren wollten nicht mehr investieren. Da war alles ziemlich schwierig. Man musste viel härter arbeiten, um seinen Traum zu verwirklichen. Die Welt der Mobiltelefone war auch noch ziemlich unterentwickelt. Es gab keine Apps und die Leute haben noch nicht einmal das Konzept verstanden, dass man daraus ein Geschäftsmodell machen kann. Es gab damals nicht den Anspruch auf “mobile first”.

Interessanterweise war Shazam vom ersten Tag an “mobile first”, weil es von Beginn an auf Handys ausgelegt war. Interessant war, wie sich die Industrie dazu positionierte, welche Telefone die Leute nutzen, und auch die finanzielle Umgebung. Wir hatten eine Vision, einen Traum und wir haben darauf beharrt, dass er wahr werden kann, egal, wie groß die Herausforderungen sein mochten.

TS: Startups haben oft Probleme, gute Mitarbeiter zu finden. Wie war das um 2000 herum? Haben Sie nach einem App-Entwickler gesucht?

CB: Nein, haben wir nicht. Wir wussten gar nicht, was das sein könnte. Wir haben Ingenieure angestellt und ich weiß noch, dass einer davon sich mit Sprachsteuerung auskannte. Wir haben unser eigenes kleines Google gebaut, eine Reihe von PCs, die sich durch jede Menge Datenspeicher wühlten, um ein bestimmtes Lied an seinen Merkmalen zu erkennen. Wir haben also Leute angestellt, die diese Software bauen konnten. Die Infrastruktur dazu wurde von Hardware-Ingenieuren erstellt. Wir hatten auch schon ein paar Marketingleute.

Wir waren ein kleines Team, vielleicht insgesamt 30 Arbeiter. Wir mussten auch erst einmal herausfinden, wie man in London am besten Leute finden kann. Was uns zugute kam, war das Ende all der anderen Dot-Com-Unternehmen. Auf einmal waren die Leute wieder frei. Es war kein besonders umkämpftes Feld damals für so kleine Firmen wie unsere. Damals gab es keine Zeiten des Booms.

TS: Vor fünf oder sechs Jahren wurde es normal, dass jeder ein Smartphone hatte. Da ging es bei Shazam um Musik. Jetzt sehe ich aber sehr oft Ihr Logo im Fernsehen, wenn ich Werbung sehe. Es bezieht sich auf die Musik, aber eher darauf, Sound zu erkennen. Wie verändert dies das Unternehmen? Bewegen Sie sich weg von der Musik und eher in die Richtung, alle möglichen Geräusche einer Umgebung zu speichern?

CB: Das ist eine gute Zusammenfassung unserer Arbeit. Wir haben verstanden, dass unser Kerngeschäft die Musik ist und wir werden davon nicht abweichen. Die meisten Menschen setzen noch immer auf Musik und identifizieren sich mit ihr. Für unsere Nutzer ist das sehr wichtig. Aber als wir weiter gewachsen sind, konnten wir in neue Bereiche investieren und uns dort umschauen. Wir versuchen, das grundlegende Kapital, welches Shazam hat, auszunutzen: Wiedererkennung. Viele Leute verstehen, was Shazam ist, aber noch nicht alle. Manche Leute haben schon die App auf ihrem Telefon, sie wissen, wie man damit umgeht, wie man was findet und verstehen, was passiert.

Wenn man auf den Knopf drückt, findet es etwas für einen. Also nehmen wir diesen Wert und sagen “Wow, was wäre, wenn man damit auch Leute mit anderen Dingen als Musik verbinden kann? Wie wäre es mit verschiedenen Arten von Werbung?“ Das ist natürlich kein Vorschlag der Kunden, sie sagen nicht “Ja, ich will sehr gern mehr Werbung bekommen“, aber es ist ein ganz gutes Anwendungsbeispiel. Das wird wahrscheinlich nur zu wenigen Zeitpunkten stattfinden, kann aber wichtig für die Einnahmen sein.

Ich vergleiche das mal mit Google. Ich treffe oft Leute, die sagen: “Was ist mit der ganzen Google-Werbung? Ich klicke nie drauf, sondern nutze Google nur als Suchmaschine.” Und ich sage “Toll! Aber jemand klickt durchaus darauf, denn Google verdient 40 Milliarden US-Dollar im Jahr.” Das ist nur ein kleiner Teil von Menschen, die nur selten darauf klicken, aber manche Leute klicken auf eine Werbung, weil sie wirklich etwas kaufen wollen.

Ich glaube, bei Shazam werden die meisten Leute das nicht tun, aber manchmal reagieren sie vielleicht auf eine Werbung oder verknüpfen sich mit ihr, vielleicht auch offline, als Printanzeige in der Zeitung, als TV-Werbung oder im Radio. Und Sie denken: “Oh, das interessiert mich, ich shazamme es mal.” Und Sie kriegen Ihre Infos auch direkt aufs Handy. Also hat man eine Werbung, die offline war, in ein mobilgesteuertes Erlebnis verwandelt.

TS: Eine Sache die mich fasziniert ist, dass Ihnen der Schritt von der Telefon/Web-App zur Smartphone-App gelungen ist. Im App-Store ist die App immer ganz weit oben. War das schwer, mussten Sie besonders weit denken, um so erfolgreich zu sein? Oder war es ganz natürlich, so weiterzumachen? Ich meine, ich habe es schon vorher angesprochen, es gab kein mobiles Internet, aber Sie haben daran mitgewirkt, dass es ein nichtmobiles Ökosystem gibt.

CB: Es gab durchaus Telefone, aber keine Apps.

TS: Aber war das einfach eine alltägliche Idee, die man im Jahr 2000 hatte?

CB: Nein, absolut nicht.

TS: Und das ist genau meine Frage: Was macht Ihre Entscheidungen so besonders? Wieso hatten Sie die Idee und nicht jemand anders?

CB: In den frühen Tagen von Shazam habe ich ein Brainstorming veranstaltet, das war so um 1999 herum. Es gab keine Smartphone-App und man ahnte nicht einmal, dass es sie eines Tages geben würde. Das iPhone war noch sieben Jahre entfernt. Ich wusste, dass jeder ein Handy hatte, ich wusste, dass das Internet sehr beliebt war, sich damit ein Geschäft aufbauen ließ, wie bei Firmen wie Amazon, Verizon und so weiter.

Ich dachte mir, es muss einen Weg geben, um mit all diesen Handybesitzern in Kontakt zu treten. Im Moment telefonieren sie nur damit und schicken SMS. Da muss es eine Geschäftsidee geben, also, was wollen wir machen? Die Leute kommunizieren. Es gab nur wenige Informationen, man kennt vielleicht den Nachrichtenservice in England unter der 102, in Amerika ist es glaube ich 411. Meistens nannten es alle aber nur Auskunft. Man zahlt ungefähr einen Dollar und findet jemandes Telefonnummer heraus, solche Beispiele waren das. Es gab nur wenige Services für SMS-Verkehr, zum Beispiel für Fußballspiele. Ich habe jedes Mal eine SMS bekommen, wenn mein Team ein Tor gemacht hat.

Diese Konzepte gab es also schon früher, und ich dachte mir, es wäre eine unglaubliche Fülle an Möglichkeiten, die einen zwingt, es jedem mit Handy anzubieten, sogar in einer Welt ohne Apps. Und ich dachte, was kann das sein? Und das Konzept von Shazam ergab sich daraus, das Konzept der Wiedererkennung. Ich dachte, wenn ich einen Song nur durch den Sound identifizieren kann, der durch das Telefon mit dem Mikrofon ausgegeben wird, dann kann das richtig nützlich sein und gleichzeitig sehr beliebt werden.

TS: Ähnliche Dienste des mobilen Internets, wie beispielsweise Messenger, kooperieren immer mehr mit den Medien, die hier neue Distributionskanäle vermuten. Haben die Verleger schon mit Ihnen über neue Ideen gesprochen, Shazam zu nutzen?

CS: Shazam baut gerade eine Plattform, die alle möglichen Offlinemedien erlaubt – das schließt Werbung mit ein, aber auch Inhalte –, eine Verbindung zu den Leuten über ihre Telefone aufzubauen. Das funktioniert so: Wenn zum Beispiel ein Magazin mit Shazam arbeiten möchte und seine Artikel für Shazam bereitstellen will, kann jeder, der Shazam nutzt, den Artikel finden, denn es gibt auch eine Funktion bei Shazam, mit der man Artikel erkennen kann.

TS: Sie haben jetzt auch einen QR-Code-Scanner, richtig?

CB: Wir nutzen QR, könnten aber auch sichtbare Wasserzeichen benutzen. Wir erkennen die wieder, man hat sofort ein mobiles Erlebnis und der Ersteller der Inhalte und der Werbende können es dann kuratieren und verwalten. Besonders bei der Webseite von Shazam können sie dann sagen: “Wir wollen, dass die Nutzer die Seite sehen, sie sollen diese Formulare ausfüllen, und so weiter, und hier kaufen.”

TS: Als Medienunternehmen kann ich also einfach mein Unternehmen auf der Shazam-Plattform eintragen, um Ihre Technik zu nutzen?

CB: Ja. Man muss seine Inhalte shazambar machen, also für Shazam bereitstellen, wie beispielsweise Shazam-Logos auf Ihr Material bringen und so weiter. Man muss es wiedererkennen können, es wird auch für andere Sachen verwendet. Die Geschäfte haben ihre Etiketten an ihrer Ware und haben sie shazambar gemacht, man kann im Geschäft bleiben und das Geschäft shazammen, um die Infos zu bekommen, die Shazam auch über das Geschäft hat und Shazam benutzt die Etiketten zur Identifikation.

Die Werbung und die Inhalte im Radio können auch shazambar gemacht werden. Jetzt haben diese Unternehmen ziemlich viel Erfahrung gesammelt und sie können sagen, wenn jemand ihr Produkt mit ihrem Etikett shazamt, das sichtbare Wasserzeichen hat, egal worum es sich handelt, dann ist es das, von dem ich möchte, dass die Nutzer es sehen, wenn sie Shazam nutzen. Sie müssen es selbst aufrufen. Man würde beispielsweise in der Fernsehwerbung oder im Radio aufgefordert werden, etwas mit Shazam zu suchen, um mehr Informationen zu bekommen, oder in der Zeitung, um an bestimmte Studien heranzukommen. Dann gibt es eine Landingpage, auf die man geleitet wird. Das sind noch die ersten Schritte, es ist noch kein eigenständiges System wie Google.

Eines Tages wird es bei Google möglich sein, eine Werbung zu bauen, ohne dass man überhaupt zu seinem Telefon greifen muss. So ist es bei uns nicht. Shazam arbeitet mehr auf der Basis der gegenseitigen Absprache. All diese Werber und Verantwortlichen aus Radio, Fernsehen, Print und so weiter sind Partner von Shazam. Später wollen wir unsere Reichweite vergrößern und ein selbständiges System erstellen. Dann kann man sagen: “Ich werde dieses und jenes für Shazam bereitstellen und ich nehme entweder ein Etikett, ein Wasserzeichen, oder irgendetwas anderes und das ergibt dann das, was die Leute sehen wollen.”

TS: Last but not least: Was habe ich vergessen zu fragen? Worüber möchten Sie gern einmal sprechen?

CB: Witzig, dass Sie das sagen. Mein Mitbegründer Philip Inghelbrecht sagte, das wäre seine liebste Frage gewesen. Er beendet jedes Meeting mit dieser Frage. Das ist eine tolle Möglichkeit, um herauszufinden, an was man nicht gedacht hat, und jemand möchte unbedingt davon erzählen.

Shazam macht den Leuten Spaß. Ich denke, Shazam kann noch viel mehr, es kann Musik wiedererkennen und dies kann man nutzen, beispielsweise kann man dies in Playlists einbauen. Bei Spotify wird das bereits gemacht, man kann einen Song über Shazam suchen und auf seine Spotify-Playlist stellen. Ich fände es toll, wenn Shazam das bei jeder Playlist kann, völlig egal, ob sie nun bei Spotify, Deezer oder Apple Music ist. Eines Tages wird es einen derart großen Servicebereich geben und in den verschiedenen Ländern wird das alles unterschiedlich laufen, dass Shazam dafür genutzt werden sollte, wie man seine Playlists ordnet. Man nutzt dann einfach Shazam für alles.

Das Management der Playlists ist etwas, das ich mir für Shazam gut vorstellen kann. Das ist sehr nützlich für die Nutzer, vor allem in einer Welt, in der unsere gesamte Musik in der Cloud ist. Wie mache ich es also mit meiner Musik? Ich kann natürlich nicht alle 30 Millionen Songs hören, ich muss irgendwie auswählen. Eine offensichtliche Möglichkeit ist die, dass jemand für mich aussucht, welche Playlist ich benutze. Spotify empfiehlt mir ein paar Playlists, das ist aber eher wie beim Radio, wo man nur das hört, was andere für einen bestimmt haben.

Das Interessante ist, dass es auf Abruf geschehen kann, wo man selbst aussuchen kann, was man sich anhört. Man muss sich nur irgendwie entscheiden. Man muss dann sagen können “Ich will diesen und jenen Song hören”, das klappt am besten mit Shazam, wo man zusätzlich inspiriert wird, einen Song immer und immer wieder zu hören. Ich würde gern erleben, dass sich Shazam in solch eine Richtung entwickelt.

TS: Vielen Dank für das Interview!


Teaser & Image by Tobias Schwarz/Netzpiloten (CC BY 4.0)


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5 Lesetipps für den 31. Juli

In unseren Lesetipps geht es heute um die App Cymbal, eine Internet-Drohne von Facebook, eine Videokamera von Canon, Google und eine Neuerung in der Web-Version von Instagram. Ergänzungen erwünscht.

  • CYMBAL Digital Trends: Cymbal wants to be the social media platform for sharing music: Es ist wohl kein Geheimnis, dass man lieber durch Freunde oder Künstler neue Musik entdeckt, als sich welche von einem Computer-Algorithmus vorschlagen zu lassen – genau das hat die App Cymbal vor: Um die besagte App zu nutzen, erstellt man sich dort einen Account, indem man sich mit Facebook oder Twitter einloggt. Nachdem man Freunde und Künstler, denen man folgen will, auswählt, wird die Startseite mit einer Liste von “Cymbals”, also vorgeschlagenen Songs, gefüllt, die man sich dann entweder auf Soundcloud oder Spotify anhören kann.

  • FACEBOOK DIE WELT: Internet-Drohne: Facebook stellt “Aquila” vor: “Aquila” – so heißt die Drohne von Facebook, die die Spannweite einer Boeing 737 hat. Mit ihr möchte das Unternehmen das Überall-Internet, somit auch in entlegenen Gebieten, ermöglichen. Die Drohne ist solarbetrieben, etwas 35 Meter breit und wiegt trotzdem weniger als ein Auto, außerdem könne sie monatelang in der Luft bleiben. Facebook hat noch dazu ein sehr präzises Laser-System entwickelt, mit dem Daten mit einer Geschwindigkeit von zehn Gigabit pro Sekunde übertragen werden können.

  • CANON Golem.de: ME20F-SH: Canons Camcorder mit ISO 4 Millionen kann im (fast) Dunklen filmen: Um in kaum beleuchteten Höhlen, bei Vollmond oder an anderen dunklen Orten ist es meist sehr aufwendig, dort zu fotografieren und erst recht zu filmen. Mit dem ME20F-SH will Canon das nun ändern: Die Canon ME20F-SH ist eine Videokamera mit Aufnahmen in Full-HD, die mir Wechselobjektiven arbeitet – klingt erst einmal nicht sehr besonders. Die Kamera schafft es aber, bei geringem Licht, noch farbige Bilder aufzunehmen, da sie auf eine Lichtempfindlichkeit von unglaublichen ISO 4 Millionen kommt.

  • GOOGLE GWB: Recht auf Vergessen: Google lehnt weltweite Löschung von Links ab und riskiert hohe Strafen: Letztes Jahr wurde auf Drängen des Europäisches Gerichtshofs das sogenannte Recht aus Vergessen eingeführt, welches besagt, dass jeder Nutzer in den EU-Ländern Links zu Angeboten und Webseiten entfernen darf, die die eigene Privatsphäre angreifen oder Persönlichkeitsrechte verletzen. Soweit hält sich Google auch daran, außerhalb der EU-Länder sind diese Links aber immer noch vorhanden und somit problemlos zu finden. Der Konzern hat es jetzt offiziell abgelehnt, daran etwas zu ändern und legt sich so mit der französischen Datenschutzbehöre CNIL an.

  • INSTAGRAM The Verge: Instagram finally brings search to the web: Wenn man Instagram im Web benutzen möchte, kann man – sind wir mal ganz ehrlich – nicht wirklich viel machen. Jetzt gibt es für diese Version ein Update, womit sie schon etwas nützlicher wird: Es wird ein Such-Feature geben, mit dem man Hashtags, Orte und User-Accounts suchen kann. Außerdem verfeinert Instagram die Landing-Pages für Hashtags und Orte, sodass man, wenn man auf einen Link auf Instagram klickt, eine Seite mit den beliebtesten Ergebnissen, über den neuesten Bildern, sieht.

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5 Lesetipps für den 16. Juli

In unseren Lesetipps geht es heute um das Outfit Of The Day, Airbnb in jungen Tagen, das Recht auf Vergessen, Neil Young und neue Zahlen von/über Netflix. Ergänzungen erwünscht.

  • OUTFIT OF THE DAY Mashable: This code tells you how to be more fashionable in photos: Vier Forscher von der Universität in Toronto haben einen Algorithmus entwickelt, der Bilder mit dem Hashtag #OOTD (Outfit Of The Day) analysiert und dann einem selber ein modisches Outfit vorschlägt. Dafür wurden 144.169 Fotos der Webseite chictopia.com ausgewertet, auf der Nutzer die Outfits bewerten können, was die Forscher ebenfalls berücksichtigten. Ein sogar für mich spannender Punkt in der morgendlichen Frage, was man anzieht und inwiefern man diese Entscheidung einem auf der Meinung anderer Leute basierenden Algorithmus überlassen sollte.

  • AIRBNB Medium: 7 Rejections: Airbnb-Mitgründer Brian Cheskay hat in einem Blogpost auf Medium fünf E-Mails von Investoren aus dem Sommer 2008 veröffentlicht, die damals das Angebot ablehnten, in das Unternehmen zu investieren. Cheskys Freund Michael Seibel hatte am 26.06.2008 sieben Mails an Investoren verschickt, mit dem Ziel rund 150.000 US-Sollar einzusammeln. Zwei der angefragten Investoren antworteten nicht einmal. Eine spannende Lektion, wie Innovationen und Möglichkeiten wahrgenommen werden können.

  • RECHT AUF VERGESSEN Zeit Online: Privatpersonen lassen am meisten löschen: Warum in dem Foto zum Artikel der ehemalige MTV-Moderator Patrice Bouédibéla zu sehen ist, verstehe ich zwar nicht, u.a. weil ich weiß, an welchem Abend das Foto warum aufgenommen wurde, aber um die Text-Bild-Schere geht es nicht, sondern das Recht auf Vergessen. Journalisten des britischen Guardians und des Berliner Recherchebüros Correct!v ist es gelungen, über den Quellcode der Google-Website an versteckte Informationen über die aus dem Suchindex gelöschten Einträge zu gelangen. Demnach sind 96 Prozent der Löschanträge in Deutschland von Privatpersonen. In anderen EU-Ländern unterscheiden sich die Zahlen stark, was unterschiedliche, kulturelle oder rechtliche Gründe haben könnte. Inzwischen hat Google die Informationen entfernt.

  • STREAMING The Next Web: Neil Young is pulling his music from streaming services, calls it ‚the worst audio in history‘: Auch wenn mich der Weggang von Neil Young aus bekannten Streaming-Diensten mehr trifft als damals Taylor Swifts dramatischer Abgang, muss ich mal klar und deutlich sagen, dass der Mann uns allen was vormacht. Und das zwar aus nachvollziehbaren Gründen – er möchte, dass wir seinen kostenpflichtigen Pono-Dienst nutzen – aber für mich wird Neil Yung dann einfach nur noch in meiner Schallplattensammlung existieren und nicht mehr mobil, was Schade ist, da ich morgen für zwei Monate auf Reisen bin. Nun ja, Nate Swanner fasst den durchschaubaren Unsinn von Young auf thenextweb.com gut zusammen.

  • NETFLIX Horizont: Überraschend hoher Nutzerzustrom: Netflix wächst weiter rasant: Gestern stellte der an der Börse gehandelte Streaming-Dienst Netflix in einem Finanzbericht beeindruckende Zahlen zum Unternehmen vor. Im zweiten Quartal konnte Netflix rund 3,3 Millionen neue Abonnenten gewinnen, davon kamen 2,4 Millionen Kunden im Ausland dazu. Weltweit hat Netflix jetzt 65,6 Millionen Nutzer und schon die nächste Märke in Sicht: Japan und China. Bis Ende 2016 könnte Netflix in 200 Ländern verfügbar sein.

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Gewinnspiel: Tech Open Air 2015

TOA Berlin Day 2 - Dan Taylor - Heisenberg Media (adapted) (Image by Heisenberg Media [CC BY 2.0] via Flickr)

Bei der vierten Ausgabe des Tech Open Air können sich Besucher über die verschiedensten Bereiche, die Tech als Gemeinsamkeit haben, austauschen und an den umfangreichen Satelliten Events teilnehmen. Zusätzlich habt ihr die Chance 2×2 Tickets zu gewinnen!Tech Open Air in der Alten Teppichfabrik in Berlin statt. Hier erzählen 120 internationale Redner aus den unterschiedlichsten Branchen darüber, wie ihr Bereich durch Tech profitieren kann. Außerdem werden 140 Satelliten Events von Soundcloud, Axel Springer, TechCrunch und weiteren bekannten Unternehmen angeboten. Dieses Jahr werden mehr als 4.000 Teilnehmer erwartet, die sich auf dem Open-Air-Festival untereinander über Tech, Musik, Kunst und Wissenschaft austauschen wollen.

Unconference und Satelliten Events

In diesem Jahr wird das Tech Open Air auf ganze drei Tage verlängert: Die ersten beiden Tage findet die Unconference statt, hier werden unter anderem Live-Musik, Workshops oder Rednerbühnen mit Speakers wie Robert Gentz, Mitgründer und CEO von Zalando oder dem Gründer von Shazam, Chris Barton, geboten.

Außerdem sind Rand Hindi, der Gründer von Snips, der bereits mit zehn Jahren anfing zu programmieren, Eric Wahlforss, Gründer von Soundcloud, Mike Butcher von TechCrunch und viele weitere große Namen auf dem Tech Open Air vertreten. Wer immer noch die Diskussion über das Kleid, was blau-schwarz oder weiß-gold ist, im Hinterkopf hat, bekommt hier eine Antwort von Dr. Annette Werner.

Am dritten Tag warten dann die 140 vielseitigen Satelliten Events in der Hauptstadt auf die Besucher, die ihr Programm dadurch in die eigenen Hände nehmen können. Die Events sind über Eventbrite für jedermann frei zugänglich. Das Festival wird am Ende mit der offiziellen Closing Party von TechCrunch, anlässlich deren 10. Jubiläums, abgerundet.

+++Gewinnspiel+++

Bei uns könnt ihr 2×2 Tickets für das Tech Open Air in Berlin gewinnen. So einfach geht’s: Schickt uns eine Mail an gewinn@netzpiloten.de mit dem Betreff “Wir wollen unbedingt zum Tech Open Air“. Zusätzlich schreibt ihr uns noch eure Namen + Mail sowohl den Namen eures Begleiters. Zeit habt ihr bis zum 13.07.2015 – 15 Uhr. Die Gewinner werden noch am selben Tag von uns informiert. Viel Glück!


Image (adapted) “TOA Berlin Day 2 – Dan Taylor – Heisenberg Media“ by Heisenberg Media (CC BY 2.0)


 

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5 Lesetipps für den 30. Juni

In unseren Lesetipps geht es heute um Roaming-Gebühren, GoogleMaps, ein neues Feature für Shazam-User, Google Earth und einen Fingerabdrucksensor von Oneplus, der Apple Konkurrenz machen könnte. Ergänzungen erwünscht.

  • ROAMING SPIEGEL: Roaming-Gebühren in der EU werden 2017 abgeschafft: Nach einer zwölfstündigen Sitzung in Brüssel haben sich Vertreter der EU-Staaten geeinigt, die Roaming-Gebühren abzuschaffen. Doch müssen wir darauf noch etwas warten: Ab dem 15. Juni 2017 soll es erst günstiger werden, im EU-Ausland zu telefonieren, im Internet zu surfen und SMS zu schreiben. Vor einem guten Jahr wurde das Aus für die Roaming-Gebühren für Ende 2015 angesetzt, ab April 2016 sollen die Roaming-Aufschläge aber immerhin gesenkt werden.

  • GOOGLE MAPS GoogleWatchBlog: Lebensretter: Google Maps warnt in Zukunft vor unbeschrankten Bahnübergängen: Da es immer wieder passiert, dass Leute nicht bemerken, wenn sich vor ihnen ein unbeschrankter Bahnübergang befindet, oder dass sie sich selbst überschätzen und das ein unschönes Ende hat, wird GoogleMaps demnächst, zumindest in den USA, vor so einem Bahnübergang warnen. Sollte ein Fahrer sich einem unbeschrankten Bahnsteig nähern, so warnt GoogleMaps diesen sowohl visuell als auch mit der Sprachausgabe. Ob es diese Funktion auch bald in Deutschland geben wird, ist noch nicht bekannt.

  • SHAZAM Mashable: Shazam is adding social features to try to become more than just a blue button: Der Musikerkennungs-Dienst Shazam möchte mehr als nur ein blauer Knopf sein, den man einmal kurz benutzt und dann direkt die App wieder schließt. Deshalb wird Shazam um eine Funktion erweitert: Nutzer können demnächst Stars und Sternchen, vor allem Musikern, folgen und sehen, welche Lieder diese mit der App erkennen lassen. Natürlich kann jeder selbst entscheiden, welche Songs sie mit ihren Followern teilen, die diese dann liken können.

  • GOOGLE EARTH t3n: 10 Jahre Google Earth: Virtueller Globus bekommt neue Features spendiert: In letzter Zeit ist es recht ruhig um Google Earth geworden: 2015 besteht das Programm schon zehn Jahre – und genau zu diesem Anlass bekommt der virtuelle Globus neue Funktionen. Die wichtigste Neuerung ist das sogenannte Voyager-Feature, mit dem man sich die neuesten Stallitenbilder auf einen Blick anzeigen lassen kann. Außerdem sollen noch Stadtansichten in 3D zur Verfügung gestellt werden. Vor allem mit einer Highlight-Tour soll der Appetit der Nutzer wieder angeregt werden.

  • ONEPLUS Golem.de: Oneplus Two: Fingerabdrucksensor ist angeblich schneller als beim iPhone: Gibt es etwa Konkurrenz für Apple? Oneplus hat bekannt gegeben, dass das neue Two-Smartphone einen Fingerabdrucksensor haben soll. Das besondere hier dran: Laut Oneplus können User mit der Funktion das Smartphone doppelt so schnell entsperren, wie iPhone-Nutzer. Laut Oneplus hätte auch schon der Vorgänger, das One-Smartphone einen Fingerabdrucksensor haben können, der Hersteller habe aber lieber noch etwas warten wollen. Was das Two noch bietet, wird im Juli bekannt gegeben.

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5 Lesetipps für den 25. Juni

In unseren Lesetipps geht es heute um den Facebook-Messenger, die Auswirkung der Digitalisierung auf Unternehmen, GMail, eine neue Funktion von Instagram und Googles neuen Streaming-Dienst. Ergänzungen erwünscht.

  • FACEBOOK Golem: Entbündelung: Facebook-Messenger ohne Mitgliedschaft nutzbar: Bisher musste der Anwender, der den Facebook-Messenger benutzt, auch Mitglied in dem sozialen Netzwerk sein. Diesen Zwang hat Facebook jetzt in einigen Ländern, der USA, Venezuela, Peru und Kanada, aufgehoben. Dadurch möchte das Unternehmen eine größere Nutzerschaft erlangen. Auch in weiteren Ländern soll die Regelung nach und nach eingeführt werden, wann es in Deutschland soweit ist, ist noch nicht bekannt.

  • DIGITALISIERUNG Horizont: Cisco-Studie: Digitale Transformation bedroht fast jedes zweite Unternehmen: Viele Führungskräfte sehen zwar die Vorteile, die die digitale Transformation mit sich bringt, die meisten haben jedoch noch keinen konkreten Plan. In 13 Ländern wurde eine Studie zum “digitalen Wirbelsturm” durchgeführt. Es wurden 1.000 Entscheider aus insgesamt 12 Branchen befragt, wie ihre Branche durch die digitale Transformation verändert werden wird und wie sie sich dafür aufgestellt sehen. Vor allem die Technologie- und Entertainment-Branche werde Profit daraus schlagen, aber es gibt auch Branchen, für die die Digitalisierung sogar tödlich sein kann.

  • GMAIL Heise: Google: Gmail bietet E-Mail-Rückholfunktion: Für hastige Tipper, die E-Mails versenden und sich kurz darauf wünschten, genau das nicht getan zu haben, biete GMail ab sofort auch in der Browserversion die Möglichkeit, der Versand rückgängig zu machen. In einem Zeitfenster von 30 Sekunden können Nutzer auf “Versand rückgängig machen” klicken und dadurch den Sendevorgang abbrechen. Mit dieser Funktion möchte Google Nutzern entgegenkommen, die sich vertippt, etwas vergessen oder gar einen falschen Empfänger eingetragen haben.

  • INSTAGRAM t3n: Instagram Search & Explore: Ein neues Feature sorgt für geniale Use-Cases: Instagram ist eigentlich nur als soziales Netzwerk zum Teilen von Bildern bekannt. Mit einer neuen Suchfunktion ist es ab sofort möglich, die App auch als Reiseführer oder Newslieferant zu nutzen. Die Search- & Explore-Funktion erlaubt es parallel nach Personen, Orten und Markierungen, sowie nach Fotos und Videos zu suchen, wodurch zum Beispiel Events, an denen man nicht teilnehmen kann, begleitet, oder Orte, die man besuchen will, erkundet werden können. Das funktioniert zwar bisher erst in den USA, soll aber mit der Zeit auch in andere Länder ausgeweitet werden.

  • GOOGLE Horizont: Reaktion auf Apple Music: Google baut Musik-Service mit Gratis-Variante aus: Auf den Start von Apple Music bereitet sich jetzt auch Rivale Google vor: US-Nutzer bekommen kostenlosen Zugriff auf Playlisten für verschiedene Lebenslagen. Der Funktionsumfang kann jedoch nicht einmal mit dem von der Gratis-Version von Spotify, dem momentan führenden Streaming-Dienst, mithalten. Ob die Mischung aus Streaming und Internet-Radio eine Konkurrenz für Apple Music wird, ist abzuwarten.

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Philip Inghelbrecht, wohin entwickelt sich Shazam?

Shazam-Mitgründer Philip Inghelbrecht auf der Heureka 2015 (Image: Tobias Schwarz/Netzpiloten, CC BY 4.0)

Shazam-Mitgründer Philip Inghelbrecht spricht im Interview über die Nutzer, die Anfänge der Plattform und was die Zukunft von Shazam sein könnte. // von Tobias Schwarz

Shazam-Mitgründer Philip Inghelbrecht auf der Heureka 2015 (Image: Tobias Schwarz/Netzpiloten, CC BY 4.0)

Mit seinen 15 Jahren ist Shazam eine der wohl ältesten Apps, die noch vor der Erfindung des iPhone entstand und heute noch in den App-Charts zu den beliebtesten Downloads gehört. Auf der Berliner Heureka 2015 traf sich Netzpiloten-Chefredakteur Tobias Schwarz mit Philip Inghelbrecht, einem der Gründer von Shazam, und unterhielt sich mit ihm über die Geschichte des Unternehmens, was Shazam heutzutage ausmacht und wohin die Entwicklung gehen soll.

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Apple Music: Showdown gegen Spotify ab 30. Juni

Apple Music auf dem iPod (Image 393943 [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Kann Apple den derzeit führenden Streaming-Dienst Spotify vom Thron stoßen? Einiges spricht dafür, einiges dagegen. Der 30. Juni ist für Musik-Streaming-Aficionados ein wichtiger Tag, denn da wird auch in Deutschland und Österreich Apple Music starten, ein laut Apple „revolutionärer“ Streaming-Dienst, der vorerst für iOS-, Mac- und Windows-Geräte, im Herbst auch für Android zu haben sein wird. Doch so „revolutionär“ ist Apple Music bei genauerer Betrachtung gar nicht.

Warum ist das wichtig? Mit Apple Music wird demnächst der aussichtsreichste Gegner von Spotify starten – und viele Konsumenten fragen sich, ob sie wechseln sollen.


  • Apple will, dass Nutzer für sein Musik-Streaming zahlen, weswegen es, anders als bei Spotify, keine wirkliche Gratisversion gibt.

  • Durch den schwierigen Export von Playlists sind langjährige Spotify-Nutzer ziemlich fest an die schwedische Firma gebunden.

  • Apple kann auf sein riesiges Ökosystem mit mehr als einer Milliarde iOS-Geräte und mehr als 800 Mio. iTunes-Accounts bauen.


Apple weiß natürlich, dass es dem Platzhirsch Spotify, der mittlerweile bei 75 Millionen Nutzern (20 Millionen davon zahlende Abonnenten), die Stirn bieten muss, weswegen es zum Start eine drei Monate lange, kostenlose Testphase gibt (Spotify bietet bis 5. Juli 60 Tage Gratis-Testphase an). Hier die beiden Dienste im direkten Vergleich:

Die Chancen stehen gut, dass Apple viele Konsumenten auf seine Seite holen kann, denn immerhin hat man mehr als eine Milliarde iOS-Geräte verkauft und etwa 800 Millionen Kunden, die bereits einen iTunes-Account haben. Zudem muss Apple zu Beginn nicht zwingend Geld mit Musik-Streaming verdienen, weil der Dienst wie viele andere (z.B. Apple Pay) als Stütze seines Geschäftsmodells gedacht ist – nämlich Kunden an sein Ökosystem zu binden und diese regelmäßig neue Smartphones, Tablets und Macs kaufen zu lassen.

Schweden gegen Silicon Valley

Spotify hingegen ist noch immer nicht in den schwarzen Zahlen und hat erst kürzlich wieder Anteile in einer Investmentrunde (u.a. an Telia Sonera aus Schweden) verkauft, um sich frisches Kapital für die Expansion ins Haus zu holen. Zudem nutzen laut Techcrunch 50 Prozent der Spotify-Nutzer auch regelmäßig iTunes, was diese schnell auf die Idee bringen könnte, zu Apple Music zu wechseln. Ein Hürde für langjährige Spotify-Nutzer ist aber sicher, die oft in mühsamer Kleinarbeit erstellten Playlists von A nach B zu migrieren – wie man das schafft, bleibt noch abzuwarten. Kündigen lässt sich Spotify jedenfalls monatlich ohne großen Aufwand.

Wer erwartet, bei Apple einen umfangreicheren Musikkatalog zu bekommen, könnte enttäuscht werden. Den Vertrag mit den Indie-Labels hat der iPhone-Konzern noch nicht im Sack (ca. 13 Millionen Songs fehlen noch), und auch die Beatles wird Apple nicht zum Streamen anbieten, sehr wohl aber weiterhin zum iTunes-Download.

Und was bleibt den Künstlern übrig?

Spannend wird sein, ob Apple den Künstlern selbst endlich mehr Einnahmen via Streaming verschaffen kann. Immer wieder beklagen Musiker, dass sie selbst bei Millionen Streams nur sehr wenig Geld ausgezahlt bekommen (pro Stream sind es maximal 0,0084 Euro). Der „Federation of the Phonographic Industry“ (IFPI) zufolge bringt ein zahlender Streaming-Kunde 26-mal mehr Umsatz als ein Gratisnutzer (diese bringen Werbeeinnahmen). Wenn Apple es schafft, die vielen Gratisnutzer, die sich etwa bei Spotify tummeln, zu zahlenden Kunden zu machen, dann könnten den Musikern am Ende mehr Einnahmen winken. Indie-Labels bekommen von Apple 58 Prozent der Umsätze, für die drei Majors (Universal, Sony, Warner) dürfte etwas mehr vom Apple-Music-Kuchen übrig bleiben – wie viel dann an die Künstler selbst geht, ist wiederum Vertragssache zwischen ihnen und den Plattenfirmen.


Teaser & Image by 393943 (CC0 Public Domain)


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Bruno Crolot: Streaming ist die Schlüssel-Technologie

Midem-Direktor Bruno Crolot

Die Digitalisierung hat die Musik-Branche mächtig durchgewirbelt – im Interview erkennt Midem-Direktor Bruno Crolot Zeichen eines Neuanfangs. // von Tobias Schwarz

Midem-Direktor Bruno Crolot

Am Freitag beginnt im französischen Cannes die Midem, die weltweit größte Konferenz der Musikbranche. Vier Tage lang besprechen Branchenvertreter, Musiker und Unternehmensgründer, was die Zukunft bringt. In Vorbereitung auf unseren diesjährigen Besuch der Konferenz, haben wir den Direktor der Midem, Bruno Crolot, interviewt. (Das komplette Interview in Englisch findet sich auf meinem Blog Isarmatrose.com.)

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5 Lesetipps für den 18. Mai

In unseren Lesetipps geht es heute um das Versagen der Merkel-Regierung, Verantwortung auf YouTube, Streaming, den Medienwandel bei Condé Nast und Lyft. Ergänzungen erwünscht.

  • ÜBERWACHUNG Süddeutsche.de: Das große Merkel-Versagen: Thorsten Denkler hat den Text geschrieben, der rückblickend wohl das Ende der Regierung von Angela Merkel bedeuten könnte. Es ist der Text, der in klaren Worten aufzeigt, dass sämtliche Affären dieser Bundesregierung, immer auch Merkel-Affären waren. Mit dem Unterschied, dass sie jetzt zum ersten Mal, durch die direkte Verantwortung des Bundeskanzleramts für den Bundesnachrichtendienst, sich nicht aus der Verantwortung stehlen kann. Es wird wohl ein Abgang mit einem großen Knall.

  • YOUTUBE Broadmark: Verantwortung durch Reichweite: Mit großer Reichweite geht auch eine gewisse Verantwortung einher. Diese an Spidermans Motto orientierte Aussage mag in ihrer Logik selbstverständlich sein, doch gerade in den Medien muss darum jeden Tag neu gekämpft werden. Auf YouTube ist dies nicht anders, weshalb dieser Meinungsbeitrag von Lisa Haala auf Broadmark ein sehr wichtiger Text für eine Community ist, die oft in sehr jungen Jahren „was mit Medien“ machen, ohne je darüber nachgedacht zu haben, was das bedeutet.

  • STREAMING Fast Company: Why I’m Giving Up Streaming Music And Going Back To MP3s: Jared Newmans Abgesang auf Streaming-Dienste hat mich mein eigenes Musiknutzungsverhalten hinterfragen lassen. Mit dem Ergebnis: Streaming von Musik kann sehr nützlich sein. Während ich früher versuchte, alles auf MP3 zu bekommen und Stunden damit verbrachte, die Dateien mit Informationen zu versehen, zu ordnen und zu sichern, höre ich heute viel bewusster Musik und wenn mir etwas gefällt, dass ich gestreamt habe, kaufe ich mir die Vinyl (die entweder via Amazon auch gleich als MP3 kommt oder bei Erwerb in einem Plattenladen dann von mir digitalisiert werden muss). Newman mag mit seiner persönlichen Beobachtung Recht haben, doch das habe ich auch mit meiner persönlichen Beobachtung. Die Nützlichkeit von Diensten kommt daher, wie sie genutzt werden.

  • MEDIEN Digiday: Digital drives culture change at Condé Nast: Während die klassische Zeitung wohl dem Untergang geweiht ist, was auch das Verhalten der meisten Presseverlage erklärt, haben Magazine wohl eine vielversprechende Zukunft als Printprodukte vor sich, was man wiederum auch am Verhalten dieser Verlage erkennt. Condé Nast ist ein internationales Beispiel dafür, welches Bob Sauerberg im Interview mit Ricardo Bilton verdeutlicht. Hier lohnt sich der Kulturwandel noch, den die Digitalisierung ausgelöst hat und er wird mit gut begründetem Optimismus angegangen.

  • LYFT Handelsblatt: US-Großanleger Icahn investiert in Uber-Konkurrenten Lyft: Geld soll ja angeblich glücklich machen, aber wenn es dir der New Yorker Finanzinvestor Carl Icahn gibt, kann dies bezweifelt werden. Icahn, der milde gesagt als ungemütlich gilt, hat für 100 Millionen US-Dollar Anteile am Uber-Konkurrenten Lyft erworben. Das Unternehmen wird jetzt mit etwa 2,5 Milliarden US-Dollar bewerten (Uber: 41 Milliarden US-Dollar). Bemerkenswert ist dies, da es nicht Icahns Art ist, in Startups zu investieren. Das Geschäftsmodell beider Unternehmen wird als äußerst lukrativ angesehen.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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5 Lesetipps den 13. Mai

In unseren Lesetipps geht es heute um Wikileaks, Facebook und die Instant Articles, Lobbyismus und Youtube gegen die Gema. Ergänzungen erwünscht.

  • WIKILEAKS NSA-Ausschuss im Bundestag: Wikileaks veröffentlicht Mitschriften – taz.de: Das Enthüllungsportal Wikileaks hat ein 1380 Seiten umfassendes Protokoll des NSA-Untersuchungsausschusses des Bundestages veröffentlicht. Dieses beinhaltet Zeugenaussagen von Mai 2014 bis zum Februar 2015. Betroffen sind nur Mitschriften aus öffentlichen Sitzungen des Ausschusses, welche bisher nicht öffentlich zugänglich waren. Laut Wikileaks-Gründer Julian Assange „hat die Öffentlichkeit das Recht, die Arbeit dieses Untersuchungsausschusses zu verstehen.“

  • YOUTUBE Youtube verliert gegen Gema vor Gericht: Sperrtafeln sind unzulässig – Digital | STERN.DE: Dass sich Youtube und die Gema in Deutschland nicht ausstehen können, ist gemeinhin bekannt. Wahrscheinlich hat jeder schon einmal die verhasste Sperrtafel bei Youtube gesehen, die besagt, dass die Rechte der Musik nicht von der Gema eingereicht wurden. Diese Sperrtafel wurde nun vom Landesgericht München als unzulässig erklärt, da er die Gema in eine schlechtes Licht rücken würde.

  • JOURNALISMUS heise online: Spiegel und Bild veröffentlichen Artikel direkt auf Facebook: Facebook hat nun offiziell das Feature „Instant Articles“ implementiert. Das bedeutet, dass nun komplette Artikel über Facebook hochgeladen und angesehen werden können. Diese Funktion solle vor allem mobilen Nutzern helfen, schneller Artikel zu laden. In Deutschland werden Bild.de und Spiegel Online das neue Feature nutzen. Sowohl die Geschäftsführerin von Spiegel Online, Katharina Borchert als auch Julian Reichelt, Chefredakteur bei Bild.de, sprechen sich sehr positiv über die neue Funktion aus.

  • LOBBYISMUS Politik Digital: Ein Radar für mehr Durchblick im Lobbydschungel: Heutzutage gibt es überall in der Politik Lobbyisten, welche versuchen, ihren eigenen Standpunkten in der Politik durch Studien oder persönliche Gespräche Gewicht zu verleihen. In der Gesellschaft gilt Lobbyismus als verpönt, da oftmals kleinere Interessensgruppen ignoriert werden. Die drei Journalisten Dominik Wurnig, Jan Schneider und Michael Hartlep entwicklten ein Browser-Add-On, um den Einfluss der Lobbyisten auf die Politik zu verdeutlichen: das Lobbyradar.

  • FACEBOOK Politik Digital: Facebooks Politik des (Nicht-)Löschens: Facebook ist aus dem heutigen Leben kaum noch wegzudenken. Doch oftmals kommt es in dem sozialen Netzwerk zu Äußerungen oder ähnlichem, welche über alle Grenzen schlagen, zum Beispiel schwere Beleidigungen oder extremistische Kommentare. Dem Netzwerk wird nun vorgeworfen, nicht stark genug gegen solche Beiträge vorzugehen. Außerdem wird sich darüber beschwert, dass oft die Nutzer selbst sich um die Beseitigung solcher Inhalte kümmern müssen.

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5 Lesetipps für den 8. Mai

In unseren Lesetipps geht es heute um einflussreiche Pop-Musik, Spotify, E-Mail-Marketing, die Sms und Nintendos Rückkehr zur Profitabilität. Ergänzungen erwünscht.

  • MUSIK CNET: The most influential pop-music genre? Science makes a ruling: In jeder Generation gibt es Bands und Songs, von denen angenommen wird, sie haben die Musik von Grund auf verändert. In den 60er Jahren waren das die Beatles, die Fans in den 70er Jahren hatten die Disco-Musik. Eine Gruppe von Biologen und Ingenieuren aus verschiedenen Universitäten Londons, wollten nun über den subjektiven Geschmack hinaus gehen. Durch die Quantifizierung von Daten, machten sie Schlussfolgerungen über Pop-Musik, in einem Zeitraum von 50 Jahren.

  • SPOTIFY t3n: Video-Streaming: Spotify soll Angriff auf YouTube planen: Insidern zufolge, plant Spotify offenbar sein Geschäftsmodell um ein Video-Streaming-Angebot zu erweitern. Dem Wall Street Journal zu urteilen, soll das schwedische Unternehmen bereits mit Video-Content-Erstellern im Gespräch sein. Angeblich sollen die Pläne zum Video-Streaming bereits im Mai offiziell angekündigt werden. Wann der entsprechende Dienst dann tatsächlich startet, ist allerdings noch unbekannt. Spotify hatte sich zuletzt eine Finanzspritze von rund 400 Millionen US-Dollar geben lassen, um der Konkurrenz besser die Stirn bieten zu können.

  • MARKETING Online Marketing Rockstars: 5 Minuten, die Euer E-Mail-Marketing spektakulär verändern: Neue Funktionen von Google Analytics eröffnen Marketer neue Einblicke in das Verhalten von Kunden, bezüglich E-Mail-Kampagnen. Neben dem regulären Klick-Tracking, kann man jetzt auch das Öffnen von E-Mails messen und in Zusammenhang mit Website-Zielen und Umsätzen stellen. Laut Marketing-Experten mangelte es E-Mail-Marketing bisher an echtem Postview-Tracking. Im Folgenden erklären zwei Experten aus dem Marketingbereich, wie das mit Google Analytics funktioniert.

  • SMS heise online: Bitkom: Anzahl verschickter SMS stürzt weiter ab: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland nicht einmal mehr halb so viele SMS verschickt wie noch in 2012. Während es im Jahr 2013 noch 37,9 Milliarden verschickte Nachrichten waren, kam man 2014 nur mehr auf 22, 5 Milliarden. Die Hauptgründe für den Abwärtstrend der einst so beliebten Kurznachricht, sind neben der ständig steigenden Verbreitung von internetfähigen Smartphones, der Boom um Messenger wie zum Beispiel Whatsapp. Anstelle einer vollkommenen Verdrängung der SMS, rechnen Experten aber eher mit einer grundlegenden Veränderung des Marktes.

  • NINTENDO TIME: Why Nintendo is Suddenly Profitable Again: Der Dino unter den Konsolenhersteller ist wieder zurück im Geschäft. Nintendo hat die Ergebnisse des am 31.März 2015 endenden Geschäftsjahres 2014/2015 vorgestellt. Wie das japanische Wirtschaftsblatt Nikkei bereits prognostizierte, kehrt Nintendo seit dem Jahr 2011 wieder zur operativen Profitabilität zurück. Dieser Erfolg Nintendos ist größtenteils auf eine Reihe von Blockbuster-Hits zurückzuführen.

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Soundcloud entwickelt sich zu einer Podcast-Plattform

Soundcloud öffnet sich für Podcasts

Nach erfolgreicher Beta-Phase startet Soundcloud eine Podcast-Funktion und gibt der Plattform ein ganz neues Wesen.

Soundcloud öffnet sich für Podcasts

Seit heute können Nutzer auf Soundcloud auch Podcasts hochladen und von dort aus teilen. Mit verschiedenen Funktionen möchte die soziale Audio-Plattform sich der Podcasting-Community öffnen und somit eine neue Zukunft des Podcastings einläuten. Mit der neuen Funktion von Soundcloud ist es noch einfacher, seine Podcasts auf der Plattform hochzuladen, zu beschreiben und zu teilen.

Wenn man nicht wüsste, dass Podcast bis jetzt auf Soundcloud nicht unterstützt wurden, würde man es wohl nicht glauben. Die Plattform hat sich bisher nur der Musik verschrieben, obwohl es schon seit Jahren auch Podcasts auf Soundcloud gibt. Mit den neuen Funktionen wird dies jetzt noch zunehmen, denn die für Podcast optimierte Oberfläche von Soundcloud ist nun nach einer Beta-Phase mit 15.000 Testern ausgerollt.

Podcasts können nun beispielsweise durch den RSS-Feed in verschiedene Podcast-Apps gespielt werden. Dieser kann unter dem Tab „Permission“ aktiviert und verändert werden. Im Creator Guide von Soundcloud wird genauer beschrieben, welche Möglichkeiten Nutzer damit haben. Der Embedded-Player wurde für den Launch der Podcast-Funktion neu gestaltet und lässt den Zuhörern die Sharing-Möglichkeiten verstärkt wahrnehmen. Twitter Audio Cards, Statistiken und die Integration weiterer sozialer Netzwerke machen den viralen Charakter sozialer Medien jetzt auch für Podcasts möglich.

Soundcloud öffnet sich für Podcasts

Was wie eine Erweiterung der Funktionalität von Soundcloud aussieht, ist viel mehr ein grundlegender Wechsel des Fokus. Anstatt eine Plattform für Musik zu sein (was meiner Meinung nach nie wirklich geschafft wurde), könnte Soundcloud das für Podcasts werden, was YouTube für Videos ist (oder war). Es gibt zwar viele kleinere Podcast-Plattformen, aber bis auf iTunes hat keine eine vergleichbar zentrale Bekanntheit, wie es Soundcloud schon jetzt mitbringt. Und Podcast-Formate werden immer wichtiger für Publizierende.

Doch mit der neuen Ausrichtung auf Podcasts muss Soundcloud das Problem des internationalen Rechtemanagements in den Griff bekommen. Der von Adam Ragusea auf Netzpiloten.de geschilderte Fall der Aberkennung von wesentlichen Rechten eines Journalisten aufgrund verschiedener internationaler Urheberrechtsgesetze, ist ein ernsthaftes Problem. Neben wirtschaftlichen Aspekten der die kostenintensiven Produktionen rechtfertigenden globalen Distributionsmöglichkeiten, werden wesentliche Rechte der Presse- und Meinungsfreiheit davon gestört.

Um das Problem in den Griff zu bekommen, hat Soundcloud sich Unterstützung von dem kalifornischen Unternehmen Zefr geholt, die auch die Rechteverwaltung für YouTube übernommen haben. Ähnlich wie auf der Videoplattform, könnten Beiträge, die gegen das Urheberrecht verstoßen, monetarisiert statt gelöscht und die Rechteinhabern an den Einnahmen beteiligt werden. Soundcloud bezeichnete die Kooperation als „wichtigen Schritt, um ein kreatives Ökosystem, von dem alle Produzenten von Musik und Audio profitieren“ zu etablieren.

Mit dem im Mai startenden Podcast „Curation Talk„, der auch monatlich beim Internetradio Detektor.fm ausgestrahlt werden wird, werden wir Netzpiloten die neue Podcast-Funktion von Soundcloud intensiv testen. Schon jetzt nutzen wir die Plattform für unsere Audio-Beiträge. Daneben versuchen wir aber auch eine Plattform unabhängige Methode, bei der wir den kommenden Podcast auf dem Cloud-Speicherdienst Google Drive hosten werden.


Teaser & Images by Soundcloud


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5 Lesetipps für den 17. April

In unseren Lesetipps geht es heute um die Vorratsdatenspeicherung, den Vinyl-Trend, Julian Assange, die Digitalisierung und einen Skandal im Schach. Ergänzungen erwünscht.

  • VORRATSDATENSPEICHERUNG Politik Digital: Aus #VDS wird Höchstspeicherfrist: Das Umbenennen von politischen Themen zur Eroberung der Deutungshoheit ist ein beliebtes Mittel in der Politik. Vor anderthalb Jahren wollte man die Netzpolitik der aktivistischen Szene entreißen und sprache nur noch von Digitapolitik, passend zur Digitalen Agenda. Ähnlich läuft es jetzt mit der anlasslosen Vorratsdatenspeicherung, die jetzt als zwei Wochen kürzer ausfallende Höchstspeicherfrist wieder zurück ist, wie Julie Rothe auf Politik-Digital.de erklärt.

  • VINYL The Conversation: Back on record – the reasons behind vinyl’s unlikely comeback: Trotz engagierter Nutzung digitaler Fortschritte, kaufe ich immer noch Schallplatten. Angefangen hat das vor 12 Jahren mit einem geschenkten Schallplattenspieler, inzwischen scheine ich Teil einer globalen Trendwende zu sein, denn Vinyl ist wieder auf dem Vormarsch. Der Medienwissenschaftler Lee Barron von der Northumbria University in Newcastle erklärt das ungewöhnliche Comeback der Schallplatte.

  • JULIAN ASSANGE Berliner Morgenpost: Wikileaks-Gründer Julian Assange stellt sich der Staatsanwaltschaft: Seit drei Jahren sitzt Wikileaks-Gründer Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London, nach dem Schicksal von Edward Snowden beinahe schon vergessen. Die schwedische Staatsanwaltschaft hat ihn nicht vergessen, gibt aber jetzt ihren Widerstand auf, auf ein Verhör in Schweden zu bestehen, denn einige der Vorwürfe verjähren im August. Spannend, wie sich das entwickeln wird.

  • DIGITALISIERUNG FAZ: Leben und Arbeiten mit dem Internet in Deutschland: In der Frankfurter Allgemeine hat Prof. Dr. Renate Köcher vom Institut für Demoskopie Allensbach einen lesenswerten Denkanstoß über den digitalen Graben in unserer Gesellschaft gegeben. Dieser verläuft allerdings nicht zwischen verschiedenen Altersgruppen, sondern zwischen sozialen Schichten. Nicht alle Menschen profitieren von den durch das Internet ausgelösten gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungsprozessen.

  • SCHACH Techdirt: Chess Grandmaster Exposed As App-Using Cheat: Ich habe Ende der 90er Jahre, als sich auf einmal jeder ein Handy leisten konnte, angefangen Schach zu spielen. Das stellte sich, durch gewisse soziale Normen und kleineren Regeln, als keinerlei Bedrohung für die Integrität des Spiels heraus. Die Geräte verbanden zwar auch von unterwegs Menschen, sie waren aber alles andere als smart. Bei den heutigen Geräten, den Smartphones, sieht das natürlich anders aus und jetzt hat der Sport einen Skandal, der mit einer iPhone-App zu tun hat und gar nicht so klar ist, wie es vielleicht zuerst klingt.

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5 Lesetipps für den 7. April

In unseren Lesetipps geht es heute um Amazon, Disruption aus dem Silicon Valley, was Tidal für Streaming bedeutet, Vorratsdatenspeicherung und Medienkritik. Ergänzungen erwünscht.

  • AMAZON Monday Note: The Internet of Amazon Things: Während Facebook versucht das Internet zu werden, arbeitet Amazon daran, dass Internet der Dinge zu werden. Jean-Louis Gassée erklät in seinem Beitrag auf Mondaynote.com, wie Amazon sich als perspektivisch ausgerichteter Vordenker beweist, der den noch nicht festgelegten Bereich des Internet der Dinge für Konsumenten selber definieren möchte. Doch noch hadert auch Amazon mit den Vorstellungen der Kunden.

  • DISRUPTION Süddeutsche.de: Samstagsessay – Die Zerstörer: Zwei der führenden Wirtschaftsjournalisten der Süddeutschen Zeitung veruschen sich in einem Essay mit dem Thema Disruption auseinanderzusetzen. Der Text bringt wenig Neues zum Vorschein („Alles wird schneller“, „Alles wird brutaler“ und „Alles wird vernetzt“), ist aber ein schönes Beispiel dafür, wie der hiesige Journalismus über das Silicon Valley berichtet. Das „Allmachtsdenken“ der „Zerstörer“ ist eben immer noch ein Thema, mit dem man seine zahlenden Leser ängstigen kann.

  • STREAMING Meshed Society: Tidal means that artists finally acknowledge streaming as the future of music consumption: Mit Tidal haben US-amerikanische Musiker einen eigenen Streaming-Dienst gestartet, den Thomas Vorreyer in seinem Artikel auf Netzpiloten.de als wenig überzeugend beschrieb. Martin Weigert wertet den neuen Service perspektivisch als Zeichen dafür, dass sich Musiker an Streaming als Distributionskanal für Musik gewöhnt haben und in Zukunft stärker darauf setzen werden. Das setzt die Musiklabels unter Druck, denn am Ende muss auch mit Streaming Geld verdient werden.

  • VORRATSDATENSPEICHERUNG taz.de: Gabriel und die Vorratsdatenspeicherung: Der rechtspolitische Korrespondent der taz, Christian Rath, fasst die vergangenen Wochen der von Sigmar Gabriel begonnen Debatte um die Vorratsdatenspeicherung treffend zusammen: „Sobald der SPD-Chef etwas über die von ihm gepushte Vorratsdatenspeicherung sagt, kommt Unfug heraus.“ Letzter Fehltritt war die Behauptung von Gabriel, dass die Mordserie der rechtextremistischen NSU-Terroristen mit einer Vorratsdatenspeicherung schneller hätte aufgeklärt werden können. Diese Aussage zeugt von grober Unkenntnis der NSU-Morde und einem nicht auf Fakten basierenden Populismus seitens Gabriel.

  • MEDIENKRITIK Columbia Journalism Review: „A failure that was avoidable“: Vergangenen November berichtete das US-Musikmagazin Rolling Stone über eine angebliche Vergewaltigung einer Frau durch sieben Männer im Haus einer Studentenverbindung an der Universität von Virginia. Der Artikel musste nun zurückgezogen werden, nachdem bereits vor wenigen Wochen eigene Fehler zugegeben wurden. Der jetzt veröffentlichte Untersuchungsbericht der Journalistenschule der Universität Columbia zeigt die vermeidbaren Fehler des Magazins auf.

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Gezeitenwende: Tidal, der neue Streamingservice der Musik-Superstars

Jay-Z (adapted) (Image by Daniele Dalledonne [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Warum es tatsächlich neue Ansätze beim Streaming braucht – unabhängig von Tidal. Musik für alle? Der neue Streamingservice Tidal will genau das bieten. Noch dazu in bester Qualität. Mit großem Bohei brachten ihn seine Besitzer – Musik-Superstars wie Beyoncé, Madonna und Jay-Z – gestern Nacht an den Start. Begleitet von zahlreicher Kritik. Zu teuer sei das Angebot, zu reich seine Besitzer. Und überhaupt: Musik für alle? Die gibt es doch bereits auf anderen Plattformen – und zwar umsonst. Dass das Musik-Streaming dennoch dringenden Reformbedarf hat, wurde dabei unterschlagen. In Deutschland jedenfalls kann man Tidal schon seit Jahr nutzen.

Wer hinter Tidal steckt

Was eint musikalisch so unterschiedliche Künstler wie Alicia Keys, Arcade Fire, Beyoncé, Coldplay, Daft Punk, Jack White, Jay Z, Kanye West, Deadmau5, Madonna, Nicki Minaj, Rihanna und Usher? Millionen von Facebooks-Fans, zahlreiche Grammys und neuerdings ein eigener Streamingservice.

Es mutete leicht skurril an, wie die millionenschweren Musikstars zuerst geschlossen ihre Social-Media-Accounts in das firmeneigene Tidal-Türkis tauchten, bevor sie sich dann gestern Nacht in einer live übertragenen Pressekonferenz als etwas hüftsteife Hybriden aus den Gründervätern, Robin Hood und Steve Jobs präsentierten. Friedrich Nietzsche wurde zitiert, eine eigene Erklärung unterzeichnet, und die sprichwörtliche Gezeitenwende durch den allerersten, von Musikern besessenen Streamingservice beschworen.

Für 50 Millionen Euro hatte ein Firma des erfolgreichen Rappers und Geschäftsmanns Jay Z im Januar 90 Prozent der Anteile am norwegisch-schwedischen Unternehmen Aspiro gekauft, auf dessen Technik Tidal basiert. Die anderen prominenten Mitbesitzer sowie die Beteiligung des US-Mobilfunkbetreibers Sprint wurden erst gestern bekannt. Noch ist allerdings unklar, wer nun tatsächlich welche Anteile an Tidal hält.

Was Tidal bietet

Als neu am Streamingservice wurden dessen Integration von 75.000 Musikvideos sowie kuratierte Playlisten und Artikel zu einzelnen Veröffentlichungen beworben. Das Kernstück bildet aber das verlustfreie Streamen der Musik im Format FLAC. 1411 kbit pro Sekunde sorgen für Studioqualität daheim.

Das klingt sehr angenehm und gut, kostet aber extra. Während der normale Tidal-Zugang – ohne FLAC – für die standardmäßigen zehn Euro pro Monat zu haben ist, werden für die teuere Hochqualitätsvariante zwanzig Euro fällig. Eine vermeintlich kostenlose, da werbefinanzierte und regulierte Alternative wie beim Marktführer Spotify (der dafür kein HiFi anbietet) gibt es allerdings nicht.

Und das stieß sofort auf wenig Gegenliebe – eine Auswahl übersetzter Onlinekommentare: „Seid ihr mit den Millionen, die ihr bereits macht, nicht zufrieden?“ „Ich werde trotzdem weiterhin nicht für Musik bezahlen, haha.“ „Man darf die großen Labels nicht die Streaming-Industrie kontrollieren lassen.“

Warum das Geschäftsmodell Streaming generell überarbeitet werden muss

Das verkennt gleich mehrere Realitäten. Zum Einen sind die großen Labels wie Universal und Sony bereits eh an Diensten wie Spotify und kostenlosen Alternativen wie Soundcloud mit Anteilen beteiligt, während YouTube und iTunes mit Google bzw. Apple nun auch nicht gerade in der Hand kleiner, bescheidener Graswurzelbewegungen sind. Zum Anderen gerät die Streaming-Revolution aktuell ins Stocken.

Die Musikindustrie in den Vorreiterländern Schweden und Norwegen kann zwar wieder Umsätze wie auf dem Niveau von 2005 generieren. Das entspricht aber noch nicht einmal zwei Dritteln der Vorkrisenumsätze und zugleich ist es aktuell fraglich, ob das Wachstum tatsächlich anhalten wird. Die gleiche Frage stellt sich, wenn man auf die Europa-Zahlen des großen Musikdienstleisters Kobalt schaut: Im vierten Quartal konnte Spotify hier erstmals iTunes in den Einnahmen übertrumpfen, allerdings nahm die Summe der beiden ab. iTunes verlor netto mehr, als Spotify zulegte. Weltweit kamen im letzten Jahr auf 2,7 Milliarden bezahlter Downloads das 442-fache an Streams jeder Art – nämlich 163,9 Milliarden. Dennoch generierten die Downloads fast doppelt so viel Umsatz. Und eben dieses Bild findet sich auch bei Spotify, wo die drei Viertel „Gratis“-Nutzer mit ihren werbefinanzierten, Nicht-Abo-Streams im letzten Jahr in den USA gerade einmal 15,8 Prozent der Einnahmen einbrachten.

Einige letzte Zahlen noch: Von den 9,99 Euro eines monatlichen Spotify-Abos gehen aktuell 4,56 Euro an die Labels, 1 Euro an die Urheber und 68 Cent an die Interpreten. Ausgeschüttet wird allein nach der Anzahl der Gesamtstreams der einzelnen Titel, was große Interpreten und vor allem Labels begünstigt.

Wenn man nun bedenkt, dass etwa Apple derzeit mittels seiner Marktmacht versucht, den Zehn-Euro-Standard für seinen kommenden Streamingservice zu unterwandern, und man sich die Verhandlungen rund um das Konkurrenzangebot von Google ins Gedächtnis ruft, kann man leicht zu den Schluss kommen, dass die Zeichen eher auf Ebbe denn auf Flut stehen.

Ob Jay Z & Co daran wirklich etwas ändern wollen, bleibt vorerst vage. Es ist weiterhin Sache der Künstler und der Labels selbst, das Ausschüttungsverhältnis in den eigenen Verträgen zu verhandeln. Vorstellbar ist aber, dass Tidal die etwas mehr als 20 Prozent, die ein Streamingservice üblicherweise selbst aus den Abos einnimmt, nochmals in Teilen an die Urheber und Interpreten weitergibt – oder aber schlicht und einfach selbst behält.

Tidals Vorgänger in Deutschland

Und so bleibt die vorerst größte Überraschung an Tidal, dass es gar keine ist: Nutzer in Deutschland konnten den Service schon seit Jahren nutzen. WiMP hieß und heißt der Dienst noch, den das übernommene Aspiro vor fünf Jahren in Konkurrenz zu Spotify ins Leben rief. Seit drei Jahren gibt es ihn auch hierzulande. Wenig später wurde die jetzt stets betonte HiFi-Variante eingeführt. Tidal ist nahezu baugleich zu WiMP (siehe Screenshots, gemacht auf einem Samsung Galaxy S3 mit Android).

Zum Zeitpunkt der Übernahme nutzten allerdings gerade einmal acht Prozent der etwas mehr als 500.000 Aspiro-Kunden den WiMP-HiFi-Zugang. Das ist ein Umsatzplus von zumindest vier Prozent im Vergleich dazu, wenn die Aspiro-Dienste lediglich das normale Zehn-Euro-pro-Monat-Standardpaket anbieten würden. Fraglich ist, ob der neue Elitebesitzerclub, der wahrlich nur ein sehr, sehr kleinen Teil einer sonst eher wirtschaftlich bescheiden gestellten Zunft repräsentiert, das Konsumentenverhalten allein mit seiner Prominenz verändern kann. Am Tag danach wirkt es eher so, als wären die sinnvollen Argumente hinter lauter Selbstverliebtheit verschwunden.


Image (adapted) „Jay-Z“ by Daniele Dalledonne (CC BY-SA 2.0)


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5 Lesetipps für den 31. März

In unseren Lesetipps geht es heute um einen Google Analytics-Profi aus Hamburg, WLAN im ICE, Lobbyismus, Verschlüsselung und ein neuen Streaming-Dienst. Ergänzungen erwünscht.

  • GOOGLE ANALYTICS DAA Germany: Der jüngste Google Analytics IQ-Zertifizierte kommt aus Hamburg: Len Focken aus Hamburg ist der weltweit jüngste Google Analytics IQ-Zertifizierte. Der Fünfzehnjährige legte die Prüfung in nur 40 Minuten und mit einem Ergebnis von 92 Prozent ab. Eine großartige Leistung – vor allem im Vergleich zu seinen erwachsenen Mitstreitern, die er in Punkto Geschwindigkeit und Ergebnis hinter sich gelassen hat. DAA-Vorstandsvorsitzender Timm Peters betont die Bedeutung von Digital Analysten für die digitale Welt.

  • WLAN Zeit Online: Der Regionalverkehr bleibt vorerst offline: Als Nutzer des Telekom-Hotspot hatte ich gestern Internetzugang in der zweiten Klasse eines ICE, auch wenn ich mich alle drei Minuten neu einwählen musste. Andere Mitreisende waren zwangsweise offline, denn WLAN gibt es im ICE nur in der ersten Klasse umsonst, wer nicht bei der Telekom ist, muss viel Geld für den Hotspot bezahlen. Das soll sich bald ändern, zumindest im Fernverkehr. Im Nahverkehr dagegen wird sich aber nichts ändern. Am Abend habe ich übrigens erfahren, dass es in der Moskauer Metro ein offene WLAN gratis gibt. Wer will, der kann, so scheint es.

  • LOBBYISMUS Die Welt: Google nimmt stark Einfluss im Weißen Haus: Benedikt Fuest vom Springer-Medium Welt.de nimmt einen Artikel des Wall Street Journal zum Anlass, selber über dein Einfluss von IT-Unternehmen wie Google auf die US-amerikanische Politik zu verweisen. Durch ungefähr 230 Besuche von Google im Weißen Haus nahm das Unternehmen angeblich Einfluss auf alle möglichen Entscheidungen des US-Präsidenten Barack Obama. Das muss nicht immer zum Nachteil der Bürger gewesen sein, ganz bestimmt aber nicht zum Nachteil von Google. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Artikel über den Einfluss von Springer auf die Bundesregierung, vor allem während der Bruder von Springers Lobbyist Dietrich von Klaeden, Eckart von Klaeden, Staatsminister im Bundeskanzleramt war.

  • VERSCHLÜSSELUNG Heise: Europol-Chef warnt vor Verschlüsselung: Man muss sich die Worte von Rob Wainwright, Leiter der Polizeibehörde Europol, mal wirklich laut aufsagen und gründlich darüber nachdenken. Traditionell sei die Telekommunikation gut überwachbar gewesen, was allein für jeden Menschen mit einem Faible für Grundrechte erschreckend klingen muss. Und seine Kritik an Verschlüsselungsprodukten, die für ihn das derzeit das „größte Problem“ sind. Das wirft allein schon die Frage auf, wie gut unsere Daten bei Europol eigentlich gesichert sind, und was die Behörde für Überwachungsinstrumente bereits einsetzt.

  • STREAMING FAZ: Superstar-Allianz im Streaming-Geschäft: Nicht über den Preis, sondern über die Qualität wollen einige US-amerikanische Musiker jetzt den etablierten Streaming-Diensten, die ihnen zu wenig Geld abgeben, den Kampf ansagen. Der Rapper Jay-Z und andere Musiker, wie Rihanna, Madonna und Alicia Keys, haben mit „Tidal“ einen eigenen Streaming-Dienst gegründet, der für einige „die Zukunft der Musik“ darstellt. Taylor Swift ist übrigens auch für die bereits kritisierten 19,99 US-Dollar pro Monat mit dabei.

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Apples Musik-Streaming-Dienst: Das Ende der kostenlosen Musik?

Day 242/365 - Apple guitar sign (Prepping for their September 1 event) (adapted) (Image by Anita Hart [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Wenn es nach den großen Plattenfirmen geht, soll es kostenlose Musik-Streaming-Dienste wie Spotify bald nicht mehr geben und Apple scheint sie dabei zu unterstützen. Spotify befindet sich trotz aller Beliebtheit bei den Nutzern dauerhaft im Feuer der Kritik. Zunächst waren es immer wieder Künstler, die die geringen Einnahmen aus Spotify-Plays monierten, und nun wächst der Druck durch die großen Plattenfirmen. Ihnen ist das kostenlose Streaming-Angebot ein Dorn im Auge. Während sie es bisher unter Kritik versucht haben zu akzeptieren, scheint der Wind sich nun zu drehen. Den wachsenden Druck verstärkt Apple zudem noch, denn der Konzern spielt nach den Regeln der Mächtigen der Industrie indem man beim kommenden iTunes-Streaming-Service auf eine kostenlose Option verzichtet.

Nur wer zahlt, hört auch etwas

Im Juni soll es endlich so weit sein, zumindest wird in der Branche gemunkelt, dass dann der Beats-Music-Nachfolger von Apple unter der iTunes-Flagge gelauncht wird. Bisher gab es noch keine Demo oder genauere Angaben zu den Funktionen, was aber bereits durchgesickert ist, dürfte einen großen Einfluss auf die Konkurrenz haben. Apple hat sich nämlich entschieden, auf eine kostenlose Streaming-Option, wie Spotify sie bietet, zu verzichten. Wer den Dienst nutzen will, muss dafür zahlen. Ganz überraschend ist diese Entscheidung aber nicht, denn sie spiegelt das derzeitige Umdenken in der Musikindustrie wieder, dass das Freemium-Modell finanziell nicht überlebensfähig ist.

Kostenlose und Werbefinanzierte Angebote wie YouTube, Spotify und Pandora reichen einfach nicht aus, erklärte Lucian Grainge, CEO der Universal Music Group gegenüber Re/Code. Stattdessen will das Unternehmen die Verbreitung von kostenpflichtigen Abos vorantreiben. Das bedeutet, dass mit neuen Strategien experimentiert werden muss, um Geschäftsfelder zu finden, für die der Kunde zu zahlen bereit ist. Kevin Kelleher, CFO bei Sony Music hat gegenüber dem Wall Street Journal erklärt, dass das Unternehmen die Unterstützung für kostenlose Streaming-Angebote überdenken will und auch Warner Music Group CEO, Stephen Cooper, ist der Meinung, dass kostenlose Musik-Services mehr Nutzer in zahlende Abonnenten konvertieren müssen. Woher dieses Umdenken allerdings so plötzlich kommt, ist nicht ganz klar, denn an sinkenden Zahlen kann es eigentlich nicht liegen. Der Umsatz ist bei den Downloads im vergangenen Jahr zwar um 12 Prozent zurück gegangen, konnte aber durch einen Zuwachs von gewaltigen 74 Prozent beim Streaming ausgeglichen werden. Dass dieser Kurswechsel auch innerhalb der Branche nicht ganz unumstritten ist, wird im Übrigen durch den Weggang mehrerer hochrangiger Mitarbeiter bei Universal sehr deutlich.

Mo Money, Mo Problems

Aus diesem Umdenken könnte sich ein großes Problem für Spotify ergeben. Denn bisher hat CEO Daniel Ek immer wieder betont, wie wichtig die kostenlose Option für das Unternehmen ist und dass sie quasi wie eine Einstiegsdroge funktioniert, denn 80 Prozent der 15 Million zahlenden Abonnenten haben zuvor kostenlos Musik über Spotify gehört. Sollten die Plattenfirmen jetzt allerdings drastisch gegen das Freemium-Modell vorgehen, dürfte sich das ziemlich schlecht auf das Wachstum von Spotify auswirken. Das Unternehmen hat mehrfach betont, dass es aus Sicht des Unternehmens keinen Sinn ergibt, eine kostenlose Option abzuschaffen, die sich darin bewährt hat, Nutzer zum Bezahlen zu bewegen, wenn es nach wie vor kostenlose Angebote wie YouTube und illegale Kanäle gibt.

YouTube hat zwar deutlich mehr Nutzer als Spotify, diese konsumieren allerdings nicht alle nur Musik-Clips und wirklich nutzerfreundlich ist die Videoplattform zum Musik-hören auch nicht gerade. Daran arbeitet Google zwar auch, allerdings ist der Service dann nicht mehr kostenlos. Doch YouTube und Filesharing sind in diesem Fall ohnehin nicht die größten Probleme und Konkurrenten Spotifys, sondern Apple. Und wenn Apple nur eine kostenpflichtige Option bietet, die dafür dann aber auch noch etwas günstiger macht als die Konkurrenz, gerät das schwedische Unternehmen ziemlich unter Druck. Wobei der Preiskampf wohl weniger dramatisch wird, als ursprünglich vermutet – Apple ist auf Druck der Plattenfirmen inzwischen von den anvisierten 5 Dollar pro Monat abgerückt und peilt nun einen Preis zwischen 8 und 10 Dollar an. Ob das allerdings eine gute Nachricht für die Künstler ist, muss sich erst noch zeigen.

Es ist nicht schwer vorherzusagen, dass das Angebot von Spotify in einem Jahr deutlich anders aussehen wird, als heute. Das Unternehmen wird sich dem Druck der Konkurrenz und der Plattenindustrie irgendwie beugen müssen. Ideen dazu gibt es ja genug. Werbung alleine reicht allerdings ganz offensichtlich nicht, um genug Einnahmen zu verzeichnen, die sowohl Labels als auch Künstler zufrieden stellen. Das wiederum dürfte für Taylor Swift sicher wie Musik in den Ohren klingen, die ja bekanntlich im vergangenen Jahr in einem Blogpost verkündet hat, dass Musik ihrer Meinung nach nicht kostenlos sein sollte. Nachdem sie dann auch noch medienwirksam ihre Musik von Spotify zurückgezogen hat, hat sie quasi die Chefetagen der Major Labels aufgeweckt und den Umdenkprozess in Gang gesetzt. Mit Apple hat man nun einen mächtigen Verbündeten ins Boot geholt, der bei der Umsetzung des neuen profitablen Plans eine Schlüsselrolle spielen soll. Ob es auf diese Art allerdings gelingen kann, die Bestrebungen im Internet, Musik kostenlos konsumieren zu können, ein für alle Mal beendet werden können, darf angezweifelt werden.


Image (adapted) „Day 242 / 365 – Apple guitar sign (Prepping for their September 1 event)“ by Anita Hart (CC BY-SA 2.0)


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„Blurred Lines“ ist vielleicht der größte Urheberrechtsfall 2015

Robin Thicke (Bild by Michelle Uthoff-Campbell [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons)

Das Jahr ist noch jung, aber bei dem „Blurred Lines“-Urteil könnte es sich vielleicht um den wichtigsten Fall im Musikbusiness des Jahres 2015 handeln. Die Kinder von Marvin Gaye haben einen Urheberrechtsfall gegen Robin Thicke gewonnen (dem Streitigkeiten auch nicht fremd sind), außerdem war Pharrell Williams in den Fall verwickelt. Es ging um den Song „Blurred Lines“. Der Hit aus dem Jahr 2013 verletzte laut Gericht das musikalische Urheberrecht von Gayes Song „Got to give it up“. Eine US-Jury erkannte einen Schaden von beinahe 7,4 Millionen US-Dollar an – beinahe die Hälfte der Einnahmen, die sich bis heute auf etwa 16,6 Millionen US-Dollar belaufen.

Was genau wurde kopiert?

Seltsamerweise ging es in dem Fall gar nicht so sehr darum, die beiden Aufnahmen zu vergleichen. Es war noch viel komplizierter. Wenn man diese Aufnahmen hört, erkennt man die Änhlichkeiten sehr leicht:

Hören Sie selbst- wie ähnlich sind die beiden Songs?

Aber dieser Fall behandelte nicht die aufgenommene Musik, sondern die gedruckte Partitur. Was hierbei wichtiger ist: „Blurred Lines“ kopiert weder die Lyrics, noch die Hauptmelodie. Williams gibt zu, dass der Song das gleiche „Feeling“ vermittelt, aber er sagt auch, dass er nur das „Feeling, dieses späte 70er-Feeling nachgeahmt“ hat.

Was hierbei zu beachten ist: man kann nicht einfach das „Feeling“ eines Songs kopieren.

Der Richter ordnete in diesem Fall einen Vergleich der urheberrechtlich geschützten Teile des Songs von Gaye an. Wenn man sich diese anhört, klingen sie plötzlich völlig verschieden. Danach hörte sich das Gericht ein Mashup von Gayes Liedern an, und zwar mit den Lyrics von Williams und Thicke darüber gemischt.

Dieses Mashup suggeriert, dass die Lyrics ziemlich gut auf Gayes Song passen, aber Kritiker merkten an, dass genau das ziemlich oft passiert – wie hier in dem Video der australischen Comedygruppe Axis of Awesome zu sehen ist:

Auf der Website Sounds Just Like gibt es noch viele weitere Beispiele für alle, die mal ein bißchen Zeit totschlagen müssen.

Urheberrechtsverletzung oder nur kreative Hommage?

Thicke hat zugegeben, dass er von Gayes Song beeinflusst war, er wollte etwas mit dem selben „Feeling“ schreiben, aber viele Leute denken, dass das nicht genug sein dürfte, um eine Urheberrechtsverletzung festzustellen.

Es gab einige ähnliche Fälle in den letzten Jahren. Im Jahr 2014 mussten sich Led Zepelin der Anschuldigung stellen, dass ihr Kultgitarrenriff aus „Stairway to Heaven“ einem Song der Rockband Spirit entsprach. 2010 wurde die australische Band Men at Work auf Urheberrechtsverletzung in ihrem Hit „Down Under“ verklagt, denn das Panflötenriff wurde vom 1934 erschienen Volkslied „Kookaburra sits in the old Gum Tree“ geliehen.

Auf vielerlei Weise ist es leicht, sich über diese Fälle aufzuregen: Es sind Kultsongs, die Teil unserer Kulturlandschaft geworden sind, sie haben nur kleine Teile aus den Originalsongs benutzt und die Ähnlichkeiten sind jahrelang niemandem aufgefallen oder wenigstens ist niemand deshalb vor Gericht gezogen. Im Fall von Led Zeppelin hat es 43, bei den Men at Work immerhin mehr als 20 Jahre gedauert.

Kreativitätsschutz oder Ehre, wem Ehre gebührt?

Dieser Fall betont einen berühmtes Missverständnis, bezogen darauf, worum es im Urheberrechtsgesetz eigentlich geht. Im Gegenteil dazu, was wir oft annehmen, geht es beim Copyright nicht darum demjenigen Ehre zuverschaffen, „wem Ehre gebührt“. Es geht darum, die Menschen zu ermutigen, neue Werke zu schaffen und zu produzieren.

Wenn es beim Urheberrecht um Kreativitätsanreize ginge, ergibt dieses Urteil keinen Sinn. Für kein Geld der Welt wird Marvin Gaye je mehr Musik machen. Dieses Urteil hält aber andere Künstler in Zukunft davon ab, ihre Einflüsse aufzuzeigen und unsere Kultur neu aufzuarbeiten.

„Blurred Lines“ klingt sicherlich wie „Got to give it up“, aber der Markt wird dadurch nicht gefährdet und das Original nicht bedroht. Niemand wird Robin Thicke hören, wenn er eigentlich Marvin Gaye sucht.

Irgendwo dort auf dem Weg hat das Urheberrecht seinen eigentlichen Zweck verfehlt. Früher bestand das Urheberrecht nur 14 Jahre, jetzt besteht es ganze 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Das ist natürlich sehr viel später als die Werke in den Köpfen bleiben. „Got to give it up“ war im Jahr 1977 auf seinem kommerziellen Höhepunkt, als es auf den ersten Platz der Hot 100 der US Billboard Charts kam. Das Urheberrecht für den Song wird aber noch weitere 40 Jahre andauern.

Diese außergewöhnlich lange Spanne bedeutet, dass eine riesige Anzahl an Material existiert, das uns beeinflusst, etwas Kreatives zu schaffen, dies aber weggeschlossen ist. Wenn das Urheberrecht dies tut, hört es auf, reizvoll zu sein, und es wird zu einer Art Kreativitätssteuer.

Wo das Urheberrecht falsch liegt

Die beiden Songs sind ähnlich, das ist deutlich erkennbar – aber sie sind auch zwei völlig unterschiedliche kreative Werke. Das sollte auch etwas gelten.

In dem Fall gegen „Down Under“ war es nicht ausreichend, dass der Song von Men at Work sich fast völlig von dem Volkslied unterscheidet. Es hat nicht ausgereicht, dass die Band den musikalischen Kontext merkbar verändert haben, indem sie Elemente wie Rock, Ska und Reggae eingebracht haben.

Das Urheberrecht konzentriert sich nur auf Ähnlichkeiten, wenn eine Verletzung bewertet werden soll. Dadurch wird vollkommen ignoriert, wie sich Kreativität auf die Vergangenheit stützt.

Manchmal ist das Urheberrecht in der Lage, zwischen dem Kopieren der „Idee“ oder dem „Gefühl“ von etwas und einer wirklich schädlichen Kopie zu unterscheiden. Bei anderen Malen ist diese Unterscheidung schon schwieriger. Thicke und Williams hatten kein Glück, sie sind gefangen in den Mühlen des Rechtsstaates, der frühere Kreativität im Gegensatz zu Neuem belohnt und in dem die Schutzzeiten zu lang sind.

Der Artikel ist zuerst auf theconversation.com erschienen und unter CC BY-ND 4.0 lizensiert. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Teaser & Image by Michelle Uthoff-Campbell (CC BY-SA 2.0)


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5 Lesetipps für den 16. März

In unseren Lesetipps geht es heute um den Islam in den Medien, den YouTube-Star LeFloid, Merkel auf der CeBit, Kreativität in der Musik und Facebook. Ergänzungen erwünscht.

  • ISLAM taz: Muslime in deutschen Medien: Der Journalist Eren Güvercin schreibt auf taz.de über das Bild von Muslimen in hiesigen Talkshows, Zeitungen und Magazinen, dass oft genug einen negativen Eindruck vermittelt. Ein lesenswerter Beitrag mit persönlicher Note, der zeigt, wie deutsche Medien mit der zweitgrößten Religion in Deutschland berichten und wie damit die Gesellschaft beeinflusst wird.

  • YOUTUBE Broadmark: LeFloid im Portrait: Der Berliner Student Florian Mundt ist besser bekannt als LeFloid, einer der größten und erfolgreichsten Vlogger auf YouTube. Man sieht ihn (inzwischen) oft im Fernsehen, auch auf Podien. Pauline Claass erklärt in einem Portärt auf Broadmark, wie sich LeFloid entwickelt hat, welche Bedeutung er für die hiesige YouTube-Szene hat und was seinen Erfolg ausmacht.

  • CEBIT Golem: Merkel für Kooperationen mit chinesischer IT-Industrie: Auf der gerade eröffneten CeBit traf Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Chinas Vizepremierminister Ma Kai und Alibaba-Gründer Jack Ma. Die Betonung auf die digitale Wirtschaft und das Partnerland China hätte kaum besser durch Gäste ausgedrückt werden können. Merkel wirbte deshalb gerade für mehr Kooperation mit China, allerdings bei klaren Spielregeln, wie sie hofft. Warten wir es ab, wie fair das Land aus dem Alibaba kommt mit dem Land sein wird, dass so etwas wie die De-Mail entwickelt hat und das auch noch gut findet.

  • KREATIVITÄT F.A.Z.: Warum das Urteil gegen „Blurred Lines“ falsch ist: Im Feuilleton der F.A.Z. erklärt Thomas Lindemann angenehm nüchtern für diesen Ort, warum das Urteil gegen „Blurred Lines“ falsch ist. Es gefährdet die Popmusik als Kunst, für die zum einen wissenschaftlich bestätigt ist, dass je erfolgreicher das Genre wurde, umso einfacher und ähnlicher wurden auch die Songs, zum anderen genau darauf die Kreativität heutzutage aufbaut. Auf Carta.info nahm ich das Gerichtsurteil als Anlass, um zu erklären, warum es ein Recht auf Remix geben muss.

  • FACEBOOK The Next Web: Facebook Updates its Community Standards for Clarity: Was man auf Facebook darf und was nicht, ist oft unklar. Das jeweilige nationale Gesetz der Nutzer gilt nämlich nur bedingt. Facebook hat eigene Vorstellungen, was er laubt sein soll. Rechtes Gedankengut findet leider oft genug Schutz eines zweifelhaften Begriffs von Meinungsfreiheit, während Meldungen von Nachrichtenmagazinen aufgrund harmloser Nacktheit gelöscht werden. Nun versucht Facebook aber in die Erkläroffensive zu gehen und die neuen Regeln vorzustellen.

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5 Lesetipps für den 9. März

In unseren Lesetipps geht es heute um den Blogger Raif Badawi, Twitter, ein Troll vor Gericht, Amanda Palmer und Crowdfunding, sowie digitale Bibliotheken. Ergänzungen erwünscht.

  • RAIF BADAWI Heise Online: Gabriel will sich in Riad für Blogger einsetzen: Das ist zwar nur eine kurze dpa-Medlung, aber eine, die man gelesen haben sollte: „Vizekanzler Sigmar Gabriel hat zu Beginn seiner Reise nach Saudi-Arabien versprochen, sich für die Freilassung des inhaftierten Bloggers Raif Badawi einzusetzen.“ Man sollte stets auf die Worte und folgenden Taten von Politikern achten, besonders wenn der Budneswirtschaftsminister hier den Spagat zwischen Achtung der Menschenrechte und den wirtschaftlichen Interesse der ihn begleitenden Unternehmen schaffen will.

  • TWITTER NYTimes.com: Study of TV Viewers Backs Twitter’s Claims to Be Barometer of Public Mood: Über die Bedeutung von Twitter kann man wahrscheinlich endlos diskutieren. Für mich persönlich – als jemand, der was mit Medien macht – ist es sehr wichtig. Weniger als Werkzeug für mehr Reichweite statt als Instrument zur Selbstdarstellung und Vernetzung mit den für mich relevanten Leuten. Offensichtlich kann Twitter aber als Secondscreen-Netzwerk viel über das Verhalten von Firstscreen-Nutzern aussagen, wie eine Nielsen-Studie jetzt ermittelt haben möchte.

  • TROLLE CNET: Man trolls lawyer on Web, lawyer sues (guess who wins): An sich klingt die Geschichte einfach: ein Unbekannter trollt einen US-amerikanischen Anwalt und schreibt falsche Bewertungen über ihn. Der Anwalt schafft es, diesen Troll zu identifizieren und erfolgreich zu verklagen. Jetzt wird es aber komplizierter: der Troll ist ein junger Brite, der offensichtlich in keinerlei Verhältnis zu dieser Anwaltskanzlei steht und behauptet, sein Gmail-Konto sei gehackt worden. Wie entscheidet man da? Und da wird es interessant: auf die hohe Sicherheit von Google bei Passwörtern vertrauend, wird der junge Brite schuldig gesprochen, denn es sei wahrscheinlicher, dass er der Troll ist als das sein Konto gehackt worden wäre.

  • AMANDA PALMER Süddeutsche.de: Crowdfunding – Vom Fan zum Mäzen: Amanda Palmer ist quasi der Prototyp des vom Internet lebenden Künstlers. Ihren Erfolg kann sicher nicht jeder kopieren, sie ist aber der Beweis, dass es funktioniert und das gesamte System der Musikbranche und der wirtschaftlichen Abhängigkeit von der reinen Lizenzierung von Nutzungsrechten überdacht werden sollte. Amanda Palmer möchte ihre Werke in Zukunft kostenlos im Internet veröffentlichen und hat deshalb ihre Fans gebeten, ihr eine Art Grundeinkommen zu zahlen, was auch Tausende taten. Es ist nicht der erste MIndchanger in puncto Crowdfunding, den Palmer erfolgreich versucht hat.

  • BIBLIOTHEKEN ZBW MediaTalk: „Bringt die Inhalte zum Nutzer!“: Bibliotheken galten als eines der ersten „Opfer“ der Digitalisierung, besonders da sie sich wie so gut wie jeder andere nur langsam anpassten. Das EU-Projekt EEXCESS möchte diese Entwicklung für Bibliotheken zu einem Erfolgsfaktor machen, wie Maren Lehmann schreibt. Das Programm möchte eine Grundlage für wissenschaftliche Bibliotheken sein, ein zeitgemäßes Angebot für Recherchen anzubieten, dass nicht Google Scholar ist.

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Leben in der Nische

Epic (adapted) (Image by Andree Kröger [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Die Schallplatte feiert ein Comeback. Aber hat sie eine wirkliche, ernsthafte Zukunftschance? Glaubenskriege sind gerade sehr in Mode. Gottseidank (sic!) gibt es auch solche, die nicht ganz ernst zu nehmender, sondern eher unterhaltsamer Natur sind – wiewohl sie bisweilen in punkto Verbissenheit ihren gewaltsamen Artgenossen kaum nachstehen. Einer dieser lässlichen Glaubenskriege tobt seit jeher im Lager jener, die auf gutes Hören Wert legen – also im HiFi- und High End-Bereich. Und zwar zwischen der Analog– und der Digitalfraktion. Man dachte ja, dieser Konflikt wäre längst entschieden. Zugunsten der moderneren, bequemeren Technologie, die nur mehr Nullen und Einsen kennt.

Aber dann feierte plötzlich die gute, alte Schallplatte ein unerwartetes Comeback. Die Vinyl-Fetischisten jubelten Jahr für Jahr über zweistellige Zuwachszahlen, die Presswerke kamen (und kommen) kaum nach mit der Fertigung der schwarzen Scheiben, die Hardware-Hersteller zogen nach und werfen neue Plattenspieler-Modelle auf den Markt. Und der gemeine Musikfreund, darunter überraschend viele junge Fans, darf sich über eine Flut von Neu- und Wiederveröffentlichungen freuen, die zwar vergleichsweise teuer, aber auch wertbeständig sind. Und im Sammler-Regal ordentlich was hermachen. Vom Wohlklang in den Ohren gar nicht zu reden.

Alles eitel Wonne also? Nein. Denn noch ist z.B. die Frage ungeklärt, wo die wenigen weltweit noch existenten Presswerke im Fall des Falles Ersatzteile her bekommen – die Maschinen werden längst nicht mehr gebaut. Aber gilt nicht die alte Regel: wo Nachfrage, da auch ein Angebot? Generell wohl schon. Allerdings zücken dann die CD-, Download- und Streaming-Verfechter, also die Digitalisten, eine frappierende Statistik: jene der Vinyl-Absatzzahlen seit den frühen siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Und da sieht der aktuelle Boom der schwarzen Scheibe dann doch vergleichsweise mickrig aus. Eine Nische ist eine Nische ist eine Nische.

Wenn diese Nische aber eine gewisse Marktrelevanz und tragfähige Breite erreicht – und die Schallplatte ist auf dem besten Weg dahin, jenseits allen Hype-Getrommels –, dann ist allen gedient. Business bedeutet nun mal etwas anderes als reine Liebhaberei. Die CD-Verkaufszahlen sinken kontinuierlich – im Indie/Alternative-Sektor haben Schallplatten die CD fast schon eingeholt. Nach Meinung vieler Experten läuft es auf eine neue Dualität Vinyl (physisch) und Streaming (non-physisch) hinaus (wobei hier die Frage der Monetarisierung weitgehend ungeklärt ist).

Für viele Künstler und Bands (vor allem Newcomer), Indie-Labels, Händler und Plattenläden ist das Leben in der Nische also keine Luxus-, sondern eine schlichte Überlebensfrage.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Presse am Sonntag.


Image (adapted) „Epic“ by Andree Kröger (CC BY-SA 2.0)


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