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Digitale Bohème wird Prolet

Es ist mal wieder soweit (carta.info). Das Heer der mehr oder weniger freien Arbeiterbienen, die in und um das Netz ihr Geld verdienen, erfährt eine neue Attribution. Jetzt werden sie durch crowdsourcing-Firmen wie clickworker.com oder Demand Media zu Fließbandarbeitern gestempelt. Und weil heutzutage die Substanz aller Analogien in wikipedia haust, nimmt man von dort auch gleich noch Fords Fließband als Urahn des scientific management in Gewahrsam. Denn bei beiden Anbietern erstellt das fleißige Volk der Texter und Designer Abertausende an Gebrauchstexten, Artikeln, Übersetzungen und Ratgeberbeiträgen.

Das mag aus der Sicht von jemandem, der seine Auftraggeber bei den finanzstarken, parteiunterwanderten öffentlich-rechtlichen Zwangsmedien weiß, ein legitimes Herabschauen auf die Niederungen mediokrer Geschäftsmodelle sein. Zu recht wird auf diese Weise die digitale bohème auf den rechten Platz auf der Hühnerleiter der Arbeitsbienen verwiesen. Aber ist es inhaltlich in irgendeiner Weise eine neuartige Erkenntnis? Der Taylorismus als Extremform der entfremdeten Arbeit ist ja nicht dadurch besonders hervorzuheben, dass ihm Leute freiwillig anheim fallen. Die engen Vorgaben in Zeit und Umfang sind hier weniger charakteristisch – eigentlich sogar eher abwesend, „one best way“ ist daher eher zu negieren. Das Zerlegen eines Prozesses in extrem fragmentierte Einzelschritte passiert gerade nicht, weil möglichst viele Schritte direkt in die Verantwortung der freiberuflich arbeitenden Arbeitsbiene verlegt werden. Und zuguterletzt: Die demokratiefeindliche Art der Vereinzelung der Arbeiter haben diese sich selbst ausgesucht und bevorzugen offenbar das anonyme Arbeitsumfeld im Web. Und die Disponibilität der einzelnen Arbeitskräfte ist eher deren freiem Willen als dem digitalen Fließband geschuldet…

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